Kinderkrippe


Kinderkrippe
Ein Kind beschäftigt sich in einer Krippe mit einem Buch.

Kinderkrippen sind Einrichtungen oder Gruppen der Kindertagesbetreuung bzw. familienergänzende Kinderbetreuungen für Kleinkinder. Als Kurzform wird auch das Wort Krippe gebraucht.

Inhaltsverzeichnis

Betreuung in Kinderkrippen

Alltag in der Kinderkrippe

Spaziergang der Krippenkinder in Kassow, Januar 1985

Aufmerksamkeit und Zuwendung durch die Betreuer sind auch in der Kinderkrippe besonders wichtig. Zusätzlich erhalten Klein- und Kleinstkinder in modernen Krippen altersgerechte Mahlzeiten, sie nehmen, je nach Altersstufe, an Spielen und pädagogischen Aktivitäten zur Frühförderung teil, spielen je nach Wetterbedingungen im Freien und schlafen zu Zeiten, die an ihre eigenen, altersabhängigen Bedürfnisse angepasst werden. Kleinstkinder können im Allgemeinen in der Krippe von der Mutter gestillt werden oder trinken abgepumpte Muttermilch oder aus Pulver zubereiteten Muttermilchersatz.

Die Kleinkindpädagogik legt besonderen Wert auf eine allmähliche Eingewöhnung in die Kinderkrippe. Dies wirke sich auch viele Monate später positiv aus, beispielsweise auf das Verhalten und die sozialen Interaktionen der Kinder und auf den Umgang der Mütter mit den Betreuern.[1] Die Eingewöhnungszeit hängt sehr vom Alter des Kindes ab, da das Kind verschiedene Entwicklungsphasen durchläuft und auf unbekannte Situationen verschieden reagiert. Eine Eingewöhnung nach der Phase des Fremdelns, insbesondere etwa nach dem 12. Lebensmonat, braucht Untersuchungen zufolge mehr Zeit und ist oft schwieriger als eine Eingewöhnung, die entweder deutlich früher oder deutlich später (ab ungefähr dem 18. oder 24. Lebensmonat) stattfindet.[2] Eine Eingewöhnung findet in der Regel allmählich statt und wird in Anpassung an die Reaktionen des Kindes gestaltet, um einen Aufbau der Beziehung des Kindes zu einer Bezugsperson zu ermöglichen.[3]

Das Kind entwickelt in den ersten Monaten eine Beziehung zu jenen Personen, die sich regelmäßig und konstant mit dem Kind beschäftigen. Ab dem sechsten oder siebten Monat ist diese Beziehung deutlich daran zu erkennen, dass sie in ihrem Explorationsverhalten auf die Personen gerichtet sind, zu denen eine Bindung aufgebaut wurde. Die Eingewöhnungszeit in die Krippe ist für die Beziehung zwischen Kind und Bezugsperson sehr wichtig.

Qualitätssicherung

Kritisiert wurde in der Vergangenheit die Qualität vieler Kinderkrippen in Deutschland. Z.B. sagte der Psychologe und Berater des BMFSFJ Wassilios Fthenakis 2007: "Es gibt einzelne Orte in Deutschland, wo die Krippen gut sind, aber bisher sind das Glücksfälle." Der Aufbau eines qualitativ hochwertigen Krippensystems sei in (West-)Deutschland bislang "sträflich vernachlässigt" worden. Gute Krippen könnten eine Bereicherung für Kinder sein: "Man kann aber das Aufwachsen des Kindes bereichern, wenn es in eine Einrichtung von hoher Qualität geht. Wenn ein Kind mit der Mutter allein ist, bekommt es nur ein Drittel der für seine Entwicklung nötigen Ressourcen. Das zweite Drittel ist die Beziehung zum Vater und das dritte sind die Qualität der Partnerschaft und die sozialen Beziehungen mit anderen, etwa in der Kita oder der Verwandtschaft." [4]

Der Betreuungsschlüssel (im Sinne der Anzahl von betreuenden Personen pro Kind), der unter dem Aspekt der Qualität von hoher Bedeutung ist, wird in Bezug auf Mindeststandards und geförderte Standards in den Bundesländern sehr unterschiedlich gehandhabt [5].

Als ein Aspekt von hoher Qualität in der Fremdbetreuung mag etwa ein Betreuungsschlüssel 1:3 für Kinder zwischen 0 und 12 Monaten, 1:5 für Kinder zwischen 12 und 36 Monaten gelten.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft warnte 2007, dass für den in Deutschland vorgesehenen Ausbau der Krippenplätze rund 100.000 neue Erzieher/-innen gebraucht würden und dass entsprechend ausgebildete Erzieher/-innen fehlen könnten, wenn ihre Arbeitsbedingungen und Bezahlung nicht verbessert würden. Das Arbeitsentgelt in dieser Berufsgruppe sei mit der Umstellung auf das neue Tarifvertragssystem aber noch weiter verschlechtert worden.[6]

Vor möglichen langfristigen Schäden aufgrund mangelnder Qualität in den Krippen warnten über 100 Experten im englischen Daily Telegraph. Durch nicht adäquate Betreuung in Kinderkrippen könnten die Kinder in der Entwicklung beeinträchtigt werden und dadurch langfristige Verhaltensauffälligkeiten entwickeln.[7]

Geschichte

Die erste Kinderkripe in Europa wurde von dem Jurist Firmin Marbeau initiiert und am 14. November 1844 eröffnet.[8] In Frankreich sollen sieben Jahre später bereits 400 Kinderkrippen entstanden sein. 1849 wurde in Wien eine Kinderkrippe gegründet, durch den Arzt Carl Helm. Es folgten weitere Krippen in Wien, dann 1851 in Dresden und Hamburg, 1853 in Frankfurt am Main, 1855 in München und 1857 in Nürnberg.[9]

Kinderkrippen sah die Mehrheit der Bevölkerung zu diesem Zeitpunkt als eine Notlösung an, die der Mutter eine Berufstätigkeit ermöglichen sollte und das Kind vor einer als weniger gut angesehenen Betreuung in einer Pflegefamilie oder einem Säuglings- und Kinderheim bewahren sollte.[10] Pädagogische Beweggründe dafür, ein Kind in einer Kinderkrippe betreuen zu lassen, gab es damals kaum. Dies stand im Gegensatz zu der sich entwickelnden Kindergartenpädagogik.[10] Als entscheidend für eine Kinderkrippe galt eine Verringerung der Säuglingssterblichkeit und der Krankheitshäufigkeit.[10] Bis in die Zeit der Weimarer Republik galten Kinderkrippen vor allem als Einrichtung der Fürsorge für Säuglinge, deren Mütter die mittellos oder aber erziehungsunfähig waren.[10] Nach dem Zweiten Weltkrieg blieben Kinderkrippen in Westdeutschland ein Randphänomen, während in der DDR ein sehr großer Anteil der Kinder eine Krippe besuchte.

Wirkung frühkindlicher Krippenbetreuung allgemein

NICHD-Studie und verwandte Studien

Einer Studie aus den USA zufolge (NICHD-Studie von 2003) wirke eine hohe Qualität der Kinderbetreuung positiv auf die kognitive Entwicklung, die Sprachentwicklung und vorschulische Fähigkeiten, und der Besuch einer qualitativ hochwertigen Kindertagesstätte oder Krippe sei besonders förderlich. Für Kinder, die länger als 30 Stunden pro Woche in der Krippe waren, sei allerdings Problemverhalten beobachtet worden, das jedoch auch mit dem sozioökonomischen Status der Familie und der Sensitivität der Mutter in Beziehung stehe und das durch sehr hohe Qualität kompensiert werde [11].

Eine neue Langzeitstudie aus den USA, an der auch Forscher der NICHD-Studie beteiligt waren, kommt zu dem Ergebnis, dass Kinder, die länger als zwei Jahre regelmäßig "childcare"-Einrichtungen (Kindertagesstätten bis zum fünften Lebensjahr) besuchten, ein "wenig mehr Verhaltensprobleme im Kindergarten im Verlauf des sechsten Jahrgangs zeigen als andere" [12]. Diese Probleme sind, zur Überraschung der Forscher, nicht allein abhängig von der Qualität der Institution, liegen nach Angaben der Forscher jedoch noch im "normalen Bereich" kindlichen Verhaltens [13][14]. Über die Ursachen gibt die Studie selbst keine Auskunft, eine der Koautorinnen, Margaret Burchinal, verweist jedoch auf mögliche Gründe wie etwa die verstärkte Akademisierung der frühkindlichen Erziehung, die die Freizeit limitiere und die Konzentrationsfähigkeit der Kinder überfordere, oder die schlechte Bezahlung und den häufigen Wechsel der Erzieher/-innen [12]. Der Studie zufolge hatten jene Kinder im Schnitt am wenigsten Verhaltensauffälligkeiten, die zuhause erzogen wurden, jedoch unabhängig davon, ob dies durch die eigenen Eltern oder z.B. durch Tagesmütter oder Kinderfrauen geschah.[13] Den größten Einfluss auf die Entwicklung des Kindes habe jedoch, unabhängig von der Betreuungssituation, die elterliche Erziehung (Die Welt)[13] bzw. die Eltern-Kind-Beziehung (Burchinal): "das Maß, in dem Eltern Spaß daran haben, mit ihren Kindern zusammen zu sein, aufmerksam und sensibel zu Kindern sind, mit ihnen sprechen und ihnen Ideen vermitteln"[12].

Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung

Ergebnisse einer 2008 veröffentlichten Studie[15], die im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung durchgeführt wurde, sagen aus, dass Kinder, die eine Kinderkrippe besucht haben, größere Chancen hätten, später das Gymnasium zu besuchen. Besonders Kinder mit Migrationshintergrund oder geringer Bildung der Eltern würden vom Besuch einer Kinderkrippe profitieren.[16] In der Studie wurde nicht nach dem Alter der Kinder beim Eintritt in die Krippe oder nach der Zahl der Stunden des Krippenbesuchs differenziert; auch wurden, nach Aussage eines Artikels in Die Zeit keine Aussagen über Ursachen getroffen und wenig über Qualität der Krippenbetreuung oder die frühkindlichen Bildungsangebote ausgesagt.[17] Auch weitere Einflussfaktoren, die eine Rolle spielen könnten, wie Stadt-/ Landherkunft der Kinder oder länderspezifische Beschulungstraditionen, blieben unberücksichtigt. Aus der Korrelation zwischen Krippen- und Gymnasialbesuch lasse sich daher, so Kritiker[18][17][19], aufgrund der unberücksichtigt gebliebenen Faktoren keineswegs auf einen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang schließen. Es wird auch daraufhingewiesen, dass Krippenbesuch in den neuen Bundesländern weit häufiger sei als in den alten, die Pisa-Ergebnisse als Gradmesser des Bildungsniveaus (Lesen, Mathematik, Naturwissenschaften) aber keinesfalls besser seien.[19] Bei der Sozialkompetenz schnitten die Schüler aus den neuen Bundesländern sogar durchweg wesentlich schlechter ab als die aus den alten.[20]

Studien zu psychischer Deprivation und Schutzfaktoren im Kindesalter

Zdeněk Matějček hat anhand eigener Vergleichsstudien und solchen aus dem damaligen Ostblock sowie internationaler Ergebnisse der Deprivationsforschung die Ursachen geistig-seelischen Mangelerlebens des Kindes in verschiedenen Lebenssituationen (Heime, Krippen, Horte, Familie) sowie diesbezügliche Schutzfaktoren beschrieben.[21] Er unterschied das Gefährdungspotential für eine psychische Deprivation nach folgenden drei Dimensionen: nach dem Ausmaß, wie einzelne Einrichtungen die Erziehung der Familie ergänzen (Tageskrippen, Horte, Ganztagesschulen) oder ersetzen (Heime, Wochenkrippen), nach der Altersabstufung (Säuglinge, Kleinkinder, Kindergarten- und Schulkinder) und nach dem Erziehungskonzept und den Persönlichkeitsfaktoren der Erzieher (Großgruppen, Kleingruppen, Tagesmütter).

Während bei der vollständigen Kollektivbetreuung (Heime, Wocheneinrichtungen) der Einfluss der Familie gering ist, wurde bei der partiellen Gemeinschaftserziehung (Tageseinrichtungen) die Rolle der Familie als besonders wichtig erkannt. Je nach Einstellung und Persönlichkeit der Eltern zum Kind können die Krippen zu einem „Heim“ werden oder zu einer Stätte fruchtbarer erzieherischer Zusammenarbeit mit einem Entwicklungsstimulus werden. Als komplizierende Faktoren, die elterlicherseits etwa als Reaktion auf die Trennung vom Kind in Erscheinung treten, wurden zum Beispiel übertriebene Angst, Schuldgefühle, eine Kompensation der Trennung durch vorbehaltlose Nachgiebigkeit sowie ein Drang nach stetiger Sicherung der Liebe des Kindes festgestellt. Die teilweise Gemeinschaftserziehung (Tageskrippe) kann dort einen positiven Einfluss ausüben, wo die Erziehung in der Familie vernachlässigt wird oder emotional unausgeglichen ist. Dem täglichen Kontakt der Eltern mit dem Fachpersonal einer Kinderkrippe kommt volksbildende Bedeutung zu, wobei gezielte Beratung außerhalb der Krippen als wirksamer und dauerhafter angesehen wurde. Vergleiche von Krippenkindern mit Kindern, die nur in der Familien lebten, zeigten teilweise eine ungenügende Gefühlsstimulation sowie eine gewisse Reifeverspätung in sozialer und emotionaler Hinsicht auf der Seite der Krippenkinder, die vorwiegend von der Persönlichkeit und Gefühlssituation der Erzieher/-innen abhing.

Als wichtigster Gesichtspunkt beim Vergleich verschiedener Betreuungsformen ist das Alter des betreuten Kindes zu berücksichtigen. Vom Säuglingsalter bis im Alter von drei Jahren ist das Kind stark von der Person des erwachsenen Erziehers abhängig. Für Matějček haben Krippen für Kleinkinder im Wesentlichen eine „Behelfsfunktion“, wobei vor allem zwei Probleme bei Krippenkindern festgestellt wurden: Anpassungsschwierigkeiten und eine zwei- bis dreimal höhere Krankheitsanfälligkeit verglichen mit Familienkindern. Insgesamt zeigen die Untersuchungen, dass das Gefährdungspotential für psychische Deprivation bei einer Dauerbetreuung von Kindern unter drei Jahren in Heimen als „gefährlich“ angesehen werden muss, während ihre Situation in Tageskrippen höchstens „belastend“ ist. Bei Tageskrippenkindern bleibt die Gefühlsbindung zur Mutter und zum Daheim bestehen, doch unterliegt sie einer gewissen Belastung; sie wird durch zusätzliche unbeständige Beziehungen ergänzt. Unter optimalen Verhältnissen konnten keine wesentlichen Unterschiede bei der somatischen und seelischen Entwicklung von Tageskrippenkindern und Familienkindern festgestellt werden.

Englische Kinderexperten machten darauf aufmerksam, dass durch die Fokussierung auf die intellektuelle Entwicklung die Gefahr besteht, dass das psychische Befinden von Kleinkindern übersehen wird. Ihre Studien zeigen, dass Säuglinge oder Kleinkinder unter drei Jahren in einer Kinderkrippe eine dauerhafte Beziehung zu einer zweiten Beziehungsperson (neben der Mutter) entwickeln müssen, um eine positive emotionale Entwicklung während der empfindlichsten Periode der Hirnentwicklung nicht zu gefährden. Fehlt die Sicherheit einer solchen Beziehung, können die wiederholten Trennungen durch den Krippenbesuch zu einem Stresslevel führen, der mit dem Verlorengehen an einem Strand vergleichbar ist. Selbst wenn dieser Stress beim Kind nur subtile Verhaltensänderungen zeigt, die von den Eltern und Erziehern meist nicht mit der Kinderkrippensituation in Verbindung gebracht werden, könne er zu einem signifikanten Risikofaktor werden, der die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass ein Kind in der Zukunft psychische Probleme entwickelt. [22] Analysen zeigten, dass im Vergleich innerhalb einer Versuchsgruppe von 3- bis 8-jährigen Kindern diejenigen Kinder geringere Niveaus von Kortisol aufwiesen, die bis zum Alter von vier Jahren vergleichsweise weniger Zeit in Kindertagesbetreuung verbracht hatten oder die im Zimmer der Eltern geschlafen hatten.[23]

Für die Bindungsforscherin Karin Grossmann müssen zahlreiche Bedingungen erfüllt werden, damit für Kleinkinder der Krippenaufenthalt eine positiver Entwicklungsmöglichkeit bietet und nicht zum Risiko wird: Wenn eine Krippe so gestaltet wird, daß die Kinder dort individuelle Wertschätzung erfahren und gut behütet werden, dann kann dies für Kinder aus Familien mit hinreichender liebevoller Zuwendung als günstige Erweiterung ihrer Erfahrungen gesehen werden. [24]

Kritiker und Befürworter

Über die Frage der Qualitätssicherung hinaus gibt es Kritiker und Befürworter der Kinderkrippe.

Der Göttinger Hirnforscher Gerald Hüther hat Kinderkrippen verteidigt. «Erfahrungen und Studien aus anderen Ländern zeigen, dass sich Kinder dort gut entwickeln», sagte der Professor 2007 der «Neuen Osnabrücker Zeitung». Das gelte allerdings nur bei einem hochwertigen Krippenangebot. «Ein Kind entwickelt sich zu Hause gut, wenn die Mutter sich über das Kind freut und gern mit ihm zusammen ist», sagte der Experte. Für Mütter, die eigentlich lieber berufstätig wären oder die arbeiten müssten, weil die Gesellschaft sie als Mutter nicht bezahle, sei es sinnvoll, ein Betreuungsangebot zur Verfügung zur stellen.[25]

Lieselotte Ahnert, Professorin für Entwicklungsforschung der Universität Köln dagegen betonte, dass das National Institute of Child Health in Washington seit 1991 an 1000 Kleinkindern untersuche, inwiefern sich Fremdbetreuung auf die Mutter-Kind-Beziehung auswirke: Dabei gäbe es keinen negativen Einfluss auf das Verhältnis zwischen Mutter und Kind, solange die Beziehung zwischen Mutter und Kind intakt sei.[26][11]

Michael Schulte-Markwort, Professor und Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychosomatik am Universitätsklinikum Eppendorf spricht sich gegen Fremdbetreuung als Regelfall aus und betont, dass in der aktuellen Diskussion um Krippen die Bedürfnisse der Kinder auf der Strecke blieben. [27]

Deutschland

Kinderkrippen sind in Deutschland Einrichtungen für Kinder bis zum vollendeten dritten Lebensjahr oder Gruppen für Kinder dieser Altersgruppe in Kindertagesstätten. Zuweilen werden Krippen noch entsprechend dem Alter der Kinder unterteilt in Liege-, Krabbel- und Laufkrippen. Regionalspezifisch gibt es eine Reihe weiterer Bezeichnungen, wie z.B. Krabbelgruppe. In der Regel ab dem dritten Lebensjahr erfolgt der Übergang in die Kindergärten. Reine Kinderkrippen findet man inzwischen selten; vielmehr werden Kinder dieser Altersgruppe in altersgemischten Gruppen oder in Kindertagesstätten mit verschiedenen Altersgruppen betreut.

Kinderkrippen gehören zur Kindertagesbetreuung und somit zur Kinder- und Jugendhilfe. Mit dem Tagesbetreuungsausbaugesetz (TAG) vom 27. Dezember 2004 (s. SGB VIII) wird der Ausbau von Kindertagesstätten- und Kindertagespflegeplätzen in allen Bundesländern auch zu einem politischen Ziel und die Erziehung, Bildung und Betreuung von Kleinkindern erhält rechtlich, politisch und finanziell eine neue Aufmerksamkeit. Als pädagogisches Personal werden überwiegend Erzieher, aber auch Kinderkrankenpfleger und Kinderpfleger beschäftigt.

Eine andere Form der Tagesbetreuung ist die Betreuung als Kindertagespflege durch Tagespflegepersonen (zumeist eine Tagesmutter). Daneben gibt es andere Kleinkindgruppen, die weniger die Aufgabe haben, eine Berufstätigkeit der Eltern zu ermöglichen, sondern besondere Angebote machen und als Treffpunkt für Eltern und Kinder dienen. Solche Angebote haben regional- oder konzeptspezifisch verschiedene Bezeichnungen; gebräuchlich sind z.B. Spielkreis, Krabbelgruppe oder PEKiP-Gruppe.

Eine Sonderrolle für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nehmen Betriebskinderkrippen ein, die Müttern das Stillen in der Nähe des Arbeitsplatzes ermöglichen und den Wiedereinstieg in den Beruf erleichtern.

Bedarf und Verfügbarkeit

Kinder im „Erntekindergarten“ der LPG Schenkenberg 1972
Die Kinderkrippe in Ingersleben im Mai 1958

Während es in der DDR ein dichtes Netz an staatlichen Kinderkrippen gab (1988 zählte man 7.770 Kinderkrippen und Dauerheime für Säuglinge/Kleinkinder mit 355.089 Plätzen[28]), hat sich vorwiegend der Bedarf in Westdeutschland an einer Notsituation bzw. Fehlen der elterlichen Erziehung orientiert. Ausnahme war Westberlin: dort war Ende der 1980er für jedes vierte Kind unter drei Jahren ein Krippenplatz verfügbar.[29] Seit der Wiedervereinigung ist auch in den westlichen Ländern die Anzahl der Plätze für Kinder im Krippenalter gestiegen. Eine flächendeckende Versorgung für alle Kinder, wie sie das Tagesbetreuungsausbaugesetz (s.o.) als Ziel vorgibt, wird in allen Bundesländern sukzessive realisiert. Streitig ist die Frage nach dem tatsächlichen Bedarf. Zum Teil ist die Nachfrage nach staatlich subventionierten Krippenplätzen so groß, dass es in vielen Gemeinden schon für ungeborene Kinder Wartelisten gibt. Andererseits zahlen einzelne Bundesländer einen Betreuungsbonus an das Jugendamt für den möglichst zügigen Ausbau. Die Gebühren liegen nach einer Übersicht der AOK zwischen 70 und 425 Euro pro Monat, abhängig nach Wohnort und Einkommen der Eltern [30]. Die Höhe des tatsächlichen Bedarfs ist umstritten. Nach einer Auswertung des Deutschen Jugendinstitutes (DIJ) Ende 2010 liegt der Wunsch der Eltern jedoch offenbar weitaus höher als von Bund und Länder eingeschätzt. [31]

Einen Überblick über die in den deutschen Bundesländern unterschiedlichen Versorgungsgrade (Anzahl der Plätze zur Anzahl der Kinder der Altersgruppe) geben der Beitrag zum Kindergarten, die Bundesjugendstatistik, der Zahlenspiegel des Deutschen Jugendinstituts oder die Länderübersichten des Jugendministeriums Brandenburg. In Sachsen-Anhalt gibt es einen allgemeinen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für unter Dreijährige; in Brandenburg gibt es einen bedingten Rechtsanspruch (bei Erforderlichkeit). Die Tatsache, dass in diesen Bundesländern der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für ein Kind an die Erwerbstätigkeit der Eltern anknüpft, halten Kritiker im Hinblick auf den zweiten Leitsatz des berühmten Familienurteils des Bundesverfassungsgerichts für verfassungswidrig (vgl. BVerfG, 2 BvR 1057/91 vom 10. November 1998).

Der Mangel an staatlich subventionierter Kleinkindbetreuung wird häufig als eine wesentliche Ursache für die niedrige Geburtenrate in Deutschland angeführt. Letzteres bestreiten Familienverbände wie beispielsweise das Familiennetzwerk und der Familienbund der Katholiken. Sie verweisen beispielsweise darauf, dass die Bundesländer, in denen die öffentliche Kleinkinderbetreuung besonders gut ausgebaut sei, auch eine besonders niedrige Geburtenrate hätten. So habe zum Beispiel ausgerechnet Sachsen-Anhalt, das ja neben einer vergleichsweise gut ausgebauten öffentlichen Kleinkindbetreuung auch einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für jedes Kind erwerbstätiger Eltern in seiner Verfassung verankert habe, mit 1,2 Geburten pro Frau (2005) die niedrigste Geburtenrate von allen Bundesländern. Nach Meinung dieser Familienverbände ist unter anderem die Benachteiligung von Familien im Steuer- und Sozialversicherungsrecht ein viel entscheidenderer Faktor für den Mangel an Geburten in Deutschland. Auch andere Kritiker warnen davor, andere mögliche Ursachen zu vernachlässigen[32][33].

Politische Debatte um den Ausbau der Krippenplätze

Paradigmenwechsel in der öffentlichen Debatte

In der Vergangenheit stand man der Kleinkindbetreuung in Kinderkrippen in West-Deutschland überwiegend kritisch gegenüber. Dabei wurde darauf verwiesen, dass in diesem Alter Kinder die Bindung an eine Bindungsperson brauchen. Konservative Stimmen wie die Kinder- und Jugendpsychotherapeutin Christa Meves artikulierten auch die Ansicht, dass als primäre Bindungsperson aufgrund der geschlechtsspezifischen Biologie vorwiegend die Mutter geeignet sei.

Demgegenüber hat sich die Debatte in der Öffentlichkeit in den vergangenen 20 Jahren verschoben. Nach Bündnis 90/Die Grünen[34] , der Linkspartei [35], der FDP und den Sozialdemokraten[36] formulierte auch die CDU-Familienministerin Ursula von der Leyen und mit ihr die CDU-Parteispitze[37] unter Bundeskanzlerin Angela Merkel die Forderung nach Ausbau von Kinderkrippenangeboten. Von der Leyens Pläne, die Zahl der Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren bis 2013 auf 750.000 zu verdreifachen,[38] [39] trafen zunächst auf Widerstand innerhalb der Koalition.[40] Am 5. September 2007 beschloss das Bundeskabinett die Förderung des Ausbaus auf 750.000 Betreuungsplätze für ein- bis dreijährige Kinder bis 2013 und die Einführung eines für 2008 geplanten Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz ab dem zweiten Lebensjahr.[41]

Finanzierung

Während der weitere massive Ausbau von Kinderkrippen in Deutschland von allen Parteien im Bundestag in der Zielsetzung gefordert wird, besteht Uneinigkeit unter und innerhalb der Parteien, wie die Finanzierung dieses Ausbaus sichergestellt werden soll. Nach Berechnungen der SPD sind 6,36 Milliarden Euro für den Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen notwendig. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund kommt bei Kostenfreiheit auf rund 9,5 Milliarden für circa 897.000 Krippenplätze (40 Prozent der Kinder unter 3 ). [42] Die SPD hat zur Finanzierung des Krippenausbaus unter anderem ein Einfrieren des Kindergeldes und eine Kürzung der Kinderfreibeträge vorgeschlagen[43]. Dies wird von CDU, CSU, dem Familiennetzwerk Deutschland und dem Familienbund der Katholiken strikt abgelehnt. Zur Debatte stehen auch ein Abschmelzen der Vorteile des Ehegattensplittings und ein Wegfall der kostenlosen Mitversicherung des Ehegatten in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung für Ehepaare, die keine Kinder versorgen oder in der Vergangenheit versorgt haben.

Rechtsanspruch

Neben der umstrittenen Finanzierung von Kinderkrippen, wird darüber hinaus kontrovers diskutiert, inwiefern ein Rechtsanspruch auf einen Kinderkrippenplatz den Eltern gewährt werden soll. [44] Ende August einigten sich Bund und Länder auf einen Rechtsanspruch ab 2013;[45] [46] der Bundeskabinettsbeschluss vom September 2007 sieht einen Rechtsanspruch ab dem zweiten Lebensjahr für 2008 vor.[41]

Kosten-Wirksamkeits Aspekte

Die politischen Akteure sind sich uneinig, wie hoch die derzeitigen Kosten tatsächlich sind. Kosten-Wirksamkeits-Analysen (im Sinne von Kosten-Nutzen-Analysen in Bezug auf Projekte, deren Nutzen nicht oder nicht vollständig monetär gemessen werden kann) zum Thema Kindertagesbetreuung müssen zahlreiche schwer zu bewertende Komponenten und verschiedene regionale Bedingungen berücksichtigen. Insbesondere geht eine Beurteilung der Wirkung des Besuchs von Kinderkrippen in die Berechnung ein. Trotz dieser Schwierigkeiten stimmen laut Bildungsökonomin C. Katharina Spieß verschiedene Analysen darin überein, dass eine gute Betreuung in Kindertageseinrichtungen tatsächlich rentabel sei [47].

Aus Kosten-Nutzen-Analyse Studien über frühkindliche Kindertagesbetreuung im internationalen Bereich sowie in Deutschland wurde in der Stellungnahme des DIW von 2004 für den Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend als Fazit festgehalten, dass der volkswirtschaftliche Nutzen der öffentlichen Ausgaben für Kindertageseinrichtungen größer sei als ihre Kosten [48]. Dieser Stellungnahme liegt unter anderem eine Zürcher Studie zugrunde, die feststellte, dass sich Kindertagesstätten auszahlen [49] [50]; diese Studie wurde allerdings von anderer Seite insofern kritisiert, als dass sie eine Kosten-Nutzen Relation aller bestehenden Krippenplätze untersuchte und nicht die marginalen Kosten, das heißt, nicht die Kosten-Nutzen Relation zusätzlicher Krippenplätze [51]. Zudem ist der Verdacht ausgesprochen worden, von Regierungen in Auftrag gegebene Studien seien als Rechtfertigung bestehender Ämter oder Politiken anzusehen [51].

Eine neuere Studie des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie bestätigte, dass die Kosten zusätzlicher Krippenplätze durch geringere Ausgaben an Kindergeld, die durch geringere Kinderzahlen in der relevanten Altersgruppe frei würden und Mehreinnahmen in der Einkommenssteuer und Sozialversicherung zu einem beachtlichen Anteil gegenfinanziert würden, dass dafür allerdings ein Ausgleich zwischen Bund, Ländern und Kommunen notwendig wäre [52].

Laut Berechnungen einer von der Bertelsmann-Stiftung in Auftrag gegebenen Studie würden sich, angesichts einer in der Studie festgestellten größeren Chance von Kinderkrippenkindern auf einen Übergang zum Gymnasium und der durchschnittlichen Differenz zwischen den erwarteten Lebenseinkommen von Personen mit und ohne Abitur, durch den Besuch von Kindern in Kinderkrippen erhebliche langfristige volkswirtschaftliche Nutzeneffekte ergeben.[16]

Wahlfreiheit und Verteilungsgerechtigkeit

Die Pläne von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen zum Ausbau der Krippenbetreuung aus öffentlichen Mitteln hat 2006 und 2007 zu einer heftigen Debatte um die Verteilung von Steuergeldern zwischen Kinderlosen, alleinverdienenden und doppelt berufstätigen Eltern geführt. Unter dem Aspekt der Wahlfreiheit[53] werden mehrere Modelle oder deren Mischformen diskutiert[54], so etwa der Ausbau von Krippenplätzen, die Förderung von Tagesmüttern oder Betriebskinderkrippen, die Einführung von Betreuungsgutscheinen oder von Direktzahlungen. Bei der Argumentation zu den verschiedenen Modellen werden nicht nur die Kosten, sondern auch die Qualität, die Möglichkeiten der Einflussnahme auf die Qualitätssicherung und die Flexibilität der Betreuung als wichtige Gesichtspunkte angeführt [55] [56][57][54][58]. Einige marktliberale Wirtschaftswissenschaftler lehnen grundsätzlich staatliche Investitionen in Kinderbetreuungseinrichtungen ab, da sie darin einen unzulässigen Eingriff des Staates in einen privaten Markt sehen.[59] Modelle für Direktzahlungen, ähnlich wie zum Beispiel in Kanada, Frankreich, Norwegen, Finnland [60] [61], standen bereits unter dem Konzept des Erziehungsgehaltes in der politischen Diskussion.

Verteilungsgerechtigkeit

Eine alleinige Förderung der Infrastruktur in Form von Krippenplätzen wird verschiedentlich als Benachteiligung von Eltern, die ihre Kinder selbst oder anders betreuen wollen, aufgefasst. [62][63][64][65][66] [67].

Die Kosten für einen staatlichen Krippenplatz[68] werden teilweise aus dem allgemeinen Steueraufkommen finanziert, da die Elternbeiträge die Kosten nicht decken. Eine solche Betrachtung der Kosten kann allerdings gegenläufige Faktoren außer Acht lassen, etwa einen möglichen monetären Effekt durch zusätzliche Aufkommen an Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen durch berufstätige Eltern und durch die höhere Zahl von Angestellten in Kinderbetreuungseinrichtungen [69]. Eine Abwägung von Kosten und Nutzen/Wirksamkeit gestaltet sich allerdings schwierig.

Ob und wie in diesem Zusammenhang auch das Ehegattensplitting und die kostenlose Mitversicherung in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung zur Debatte stehen können oder sollen, ist umstritten.[70][71].

Gleichstellung

Die EU-Kommission ist der Meinung, dass Familien durch fehlende Kinderbetreuung in Deutschland benachteiligt würden. Dass der Stundenlohn von Frauen in Deutschland im Durchschnitt 22 Prozent unter dem ihrer männlichen Kollegen liege, würde mit dem geringen Angebot an Krippenplätzen und deren unzureichenden Öffnungszeiten zusammenhängen, ebenso wie die geringere Beschäftigungsquote von Frauen mit Kindern im Vergleich zu anderen EU-Ländern.[72]

Schweiz

Begriff

Der Begriff der Kinderkrippe wird in der Schweiz uneinheitlich definiert. Meist umfasst die Definition besonders das Altersspektrum von der Geburt bis zum Eintritt in den Kindergarten mit fünf oder sechs Jahren, oft wird der Begriff aber synonym zu Kindertagesstätten ganz allgemein verwendet, also auch in der Bedeutung des Schulhorts.

Der Begriff wird gegenwärtig zu Gunsten des Begriffs Kindertagesstätte (regional auch zu Gunsten des Begriffs Tagesheim) stark zurückgedrängt (Stand 2007). So hat zum Beispiel der frühere Schweizerische Krippenverband im März 2007 eine Umbenennung in Verband Kindertagesstätten der Schweiz durchgeführt.

Politik

Der politische Diskurs wird gegenwärtig deutlich weniger kontrovers geführt als in Deutschland. Kinderkrippen werden von drei der vier großen Parteien (SP, CVP und FDP) propagiert, aus jeweils unterschiedlichen Motivationen heraus, z. B. Gleichstellungspolitik, Wirtschaftsförderung, Integration fremdsprachiger Kinder. Von den vier großen Parteien ist einzig die SVP mehrheitlich gegen einen Ausbau des Krippenwesens[73]. Ein Impulsprogramm des Bundes fördert die Gründung neuer Kinderkrippen[74] und auch einzelne Kantone wie z. B. Basel-Landschaft verfügen oder verfügten über solche Programme[75].

Schweden

Schweden fördert Alternativen zur Fremdbetreuung in Kinderkrippen. Eltern, die ihre Kinder bis zum dritten Lebensjahr zu Hause betreuuen, werden mit monatlich 300,- Euro unterstützt. Für berufstätige Eltern besteht ein Anspruch auf Teilzeitarbeitsplätze. Bis zu 120 Tage können sich Eltern zur Betreuung kranker Kinder vom Arbeitsplatz freistellen lassen. [76]

Großbritannien

In Großbritannien wurde der Ausbau von Betreuungseinrichtungen für Kleinstkinder forciert. Die Zahl der Betreuungsplätze stieg von 425.000 (2002) auf 725.000 (2006).[77] Die Kosten blieben auf hohem Niveau, im Raum London und den umliegenden Grafschaften lagen sie laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens Laing & Buisson 2006 durchschnittlich bei 168 britischen Pfund pro Woche.[78]

2006 wurden fast ein Viertel der Plätze nicht genutzt, trotz der höchsten Geburtenrate in Großbritannien (1.79) seit 1992. Dies entspricht einer Überkapazität von ungefähr 160 000 Krippenplätzen. Die Times sieht darin ein Anzeichen für einen Trend weg von einer "Alleswoller"-Frauengeneration hin zu Frauen (sic!), die ihre Kinder verstärkt selbst betreuen möchten. Auch gebe es mittlerweile nicht mehr die ausschließliche Alternative von Vollzeit-Berufstätigkeit oder Vollzeit-Hausfrauentätigkeit: Mindestens eine Million Eltern hätten bereits das 2003 eingeführte Recht auf Teilzeitarbeit genutzt, anstatt nach der Geburt sofort wieder in Vollzeit zu arbeiten. Es wird erwartet, dass sich der Trend durch das neu eingeführt Recht auf einen einjährigen Mutterschaftsurlaub verstärken wird. Auch seien die Arbeitgeber inzwischen bereit, jungen Müttern flexiblere Arbeitszeiten und -bedingungen (z. B. Telearbeit) einzuräumen.[78]

Frankreich

In Frankreich können Kinder in die École maternelle gehen, sobald sie keine Windel mehr tragen. Davor können sie in folgenden Einrichtungen betreut werden:[79]

  • Crèche collective, (Krippe, Hort, öffentlich),
  • Crèche parentale (Eltern verwalten eine Krippe),
  • Crèche d’entreprise (in Unternehmen),
  • Établissement multi-accueil (Krippe und halte garderie),
  • Crèche familiale (Familienkrippe: Tagesmutter für drei Kinder),
  • Assistante maternelle partagée (Tagesmutter betreut Kinder aus zwei Familien).


Man kann unterscheiden [80]

  • Krippen in öffentlicher Trägerschaft (crèches municipales, crèches intercommunales)
  • Krippen in privater Trägerschaft:
    • mit Gewinnerzielungsabsicht
      • private Krippen (z.B. die crèches parentales) Crèche parentale
      • Kinderkrippen-Unternehmen
    • gemeinnützig (das Pendant zur deutschen "gGmbH" ist die association loi 1901 Association loi 1901

Tatsächlich werden in Frankreich aber 70% der Kinder zu Hause von ihren Eltern oder Verwandten betreut. Nur 10% der Kinder bist drei Jahre besuchen eine Krippe.[76]

Vereinigte Staaten

In den Vereinigten Staaten stehen für die Betreuung von Kindern im Alter von 3 Monaten bis zu 5 Jahren Child Day Care Centers zur Verfügung, das sind privatwirtschaftliche (meist: Non-Profit-) Einrichtungen, die den Kindern anspruchsvolle akademische Frühförderungsprogramme bieten und sich darum einerseits als Schulen verstehen, andererseits aber auch stark serviceorientiert sind und, den individuellen Bedürfnissen der Familien entsprechend, Ganztagsbetreuung ebenso ermöglichen wie Teilzeitprogramme. Die Gebühren liegen, vor allem bei guten Einrichtungen, deutlich über denen deutscher Kinderkrippen. In guten Einrichtungen haben die Lehrer eine Collegeausbildung im Fach Early Childhood Education absolviert, in anderen sind sie angelernt. Eine preiswertere Alternative zu Day Care Centers ist der Family Day Care, den viele Tagesmütter in ihrem Zuhause anbieten. Viele amerikanische Familien beschäftigen für die ganztägige Betreuung ihrer Kinder auch eine Kinderfrau oder einen Babysitter.

Literatur

  • Lieselotte Ahnert: Krippen: Wie frühe Betreuung gelingt: Fundierter Rat zu einem umstrittenen Thema, Jörg Maywald und Bernhard Schön (Hrsg.), Beltz, 2008, ISBN 3-407-85861-2 / 978-3-4078-5861-0.
  • Lieselotte Ahnert: Frühe Bindung, Entstehung und Entwicklung. 1. Auflage, Reinhardt, München, 2004
  • Lieselotte Ahnert: Tagesbetreuung für Kinder unter drei Jahren, Theorien und Tatsachen. Verlag Hans Huber, Bern, 1998
  • Hans – Joachim Laewen, Beate Andres, Eva Hedervari: Die ersten Tage – ein Modell zur Eingewöhnung in Krippe und Tagespflege. 4. Auflage, Beltz Verlag, Weinheim Basel, 2003
  • Hans–Joachim Laewen, Beate Andres, Eva Hedervari: Ohne Eltern geht es nicht, Die Eingewöhnung von Kindern in Krippen und Tagespflegestellen. 4. Auflage. Cornelsen Verlag Scriptor GmbH & Co. KG, Berlin Düsseldorf Mannheim, 2006
  • Martin Dornes: Die frühe Kindheit, Entwicklungspsychologie der ersten Lebensjahre. 8. Auflage, Fischer, Frankfurt am Main, 2008

Einzelnachweise

  1. E. Kuno Beller: Eingewöhnung in die Krippe – Ein Modell zur Unterstützung der aktiven Auseinandersetzung aller Beteiligten mit Veränderungsstress. In: „frühe Kindheit 2/02“. Deutsche Liga für das Kind, abgerufen am 3. März 2008.
  2. Sabine Buchebner-Ferstl, Sonja Dörfler, Michael Kinn: Kindgerechte außerfamiliale Kinderbetreuung für unter 3-Jährige. Eine interdisziplinäre Literaturrecherche. In: ÖIF Working Paper, Nr. 72. Österreichisches Institut für Familienforschung der Universität Wien, 2009, abgerufen am 6. Februar 2010 (PDF). S. 50
  3. Sabine Buchebner-Ferstl, Sonja Dörfler, Michael Kinn: Kindgerechte außerfamiliale Kinderbetreuung für unter 3-Jährige. Eine interdisziplinäre Literaturrecherche. In: ÖIF Working Paper, Nr. 72. Österreichisches Institut für Familienforschung der Universität Wien, 2009, abgerufen am 6. Februar 2010 (PDF). S. 52 f.
  4. die tageszeitung: interview mit Wassilios Fthenakis: "Kita erst ab 18 Monaten"
  5. Länderübersicht Kita: Personalstandards Tabelle (Stand: März 2007) und (Überblick)
  6. GEW: „Erzieher/innen endlich besser bezahlen!“ GEW, 11. Juli 2007, abgerufen am 14. Juni 2008.
  7. Daily Telegraph: Day nursery may harm under-3s, say child experts
  8. Lieselotte Ahnert: Krippen: Wie frühe Betreuung gelingt: Fundierter Rat zu einem umstrittenen Thema, Jörg Maywald und Bernhard Schön (Hrsg.), Beltz, 2008, ISBN 978-3-407-85861-0, S. 24
  9. Lieselotte Ahnert: Krippen: Wie frühe Betreuung gelingt: Fundierter Rat zu einem umstrittenen Thema, Jörg Maywald und Bernhard Schön (Hrsg.), Beltz, 2008, ISBN 978-3-407-85861-0, S. 24 f.
  10. a b c d Lieselotte Ahnert: Krippen: Wie frühe Betreuung gelingt: Fundierter Rat zu einem umstrittenen Thema, Jörg Maywald und Bernhard Schön (Hrsg.), Beltz, 2008, ISBN 978-3-407-85861-0, S. 25
  11. a b Wolfgang Einsiedler, Kleinkindforschung und Kleinkindbetreuung. In: Das Online-Familienhandbuch
  12. a b c Newsweek: Study: A Downside to Day Care?, Newsweek, 26. März 2007 (Version aus dem Internet Archive vom 30. März 2007, da Original nicht mehr verfügbar).
  13. a b c Welt online: Psychologie: Aus Kitakindern werden Störenfriede, 29. März 2007
  14. Studie USA: Are There Long-Term Effects of Early Child Care?, 26. März 2007
  15. Tobias Fritschi, Tom Oesch: Volkswirtschaftlicher Nutzen von frühkindlicher Bildung in Deutschland. Eine ökonomische Bewertung langfristiger Bildungseffekte bei Krippenkindern, Bertelsmann Stiftung, Gütersloh 2008.
  16. a b Studie: Besuch einer Kinderkrippe führt zu größeren Bildungschancen und erhöht das Lebenseinkommen. In: Pressemitteilung (Bertelsmann-Stiftung), Informationsdienst Wissenschaft. 3. März 2008, abgerufen am 4. März 2008.
  17. a b Jeanette Otto: Krippenkind, schlaues Kind? 6. März 2008, abgerufen am 23. Januar 2009.
  18. Presseerklärung des Familiennetzwerks vom 5. März 2008; unter http://www.familie-ist-zukunft.de/seite/?p=295#more-295
  19. a b Presseerklärung der ödp vom 13. März 2008 unter http://www.ödp.de/aktuelles/pressemitteilungen/newsdetails/news/resch-grobe-fehler/
  20. Pisa 2000 unter http://www.mpib-berlin.mpg.de/Pisa/PISA-E_Vertief_Zusammenfassung.pdf
  21. Josef Langmeier, Zdenek Matějček: Psychische Deprivation im Kindesalter, Kinder ohne Liebe. Verlag Urban & Schwarzenberg, München 1977
  22. [1] Richard Bowlby: Stress in der Kinderkrippe (engl.)
  23. D. Waynforth: The influence of parent-infant cosleeping, nursing, and childcare on cortisol and SIgA immunity in a sample of British children, Dev. Psychobiol., September 2007, 49(6):640-8, PMID 17680611
  24. Karin Grossmann, Universität Regensburg: Merkmale einer guten Gruppenbetreuung für Kinder unter drei Jahren im Sinne der Bindungstheorie und ihre Anwendung auf berufsbegleitende Supervision
  25. http://www.net-tribune.de/article/010307-142.php
  26. Tagesschau: "Kinderkrippen schaden einem Kind nicht" (nicht mehr online verfügbar) vom 1. März 2007
  27. http://www.abendblatt.de/daten/2007/04/19/726721.html Was brauchen Kinder? Jedenfalls keine Fremdbetreuung...
  28. Staatliche Zentralverwaltung für Statistik: "Statistisches Jahrbuch 1989 der DDR", Staatsverlag der DDR, Berlin 1989, 1. Auflage, S. 346, ISBN 3-329-00457-6
  29. Lieselotte Ahnert: Krippen: Wie frühe Betreuung gelingt: Fundierter Rat zu einem umstrittenen Thema, Jörg Maywald und Bernhard Schön (Hrsg.), Beltz, 2008, ISBN 978-3-407-85861-0, S. 26
  30. Netzeitung: Von Krippe bis Au Pair - Eltern haben die Wahl
  31. Kinderzeugs.de: Viel mehr Eltern wünschen sich einen Krippenplatz
  32. Bundeszentrale für politische Bildung: Manfred Spieker: Mehr Kinder oder mehr Erwerbstätige?
  33. 3sat: Familienpolitik - ein europäischer Vergleich
  34. Bündnis 90/Die Grünen: Trauerspiel: die Kinderbetreuungs-Debatte
  35. Linksfraktion: Hände weg vom Kindergeld
  36. n-tv: Union gegen SPD-Plan
  37. Tagesspiegel:CDU-Generalsekretär: Alle stehen hinter Leyen
  38. Financial Times Deutschland: Althaus stellt sich hinter von der Leyen
  39. die tageszeitung: Ministerin will die Kinderkrippe für alle
  40. Die Welt: [2]
  41. a b Kraftprobe um das Betreuungsgeld, Welt Online, 5. September 2007
  42. heute: Wer bezahlt die Krippenplätze?
  43. http://familienpolitik.spd.de/servlet/PB/menu/1705503/index.html
  44. Recht auf Krippenplatz - Aber wann ?
  45. n-tv:Rechtsanspruch ab 2013 -Krippenausbau kommt
  46. Tagesschau:Politiker entdecken die Lebenswirklichkeit:Einigung im Kita-Streit ist rekordverdächtig
  47. C. Katharina Spieß: Kosten und Nutzen von Kinderbetreuung: Internationale und nationale Betrachtungen aus ökonomischer Perspektive, in: Familie bringt Gewinn (hrsg. von L. Mohn und R. Schmidt), Bertelsmann Verlag: Gütersloh 2004, 124-134 - Aktualisierte Fassung online: Nutzen und Kosten familienbezogener Leistungen: Volkswirtschaftliche Betrachtungen am Beispiel der Betreuung in Kindertageseinrichtungen, in: "Thema 2007/04: Kinder, Krippen, Kosten - Fakten zur Kinderbetreuungsdebatte", Deutsches Jugendinstitut (abgerufen am 15. April 2007)
  48. Öffentliche Anhörung des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zu BT-Drs. 15/3512, 15/3676, 15/3488, Schriftliche Stellungnahme, DIW Berlin, C. Katharina Spieß, September 2004, Seiten 6-7 (abgerufen am 15. April 2007)
  49. "Kindertagesstätten zahlen sich aus – jeder eingesetzte Franken bringt drei bis vier Franken an die Gesellschaft zurück", Neue Zürcher Zeitung, 23. Februar 2001, zitiert nach Was alles fehlt in Sachen Schulen, Bildung und Betreuung, SP Kanton Luzern, mit Bezug auf Studie im Auftrag der Stadtzürcher Regierung (abgerufen am 15. April 2007)
  50. Tobias Bauer und Karin Kucera-Müller, "Volkswirtschaftlicher Nutzen von Kindertagesstätten. Edition Sozialpolitik Nr. 5. Zürich: Sozialdepartement der Stadt Zürich (Hrsg.) - sowie: Tobias Bauer und Karin Kucera-Müller. Kindertagesstättenzahlen sich aus. Jeder eingesetzte Franken bringt drei bis vier Franken an die Gesellschaft zurück. Edition Sozialpolitik Nr. 5a. Zürich: Sozialdepartement der Stadt Zürich (Hrsg.) - Zitiert nach CREMA (2005) (abgerufen am 15. April 2007)
  51. a b Versagen in der Kinderbetreuung - Betreuungsgutscheine als Alternative, Center for Research in Economics, Management, and the Arts, Alois Stutzer und Reto Dürsteler, Working Paper No. 2005-26, Seite 13 (abgerufen am 15. April 2007)
  52. Dieter Dohmen, Bedarf, Kosten und Finanzierung des Kita-Ausbaus für die unter 3-Jährigen, Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (FIBS), Berlin, April 2007 (abgerufen am 7. Juni 2007)
  53. Siehe dazu ausführlich: Eckstein, Christiane, Geschlechtergerechte Familienpolitik. Wahlfreiheit als Leitbild für die Arbeitsteilung in der Familie, Stuttgart 2009.
  54. a b Kinderbetreuung: Krippen, Gutschein oder Geld
  55. Stuttgarter Zeitung: Gutscheine für mehr Wettbewerb
  56. Welt online: Stoiber fordert mehr Geld für Hausmütter
  57. Deutscher Familienverband: Deutscher Familienverband zur Krippendiskussion: Familien brauchen echte Wahlfreiheit
  58. Kinderkrippen-Debatte - nicht nur eine Finanzierungsfrage, Georg Paul Hefty, FAZ.NET, 5. März 2007
  59. Staatsrolle bei Krippenplätzen strittig
  60. http://ec.europa.eu/employment_social/missoc/2000/sf_part9_de.htm
  61. Jürgen Liminski: Fakten statt Hysterie: Die Krippen-Debatte braucht dringend Sachlichkeit
  62. Deutscher Familienverband: Deutscher Familienverband zur Krippendiskussion: Familien brauchen echte Wahlfreiheit
  63. Spiegel online: KINDERBETREUUNG: Stoiber will mehr Geld für Hausmütter, 21. April 2007
  64. Wiesbadener Kurier: Betreuungsgeld soll Wahlfreiheit sichern vom 17. April 2007
  65. Kath.net :Sind Hausfrauen die neuen ‚Rabenmütter‘?
  66. http://www.dhg-vffm.de/p/modules/news/article.php?storyid=407
  67. http://www.iwp.uni-koeln.de/DE/Publikationen/dp/OWIWO_DP_1_2007.pdf KINDERBETREUUNG: Wahlfreiheit durch subventionierte Krippenplätze?], 21. April 2007
  68. Focus: "Elterngeld: Die grosse Mogelpackung", Feb. 2007, Ausgabe 8, S.20-24
  69. Gesetz zur steuerlichen Förderung von Wachstum und Beschäftigung (abgerufen am 15. April 2007)
  70. http://www.welt.de/politik/article792187/Wir_brauchen_einen_sicheren_Rechtsanspruch.html
  71. http://www.bverfg.de/entscheidungen/rs19981110_2bvr105791.html BVerfG, 2 BvR 1057/91 vom 10. November 1998, Absatz-Nr. 86
  72. http://www.focus.de/politik/deutschland/bruessel_nid_45968.html
  73. http://www.blick.ch/sonntagsblick/politik/artikel58439
  74. http://www.bsv.admin.ch/impulse Nationales Impulsprogramm zur Gründung neuer Kindertagesstätten
  75. http://www.baselland.ch//docs/vsd/mitvsd/mit-vsd_2005-11-22.htm
  76. a b Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19. Oktober 2011, Seite N1,"Kinderbetreuung: Was tut die Avantgarde"[3]
  77. Kath.net: Ist die Krippenpolitik schon jetzt überholt? 3. Mai 2007
  78. a b The Times Nurseries feel pinch as mothers stay home, 30 April, 2007
  79. [4] Vortrag von Charlotte Felt auf einem Kongress der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) im März 2004 mit dem Thema "Politik für Familie a la francaise. Was können wir von unseren Nachbarn lernen?"
  80. Équipement d'accueil du jeune enfant

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