Kopieren und Einfügen


Kopieren und Einfügen

Kopieren und Einfügen (auch: Kopieren und Einsetzen, englisch Copy and Paste, copy & paste, copy ’n’ paste, abgekürzt C&P) ist ein zweistufiges Prinzip der Übertragung von Daten zwischen Software-Anwendungen.

Kontext-Menü unter Microsoft Windows
Kontext-Menü unter Mac OS X

Zuerst werden die zu übertragenden Daten aus einer Anwendung heraus in einen Zwischenspeicher übertragen (copy ‚kopieren‘). Von dort aus können sie dann in derselben oder einer anderen Anwendung des Nutzers beliebig oft wieder eingelesen werden (paste ‚einfügen‘), da die Daten im Zwischenspeicher erhalten bleiben.

Sonderfall des Copy & Paste ist das Ausschneiden und Einfügen (engl. Cut and Paste, oder Verschieben, Move), bei dem das betroffene Element am Ursprungsort nach dem Kopieren zusätzlich gelöscht wird – sonst besteht keinerlei Unterschied.

Inhaltsverzeichnis

Funktion

Copy & Paste wird verwendet, um in einer Datei bestimmte Teile zu vervielfältigen, oder um Textteile beziehungsweise kompliziert strukturierte Zeichenfolgen (zum Beispiel Weblinks, Zahlenfolgen, Passwörter) fehlerfrei und zeitsparend in andere Programme zu übertragen. Neben einfachem unformatiertem Text können auch komplexere Datenstrukturen wie formatierter Text, Bilder, Tabellen usw. oder allgemein beliebige Objekte verarbeitet werden.

Technik

Als Zwischenspeicher wird von vielen Programmen die betriebssysteminterne Zwischenablage (Clipboard) verwendet. In Einzelfällen bringen Anwendungen wie Microsoft Office 2007 aus Komfortgründen Systeme mit, die die Zwischenspeicherung von mehr als einen Datensatz erlauben. Programmintern kann das über einen gemeinsamen Speicherbereich auf dem Freispeicher realisiert sein.

Erweitert wurde die Funktion bei den gängigen Dateibrowsern: So kann man neben Text auch ganze Dateien kopieren, wobei das Kopieren von Dateien meist in zwei Schritten erfolgt, um bei zu großen Dateien den Arbeitsspeicher nicht zu sehr zu belasten: Zunächst wird nur der Pfad (also die Ortsangabe) einer Datei gespeichert. Erst nach dem Einfügen wird die eigentliche Datei samt Inhalt kopiert bzw. verschoben. Die Datenübertragung zwischen Anwendungen kann unter Windows durch Technologien wie OLE oder DDE umgesetzt werden.

Copy & Paste und Drag & Drop

Ist dieselbe Funktion in eine grafische Oberfläche eingebettet und visualisiert, heißt sie Drag and Drop („Ziehen und Fallenlassen“) – dieser Begriff geht aber über das reine Kopieren und Einfügen von Datensätzen hinaus. Außerdem wird bei dieser Variante nicht die Zwischenablage verwendet.

Handhabung

Es gibt im Prinzip vier Arten der Handhabung (wobei hier außer Acht gelassen wird, dass die zu kopierenden Elemente sowohl mit der Tastatur als auch mit der Maus markiert werden können):

Rechner-Typ Ausschneiden Kopieren Einfügen
Maus (Desktop) Üblicherweise erscheint durch Rechtsklick nach Markieren ein Kontextmenü mit den entsprechenden Funktionen.
Maus (UNIX-Konsole) Üblicherweise wird der Text durch einfaches Markieren automatisch in die Zwischenablage kopiert. Das Einfügen erfolgt an Cursor-Stelle durch Klicken der mittleren Maustaste, oder gleichzeitiges Klicken beider Maustasten (bei Emulation der mittleren Taste).
Menü Üblicherweise befinden sich im Bearbeiten-Menü von Textverarbeitungs-Anwendungen die Menüpunkte Ausschneiden, Kopieren, Einfügen und Löschen.
Tastatur (PC)* Strg+X
Umschalt+Entf
Strg+C
Strg+Einfg
Strg+V
Umschalt+Einfg
Tastatur (Mac)* +X +C +V
Emacs (alle Betriebssysteme)* Strg+W Alt+W Strg+Y, nachfolgend Alt+Y fügt stattdessen die vorletzte, drittletzte, …, zuvor kopierte oder ausgeschnittene Textstelle ein; dazu werden diese automatisch im Kill-ring gespeichert.
Vi (alle Betriebssysteme) * d y p (jeweils im Befehlsmodus)
* Nach dem Markieren des Textes/Datei.

Paste Server

Im Internet gibt es Server, die öffentlich zugängliche Zwischenablagen zur Verfügung stellen (Pastebins). Diese werden zum Beispiel dafür benutzt, um in Chats, News-Artikeln, unter anderem längere Textpassagen, Konfigurationsdateien, Fehlerprotokolle oder Logdateien zugänglich zu machen, ohne sie direkt dort einzufügen.

Begriff „Copy & Waste“ in Programmierkreisen

Aufgrund der Eigenschaft von Copy & Paste, dass nur die Informationen des markierten Textes kopiert werden und nicht die Referenzen nach außen hin, wird von Programmierern Copy & Paste auch als Copy & Waste (engl. für ‚Kopieren und Müll‘) bezeichnet, da redundanter Code erzeugt wird, der schlechter zu warten ist als wiederverwendeter (also lediglich verknüpfter) Code. Unter anderem ist es schwieriger, Programmfehler zu beheben oder Funktionalitäten zu erweitern, wenn der gleiche zu ändernde Programmcode an unterschiedlichen Stellen eingefügt wurde – und eventuell noch minimal verändert wurde.

„Copy & Paste“ und wissenschaftliche Textkultur

Unter dem Schlagwort Copy&Paste wird Kritik an einer Textkultur geübt, bei der Inhalte mehr oder weniger wahllos und oft unter Missachtung von Urheberrechten aus dem Internet zusammenkopiert werden, ohne sich um eine eigene Darstellung zu bemühen. Dadurch entstehen Plagiate; dies wird als eine Bedrohung einer fundierten Ausbildung und guten wissenschaftlichen Praxis angesehen.[1]

Im Zusammenhang mit der Guttenberg-Affäre (Februar und März 2011) wurde der Begriff häufig verwendet; dieser Affäre folgten einige weitere: das VroniPlag Wiki, gegründet im März 2011, untersuchte die Dissertationen einiger anderer Politiker und Prominenter, denen die Dissertationen später ebenfalls aberkannt wurden (siehe hier).

Geschichte

Die Zwischenablage wurde zusammen mit grundlegenden Textsuch- und Ersetzungsfunktionen in den 1970er Jahren durch Larry Tesler[2] am Xerox PARC für die Smalltalk-76-Programmierumgebung implementiert.[3] Smalltalk-76 wurde in den Jahren 1973–1976 entwickelt und verwendete erstmals eine GUI mit Fenstern (vgl. WIMP).

Die Funktionalität wurde bekannt durch die Betriebssysteme der Apple Lisa (1983) und des Apple Macintosh (1984). Die Funktion besteht aus dem gleichzeitigem Drücken der Befehlstaste (, Apfeltaste), und einer weiteren Taste, und zwar X für Ausschneiden, C für Kopieren und V für Einfügen. Diese Tastenkombinationen wurden später durch Microsoft für Windows übernommen, wobei hier anstatt der Apfeltaste die Ctrl-Taste zum Einsatz kommt. Diese Funktionen sind heute in quasi allen Betriebssystemen und Programmen zu finden. Bei einigen Betriebssystemen können sie auch über ein Kontextmenü aufgerufen werden.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Stefan Weber: Das Google-Copy-Paste-Syndrom. Wie Netzplagiate Ausbildung und Wissen gefährden. Heise: Hannover/Heidelberg, 2007; 2., überarbeitete Auflage 2009, ISBN 3-936-93137-2.
  2. Resume of Larry Tesler
  3. Richard Dale: Copy and paste behaviour.

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