Knowth


Knowth
Gesamtansicht Knowth
Skizze zur Lage von Knowth im Westen des Brú na Bóinne-Gebietes
Teil der Anlage Knowth

Knowth (irisch: Cnobha) ist als Teil des Brú-na-Bóinne-Komplexes eine große Ansammlung von vorzeitlichen Megalithanlagen bei Donore im Boyne Valley, im County Meath in Irland. Sie besteht aus dem Haupthügel und rund 20 kleineren Satellitenanlagen, die 1 km nord-westlich von Newgrange und 2 km westlich von Dowth liegen. Der Haupthügel übertrifft in seiner Größe beinahe alle Megalithanlagen Irlands.

Inhaltsverzeichnis

Forschungsgeschichte

Bereits ab 1940 wurden von R. A. S. MacAllister Grabungen durchgeführt. Zu dieser Zeit waren die Satellitenanlagen noch unentdeckt. Nur an wenigen Stellen reichten einzelne Steine über die Grasnarbe hinaus. Der Haupthügel mit dem West- und dem Ost-Grab und die einst 20 (17 erhaltenen) benachbarten Passage tombs wurden von George Eogan ab 1962 in 25-jähriger Arbeit ausgegraben.

Architektur

Die Anlage ist vermutlich älter als Newgrange, das auf ca. 3.150 v. Chr. datiert wird. Der Haupthügel enthält ein Grab mit einer unbestimmten Kammer und eines mit Kreuzkammer, deren Kammerdecke aus einem falschem Gewölbe besteht. Außerdem befinden sich in dem auch als Knowth 1 bezeichneten Hügel zahlreiche Gräber jüngerer Zeit sowie mehrere mittelalterliche Souterrains.

Die Satellitengräber umgeben den Haupthügel kreisförmig. Einige findet man jedoch auch in größerer Entfernung. Acht der Satellitenanlagen haben eine unbestimmte, sechs eine Kreuzkammer. Knowth hat extrem viele dekorierte Wandsteine in den Gängen und Kammern des Haupthügels aber auch in einigen Satellitenanlagen. Eogan spricht von alles in allem, fehlende Steine hochgerechnet, 300 dekorierten Steinen. Nach Eogan und Twohig repräsentieren die Ritzungen, obwohl sie in beiden Kammertypen vertreten sind, unterschiedliche Stile. Eogan spricht von angular (eckig) bei Newgrange und von rectilinear (rechteckig).

Der Haupthügel

Der zwei Anlagentypen präsentierende Komplex von Knowth

Der ovale Haupthügel hat einen Durchmesser von 80 m bzw. 95 m (275 m Umfang) und ist fast 10 m hoch. Er war, innerhalb des Randsteinkreises aus 127 Steinblöcken (jeder über 2 m lang), von einem sehr viel später angelegten Graben umgeben. Eine Unterbrechung des Randsteinkreises liegt bei Satellit Nr. 16. Da dieser vor der Anlegung des Ostgrabes bereits existierte, wurde bei der Anlage des Randsteinkreises Rücksicht darauf genommen. Sein Zugang wurde in einen neu geschaffenen abgeknickten Gang verlegt, ein Unikat in der megalithischen Architektur Irlands. Der Hügelaufbau erfolgte in Schichten aus Grassoden, Lehmbrocken, Rollsteinen und Schiefer.

West-Grab

Das ältere Westgrab ist 34 m lang. Vor dem Zugang liegen Reste hufeisenförmiger oder runder Steinsetzungen. Sie sind zumeist nahe den Randsteinen des Hügels aufgebaut. Der Gang und die Kammer bestehen aus 80 Wand- und 32 Deckensteinen. Im Gang wurde ein verzierter Schalenstein (basin stone) gefunden, der ursprünglich in der Kammer gestanden hat. Die sich gegenüber dem Gang nur leicht erweiternde und erhöhende Kammer ist durch einen hohen Schwellenstein vom Gang abgetrennt. Auch das Kopfende der Kammer ist durch zwei aufrechte Steine in axial liegende Sektoren unterteilt. Vor dem Eingang der Passage befinden sich zwei Menhire, von denen einer hoch und schmal, während der andere klein und fast rund ist.

Ost-Grab

Das jüngere Ostgrab ist über 40 m lang. Sein Gang ist mit 30 m² der längste aller Ganggräber. Das 9 m hohe Kraggewölbe der Kreuzkammer ist das höchste Irlands. Die horizontal aufgelegten Steine des Ganges sind zur Mitte hin, wo die Belastung durch den Hügel zunimmt, mitunter gebrochen oder Seitensteine des Ganges sind in den Gang verkippt. In der Mitte einer gepflasterten Bodenfläche, die genau vor dem Eingang liegt, stand einst ein kleiner Menhir. Sechs weitere hufeisenförmige oder runde, jedoch ungepflasterte Steinsetzungen liegen nahe der Randsteine des Hügels (zwischen Nr. 8 und 14). Der Eintrittsstein vor dem Gang (Nr. 74) ist mit besonderen, geradlinigen Markierungen versehen, die sich im Stil deutlich von den Spiralmustern von Newgrange und den Westray Stones unterscheiden. In der rechten Seitennische befindet sich ein als „Dagda’s Couldron“ bezeichneter Schalenstein, auf dem vermutlich die Asche der Verstorbenen niedergelegt wurde. Ein spiralförmig verzierter Keulenkopf, der in der Anlage entdeckt wurde, zeigt Analogien zu Artefakten der Grooved ware.

Die Satelliten

Die Satelliten sind wesentlich kleiner (bis zu 22 m Durchmesser). Viele wurden erst während der Ausgrabung entdeckt und waren mehr oder weniger stark zerstört. Zumindest einige sind älter als der Haupthügel, da zwei von ihnen umgebaut wurden, um Platz für die Begrenzungssteine des Haupthügels zu schaffen. Die Gänge vieler Satelliten scheinen auf Knowth 1 ausgerichtet zu sein, was immer wieder die Frage aufwirft, ob der Haupthügel einen Vorgänger gehabt hat. Auch die Satellitengräber enthalten zum Teil gravierte Orthostaten und Schalensteine in der Kammer.

Die meisten dieser Satelliten wurden rekonstruiert, die Hügel bestehen aus Schaumpolystyrol oder Zement und sind mit Grassoden bedeckt.

Die Kunst von Knowth

Kunst auf Stein

G. Eogan unterscheidet bei irischen Megalithanlagen den „Angular“ und den „Rectilinear Stil“. Beide Stile sind in Knowth auf den Orthostaten der Gänge und Kammern vertreten, von denen es insgesamt 45 gibt. Eckige Zeichen, die auch für Barclodiad y Gawres, Fourknocks 1 und Newgrange typisch sind, kommen in Knowth im jüngeren Ostgrab (12) im Westgrab (4) und in Grab 16 (6) vor. Rectilineare Bilder gibt es im Ostgrab (11) und im Westgrab (10). Hinzu kommen die beiden Randsteine vor den Eingängen und ihre Verzierung.

Die Steine

Übersicht Großsteinfunde
Knowth 1 197 Steine
Knowth 2–18 41 Steine
Knowth zerstört 20 Steine
sonstige 3 Steine
Knowth total 261 Steine
Newgrange total 106 Steine

Spätere Nutzung

Besucher-Informationstafeln bei Knowth, 2008
Chronologie der verschiedenen Nutzungsarten von rechts nach links:
NeolithikumEisenzeitFrühchristliche ZeitNormannische Zeit

In der Folge wurde Knowth als Begräbnis- und möglicherweise als Ritualplatz benutzt, wovon 34 Steinkistengräber und Reste eines Pfahlkreises zeugen. Während der Eisenzeit wurde auf dem Haupthügel eine mit Gräben geschützte Befestigung angelegt. Zu Beginn der Christianisierung errichteten die Mönche der Abtei von Mellifont auf dem Hügel steinerne Mauern und Gebäude. Vermutlich wurde diese Anlage als Farm im Kirchenbesitz (engl. Grange) betrieben. Bis in die Neuzeit wurde Knowth schließlich agrarisch genutzt, bis der Staat die Anlage 1939 erwarb.

Besuch

Knowth kann in den Monaten April–Oktober geführt besucht werden. Die Führungen starten am Brú na Bóinne-Komplex, dem Visitor Center von Newgrange. Dort sind Führungen zu beiden Grabhügeln nur separat zu buchen. Man findet das Visitor Center, wenn man von der N2 in der Nähe von Slane der Ausschilderung folgt. Knowth und Newgrange sind nur von dort zu besuchen.

Literatur

  • Eogan George: Knowth and the passage-tombs of Ireland. Thames and Hudson, London 1986.
  • Eogan George: Knowth before Knowth. In: Antiquity 72, 1998.
  • Eogan, George/Helen Roch: Excavations at Knowth 2, Settlement and ritual sites of the fourth and third millenia BC. Royal Irish Academy, The National Monuments Service, Heritage Division, Department of Arts, Culture and the Gaeltacht, Dublin 1997 (Royal Irish Academy monographs in archaeology 3).

Weblinks

 Commons: Knowth – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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