Kesselpauke


Kesselpauke
Üblicher Orchesteraufbau mit vier Pedalpauken (plus einer Piccolopauke), hier mit Naturfellen (Kalb)

Die Pauke (ital. timpano, frz. timbale, engl. kettledrum; "Kesseltrommel") ist ein Schlaginstrument aus der Gruppe der Membranophone. Die paarweise Verwendung ist üblich; einzelne Musikstücke erforderten aber schon seit dem 18. Jh. vier oder mehr Instrumente.

Die Pauke besteht aus einem fast halbkugeligen (Kupfer-)Kessel, der mit einem künstlichen oder natürlichen Fell bespannt ist. Der Kessel hat unten in der Mitte ein Loch. Durch einen am Rand oder im Paukeninneren angebrachten Mechanismus kann das Fell verschieden stark gespannt werden, so lässt sich – im Unterschied zur Trommel – die Tonhöhe des Klanges verändern.

Inhaltsverzeichnis

Formen

Form der Pauke zur Bachzeit (ausgestellt in der Thomaskirche zu Leipzig)
Kurbelpauken

Stimmung

Pauken, bei denen das zeitraubende Anziehen der einzelnen Schrauben durch eine so genannte „Maschine“ ersetzt ist, welche auf die ganze Peripherie gleichmäßig wirkt, heißen Maschinenpauken. Bei den Pedalpauken lässt sich die Tonhöhe mit Hilfe eines Fußpedals regeln. Somit ist der Paukist in der Lage, die Stimmung während des Spielens stufenlos zu verändern (Glissando). Eine weitere Sonderform ist die Wiener Pauke, bei der mittels eines Handrades nicht das Fell, sondern der Kessel durch Hebelbewegung auf und nieder bewegt wird.

Heute benutzt man Pauken in fünf verschiedenen Größen mit einem Tonumfang von (Des-B), (F-d), (B-fis), (es-a) und (g-d').

Bespannung

Weltweit haben sich für die Bespannung der Pauken Kunststoffbälge durchgesetzt. In den großen Spitzenorchestern der klassischen Tradition in Österreich, Deutschland und der Schweiz sowie in den USA, Großbritannien, Australien, Japan, Skandinavien und in Teilen Frankreichs wird jedoch weiterhin auf Naturbälgen gespielt. In Österreich, in der Schweiz und auch in Teilen Skandinaviens sind dies meist geschärfte Ziegenbälge, in Deutschland und in den übrigen Ländern meist imprägnierte gespaltene Kalbsbälge (aus Celbridge, Irland).

Verwendung

Meistens werden im Orchester zwei bis vier Pauken nebeneinander gebraucht; in neuerer Zeit werden zur Realisierung schnell aufeinanderfolgender, unterschiedlicher Töne bis zu zehn Pauken von einem Paukisten (Gruber: "Charivari"), bis zu sechzehn Pauken von zwei und mehreren Paukisten gespielt. Schon im Barock gab es Solo-Stücke für ein oder mehrere Paukisten (Gebrüder A. D. und A. D. P. Philidor, Babelon, um 1690). Bei Wagner, Strauss, Mahler und Nielsen gibt es Werke, in denen zwei Paukisten beschäftigt sind. Berlioz setzte in seiner Symphonie Fantastique vier und in seinem Requiem (Grande messe des morts) sogar zehn Paukisten ein.

Die Schlägel der Pauke haben Köpfe aus Filz, Leder, Flanell, Kork oder Holz. Somit kann der Spieler unterschiedliche Klangnuancen von weich (Filz) bis hart (Holz) realisieren. Für besondere Effekte kann die Art der Schlägel vorgeschrieben sein. Die gelernten Kunstpauker bedienen sich zahlreicher so genannter Schlagmanieren oder Kunstschläge (einfache Zunge, Doppelzunge, getragene Zunge [von den Blasinstrumenten entlehnte Ausdrücke], Doppelkreuzschläge, Wirbel usw.), in welche sie auch bei Aufzügen, Intraden und anderen Stücken die nur einfach vorgeschriebenen Noten auflösen (Altenburg: Versuch einer Anleitung zur heroisch-musikalischen Trompeter= und Pauker=Kunst, Halle 1795 - J. CH. Hendel Verlag)". Diese Technik wird in der Musikliteratur bis zur frühen Romantik angewendet. Spätestens mit der Wandlung der Klangvorstellung (Berlioz, von Weber) hat sich das Anschlagsmittel und mit ihm die Technik verändert. War bis dahin der Holzschlägel tonangebend, so ist jetzt der Schwammschlägel Trumpf, aus dem sich der heute hauptsächlich gebräuchliche Filz- oder Flanellschlägel entwickelte. Aus dem von der Trommeltechnik abgeleiteten Doppelschlagwirbel (RR LL), bei dem man deutlich die Zweiergruppierung heraushörte, entwickelte sich der Einschlagwirbel (RLRL), der möglichst ebenmäßig und ohne hörbare Akzentuierung auszuführen ist.

Entwicklung

Dem Grundwesen nach ist die Pauke ein uraltes Instrument und von dem Toph oder Aduse der Hebräer bis hin zu den von Praetorius als „ungeheure Rumpelfässer“ geschilderten Heerpauken des 16. und 17. Jahrhunderts (Syntagma Musicum II, De Organographia 1619) und unseren Konzertpauken bei allen Völkern in den verschiedenartigsten Gestalten und Formen zu finden. Von den Persern und Türken soll sie ins Abendland gekommen sein.

Früher, als man von der Pauke noch spärlichen Gebrauch machte und sie regelmäßig auf Tonika-Dominante (Quint- oder Quartstimmung) abstimmte, behandelte man sie in der Notierung wie ein transponierendes Instrument, d. h. man schrieb am Anfang die Stimmung vor: Timpani in Es-B oder in D-A, B-F usw., man notierte aber stets mit C-G oder vielmehr c-G. Von diesem Gebrauch kam man ab, als die Komponisten auch über die Quarte oder Quinte hinausgehende Töne verlangten (Beethoven: Fidelio A-es, 7. Sinfonie A-f, 8. und 9. Sinfonie F-f).

Im 18. Jahrhundert stand die Paukenvirtuosität in voller Blüte, als z. B. fürstliche Hofpauker auf bis zu vierzehn Pauken Konzerte gaben, wobei sie während des Schlagens noch die Klöppel in die Luft warfen und im Takt wieder auffingen. (Werke von J. C. Ch. Fischer, J. Ch. F. Fischer, J. K. F. Fischer, Družecký/Druschetzky, Endler, Graupner, Molter)

Als Solokonzert-Instrument kommt die Pauke heute eher selten vor. Zu den wenigen Beispielen zählen: Capriccietto für vier Pauken und Streichorchester (um 1932) von Gerster, Konzert für Pauke und Orchester von Thärichen (1954), Der Wald - Konzert für Pauke und Orchester von Matthus (1984) oder auch das Konzertstück für Pauken und Orchester von Kagel (1990 bis 1992).

Die Schraubenpauken gelten als Urtypus der heute gespielten Instrumente, da sie mittels der Schrauben mit wenigen Handgriffen auf einen anderen Ton umgestimmt werden konnten. Sie waren bis zum Ende des 19. Jahrhunderts in Gebrauch und werden heute wegen ihres "Original-Klanges" wieder häufiger, vor allem von Orchestern mit historischem Klangbild, in Konzerten eingesetzt. 1836 baute Einbigler (Frankfurt) die erste sog. Maschinenpauke, eine Konstruktion, bei der das Umstimmen über ein zentrales Kurbel-/Hebel-System gelöst wurde. Das Stimmen und vor allem das Umstimmen war schneller und einfacher geworden. Pauken dieses Systems werden heute wieder vermehrt in Werken mit wenig Umstimmaufgaben ihres speziellen Klangbildes wegen eingesetzt. Die um 1850 in verschiedenen Varianten entstandene Dreh-Kessel-Pauke hat sich im symphonischen Bereich nicht durchgesetzt. Die große Veränderung brachte die Erfindung der Pedalpauke um 1880. Es ist nicht gesichert, wer die erste Pedalpauke baute. Das Patent von Pittrich stammt aus dem Jahre 1881 und ist wegweisend für alle nachfolgenden Pedalsysteme gewesen. Nun konnte man die Pauke stufenlos und schnell mit dem Fuß umstimmen. Der Pauker hatte während des Umstimmvorgangs jetzt beide Hände frei und konnte, was neu war, ein gewirbeltes Glissando ausführen. Strauss war einer der ersten Komponisten, der diese neue Technik verwendete (Salomé). Bartók hat den Effekt des gewirbelten Glissandos in seiner Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug besonders wirkungsvoll eingesetzt. Richard Strauss war aber auch von einem anderen Paukentypus begeistert, nämlich von jenem der "Wiener Pauke". Es handelt sich dabei um eine Handhebelpauke, die vom Solopauker der Wiener Philharmoniker Hans Schnellar (1865-1945) erfunden wurde und von seinen Nachfolgern Richard Hochrainer und Wolfgang Schuster wesentlich weiterentwickelt wurde und auch gegenwärtig von Wolfgang Schuster in Wien produziert wird. Bei dieser Konstruktion drückt ein Mechanismus den Kessel gegen das fixierte Fell um eine bestimmte Tonhöhe zu erzielen. Richard Strauss wie auch andere Komponisten, wie zum Beispiel Gustav Mahler, zeigten sich begeistert von der Wiener Pauke und ihrem Klang, der nicht zuletzt auf die Verwendung von Ziegenpergament zurückzuführen ist.

Siehe auch

  • Kategorie Paukist

Literatur

  • Pauken. In: Meyers Konversations-Lexikon. Bd. 12, 4. Aufl. Leipzig: Bibliographisches Institut, 1885–1892, S. 783.
  • Dieter Dyk, Von Kalbfellen, Ziegenfellen und anderen Zufällen.... , Zürich, 2000
  • Herbert Tobischek, "Die Pauke" (Ihre spiel- und bautechnische Entwicklung in der Neuzeit) 311 Seiten; Verlag bei Hans Schneider, Tutzing 1977. Herausgegeben von Othmar Wessely.

Weblinks


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