Kraftwerk Spremberg


Kraftwerk Spremberg

Unter der Bezeichnung Kraftwerk Schwarze Pumpe wird heute ein 1993 bis 1995 errichtetes und von Vattenfall Europe betriebenes Braunkohle-Großkraftwerk, bestehend aus zwei Kraftwerksblöcken mit einer Leistung von je 800 MW, verstanden. Es befindet sich auf dem Areal des Industrieparks Schwarze Pumpe. Auf diesem Gelände gab es bereits seit 1955 mehrere, heute nicht mehr existierende Kraftwerke. Seit 2006 wird neben dem Großkraftwerk ein Pilotkraftwerk zur CO2-Sequestrierung errichtet.

Inhaltsverzeichnis

Gaskombinat Schwarze Pumpe (1955-1997)

Im Rahmen der Errichtung des VEB Gaskombinat Schwarze Pumpe wurden auf dem Gelände des heutigen Industrieparks auch drei Kraftwerke mit der Bezeichnung Kraftwerk Schwarze Pumpe West, Mitte und Ost in Betrieb genommen. Der erste Kraftwerksblock lieferte ab 1959 Elektroenergie sowie Prozessdampf. Die Blockleistungen betrugen zwischen 25 und 100 MW. Mit dem Ende des Gaskombinats wurden zwischen 1990 und 1997 auch die zugehörigen Kraftwerke stillgelegt und abgerissen.

Vattenfall-Kraftwerk Schwarze Pumpe

KW Schwarze Pumpe im September 2008

Das Kraftwerk Schwarze Pumpe wurde als Gemeinschaftskraftwerk von den damals noch eigenständigen Unternehmen VEAG und den Energiewerke Schwarze Pumpe AG (ESPAG) geplant und gebaut. Der entsprechende Vertrag dazu wurde am 13. Februar 1992 unterzeichnet und im März desselben Jahres wurde der Planungsauftrag für einen Kraftwerksbau an die SIEMENS AG, München erteilt.

Wichtige Eckdaten

KW Schwarze Pumpe bei Nacht
KW Schwarze Pumpe im Winter 2007

Am 15. März 1993 erfolgte die offizielle Eröffnung der Baustelle „Neubaukraftwerk Schwarze Pumpe“. Am 20. April 1993 wurden die erforderlichen Genehmigungen nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz erteilt. Die Grundsteinlegung erfolgte am 25. Oktober 1993 durch den damaligen Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg Manfred Stolpe. Am 1. Januar 1995 übernahm die VEAG die Anteile am Kraftwerksbau von der Lausitzer Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LBV).

Während der Bauphase kam es am 25. März 1995 zu einer schweren Havarie. Von einem Montagekran lösten sich in 160 m Höhe 6 Gegengewichte und stürzten in die Tiefe. Bei diesem Zwischenfall entstanden Schäden sowohl am Kesselgerüst des Block A als auch an der Bodenplatte.

Am 28. Juni 1996 erfolgte bereits die Druckprobe am Dampferzeuger Block A, wobei nur eine von 60 000 Schweißnähten zu beanstanden war. Die Druckprobe am Dampferzeuger Block B am 14. Dezember 1996 erfolgt ohne Beanstandungen. Am 16. April 1997 wurde der erste Kohlewaggon mit Rohbraunkohle aus dem Tagebau Welzow Süd entladen. Am 19. April 1997 erfolgte am Dampferzeuger Block A das erste Zünden mit Ölfeuer, am 3. Mai das erstmalige Kohlefeuer bis hin zum 23. Mai, als um 20:01 Uhr die erste Netzschaltung des Block A durchgeführt wurde.

Am 1. Oktober 1997 übernahm das Neubaukraftwerk Schwarze Pumpe offiziell die Fernwärmeversorgung für die Stadt Spremberg, ab 14. Oktober 1997 erfolgte auch die Versorgung der Stadt Hoyerswerda mit Fernwärme.

Am 29. Oktober 1997 um 17:07 Uhr erfolgte dann auch am Block B die erste Netzschaltung. Am 15. Januar 1998 erreichte der Block B erstmals eine Leistung von 800 Megawatt. Am 20. Januar 1998 erreichte das Neubaukraftwerk Schwarze Pumpe erstmals seine projektierte Leistung von 1600 Megawatt.

Am 3. Juni 1998 fand die offizielle Inbetriebnahme des Neubaukraftwerkes Schwarze Pumpe statt. Zu den Gästen gehören der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl sowie der damalige Ministerpräsident des Land Brandenburg Manfred Stolpe.

Am 25. August 1998 wurde das Neubaukraftwerk Schwarze Pumpe durch den Vorstand der VEAG an die Geschäftsleitung des Kraftwerkes Schwarze Pumpe übergeben. Erster Kraftwerksleiter war Dietrich Kirmse.

Geplant und gebaut wurde eine 2 x 800 Megawatt Doppelblockanlage für den Grundlastbetrieb auf Basis von Rohbraunkohle. Die benötigte Rohbraunkohle wird aus dem benachbarten Tagebau Welzow-Süd bezogen.

Neben der Erzeugung von Elektroenergie gehört die Bereitstellung von Prozessdampf für Unternehmen im nahe gelegenen Industriepark Schwarze Pumpe, sowie die Versorgung der Städte Spremberg, Hoyerswerda und des Ortsteil Schwarze Pumpe mit Fernwärme zu dessen wichtigsten Aufgaben. Das Kraftwerk Schwarze Pumpe gehört mit seinen etwa 360 Arbeitnehmern zu einen der größten Arbeitgebern der Region.

Technische Daten

(Auszug der wichtigsten Daten)

Brennstoff

  • Rohbraunkohle
  • Brennstoffverbrauch: 36 000 t/Tag
  • Bruttoleistung: 1600 MW ( 2 x 800 MW)
  • Wirkungsgrad. > 40%

Dampferzeuger

  • Hersteller: Alstom
  • Bauart: Zwangdurchlaufkessel
  • Dampfleistung je Kessel: 2420 t/h
  • Frischdampfdruck: 268 bar
  • Frischdampftemperatur: 547 °C
  • Zwischendampfdruck: 55 bar
  • Zwischendampftemperatur: 565 °C
  • Brennstoffmenge je Dampferzeuger: ca. 785 t/h
  • Brennstoff für Zünd- und Stützfeuer: Heizöl EL
  • 8 Mühlen je Dampferzeuger
Turbinensaal im KW Schwarze Pumpe

Turbine

Generator

  • Hersteller: SIEMENS
  • Nennspannung: 27kV
  • Scheinleistung 1000 MVA

Kühlturm

  • pro Block 1 Naturzugnasskühlturm
  • Wasserdurchsatz je Kühlturm: 65 600 m³/h

Rauchgasreinigung

Hilfsdampferzeuger

  • Hersteller: BABCOCK
  • Anzahl: 2
  • Brennstoff: Heizöl EL
  • Dampfleistung je Kessel: 100 t/h
  • Dampfparameter: 17 bar/ 350°C

Sonstiges

Das Kesselhaus ist mit einer Höhe von 161 Metern das dritthöchste Industriegebäude in Deutschland. Auf dem Dach des Kraftwerks befindet sich eine Aussichtsplattform.

Pilotanlage zur CO2-Abscheidung

Baustellenschild am Standort der geplanten Pilotanlage in Schwarze Pumpe

Auf dem Gelände des Industrieparks Schwarze Pumpe hat Vattenfall Europe eine Pilotanlage zur CO2-Abscheidung nach dem Oxyfuel-Verfahren in unmittelbarer Nähe zum Kraftwerk Schwarze Pumpe errichtet.

CO2-emissionsarme Pilotanlage Schwarze Pumpe
CO2-emissionsarme Pilotanlage Schwarze Pumpe bei Nacht

Am 29. Mai 2006 fand der Erste Spatenstich unter Teilnahme von Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg Matthias Platzeck statt. Am 12. Dezember 2007 fand die Kesseldruckprüfung der Versuchsanlage statt, bei der es keinerlei Beanstandungen gab. Im Juli 2008 wurde mit dem Testbetrieb der Anlage begonnen. Die offizielle Inbetriebnahme der Anlage erfolgte am 9. September 2008 durch den Ministerpräsident des Landes Brandenburg Matthias Platzeck und dem Vattenfall-Chef Lars Josefsson.

Die Vattenfall-Pilotanlage wird mit Braunkohle befeuert und verfügt über eine thermische Leistung von 30 MW. Sie erzeugt keinen Strom, sondern stellt indirekt Prozessdampf für Anlagen im Industriepark Schwarze Pumpe zur Verfügung. Der Baupreis der Anlage betrug rund 70 Millionen Euro[1].

Mit den hier gewonnenen Ergebnissen und Erkenntnissen soll später am Standort Jänschwalde ein Demonstrations-Kraftwerk mit einer thermischen Leistung von etwa 300 MW geplant und gebaut werden[2]. Durch dieses Kraftwerk soll die hier verwendete Technologie zur großtechnischen Serienreife geführt werden.

Das bei der Kohleverbrennung entstehende Kohlendioxid wird verdichtet und verflüssigt. Es soll dann in die Erde gepresst und gespeichert werden und damit nicht zur globalen Erwärmung beitragen. Von Umweltschützern wird die Anlage als „Feigenblatt“ des Energiekonzerns bezeichnet und als zu aufwändig kritisiert. Nach deren Meinung ließe sich mit dem gleichen Geld durch Investitionen in eine effektivere Energieerzeugung und -nutzung eine größere Wirkung zur Reduzierung der globalen Erwärmung erreichen.

Sonstiges

Per Einstweiliger Verfügung durch das Landgericht Berlin vom 5. Dezember 2007 ist es Vattenfall Europe untersagt, die Oxyfuel-Pilotanlage am Standort Schwarze Pumpe weiterhin "die weltweit erste Pilotanlage für ein CO2-freies (Braunkohle)kraftwerk" und/oder "die weltweit erste Forschungsanlage für ein CO2-freies (Braunkohle)kraftwerk" zu nennen. [3] Zuwiderhandlungen dagegen werden mit Ordnungsgeld oder Ordnungshaft geahndet. Geklagt hatte ein Fotovoltaikbetreiber aus Berlin.

Nach mündlicher Verhandlung vor dem Landgericht Berlin im März 2008 ist die Einstweilige Verfügung über die Verwendung des Begriffes „CO2-freies Kraftwerk“ in ihrer Verwendung erheblich eingeschränkt aber noch nicht aufgehoben worden. Vattenfall darf demnach den Begriff nur dann benutzen, wenn gleichzeitig erklärt wird, das es eben nicht zu einer 100-prozentigen Abscheidung des anfallenden Kohlendioxid aus dem Kraftwerksprozess kommt und dass das anfallende Kohlendioxid für den sicheren Transport und der anschließender Endlagerung nachbehandelt werden muss.[4]

Einzelnachweise

  1. [1]
  2. Klaus Rauscher, Vattenfall Europe AG, Hauptversammlung 2006, Berlin, 11.08.2006
  3. Aktenzeichen 97 O 297/07
  4. Mitarbeiterzeitung "terravatt" der Vattenfall Europe AG Ausgabe April 2008, Rubrik: Antworten auf Leserpost

Weblinks

51.53611111111114.3533333333337Koordinaten: 51° 32′ 10″ N, 14° 21′ 12″ O


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