Kliffküste

Kliffküste
Schema der Kliffküste
Klippen entlang der südwestlichsten Küste von Portugal

Die Kliffküste, auch Abbruch- oder Abrasionsküste, bezeichnet eine Küstenform, die durch das Wirken der Meeresbrandung auf eine Steilküste gestaltet wird (Gegenbegriff: Flachküste).

Inhaltsverzeichnis

Etymologie

Es handelt sich um ein romanisches Lehnwort, das seinen Ursprung in den lateinischen Formen clivus / clevus (Abhang) hat.[1][2] Über ihre mittelniederdeutschen Formen ist die Bezeichnung etymologisch verwandt mit Klippe und den Kliff-Namen des Binnenlands.[3]

Bildung

Durch die ständige Arbeit der Meeresbrandung, der Abrasion, entsteht an der Küste ein Steilabfall, das Kliff. Hier findet ein ständiger Hangabtrag statt. Die Meereswellen laufen auf der Abrasionsplatte oder Felsschorre an und prallen an den Fuß des Steilufers. Dort bilden sie durch anhaltende Abrasionswirkung Brandungshohlkehlen aus, oberhalb verbleibt ein Überhang. Dieser Überhang prägt sich immer stärker aus, bis das Eigengewicht ihn zum Absturz bringt. Das abgebrochene, locker auf der Schorre aufliegende Material wird vom Meerwasser nach und nach abgetragen. Durch den Abbruch des Kliffs wird die Küste ins Landesinnere rückversetzt. Gleichzeitig vergrößert sich durch diese Prozesse die Abrasionsplattform. Die Geschwindigkeit, in der dies geschieht, hängt insbesondere von der Stärke der Brandung, der Höhe des Kliffs, der Anzahl der Sturmfluten und der Härte des anstehenden Gesteins ab. So verschiebt sich die mecklenburgische Küste um ca. 25 cm und das Kreidekliff an der Kanalküste Südenglands um 0,5 cm pro Jahr landeinwärts. Bei einer tektonischen Hebung der Küste können diese Abrasionsflächen als Küstenterrassen aufsteigen, an deren Höhenlage relativ zum Meeresspiegel sich unter Berücksichtigung der eustatischen Meeresspiegelschwankungen der erfolgte Betrag der Hebung ablesen lässt. Trifft die Brandung an einem Vorsprung der Steilküste von zwei Seiten Hohlkellen aus, die sich an einer Einschnürung des Vorsprungs treffen, können Bogenfelsen entstehen.[4] Die Kliffküste bildet sich häufig bei anstehendem Lockermaterial aus, wie beispielsweise das Rote Kliff auf Sylt, kann aber auch bei Festgestein entstehen wie bei den Steilküsten auf Rügen.

Lebende und Tote Kliffs

Als lebendes Kliff wird eine Steilküste bezeichnet, die aktiv ist, also erodiert und rückversetzt wird. Das tote Kliff hingegen wird nur noch von sehr hohen Meereswellen erreicht und ist deswegen kaum einer Veränderung unterworfen. Ein deutlicher Hinweis auf die geringe Aktivität am toten Kliff ist etwa eine Vegetationsdecke, die sich dank nachlassender Brandung im Kliffbereich erst ausbilden kann.

Bekannte Küsten in Deutschland mit einem lebendem Kliff sind das Rote Kliff in Kampen auf Sylt oder der Kreidefelsen auf Jasmund. Der Königsstuhl auf Rügen ist ein Beispiel für ein totes Kliff. Weitere finden sich in den Bereichen der heutigen Wattenküste der Nordsee mehrere Kilometer im Landesinneren. Diese zeigen die ehemalige Küstenlinie an, von der das Meer durch Absinken des Nordseepegels immer weiter zurückwich.

Manche Strömungsverhältnisse führen zur Ausbildung von Brandungspfeilern, die auf der Schorre vor der nach hinten versetzten Küstenlinie zurück bleiben. Das bekannteste Beispiel in Deutschland ist die Lange Anna auf Helgoland.

Weblinks

 Commons: Kliff – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Monika Buchmüller-Pfaff: Namen im Grenzland - Methoden, Aspekte und Zielsetzung in der Erforschung der lothringisch-saarländischen Toponomastik, Francia 18/1 (1991), Francia-Online: Institut historique allemand de Paris - Deutsches Historisches Institut Paris: Onlineressource
  2. Max Pfister: Altromanische Relikte in der östlichen und südlichen Galloromania, in den rheinischen Mundarten, im Alpenraum und in Oberitalien. In : Sieglinde Heinz, Ulrich Wandruszka [Hrsg.]: Fakten und Theorien : Beitr. zur roman. u. allg. Sprachwiss.; Festschr. für Helmut Stimm zum 65. Geburtstag, Tübingen 1982, S. 219 – 230, ISBN 3-87808-936-8
  3. Hjalmar Falk, Alf Torp: Wortschatz der germanischen Spracheinheit, 5., unveränd. Aufl., Unveränd. Nachdr. d. 4. Aufl. von 1909, Göttingen, 1979, ISBN 3-525-26405-4
  4. Hans Georg Wunderlich: Einführung in die Geologie, Band I, Exogene Dynamik, Bibliographisches Institut Mannheim/Wien/Zürich, B.I.-Wissenschaftsverlag, Mannheim, 1968, S. 116

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