Kleinwagen


Kleinwagen
Kleinwagen VW Polo als meistverkauftes Modell 2009 und 2010 in Deutschland

Der Begriff Kleinwagen bezeichnet in Europa die Fahrzeugklasse zwischen Kleinstwagen und Kompaktklasse. Typische Vertreter sind der VW Polo, der Opel Corsa, der Fiat Punto und der Ford Fiesta.

In den 1950er und 1960er Jahren stand die Bezeichnung Kleinwagen für deutlich kleinere Fahrzeuge, die Gattung oberhalb der Rollermobile. Charakteristisch für Kleinwagen war damals ein Zweizylindermotor mit einem Hubraum von ca. 600 bis 700 cm³ und einer Motorleistung zwischen 20 und 30 PS (15 bis 22 kW). Typische Vertreter waren der NSU Prinz, der Lloyd Alexander sowie die BMW-Modelle 600 und 700.

Seit den 1970er Jahren folgen alle Kleinwagen der Automobilbauart, die 1959 mit dem Mini eingeführt wurde. Charakteristisch ist dabei der quer eingebaute Frontmotor, Frontantrieb und ein Steilheck bzw. Schrägheck mit einem gegenüber einer Stufenheck-Limousine verkürzten Kofferraum.

Inhaltsverzeichnis

Bauformen

Die charakteristische Bauart von Kleinwagen wurde mit dem Mini zum Erfolg geführt.

Fahrzeuge mit Schrägheck fanden bis in die 1950er und 1960er Jahren kaum Käufer in Deutschland. Aus praktischen Erwägungen setzte sich diese Bauform für Fahrzeuge im unterem Segment dann weitgehend durch. Varianten mit Stufenheck spielen auf dem deutschen Markt keine Rolle mehr, dennoch existieren von zahlreichen Kleinwagenmodellen solche Ableger, die oft unter einem eigenständigen Modellnamen angeboten werden bzw. wurden (Polo / VW Derby). Kleinwagen werden in den südlichen Ländern zu einem höheren Anteil als Familienauto genutzt und benötigen in dieser Funktion einen großen Kofferraum und möglichst vier Türen, was die größere Verbreitung der Stufenheckvarianten erklärt. Diese verlängerte Bauform wurde bzw. wird von Herstellern auch als Plattform für Kleinwagenkombis genutzt. Kombis sind jedoch deutlich weniger etabliert als in der Kompaktklasse. Einige Kleinwagen wurden als Basis für Kastenwagen genutzt, den Vorläufern der heutigen Hochdachkombis.

Marktsituation

Einige Aspekte sprechen für einen Kleinwagen: geringer Kraftstoffverbrauch, niedrigere Versicherungsprämien und Kfz-Steuern, in Ballungsräumen ist die Parkplatzsuche am Straßenrand einfacher. Zahlreiche Modelle bieten heute ein deutlich höheres Maß an Insassenschutz als noch vor wenigen Jahren. Allerdings gibt es bis heute einige Modelle, für die auch gegen Aufpreis kein ESP erhältlich ist. Bei vielen Modellen sind Ausstattungsvarianten wie ESP oder Klimaanlage nur gegen Aufpreis erhältlich, während sie in der nächstgrößeren Klasse bereits zum Serienumfang gehören. Dies führt dazu, dass der Listenpreis-Unterschied zwischen Kleinwagen und Kompaktwagen größer erscheint, als er – „ausstattungsbereinigt“ – tatsächlich ist. Früher wurden sogar Kleinwagen ohne Antiblockiersystem („ABS“) angeboten.

Ein relativ neuer Trend sind Premium-Kleinwagen. Diese geben sich wesentlich sportlicher als klassische Kleinwagen und richten sich an zahlungskräftige Kunden, die ein dennoch kleines Fahrzeug suchen. Typische Merkmale sind eine höhere Motorisierung bereits in der Grundversion und Zweifarblackierungen. Als Pionier dieses Konzeptes gilt der 1985 vorgestellte Lancia Y10, es folgten nach 2000 Modelle im Retrodesign wie der MINI von BMW, der Fiat 500 und der Alfa Romeo MiTo. Neue Impulse in diesem Segment ohne historisches Vorbild gaben der Citroën DS3 und der Audi A1. Der A1 hat viele Bauteile mit dem VW Polo gemein (siehe Plattform (Automobil)).[1]

Wegbereiter der Premium-Kleinwagen waren im deutschsprachigen Raum auch die Premium-Kompaktwagen (Mercedes-Benz A-Klasse (seit 1997), Audi A3 (seit 1996) und BMW 1er (seit 2004) sowie der Smart.

Neuzugelassene Kleinwagen-Modelle in Deutschland 2010

Rang Fahrzeugmodellreihe Anzahl Anteil
gewerblicher Halter
1 VW Polo 96.945 33,0 %
2 Opel Corsa 65.304 59,8 %
3 Ford Fiesta 51.598 49,9 %
4 Škoda Fabia 48.609 47,3 %
5 BMW Mini 31.477 51,5 %
6 Seat Ibiza, Cordoba 23.570 50,5 %
7 Peugeot 207 23.994 54,2 %
8 Renault Clio 23.333 52,4 %
9 Nissan Micra 17.689 28,4 %
10 Citroën C3 16.619 60,7 %

Aktuelle Modelle

Frühere Modelle

Kein vollständiger Katalog, aber einige typische Vertreter ihrer Zeit

1970–1979

1980–1989

1990–1999

2000–2010

Kleinwagen im Film

Einzelnachweise

  1. In den 1970ern waren VW Polo und Audi 50 fast identisch; aus marketingstrategischen Gründen nahm der VW-Konzern 1978 den Audi 50 nach nur vier Jahren und 180.828 produzierten Einheiten wieder aus seinem Modellprogramm. Das – damals in der Automobilindustrie neue – Badge-Engineering kam in Teilen der Kundschaft bzw. der Öffentlichkeit nicht gut an.

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