Kleinbahn Alt-Rahlstedt-Volksdorf-Wohldorf


Kleinbahn Alt-Rahlstedt-Volksdorf-Wohldorf

Die Elektrische Kleinbahn Alt-Rahlstedt–Volksdorf–Wohldorf war eine Eisenbahngesellschaft. Sie schloss die Hamburgischen Exklaven im Nordosten an das Eisenbahnnetz an. Ein Teil der Strecke – die Trasse zwischen Volksdorf und Wohldorf – ist heute weitgehend als Wanderweg erhalten.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Kleinbahn 1904 ...
... und 1907

Die Bewohner der politisch zu Hamburg gehörenden Walddörfer sahen sich zum Ende des 19. Jahrhunderts vom Rest der Welt abgeschnitten. Sie wollten daher eine Straßenbahnlinie nach Hamburg bekommen. Aber 1898 teilte die Strassen-Eisenbahn-Gesellschaft in Hamburg (SEGH)“ mit, dass mit dieser Strecke nicht zu rechnen wäre. So kam man auf die Idee, eine Zweigbahn zwischen dem näher gelegenen Bahnhof Rahlstedt der damaligen Lübeck-Büchener Eisenbahn (LBE) und Volksdorf zu bauen.

Die Konzession vom Hamburger Senat wurde der Firma Gebrüder Körting bereits am 7. Juni 1899 erteilt. Aber erst am 10. Januar 1903 erlangte die Firma die Konzession von der preußischen Verwaltung. Am 21. Oktober 1903 wurde dann der endgültige Konzessionsvertrag unterzeichnet.

Die in Körtingsdorf bei Hannover (jetzt Hannover-Badenstedt) beheimatete Firma Gebr. Körting versorgte seit 1898 das damals preußische Rahlstedt mit Elektrizität.

Am 12. Dezember 1912 gab sich die Bahn den Namen „Elektrische Kleinbahn Alt-Rahlstedt – Volksdorf AG“ (EKV) und eine neue Rechtsform. 770.000 Mark an Stammaktien hielt der hamburgische Staat, 770.000 Mark an Vorzugsaktien hielt der Kommerzienrat Körting.

Strecke

Am 29. September 1904 wurde der Abschnitt zwischen dem Bahnhof Rahlstedt der Lübeck-Büchener Eisenbahn und Volksdorf eröffnet. Anfangs fanden 13 Fahrten täglich statt, die Fahrtdauer auf der sechs Kilometer langen Teilstrecke betrug 18 Minuten.

Am Himmelfahrtstag, dem 9. Mai 1907, wurde die Verlängerung bis Wohldorf eröffnet. Die Streckenlänge betrug jetzt 12,9 Kilometer. Eine einfache Fahrt kostete damals 20 Pfennig.

Farmsen-Berne

Ebenfalls im Mai 1907 war die Strecke nach Oldenfelde fertiggestellt. Oldenfelde liegt benachbart zu Berne und Farmsen. Diese Orte bildeten seinerzeit eine weitere Hamburger Exklave in Preußen. Bei der Oberförsterei (Kilometer 4,9) zweigte die 3182 Meter lange Strecke ab. Hier fand nur Güterverkehr statt. Ein Umweg über Volksdorf und Rahlstedt nach Hamburg war für die Bewohner unzumutbar.

Fahrzeuge

Es wurden zwei elektrische straßenbahnartige Triebwagen bei der Waggonfabrik Busch in Hamburg-Eimsbüttel bestellt. Die Bahngesellschaft beschaffte zum Frühjahr 1906 einen weiteren Triebwagen, sechs Doppelstockanhänger und einen Post- und Gepäckwagen. Bis August 1906 kamen eine Lokomotive und zwei weitere Doppelstockanhänger hinzu.

1914, in ihrer besten Zeit, besaß die EKV sechs Triebwagen und zehn Beiwagen für den Personenverkehr. Für den Güterverkehr gab es vier kleine E-Loks, die auch für den Personenverkehr genutzt werden konnten. Der Wohldorfer Wald war ein beliebtes Ausflugsziel für die Hamburger, an Urlaubsreisen war in der Regel nicht zu denken.

Bau der Walddörferbahn

1911 wurde ein erster Plan vorgelegt, der außer der Strecke Barmbek–Farmsen–Volksdorf–Wohldorf auch die Enklave Großhansdorf anschließen sollte. In Ahrensburg sollte die Bahn einen gemeinsamen Bahnhof mit der Lübeck-Büchener Eisenbahn bekommen. Die Lübeck-Büchener Eisenbahn fürchtete jedoch Konkurrenz, so dass dieser Plan nicht verwirklicht wurde.

1914 wurde dann mit dem Bau nach neuen Plänen begonnen. Die Bahn sollte über Großhansdorf hinaus bis Beimoor geführt werden, dort war eine Siedlung geplant. Da die Strecke über preußisches Gebiet führte, wurde in diesem Zusammenhang auch der preußischen Regierung gestattet, mit dem Bau der Alstertalbahn zu beginnen. Nach Ende des Ersten Weltkrieges war wegen Materialbeschaffungsschwierigkeien an eine Elektrifizierung nicht zu denken. Am 12. September 1918 wurde daher ein Betrieb mit zwei in Belgien erbeuteten Dampflokomotiven zwischen Barmbek (damals Barmbeck) und Ohlstedt aufgenommen. Nachdem die Loks zurückgegeben werden mussten, elektrifizierte man zunächst nur ein Gleis zwischen Barmbek und Volksdorf. Am 6. September 1920 wurde dieser Streckenabschnitt eröffnet. Am 5. November 1921 wurde der elektrische Betrieb nach Großhansdorf aufgenommen, das zweite Gleis hatte man wieder entfernt um es als Stromschiene verwenden zu können.

Nach Eröffnung des elektrischen Betriebs der Walddörferbahn brachen die Fahrgastzahlen der Kleinbahn ein. Deshalb wurde am 15. April 1923 der Personenverkehr der Kleinbahn auf der Strecke Alt-Rahlstedt–Volksdorf aufgegeben. Am 1. Juli 1924 übernahm die HHA die Betriebsführung auf der Kleinbahnstrecke zwischen Volksdorf und Wohldorf. Mit Eröffnung des östlichen Zweiges der Walddörferbahn Volksdorf–Ohlstedt am 1. Februar 1925 wurde der Betrieb der Kleinbahn im wesentlichen auf die Reststrecke Ohlstedt–Wohldorf beschränkt.

Der Güterverkehr dagegen wurde durch eine von Volksdorf bis beinahe Farmsen parallel zu den Gleisen der Hochbahn verlaufende neue Strecke ausgebaut. Am 1. Mai 1934 wurde dieser Güterverkehr eingestellt. Heute wird diese Strecke für Bremsprüfungen von U-Bahntriebfahrzeugen genutzt.

Nach 1934 wurden alle Strecken der Kleinbahn südlich von Ohlstedt abgebrochen.

Restbetrieb

Bis zum 29. Januar 1961 fuhr die Kleinbahn nur noch auf der knapp zwei Kilometer langen Reststrecke von Ohlstedt durch den Wohldorfer Wald nach Wohldorf. Der Haltepunkt Kupferredder war am 18. Juli 1921 eröffnet worden, in der Streckenmitte lag der Bahnhof Tannenallee.

Auf diesem verbliebenen Abschnitt wurden vorwiegend Straßenbahnfahrzeuge (Typ V2) eingesetzt, die jedoch für den Eisenbahnbetrieb umgerüstet waren (vor allem breitere Radreifen). Die am Endbahnhof Wohldorf vorhandene Fahrzeughalle ermöglichte einen Inselbetrieb.

Eine Änderung der Bauvorschriften für Schienenfahrzeuge machte die Beschaffung neuer Fahrzeuge notwendig. Wegen der Splitterung von Holzaufbauten (bei Unfällen) sollten diese aus dem Verkehr gezogen werden. Da eine Neubeschaffung nicht rentabel schien, wurde der Betrieb am 29. Januar 1961 eingestellt.

Zunächst sollte die Strecke als Museumsbetrieb erhalten bleiben, doch war man auf staatlicher Seite nicht der Ansicht, dass ein Verein dies leisten könnte. So wurde die Strecke 1964 abgebaut und zu einem Wanderweg; ein kleiner Abschnitt wurde Schulgelände.

Am 18. September 1999 konnte ein erster Teil des (schon in den 1960ern) geplanten Kleinbahnmuseums im ehemaligen Wohldorfer Bahnhofsgebäude eröffnet werden. Im Obergeschoss sind Bilder und Realien der Kleinbahn ausgestellt.

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