Klubisten


Klubisten

Als Klubisten (oder auch Clubisten) werden die Mitglieder der außerhalb Frankreichs im Zuge der Französischen Revolution des 18. Jahrhunderts gegründeten Jakobiner-Klubs bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Die „Mainzer Klubisten“

In Deutschland bezeichnet Klubisten insbesondere die Mitglieder des am 23. Oktober 1792 gegründeten Mainzer Jakobinerklubs „Freunde der Freiheit und Gleichheit“, die als Initiatoren der Mainzer Republik von 1793 gelten.

Nach dem Ende der kurzlebigen Republik und der Besetzung von Mainz durch preußischen und österreichische Truppen setzte eine Verfolgung ein, bei der viele Klubisten Opfer von Misshandlungen wurden, bevor sie von den Besatzungstruppen verhaftet wurden:

Nach dem Abzuge der Franzosen waren die Einwohner den ganzen Tag beschäftigt, die Klubisten aus den Winkeln hervorzuziehen und in Arrest zu bringen; alle Augenblicke sah man einen mit Kopfwunden bedeckt, mit zerbrochener Nase, zerkratztem Gesicht, zerrissenen Haaren, mehr tot als lebendig durch die Straßen schleppen und wenn dem armen Schächer auch auf einen Augenblick Ruhe gelassen wurde, riß sich ein und der andere aus der Menge und ließ aufs neue seine Wut aus.[1]

Auch Goethe war im eroberten Mainz Zeuge der an den Klubisten vor allem am 24. und 25. Juli geübten Lynchjustiz geworden. Er schreibt über einen an einer Straßenkontrolle entdeckten „Erzklubisten“:

Ihn aber schleppt man auf den nächsten Acker, zerstößt und zerprügelt ihn fürchterlich; alle Glieder seines Leibes sind zerschlagen, sein Gesicht unkenntlich. Eine Wache nimmt sich endlich seiner an, man bringt ihn in ein Bauernhaus, wo er auf Stroh liegend zwar vor Tätlichkeiten seiner Stadtfeinde, aber nicht vor Schimpf, Schadenfreude und Schmähen geschützt war.[2]

Das kann noch als ein glimpflicher Ausgang gelten. Eine 19jährige, die bei einigen Theateraufführungen der Jakobiner mitgewirkt hatte, wurde derart mit Gewehrkolben zusammengeschlagen, dass sie zwei Tage später an den Verletzungen starb[3]

Viele von den tatsächlichen und vermeintlichen Mainzer Klubisten wurden auf der Festung Königstein gefangen gehalten. Die ebenfalls dort eingekerkerte Caroline Böhmer schreibt über die Zustände:

Sie sprechen von Formalitäten, sie sezen Anklage, Vertheidigung, Untersuchung voraus - wo fand dergleichen Statt? Räuberformalitäten übt man an uns - und sie tun nicht wohl im deutschen Eifer einer Nation ausschließlich das Räuberhandwerk zuzueignen. Mir müßten sie es wenigstens nicht sagen, die ich 160 Gefangene sah, welche durch deutsche Hände gingen, geplündert, bis auf den Tod geprügelt worden waren, und ohngeachtet die wenigsten von ihnen den Franken [d. h. den Franzosen] wirklich angehangen hatten, jetzt der deutschen Großmuth fluchen mussten. Königstein bildet eifrige Freyheitssöhne - alles, was sich von Kraft in diesen Armen regt, lehnt sich gegen dies Verfahren auf.[4]

Die in den Festungen Königstein und Ehrenbreitstein bei Koblenz[5] einsitzenden Klubisten ließ man 1795 im Rahmen einer mit Frankreich vereinbarten gegenseitigen Freilassung von Gefangenen frei. Die meisten schlossen sich der französischen Armee an oder übten in besetzten deutschen Gebieten zivile Funktionen aus.

Quellen

  • Johann Heinrich Liebeskind: Rückerinnerungen von einer Reise durch einen Teil von Deutschland, Preußen, Kurland und Livland – während des Aufenthaltes der Franzosen in Mainz und der Unruhen in Polen, Strasburg/Königsberg 1795. (PDF)
  • Die Mainzer Klubbisten zu Königstein: Oder, die Weiber decken einander die Schanden auf. Ein tragi-komisches Schauspiel in einem Aufzuge. (1793) In: Franz Blei (Hrsg.): Deutsche Litteratur-Pasquille. Leipzig 1907 Digitalisat
  • Protokoll der Mainzer Klubisten, 1792/93, Stadtarchiv Mainz

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Frankfurter Journal, 29. Juli 1793; zitiert in Franz Blei Deutsche Litteratur-Pasquille 1907, S. 37
  2. Belagerung von Mainz, 25. Juli 1793. In: Goethe Werke. Hamburger Ausgabe. 1948ff. Bd. 10, S. 388
  3. Kleßmann Universitätsmamsellen. Frankfurt am Main 2008, S. 203
  4. Brief Böhmers an Gotter. Zitiert in Eckart Kleßmann: Universitätsmamsellen. Frankfurt am Main 2008, S. 201f
  5. Die dortigen Gefangenen wurde Anfang 1794 auf den Petersberg bei Erfurt verlegt.

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