Konsum (Österreich)


Konsum (Österreich)

Konsum Österreich ist der Name einer ehemaligen österreichischen Konsumgenossenschaft. Dieses Großunternehmen des Einzelhandels gehörte bis zu seiner Insolvenz 1995 seinen Mitgliedern - formell gilt das auch heute noch. Langjähriger Vorsitzender des Aufsichtsrates und damit oberster Eigentümervertreter war Anton Benya, Mehrfachpräsident (Österreichischer Gewerkschaftsbund, Präsident des Österreichischen Nationalrats). Außerdem waren der Österreichische Gewerkschaftsbund und der Konsum jahrzehntelang gemeinsame Besitzer der Bank für Arbeit und Wirtschaft. Der Konsum Österreich wurde daher von Teilen der Öffentlichkeit nicht als Genossenschaft sondern fälschlicherweise als gewerkschaftseigenes Unternehmen wahrgenommen, was er formell nie war.

Die Insolvenz-Summe betrug 26 Milliarden Schilling (ca. 1,89 Mrd. €). Einige kleinere regionale Konsumgenossenschaften, etwa Ausseerland-Konsum (Filialnetz im Ausseer Land) und Salzkammergut-Konsum (Filialnetz im Inneren Salzkammergut, dem angrenzenden Salzburger Land und Vöcklabruck-Umgebung) sowie in Vorarlberg blieben von der Insolvenz unberührt, da sie rechtlich eigenständige Unternehmen waren. Alle Filialen des in den Medien häufig als "roter Riese" bezeichneten Unternehmens "Konsum Österreich" (reg.Gen.m.b.H.) waren aber vom Insolvenzverfahren betroffen und wurden im Rahmen des Ausgleichs großteils an Rewe Österreich (Billa), Spar, Julius Meinl und Zielpunkt verkauft. Der Ausseerland-Konsum begann im Jahr 2000 eine stille, insolvenzlose Liquidation; den Salzkammergut-Konsum gibt es trotz ernsthafter wirtschaftlicher Turbulenzen immer noch.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die ersten Genossenschaften gründeten sich in Österreich nach dem Kaiserlichen Patent vom 26. November 1852, als ein neues Vereinsgesetz geschaffen wurde. Viele Arbeiter, die den steigenden Preisen entgehen wollten, solidarisierten sich lokal auf genossenschaftlicher Basis. Zahlreiche so genannte Konsumgenossenschaften, also Genossenschaften im Einzelhandel, die sich in erster Linie mit dem Vertrieb von Nahrungs- und Genussmitteln sowie verwandten Waren des täglichen Bedarfs befassten, wurden gegründet. Die erste gründete sich 1857, 15 Jahre später, 1873, waren es bereits 508 darunter der 1864 gegründete Erste Niederösterreichische Arbeiter-Konsumverein.

1872 wurde der "Allgemeine Verband, der auf Selbsthilfe beruhenden Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften in Österreich" gegründet. Das Warensortiment in den einzelnen Konsumgenossenschaften variierte je nach Ort und Lage sowie Betriebsgröße und sozialer Schicht der Mitglieder. Am 9. April 1873 wurde ein neues Genossenschaftsgesetz erlassen. Dadurch erhielten die Genossenschaften selbständige Rechtspersönlichkeit und entgingen damit der staatlichen Beaufsichtigung, jedoch traten gleichzeitig strengere Vorschriften in Kraft, wie etwa der Registrierungszwang oder die Haftpflicht für Mitglieder.

Zwischen 1890 und 1910 verfünffachten die Konsumgenossenschaften ihre Umsätze und Mitgliederzahl. In der Mehrzahl der Konsumgenossenschaften in Wien und Niederösterreich wurde mit der Mehrheit der Stimmen der Sozialdemokratischen Mitglieder in den Konsumgenossenschaften Sozialdemokraten mit der Leitung betraut. Gegen diese wirtschaftlich riskante Entwicklung gab es in der Partei zwar zunächst deutliche Vorbehalte, die Gründungswelle hatte allerdings den Charakter einer administrativ schwer kontrollierbaren "Bewegung von unten". 1903 kam es, durch starke Unterstützung von Teilen der Sozialdemokratischen Partei, zur Gründung des "Zentralverbandes österreichischer Konsumgenossenschaften". Dieser Verband spaltete sich bald vom Allgemeinen Verband ab, welcher immer wieder seine politische Neutralität betonte.

1904 gehörten dem Zentralverband bereits 220 Konsumgenossenschaften an. Bis 1913 gehörten bereits 70 Prozent aller österreichischen Konsumgenossenschaften zum Zentralverband österreichischer Konsumgenossenschaften. Der Rest, der im Allgemeinen Verband verblieb, bestand aus bürgerlichen Konsumgenossenschaften, so etwa die bedeutende, 1862 gegründete Genossenschaft Erster Wiener Consum-Verein. Die Gründung des Zentralverbands österreichischer Konsumgenossenschaften (kurz: Konsumverband) führte allerdings nicht unmittelbar zu wirtschaftlichem Erfolg. Ein beachtlicher Teil der Wiener Konsumgenossenschaften war sogar konkursreif. Da die Konsumgenossenschaften in der Öffentlichkeit als sozialdemokratische Einrichtung betrachtet wurden und die Sozialdemokratische Partei sich diesen Imageverlust nicht leisten wollte, musste die Partei die Flucht nach vorne antreten und die wirtschaftlich gespannte Lage entschärfen. Mit Unterstützung der sozialdemokratischen Partei wurden fünf finanziell schwer angeschlagene Konsumgenossenschaften zur Arbeiterkonsumgenossenschaft Vorwärts zusammengelegt. Am Parteitag der Sozialdemokraten im Jahr 1909 wurden die Konsumgenossenschaften als "gleichwertiges Kampfmittel der Arbeiterbewegung" neben den Gewerkschaften und der Partei anerkannt.

1905 wurde die Großeinkaufsgesellschaft österreichischer Consumvereine, kurz GöC, gegründet. Dadurch wurde der Einstieg in den Großhandel und die zentrale Eigenproduktion ermöglicht. Der Konsumverein Vorwärts hatte aber von Anfang an eine schwache finanzielle Basis. Damit er sich auf dem Wiener Markt etablieren konnte, nahm er Kredite bei der GöC auf. Vorwärts gewährte überhöhte Rabatte, die jedoch nicht zum gewünschten Erfolg führten. Durch den Preiskampf kamen zusehends auch die wirtschaftlich gesunden Genossenschaften in finanzielle Schwierigkeiten. Das Aufbringen von eigenen Betriebsmitteln durch Mitglieder konnte mit dem äußeren Wachstum nicht Schritt halten und brachte viele Konsumgenossenschaften in die Abhängigkeit von Banken. Die GöC kam ebenfalls in finanzielle Schwierigkeiten, da viele ihrer Mitgliedsgenossenschaften hohe Beträge schuldig blieben.

Konsumgenossenschaften aus ganz Österreich mussten in der Folge große finanzielle Opfer bringen, um die Liquidität des GöC zu sichern. 1913 reagierte Karl Renner, der damalige Vorsitzende des Konsumverbands, auf die finanziell gespannte Lage der Konsumgenossenschaften, indem er den Kreditverband der österreichischen Arbeitervereinigungen (Vorläufer der 1923 gegründeten Arbeiterbank und heutigen Bank für Arbeit und Wirtschaft) gründete. Dieser Verband bündelte Gewerkschaftsgelder, Geldmittel der Konsumgenossenschaften und der sozialdemokratischen Organisationen. Dem Kreditverband der österreichischen Arbeitvereinigung gelang es zwar, die GöC vor dem finanziellen Untergang zu bewahren, finanziell saniert wurde sie aber erst durch die Einbindung in die Kriegswirtschaft des Ersten Weltkrieges.

Erster Weltkrieg und Folgen

Ab 1916 wurden die Konsumgenossenschaften eine Verteilerorganisation der Kriegswirtschaft. Um Streiks der hungernden Arbeiterschaft in Betrieben, die für die Kriegsproduktion zuständig waren, zu verhindern, bildeten sich Lebensmittelverbände aus den Konsumgenossenschaften, die die Belieferung der Rüstungsindustrie mit Nahrungsmittel übernahmen. Die staatlich übertragene Organisation von Lebensmittellieferungen an Konsumgenossenschaften verhalf ihnen zu Rekordgewinnen. Die Konsumgenossenschaften konnten so ihre Schulden bei den Banken und der GöC zurückzahlen. Dabei gewannen sie auch an Ansehen, da sie im herrschenden Verkäufermarkt weniger gewinnorientiert auftraten als die privaten Kaufleute.

Die Konsumgenossenschaften hatten während des Krieges großen Einfluss auf staatliche Ämter gewonnen. Die Genossenschaftsbetriebe expandierten stark. Die schwierige Lage auf dem Lebensmittelsektor brachte den Konsumgenossenschaften einen großen Zustrom an neuen Mitgliedern. Nach dem Ende des Krieges wurde versucht, zahlreiche Rüstungsunternehmen in zivile gemeinwirtschaftliche Unternehmen umzugestalten, gegründet, die GöC beteiligte sich an 23 solchen Unternehmen.

1920 wurde das Genossenschaftsgesetz novelliert, die Haftung der Mitglieder wurde eingeschränkt, die Verschmelzung von Konsumgenossenschaften wurde vereinfacht. Im selben Jahr wurde durch Fusion die Konsumgenossenschaft Wien und Umgebung (KGW) gegründet. Etwa zeitgleich wurde allerdings auch der Handel liberalisiert, während die Inflation stetig stieg. Die Konsumgenossenschaften sahen sich einem sinkenden Umsatz und Gewinn sowie einer sinkenden Mitgliederzahl gegenüber.

Ab 1924 wurden die Konsumgenossenschaften reorganisiert. Die Folgen der Reorganisation wirkten sich wie folgt aus:

  • Es bestand zwar weiterhin ein Naheverhältnis zur Sozialdemokratie (SDAP), die Konsumgenossenschaften versuchten aber nun in stärkerem Maße im Sinne der Rochdale-Neutralität als überparteilich zu gelten.
  • Die Konsumgenossenschaften wurden vereinheitlicht, die meisten Konsumgenossenschaften nahmen die Mustersatzung des Verbandes an.
  • Desolate Unternehmen aus der Lebensmittel- und Textilbranche wurden von der GöC übernommen. Durch die Übernahme von Textilgeschäften entstanden die GöC-Kaufhäuser. Somit wurde das Textilgeschäft aus den Konsumgenossenschaften ausgegliedert.
  • Die GöC wuchs über ihre eigentliche Funktion als reine Großeinkaufsgesellschaft hinaus. Für den Verkauf von langfristigen Konsumgütern wurde von der GöC eine eigene Kreditorganisation, namens "Gara" gegründet.

Die Weltwirtschaftskrise 1929 führte zu Umsatzrückgängen bei den Konsumgenossenschaften, die allerdings aufgrund der Inelastizität der Nachfrage nach Lebensmitteln des Grundbedarfs wirtschaftlich relativ erfolgreich blieben. Sie wurden jedoch durch die Arbeiterbank finanziell unterstützt. Auch wurde vermehrt auf die zentrale genossenschaftliche Eigenproduktion gesetzt.

Konsumgenossenschaften im Ständestaat

Keine wirtschaftliche, sondern eine politische Gefahr für die Konsumgenossenschaften stellte die neue politische Lage im Ständestaat ab 1933 dar. Mit mehreren Gesetzen wurde den sozialdemokratischen Konsumgenossenschaften schwer zugesetzt.

  • Die Konsumgenossenschaften wurden der Gewerbeordnung unterstellt und mussten somit um Gewerbescheine und Befähigungsnachweise ansuchen.
  • Konsumgenossenschaften wurde untersagt, neue Geschäfte zu eröffnen.
  • Fünf Prozent der vorhandenen Geschäfte mussten schließen.
  • 1934 wurde die Arbeiterbank aufgelöst. Die gänzliche Auflösung von Genossenschaften wurde durch die Hilfe der bürgerlichen landwirtschaftlichen Genossenschaften verhindert.

Konsumgenossenschaften zwischen 1938 und 1945

Mit dem Anschluss an das Deutsche Reich gerieten die Konsumgenossenschaften in eine noch weit schwierigere Lage als im Ständestaat. Die erste Maßnahme war die Einschleusung von Nationalsozialisten in die Schlüsselpositionen der Geschäftsleitungen, wobei aber zunächst die traditionellen Führungskader weitgehend intakt blieben. 1941 wurden die Konsumgenossenschaften in das "Gemeinschaftswerk der deutschen Arbeitsfront" einverleibt, wobei aber auch hier das mittlere und sogar höhere Management (Beispiele:Korp, Strobl) weitgehend unbehelligt blieb und zu „überwintern“ vermochte.

Konsumgenossenschaften 1945 bis 1978

Der Wiederaufbau der Konsumgenossenschaften ging schnell vonstatten. Bereits 1946 wurden der Konsumverband, der Zentralverband der Österreichischen Konsumgenossenschaften und die Zentralkasse der Konsumgenossenschaften gegründet, die die Rückstellung des genossenschaftlichen Vermögens zum Zweck hatte. Insgesamt entstanden zunächst 28 Großkonsumgenossenschaften, in denen 95 Prozent aller Konsumgenossenschaften vereinigt waren. Bis zum Jahr 1951 erreichte man den Mitgliederstand von 1937.

In der Nachkriegskonjunktur gelang es einzelnen Regionalgenossenschaften, sich als Innovatoren im Einzelhandel (etwa bei der Einführung der Selbstbedienung erfolgreich zu positionieren, jedoch waren manche Konsumgenossenschaften bereits 1958 wieder mit wirtschaftlichen Problemen konfrontiert. Der Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital nahm konstant ab. Die Rivalität zwischen der Hauptstadtgenossenschaft KGW und der GöC verkörpert in den Persönlichkeiten Otto Sagmeister und Andreas Korp, erwies sich als institutionelle Belastung. Die Mitgliederzahl stieg zwar laufend und hatte sich 1955 auf eine jährliche Zuwachsrate von 2 Prozent eingespielt. Der Hauptgrund für den Beitritt zu einer Konsumgenossenschaft war aber die Rückvergütung. In höheren Einkommens- und Sozialschichten wurde die Qualität der Waren vielfach als negativ bewertet. Große Handelsketten galten als fortschrittlicher.

Die Mitgliederstruktur war völlig überaltert. Unter den Mitgliedern waren fast doppelt so viele Über-70-jährige als Unter-30-jährige. Um die allgemeinen strukturellen Probleme zu lösen und die Genossenschaften auf eine finanziell sichere Basis zu stellen wurde in den Arbeitssitzungen zwischen Februar 1968 und März 1969 das Konzept 1969 als Vorschlag zur Strukturreform, entwickelt.

1970 wurde in Vösendorf ein Konsum-Großmarkt mit einer Verkaufsfläche von 10.000 Quadratmetern eröffnet. 1973 folgte ein Konsum-Einrichtungshaus. Die Zahl der Bezirkskonsumgenossenschaften verringerte sich bis 1972 aufgrund von Fusionen von 24 auf 16. Zwischen 1971 und 1977 wurden kleinere und unrentable Läden geschlossen. Gleichzeitig stieg die Anzahl größerer Selbstbedingungsläden mit einer Verkaufsfläche zwischen 400 und 1000 Quadratmetern.

Das Warensortiment wurde auf Nicht-Lebensmittel, hauptsächlich Textilien, erweitert. Durch das Nahverhältnis zur Sozialdemokratischen Partei wurde beim Bau eines Gemeindebaus fast automatisch den Konsumgenossenschaften ein Baurechtsgrundstück mit entsprechender Grundstückswidmung zugesprochen. Imagemäßig wurde die Konsumgenossenschaft, laut einer Umfrage 1971 folgendermaßen charakterisiert: groß, bekannt, konsumentenfreundlich, preisgünstig und bewährt. Trotzdem stieg der Marktanteil der Konsumgenossenschaften nur geringfügig.

Entwicklung zur Konsum-Einzelhandelskette

Um die Mitte der 1970er Jahre war die finanzielle Lage einiger Regionalgenossenschaften bereits besorgniserregend. Dies betraf unter anderem die Obersteiermark, den westlichen Bereich Niederösterreichs und die Vorarlberger Region (nicht aber die dortigen Ortskonsumvereine). Vor allem die Obersteiermark stellte ein zu großes Problem dar, als dass es durch Fusion mit einer gesünderen Nachbargenossenschaft gelöst hätte werden können. Die Generalversammlung der Zentralkasse der Konsumgenossenschaft fasste darum am 25. Juni 1976 den Beschluss, in drei Phasen eine Primärgenossenschaft zu gründen. Die erste Phase war die Schaffung einer neuen Spitzenorganisation der vorerst nur die Zentralkasse und den Konsumverband angehörten, es entstand die "Zentralkonsum Österreich reg.Gen.m.b.H."

In der zweiten Phase sollte den einzelnen Konsumgenossenschaften die Möglichkeit gegeben werden sich den Zentralkonsum anzuschließen. In der dritten und letzten Phase sollte durch eine gesellschaftsrechtliche Änderung die nationale Konsumgenossenschaft, "Konsum Österreich", gegründet werden. Aufgrund der Befürchtung, es würden sich nur die wirtschaftlich schwächeren Konsumgenossenschaften zur Fusion bereit erklären, die leistungsstarken würden hingegen fernbleiben, wurde der Drei-Phasen-Plan geändert. Die Zweite und die Dritte Phase wurden zusammengefasst. Es fusionierten gleichzeitig alle Konsumgenossenschaften mit der Zentralkasse und die Gründung des "Konsum Österreich" wurde beschlossen. Die Genossenschaften Ausseerland, Salzkammergut, Abtenau, Ludesch, Schruns und Umgebung und der Erste Lungauer Wirtschaftsverein, schlossen sich nicht dem Konsum an.

Am 22. Juni 1978 wurde auf der Generalversammlung die Firma "Konsum Österreich reg.Gen.mbH" beschlossen. Am 23. Juni 1978 gab es einen Festakt zur Gründung des Konsums in der Hofburg. De facto handelte es sich bereits um eine Notfusion. In den Medien wurde das Ereignis aber als die Bildung eines imposanten "Roten Riesen" dargestellt. Nach einer kurzen Erholungsphase zeigten die Bilanzen des fusionierten Unternehmens ab der Mitte der 1980er-Jahre immer dramatischere Betriebsabgänge, die nur mühsam und oberflächlich, etwa im Wege von Sale-Lease-Back-Geschäften kaschiert werden konnten.

Die letzte Phase des Niedergangs (ab 1991)

Es wurde immer deutlicher, dass der Konsum Österreich aus eigener Kraft zu einem Turnaround nicht mehr fähig war. Zugleich bestanden aber weiter große Widerstände gegen die Preisgabe der eigenen Selbständigkeit. 1991 scheiterten Kooperationsgespräche mit den Schweizer Konsumgenossenschaften "Coop" und "Migros". Auch 1992 blieben neuerliche Gespräche ohne Ergebnis. Am 16. Oktober 1992 verkaufte der Konsum 71.150 Aktien der BAWAG (etwa 5 Prozent des Unternehmens) an die "Z-Länderbank Bank Austria AG. Der entsprechende Vertrag sah die Errichtung einer stillen Gesellschaft "Konsum Österreich Z-Länderbank Bank Austria AG" vor.

1993 kam es schließlich doch zu einer Kooperation mit der Schweizer Migros-Genossenschaft. Die Zusammenarbeit sollte vor allem den Einkaufs-, Marketing-, und Verkaufsbereich betreffen. Migros wurde zu 25 Prozent an den KGM Familia Märkten beteiligt. Das Marketing wurde über die neu gegründete "Marketing Austria GmbH & Co KG", an der beide Genossenschaften zu jeweils 50 Prozent beteiligt waren, abgewickelt.

Am 25. Juni 1993 wurde in einer Generalversammlung einem Abänderungsantrag zugestimmt. Dieser Abänderungsbeschluss sah die Gründung einer gemeinsamen Vertriebsgesellschaft nämlich der „KGM-Familia Warenhandelsges.m.b.H.“ vor, außerdem sollte es „Migros“ ermöglicht werden weitere 15 % der „KGM-Familia Ges.m.b.H“ zu kaufen. Die „KGM-Familia Warenhadelsges.m.b.H.“ bestand aus 74 KGM Märkten, 8 Sport-Fachgeschäften und 87 Familia- und Dogro-Märkten. Geschäftsführer wurde Vorstandsdirektor Erich Ruthner vom Konsum Österreich.

Am 30. September 1993 wurde die „Konsum-Migros Warenhandels GmbH & Co KG“ für Warenbeschaffung, Logistik und Sortimentsgestaltung gegründet.

1994

Am 23. November wurden Gespräche über eine Beteiligungserweiterung seitens „Migros“ geführt. Auch eine Mehrheitsbeteiligung der Schweizer wurde ins Auge gefasst.

Am 12. Dezember wurden Gespräche mit der „Julius Meinl AG“ über die Übernahme des Filialnetzes „der Frische Konsum“ Kette geführt.

1995

Am 10. Jänner lud der „Konsum Österreich“ zum Bankengipfel, die teilnehmenden Banken waren die Bawag, Bank Austria, Creditanstalt, Giro Credit, PSK und PSK Bank, Erste Österreichische, Volksbanken AG und die Raiffeisen Zentralbank. Die Banken beschlossen, die ab nun folgende Finanzierung im Verhältnis der Kreditaushaftung auf eine konsortiale Basis zu stellen. Der Konsortialführer wurde die Investkredit, welche im Eigentum all dieser Banken steht. Der Schuldenstand der Konsum Österreich Gruppe vergrößerte sich von 12 Milliarden Schilling (872 Millionen Euro) auf 14 Milliarden Schilling (~ 1 Milliarde Euro) Am 12. Jänner übergab der Konsum Österreich die Verhandlungsunterlagen über den Verkauf von 50 % der KGM/Familia-Anteile, 75 % der DFK-Immobilien, 100 % Meat/Ährenstolz-Betriebe an Migros an die Konsortialführer.

Am 16. Jänner wurde die „CS First Boston“ als Finanzberater mit der Veräußerung der Beteiligung an der Bawag, der Gerngross Kaufhaus AG, der Ährenstolz Backwaren- und Mühlenindustrie Ges.m.b.H, der Meat Vieh- und Fleischvermarktungs Ges.m.b.H., der K. Knäbchen Ges.m.b.H und der Tagger Kraftfutterwerke und Mühlen AG beauftragt.

Am 19. und 20. Jänner fand ein Briefwechsel zwischen dem „Konsum Österreich“ und dem „Österreichischen Gewerkschaftsbund“ über die Verpfändung der 30 % Aktienanteile die der „Konsum Österreich“ an der Bawag hält. Der „Österreichische Gewerkschaftsbund“ hielt zu diesem Zeitpunkt 70 % der Anteile an der „Bawag“. Jedoch war eine Veräußerung an Dritte nur nach vorheriger schriftlicher Bestätigung möglich (laut Vereinbarung aus dem Jahr 1968). Der „Österreichische Gewerkschaftsbund“ stimmte der Verpfändung zu, im Gegenzug wurde dem „Österreichischen Gewerkschaftsbund“ ein Vorkaufsrecht eingeräumt. Die „Österreichische Investitionskredit AG“ stimmte der Einräumung des Vorkaufsrechtes als Pfandgläubiger zu. Der Wert des Aktienpakets betrug 436.864.000 Schilling (31,8 Millionen Euro). Die Anteile wurden an ein Bankenkonsortium unter der Führung der Investkredit verpfändet.

Am 24. Jänner fanden Verhandlungen zwischen Konsum und Billa über die Übernahme der Konsum-Österreich-Filialen statt.

Am 30. Jänner bekundete die „Bayrische Landesbank Girozentrale“ ihr Interesse an den verpfändeten Bawag Anteilen.

Am 9. Februar stimmte die Generalversammlung des „Konsum Österreichs“ der Verpfändung aller im Besitz des Konsum Österreich befindlichen Bawag-Anteile zu.

Am 3. März wurde von den Banken beschlossen, keine weiteren Auszahlungen aus dem Konsortialkredit zu tätigen. Außerdem wurde eine Delegation zu Migros nach Zürich entsandt. Bei Gesprächen in Zürich am 8.3. zeigte sich „Migros“ über die derzeitige Wirtschaftslage des „Konsum Österreichs“ überrascht. „Migros“ wusste zwar, dass eine Verlustsituation zum Zeitpunkt des Zusammenarbeitsvertrages gab, jedoch hatte man sich mit den Erklärungen der Führung des Konsum Österreich zufriedengegeben. Migros fühlte sich getäuscht.

Konsum Österreich sowie 22 Tochterunternehmen waren per 9. März zahlungsunfähig. Von der Insolvenz war die Gerngross Gruppe und die Tagger AG nicht betroffen. Die Banken stellten aber im Auftrag des „Konsum Österreichs“ Zahlungsgarantien für neue Lieferungen und Leistungen aus, wodurch ein Konkurs verhindert wurde.

Am 10. März brach Billa die Gespräche über den Kauf des Konsum-Filialnetzes ab.

Zwischen 13. und 15. März wurde der Verkauf der Bawag Anteile an die Bayrische Landesbank mit dem „Österreichischen Gewerkschaftsbund“ geklärt.

Am 24. März beschloss der Konsum Österreich Vorstand und Aufsichtsrat den Verkauf der Aktienanteile an der Österreichischen Nationalbank im Wert von 200 Millionen Schilling (14,5 Millionen Euro) an die „P.S.K. Beteiligungsverwaltungs Aktiengesellschaft“.

Am 6. April wurde der Ausgleich beim Handelsgericht Wien angemeldet. Vom Ausgleich waren zirka 3.350 Lieferanten betroffen.

Die gesamten Schulden der Konsum Gruppe (ohne Tagger und Gerngross) beliefen sich auf 17,4 Milliarden Schilling (1,26 Milliarden Euro). Der Verlust den Migros durch die Konsumkooperationen gemacht hat, dürfte sich auf zirka 2,3 Milliarden Schilling (0,19 Milliarden Euro) belaufen.

Die am 7. April tagende Generalversammlung entließ mit sofortiger Wirkung den Vorstand und wählte danach einstimmig Dipl. Ing. Hansjörg Tengg und Dkfm. Jan Wiedey zum Vorstandsvorsitzenden und dessen Stellvertreter. Die Tagger AG ging ins Eigentum der Bank Austria über.

Am 15. Mai wurden die Auflösungsverträge zwischen „Konsum Österreich“ und „Migros“ unterzeichnet.

Die „Spar Österreich Warenhandels AG“ übernimmt sämtliche Filialen der „Familia Einzelhandels GmbH“ in Vorarlberg mit 32 Geschäften

Nach 1995

Der „Konsum Österreich“ hat nie Konkurs angemeldet. Einer der Hauptgründe dürfte gewesen sein, dass der Konsum Österreich 1995 noch 700.000 Mitglieder hatte. Da im Konkursfall jedes Mitglied mit dem doppelten Geschäftsanteil gehaftet hätte, was laut Statuten 6.000 Schilling (436,03 Euro) waren, wäre es zu großer Unruhe unter der Bevölkerung gekommen. Die meisten Mitglieder hatten ja ihren Geschäftsanteil nicht voll eingezahl. Es wäre ein großer Aufwand gewesen von 700.000 Menschen 12.000 Schilling (872,06 Euro) einzuklagen, nebenbei hätte es wahrscheinlich politisch sehr große Wellen geschlagen. Im Endeffekt wurde der gesamte Vorstand 1999 wegen fahrlässiger Krida verurteilt. Die Prozesskosten übernahm der Konsum Österreich. Aufgrund der Bindung der Gutachterhonorare an die Schadenssumme war es auch ein sehr teurer Prozess. Das teuerste Gutachten hat im Prozess 7 Millionen Schilling (508.709,84 Euro) gekostet. Generaldirektor Gerharter musste sich danach nochmals vor Gericht verantworten, da er relativ kurz vor der Insolvenz seines Unternehmens seinen gesamten Besitz auf seine Frau und seine Tochter überschrieben hatte. Gerharter wurde in erster und im Juli 2001 in zweiter Instanz wegen betrügerischer Krida zu 6 Monaten unbedingter Haftstrafe verurteilt, erst in letzter Instanz wurde diese Strafe im Dezember 2002 zu einer bedingten umgewandelt.[1] [2]

Bereits 1996 wurde der Konsum Österreich mit Jan Wiedey als neuen Vorstandsvorsitzenden wieder wirtschaftlich im Handel aktiv. Das Tochterunternehmen „Okay Management Ges.m.b.H.“ hat österreichweit drei Filialen am Wiener Südbahnhof, Westbahnhof, sowie im 3. Wiener Gemeindebezirk auf der Landstraße.

Außerdem ist der Konsum Österreich an folgenden Unternehmen beteiligt:

91 % „Contissimo Communications Services AG“, ein Unternehmen das Webauftritte erstellt.
4,5 % „MLine AG“, produziert Handyzubehör.
50 % „Sator Fahrzeuge und Vertrieb Ges. m. b. H.“ welche Elektrofahrzeuge für ältere Personen herstellt.

Die hier angeführten Daten stammen jedoch noch aus dem Jahr 2000, der „Konsum Österreich“ ist leider „nicht interessiert Auskünfte über das aktuelle Geschehen zu geben“. Ein Grund hierfür könnte sein, dass man im Oktober 2000 noch von „großen“ Expansionsplänen im Wirtschaftsteil des Magazins „Profil“ sprach. Wiedey bestätigte Pläne wieder im Handel mit einem eigenen Webshop tätig zu sein. Außerdem wurde bekannt gegeben, dass Okay Läden in Krems und Baden eröffnen werden.

Internationaler Vergleich

Die Geschichte der Konsumgenossenschaften in Österreich weist sehr deutliche Parallelen zu anderen gleichartigen Organisationsformen auf etwa in Deutschland (Krise der Co-op AG), Frankreich (große Krise des Sektors 1984-85). Auch in Großbritannien und Skandinavien zeigen sich ähnliche Phänomene der "Ermüdung" einst dynamischer und im Einzelhandel innovatorisch führender Genossenschaften. Als Gründe können u. a. genannt die langjährige personelle Inzucht bei Funktionären und Management und die mangelnde Wirtschaftskompetenz vieler Funktionäre, die deshalb bloß als "Jasager" agieren konnten. Daneben allzu große Rücksichtnahme auf die Gewerkschaften in einem hart umkämpften Wirtschaftssektor mit geringen Gewinnmargen, "Verschlafen" moderner Entwicklungen wie des Diskontgeschäftes etc.

Einzelnachweise

  1. «derStandard»
  2. «Weblexikon der Wiener Sozialdemokratie»

Literatur

  • Robert Blaich: Der rote Riese wankt ... 1988 – Vision, 1995 – Realität. Die Entwicklung der Konsumgenossenschaften in Österreich. Tosa, Wien 1995, ISBN 3-85001-563-7.
  • Helmut Huber: Geschichte der österreichischen Konsumgenossenschaftsbewegung bis 1950. Hochschule für Welthandel, Wien 1974 (Diplomarbeit).
  • Emil J. Knotzer: Auf dem Weg in den Untergang. Die Unternehmenspolitik des „Konsum Österreich reg.Gen.m.b.H.“ 1978–1995. FGK, Wien 2003, ISBN 3-9501499-1-0.
  • Johann Brazda, Robert Schediwy (Hrsg.): Consumer Cooperatives in a Changing World. International Co-operative Alliance, Genf 1989, ISBN 2-88381-000-1 (2 Bände).
  • Franz Seibert: Die Konsumgenossenschaften in Österreich. Europaverlag, Wien 1978, ISBN 3-203-50708-0.

Weblinks


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