Konformismus


Konformismus

Von Konformität oder Konformismus wird in verschiedenen Bedeutungen zu unterschiedlichen Bezügen gesprochen. Der Begriff bezeichnet die Übereinstimmung einer Person oder manchmal auch einer Sache mit den Normen eines Kontextes. Das kann ein gesellschaftlicher, ein inhaltlicher oder ein ethischer Kontext sein.

„Konformismus“ bezeichnet mit kritischem Beiklang eine Haltung, die sich im Lebensvollzug und in der Entscheidungsfindung überdurchschnittlich stark an den Normen und Meinungen der Mehrheit der Gesellschaft beziehungsweise der Bezugsgruppe orientiert. Eine Tendenz zum Konformismus kann einerseits im inneren Bedürfnis nach einem Gefühl der Zugehörigkeit und der Sehnsucht nach Integration durch Assimilation wurzeln, andererseits in äußerem Konformitätsdruck der umgebenden Gesellschaft oder der Bezugsgruppe.

Der Gegensatz dazu ist Nonkonformismus oder auch Individualismus. Hierbei strebt das Individuum vergleichsweise stark eigene selbständige Entscheidungen an. Individualismus ist dabei ein vielschichtiger Begriff, der neben der Bedeutung im Gegensatz zu Konformismus auch ein Gedankensystem bezeichnet, dessen Gegensatz Kollektivismus ist.

Inhaltsverzeichnis

Begriffsherkunft

Die Begriffe Konformismus und Nonkonformismus sind mit der englischen Religionsgeschichte verbunden. So ist unter einem Nonkonformisten ursprünglich jemand zu verstehen, der sich der englischen Staatskirche nicht unterworfen hat. In der Folge wurde dies zur Bezeichnung für jemanden, der sich der herrschenden Meinung nicht anschließt. Nonkonformismus erhielt so den „Beigeschmack“ von persönlicher Unabhängigkeit und Zivilcourage.

Sozialpsychologie

Konformität als ein Begriff aus der Sozialpsychologie bezeichnet das Übereinstimmen eines Individuums mit den allgemein anerkannten Normen und Werten seiner Referenzgruppe bzw. einer Gesellschaft als Ganzes.

Erich Fromm sieht in der Konformität eine Pseudo-Einheit, die dem Wunsch des Menschen nach Vereinigung nicht gerecht werde (siehe auch Die Kunst des Liebens).

Von Moede beobachtete, dass bei individuellen Leistungsunterschieden in einer Schulgruppe die Tendenz besteht, sich anzugleichen. Solche, die allein arbeitend sehr gute Leistungen aufwiesen, sanken in der Gruppe ab, während bei Schülern mit schlechten Individualleistungen eine Verbesserung in der Gruppe festgestellt wurde.

Die 68er-Bewegung protestierte z. B. gegen einen ihrer Meinung nach bestehenden Konformismus in der Gesellschaft der 1950er Jahre, der unter anderem an einer einheitlichen strengen Kleidungsordnung, aber auch in durch Massenmedien vereinheitlichten Meinungen im Mainstream sichtbar gewesen sei.

Konformität als Thema der Literatur

Literaten wie Robert Musil (Der Mann ohne Eigenschaften) oder Heinrich Mann (Der Untertan) setzten sich kritisch mit Konformität und Opportunismus auseinander.

Qualitätsmanagement

Im Qualitätsmanagement in der DIN EN ISO 8402 (1995-08, Ziffer 2.9) wird Konformität als die Erfüllung festgelegter Forderungen definiert. Diese Definition gilt für qualitätsbezogene Normen. Im ISO/IEC-Leitfaden 2 ist 'Konformität' anders definiert.

Für die Anwendung im Qualitätsmanagement reicht die Definition des Begriffes in dieser Form aus. Da aber die Forderungen in den Normen vielfach Ermessensspielräume in der Beurteilung beinhalten, ist der Abgleich der Konformität nicht immer einfach festzustellen. Dies gilt insbesondere, wenn nicht einzelne, klarer beschriebene Merkmale, sondern Gesamtzusammenhänge aus mehreren Merkmalen, wie Prozessabläufe zu bewerten sind.

Literatur

  • Günter Bierbrauer: Sozialpsychologie, 2005, ISBN 9783170182134
  • Hermann Broch: Massenwahntheorie, 1939 bis 1948, ISBN 3518370022
  • Cialdini, Robert B. Cialdini: Die Psychologie des Überzeugens, 5. Auflage, 2008, ISBN 978-3456844787
  • René Hirsig: Menschliches Konformitätsverhalten - am Computer simuliert, 1974, ISBN 3764307129 (vergriffen)

Siehe auch


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