Kirschblüten – Hanami


Kirschblüten – Hanami
Filmdaten
Deutscher Titel: Kirschblüten – Hanami
Produktionsland: Deutschland
Erscheinungsjahr: 2008
Länge: 121 Minuten
Originalsprache: Deutsch
Altersfreigabe: FSK 12
Stab
Regie: Doris Dörrie
Drehbuch: Doris Dörrie
Produktion: Olga Film - Molly von Fürstenberg, Harald Kügler
Musik: Claus Bantzer
Kamera: Hanno Lentz
Schnitt: Inez Regnier
Besetzung

Kirschblüten – Hanami ist ein Kinofilm von Regisseurin Doris Dörrie aus dem Jahr 2008, der seine Premiere im Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele Berlin 2008 gefeiert hat. Er startete in den deutschen Kinos am 6. März 2008 im Majestic Filmverleih. Nach 27 Wochen in den Kinos konnte der millionste Kinobesucher begrüßt werden - damit ist der Film der erfolgreichste Arthouse-Film und einer der erfolgreichsten deutschen Filme des Jahres 2008.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

Nur Trudi (Hannelore Elsner) weiß, dass ihr Mann Rudi (Elmar Wepper) schwer krank ist. Es liegt an ihr, ob sie es ihm mitteilen will oder nicht. Der Arzt schlägt eine letzte gemeinsame Unternehmung vor, etwas, was die beiden sich vielleicht schon länger vorgenommen, aber nie getan haben. Trudi beschließt, die Erkrankung geheim zu halten und den Rat zu befolgen. Sie überredet Rudi, mit ihr die Kinder und Enkelkinder in Berlin zu besuchen. Doch dort angekommen, müssen die beiden feststellen, dass ihre Kinder mit ihrem eigenen Leben viel zu beschäftigt sind, um sich um die Eltern zu kümmern.

Sie beschließen daraufhin, in ein Hotel an die Ostsee zu fahren. Dort stirbt Trudi unerwartet. Rudi ist völlig aus der Bahn geworfen und weiß nicht, wie es weitergehen soll. Als er dann auch noch von der Freundin seiner Tochter (Franzi, gespielt von Nadja Uhl) erfährt, dass Trudi das Leben, das sie leben wollte, offenbar aus Liebe zu ihm geopfert hat, sieht er seine verstorbene Frau mit neuen Augen. Trudis heimliche Leidenschaft galt Japan und dem japanischen Ausdruckstanz Butoh.

Rudi versucht, ihr verpasstes Leben wieder gut zu machen und reist zu seinem Sohn nach Tokio. Dieser ist bald überfordert von der Situation und wünscht seinen Vater wieder weg. Rudi lernt in einem Park, der in der Kirschblüte steht, eine - wie er später herausfindet - obdachlose junge Japanerin namens Yu kennen, die ihm auffällt, weil sie dort Butoh tanzt. Gemeinsam mit ihr begibt sich Rudi in ein Hotel am Fuß des Fuji, den seine Frau gerne gesehen hätte. Dort stirbt er.

Schauplätze in Japan

Karls Tokioter Wohnung liegt im Westen von Shinjuku, in unmittelbarer Nähe des von Kenzo Tange erbauten Wolkenkratzers, in dem die Tokioter Präfekturregierung sitzt (der Wolkenkratzer ist bei den Szenen, die am Hauseingang spielen, im Hintergrund zu sehen). Die Bahnhofsszenen, in denen Rudi auf seinen Sohn wartet und später mit Yu Fahrkarten kauft, zeigen den Südausgang des Bahnhofs Shinjuku, des größten Bahnhofs der Welt.

Auch Rudis einsames Besäufnis mit anschließendem Zug durch Striplokale und Massagesalons spielt sich in Shinjuku ab, und zwar in Kabuki-cho, dem größten und bekanntesten Vergnügungsviertel Japans.

Die Hanami-Szenen wurden hauptsächlich an drei verschiedenen Orten im Großraum Tokio gedreht, die alle berühmt sind für Hanami:

  • Die Szenen am Fluss zeigen die Flusspromenade in Meguro.
  • Die Hanami-Party, bei der sich Karl hemmungslos betrinkt und das japanische Gaijin-Klischee bedient, und Rudi von einem anderen Westler die Symbolik der Vergänglichkeit der Kirschblüte erklärt bekommt, ist im Yoyogi-Park.
  • Der Park um den See, an dem Rudi Yu kennenlernt und mit ihr Butoh übt, ist der Inokashira-Park. Zum Inokashira-Park kommt man von Shinjuku mit der Chuo-Linie (S-Bahn), die, wie im Film gezeigt, rote Waggons hat.

Die traditionelle Pension, deren Name Maruyaso ist, liegt am Kawaguchiko-See am Fuße des Fujis, in der Rudi und Yu am Ende des Films übernachten, in der Präfektur Yamanashi.

Trivia

Hannelore Elsner und Elmar Wepper spielten bereits in Irgendwie und Sowieso ein Paar. Der Film wurde mit digitalen Kinokameras gedreht.

Kritiken

„(...) wenn sie (Doris Dörrie) zu ihren finalen Bildern kommt, Bildern von beinah unwirklicher Schönheit, hält man ungläubig den Atem an: weil sie die Größe hat, diesen Triumph so gar nicht auszukosten, weil sie den Moment mit einer Leichtigkeit wieder ziehen lässt, dass man ihn festhalten will wie eine kostbare Erscheinung, wie das Glück selbst.(...)“

Süddeutsche Zeitung,11. Februar 2008

„Ein Werk, das wirklich zu Herzen geht. Und nie ins Peinliche abgleitet. Das ist vor allem auch den Hauptdarstellern zu verdanken, die sich hier alt und ungeschminkt zeigen: Hannelore Elsner, die man nach der ersten Stunde schmerzlich vermisst, und Elmar Wepper, den die Dörrie spät noch fürs große Kino entdeckt hat.“

Berliner Morgenpost, 12. Februar 2008

„(...) bewegend und ohne falsche Sentimentalität - nicht zuletzt wegen der grandiosen Leistungen von Hannelore Elsner und Elmar Wepper, der hier mit der ersten Hauptrolle im Kino gleich die Rolle seines Lebens spielt.“

programmkino.de, 12. Februar 2008

„Wieder einmal hat Doris Dörrie Figuren erschaffen, die weder sie noch der Rest der Welt sonderlich ernst nehmen muss. Sich deren Auseinandersetzung mit dem Tod vom Leib zu halten fällt etwa so leicht wie die Lektüre der Brigitte im Wartezimmer.“

TAZ, 13. Februar 2008

„Das Beste, was die deutsche Filmproduktion derzeit zu bieten hat.“

Filmdienst, Heft:04/08, VÖ: 14. Februar 2008

„(...) zu Tränen rührend und erstklassig besetzt, erzählt der gefeierte Berlinale-Beitrag von einem Paar, das in gewisser Weise erst durch den Tod wieder zueinander findet.“

HÖRZU, Heft: 10, VÖ: 29. Februar 2008

„Auf ebenso berührende wie melancholische Weise kreist Doris Dörries neuer Film um die wiederkehrenden Themen ihres Werkes, um Liebe und Tod, um Trauerarbeit und Familienbeziehungen und um Japan als Perspektive für neuen Lebenssinn.“

EPD Film Das Kino-Magazin, Heft: 03/08, VÖ: 29. Februar 2008

„Doris Dörries „Kirschblüten – Hanami“ ist ein Wolf im Schafspelz – der nur oberflächliche Anstrich mit fernöstlicher Lebensphilosophie verdeckt einen substanzlosen Film, der in der zweiten Hälfte auch noch ins Lächerliche abgleitet.“

FILMSTARTS.de, Februar 2008

Auszeichnungen und Nominierungen

  • 2008: Bayerischer Filmpreis an Elmar Wepper als Bester Darsteller und an Olga Film - Molly von Fürstenberg/Harald Kügler als Bester Produzent
  • 2008: Nominierung für den Goldenen Bären der Berlinale 2008
  • 2008: Nominierung für den Deutschen Filmpreis in den Kategorien Bester Spielfilm, Beste Regie, Drehbuch, Hauptdarsteller (Elmar Wepper), Nebendarstellerin (Hannelore Elsner) und Kostümbild
  • 2008: Deutscher Filmpreis für den Besten männlichen Hauptdarsteller Elmar Wepper, Filmpreis in Silber in der Kategorie Bester Spielfilm, Filmpreis für Bestes Kostümbild
  • 2008: Nominierungen für den Europäischer Filmpreis in der Kategorie Bester Darsteller (Elmar Wepper)
  • 2009: Preis der deutschen Filmkritik in der Kategorie Bester Darsteller (Elmar Wepper)

2008 kam der Film gemeinsam mit Tom Schreibers Dr. Alemán, Dennis Gansels Die Welle und Andreas Dresens Wolke Neun in die engere Auswahl als deutscher Bewerber für den Auslands-Oscar nominiert zu werden, hatte aber gegenüber Uli Edels Der Baader Meinhof Komplex das Nachsehen.[1]

Einzelnachweise

  1. vgl. Neuer RAF-Film soll Oscar für Deutschland holen bei heute.de, 16. September 2008

Weblinks

http://www.maruyaso.jp offizielle Seite des japanischen Gasthauses am Kawaguchiko-See


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