Konrad Ende

Konrad Ende
Dr. Konrad Ende

Konrad Ende (* 1. Juli 1895 in Groß Bislaw, Kreis Tuchel, Westpreußen; † 24. September 1976 in Salzgitter) war ein deutscher Politiker der Deutschnationalen Volkspartei.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Kaiserreich und Weimarer Republik

Konrad besuchte die Realschule in Riesenburg und bestand an der Oberrealschule St. Peter und Paul in Danzig das Abiturexamen. 1914 meldete er sich als Kriegsfreiwilliger und zog mit dem Feldartiellerieregiment Nr. 35 in Deutsch Eylau an die Front. Im Juli 1915 wurde er durch einen Lungenschuss schwer verwundet. Nach der Genesung wurde er dem neuaufgestellten Feldartillerieregiment Nr. 250 zugeteilt und kehrte an die Front zurück. Im März 1917 wurde er zum Leutnant der Reserve ernannt.

Nach dem Ende des Krieges studierte er Bergbau und Ingenieurwissenschaften in Leipzig und an der Bergakademie in Clausthal (heute TU Clausthal). Im Jahre 1919 trat er der in Clausthal ansässigen Turnerschaft Germania (heute Turnerschaft Rheno-Germania) bei. Nach mehreren Jahren Berufstätigkeit promovierte er 1933 an der Bergbauabteilung Technischen Hochschule in Breslau zum Dr. Ing.

Im Sommer 1923 legte er die Diplom-Hauptprüfung ab (Diplom-Bergingenieur). Bei einem Duell zog sich Ende zu dieser Zeit auffällige Gesichtsnarben zu, die noch in den 1960er Jahren deutlich erkennbar waren.[1] Ab 1925 war Ende als technischer Hilfsarbeiter bei der Zeche Holland der Vereinigten Stahlwerke AG beschäftigt. Zu dieser Zeit trat er in die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) ein. 1929 wurde Ende Stadtverordneter und Fraktionsführer der DNVP in Wattenscheid. Im Oktober 1931 wurde er Vorsitzender des DNVP-Landesverbandes Arnsberg.

NS-Zeit (1933 bis 1945)

Bei den Reichstagswahlen vom März 1933 wurde Ende als Kandidat der DNVP für den Wahlkreis 18 (Westfalen-Süd) in den Reichstag gewählt, dem er in der Folge bis zum November desselben Jahres angehörte. Im März 1933 stimmte Ende, zusammen mit den übrigen Abgeordneten der DNVP, für das Ermächtigungsgesetz mit dem der Reichstag sich de facto selbst entmachtete, indem er die legislative Gewalt auf die Regierung Hitler übertrug die somit legislative und judikative Gewalt auf sich vereinen konnte.

1941 wurde Ende als Ingenieur bei den Reichswerken Hermann-Göring-Werken in Salzgitter als Ingenieur angestellt. 1943 übernahm er dort Führungstätigkeiten. Während des Zweiten Weltkrieges leitete Ende die Bergwerkstätigkeit der Werke in Deutschland und den deutsch besetzten Gebieten.

Bundesrepublik (1949 bis 1977)

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges beteiligte Konrad Ende sich an der Neuordnung des Ruhrbergbaus. Die Reichswerke Hermann-Göring wurden zu dieser Zeit in eine bundeseigene Aktiengesellschaft für Berg- und Hüttenbetriebe (Salzgitter AG) umgewandelt. Ende, der neben seinem regulären Doktortitel auch den Titel eines Dr. Ing E. h. führte, wurde 1950 von der Bonner Regierung ausgewählt, um in dem neugeschaffenen Riesenkonzern – dem Time Magazine zufolge spätestens Anfang der 1960er Jahre der „größte sich vollständig im Staatsbesitz befindende Konzern der freien Welt“[2] – zum Generaldirektor und Vorstandsvorsitzenden bestellt. Damit nahm er eine Schlüsselposition in der bundesdeutschen Wirtschaft ein, die sich schon in den Volumina der Umsätze der Salzgitter AG widerspiegelt: 1961 konnte sie dem Time Magazine zufolge Erlöse im Wert von 789 Millionen US-Dollar durch den Verkauf von Erz, Kohle, Stahl, Öl und Schwermaschinen verbuchen. In der Zeit von Endes Antritt als Generaldirektor bis zum Jahr 1962 wuchsen die jährlichen Gewinne der Werke zudem um stattliche 475 % an, was um so beträchtlicher ist als Ende noch in den 1950er Jahren gegen die Demontage des als unsanierbar geltenden Industriezentrums in Salzgitter kämpfen musste. Selbst Konkurrenten zeigten sich zu dieser Zeit von Endes Tatkraft und davon, was er „mit diesem lausigen Erz“ erreicht habe, beeindruckt.

Um die Wirtschaft von Berlin zu stärken, übernahm Ende bzw. die Salzgitter AG im Auftrag der Bonner Regierung zwei Firmen in Westberlin, die elektrische Maschinen und Eisenbahnausrüstung herstellten. Anfang der 1960er Jahre baute Ende im Erzbaugebiet Niedersachsen für 75 Millionen DM eine riesige Erzgrube. Da diese sich als langfristig unrentabel erwies, da sie Eiseneinheiten deutlich teurer produzierte als die Konkurrenz, ging man von der verlustreichen Stahlkocherei zur lukrativeren Stahlverarbeitung über. 1962 erwarb Ende die Braunschweiger Lkw- und Omnibus-Firma Büssing AG und errichtete in Salzgitter ein neues Werk. Die Firma Büssing erwies sich aufgrund des Zusammenbruchs des westdeutschen Lastwagenmarktes letztlich ebenfalls als unwirtschaftlich: Bis zum Herbst 1967 machte sie einen Verlust von 240 Millionen DM.[3]

Als Ende im Alter von 72 Jahren aus seinem Amt als Aufsichtsratsvorsitzender bei den Salzgitter Werken ausschied, folgte ihm der Staatssekretär des Bundesschatzministeriums Wolfram Langer nach.

Von 1957 bis 1968 war Ende zudem Mitglied im Aufsichtsrat und im Kreditausschuss der Norddeutschen Bank. Zuvor war er bereits Mitglied und Vorsitzender des Beirates Braunschweig dieser Bank gewesen.[4] Des Weiteren gehörte dem Aufsichtsrat der Kieler Howaldtswerke AG an.

Ehrungen und Auszeichnungen

Ende war 1963 die erste Person, der die Ehrenbürgerschaft der Stadt Salzgitter verliehen wurde. Die Ehrungsurkunde ist gewidmet „[…] dem zielbewussten Leiter der Salzgitterschen Schwerindustrie in der Zeit des Wiederaufbaus nach der Demontage, dem überlegenen und energischen Verfechter des Salzgitter-Stahls, der aus der hoffnungslosen Lage der ersten Nachkriegsjahre die Eisen- und Stahlindustrie Salzgitters wieder zur Weltgeltung führte und mit seinem Betreiben Zehntausenden von Vertriebenen und Flüchtlingen zu einer neuen Heimat verhalf.“

Es folgten noch weitere Ehrungen, wie der Titel „Konsul von Peru" sowie der Verdienstorden des Landes Niedersachsen und das große Bundesverdienstkreuz mit Stern. Heute erinnert unter anderem der nach ihm benannte ehemaligen Eisenerzbergwerk Schacht Konrad in Salzgitter an Konrad Ende. Ein Schacht gleichen Namens befindet sich in Recklinghausen-Hochlarmark.

Literatur

  • Horst-Rüdiger Jarck, Günter Scheel (Hrsg.): Braunschweigisches Biographisches Lexikon. 19. und 20. Jahrhundert, Hannover 1996, S. 163.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Europe's Businessmen Bureaucrats, in Time Magazine vom 30. November 1962.
  2. Europe's Businessmen Bureaucrats, in Time Magazine vom 30. November 1962. Im Original: the biggest wholly state-owned industrial company in the free world.
  3. Der Spiegel 43/ 1968, S. 50f.
  4. Die Zeit Nr. 41, erschienen am 1. Oktober 1976.

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