Kremmen

Kremmen
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Kremmen
Kremmen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Kremmen hervorgehoben
52.76666666666713.03305555555639
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Oberhavel
Höhe: 39 m ü. NN
Fläche: 208,43 km²
Einwohner:

7.102 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 34 Einwohner je km²
Postleitzahl: 16766
Vorwahlen: 033055, 033922
Kfz-Kennzeichen: OHV
Gemeindeschlüssel: 12 0 65 165
Stadtgliederung: 7 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Am Markt 1
16766 Kremmen
Webpräsenz: www.kremmen.de
Bürgermeister: Klaus-Jürgen Sasse (SPD)
Lage der Stadt Kremmen im Landkreis Oberhavel
Fürstenberg/Havel Zehdenick Liebenwalde Oranienburg Mühlenbecker Land Glienicke/Nordbahn Birkenwerder Hohen Neuendorf Hohen Neuendorf Hennigsdorf Leegebruch Velten Oberkrämer Kremmen Löwenberger Land Gransee Gransee Schönermark Sonnenberg Großwoltersdorf Stechlin Großwoltersdorf Berlin Mecklenburg-Vorpommern Mecklenburg-VorpommernKarte
Über dieses Bild

Kremmen ist eine im 13. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnte Stadt im Landkreis Oberhavel in Brandenburg. Sie ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft „Städte mit historischen Stadtkernen“.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Kremmen liegt im Südwesten des Landkreises Oberhavel, der direkt nördlich an Berlin grenzt. Die Kleinstadt entstand im 13. Jahrhundert an einem Übergang (Kremmer Damm; auch Kremmener Damm geschrieben) über das Kremmener Luch. Südlich der Stadt erstreckt sich das Waldgebiet des Krämer, dessen Name sich von der Stadt ableitet. Die mittelalterlichen Wurzeln sind in etlichen heutigen Straßennamen wie Alte Wallstraße, Schwedengasse, Burgweg usw. bis heute erkennbar.

Geschichte

Der Ort Kremmen wurde als Cremmene im Jahr 1216 in einer Urkunde erstmals schriftlich erwähnt. 1298 erhielt er die Stadtrechte. Der Ortsname stammt aus dem Slawischen und bedeutet Kieselstein.

In Kremmen wurde am 20. Juni 1236 der Vertrag von Kremmen zwischen den Markgrafen Johann I. und Otto III. von Brandenburg einerseits und Herzog Wartislaw III. von Pommern andererseits abgeschlossen.

Mit dem Vertrag von Kremmen vom 29. Januar 1318, als den Johannitern die vom markgräflichen Vogt zurückgehaltenen Güter des 1312 aufgelösten Templerordens, darunter Tempelhof, mit allen Pertinentien (Zubehör zum Grundbesitz in Form von Rechten und Sachen) gegen Zahlung von 1.250 Mark für die Ernennung Markgraf Woldemars zum Schutzherrn und Sachwalter der Interessen der Johanniter ausgehändigt wurden, konnte der Übergang der brandenburgischen Templergüter in den Besitz der Johanniter endgültig realisiert werden.

Am Kremmer Damm fanden im Mittelalter zwei bedeutende Schlachten statt, im Pommersch-Brandenburgischen Krieg kämpfte der brandenburgische Markgraf Ludwig von Brandenburg gegen die Herzöge von Pommern und verlor. Im Jahre 1412 kämpften hier erneut die Brandenburger gegen die Pommern. Die Überlieferungen beider Schlachten sind teilweise widersprüchlich und haben sich über die lange Zeit vermutlich vermischt. Mehr als 400 Jahre später, genau 1845 ließ Friedrich Wilhelm IV. am Straßenrand des Kremmener Dammes ein steinernes Gedenkkreuz aufstellen, dass alle Vorüberkommenden an die Kämpfe des Jahres 1412 erinnern soll und vor allem den fränkischen Ritter Graf Johann von Hohenlohe ehrt, der an der Seite des Brandenburgers kämpfte und hier starb.[2]

Wie viele andere Städte auch wurde Kremmen im 17. Jahrhundert von der Pest heimgesucht. Stadtbrände sind aus den Jahren 1606, 1630, 1680 überliefert. Der brandenburgische Kurfürst erließ deshalb Mitte des 17. Jahrhunderts die Order, dass Scheunen künftig nur noch außerhalb der Stadtmauern zu errichten seien. So entstand das Scheunenviertel am Rande Kremmens, welches heute als das deutschlandweit größte noch erhaltene historische Scheunenviertel erachtet wird. Zur Zeit des NS-Regimes befand sich im Ortsteil Orion von Kremmen eine Bunkeranlage, die als Munitionsfabrik genutzt wurde. Sie wurde im Krieg beschädigt und in den Folgejahren geplündert, zugeschüttet und ab dem Jahr 2000 beseitigt.

Das Kremmener Schloss wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Eingemeindungen

Beetz, Flatow, Groß-Ziethen, Hohenbruch, Sommerfeld und Staffelde wurden am 31. Dezember 2001 eingemeindet.[3]

Stadtgliederung

Kirche in Beetz

(Einwohner Stand 2005)

  • Amalienfelde (350)
  • Beetz (818)
  • Flatow (721) liegt unweit der A 24. Die erste urkundliche Erwähnung der Siedlung stammt aus 1355 und bereits damals trug der Ort seinen heutigen Namen. Der Name bedeutet Ort, wo Ähren wachsen. Die ältesten Besitzer des Ortes war die Familie von Bredow. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Dietrich von Hake Eigentümer der Siedlung. Sehenswert ist die Kirche welche 1472 von Matthias von Bredow errichtet wurde. Sie ist ein Backsteinbau und besitzt einen mit Schiefer gedeckten Turm.[4]
  • Groß-Ziethen (239)
  • Hohenbruch (724) 1595 wird Hohenbruch als Flurname erwähnt. 1710 wird Hohenbruch durch Erlass Friedrich II. auf Bitten von Nachfahren holländischer Bauern gegründet. Hohenbruch ist eine der wenigen erhaltenen Streusiedlungen, bestehend aus den Ortsteilen Behrensbrück, Döringsbrück, Hohenbruch, Johannisthal und Verlorenort. 2002 wird Hohenbruch in die Großgemeinde Kremmen aufgenommen.[5]
  • Kremmen mit seinem Ortsteil Orion (3.031)
  • Sommerfeld (1.504)
  • Staffelde (426)

Politik

Rathaus

Stadtverordnetenversammlung

Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Kremmen besteht aus 18 Stadtverordneten und dem jeweiligen hauptamtlichen Bürgermeister.

  • SPD 5 Sitze
  • UWG 4 Sitze
  • CDU 3 Sitze
  • Die Linke 2 Sitze
  • BB'08 2 Sitze
  • BfB 1 Sitz
  • Einzelbewerber 1 Sitz

(Stand: Kommunalwahl am 28. September 2008[6])

Wappen

Das Wappen wurde am 2. Oktober 2002 genehmigt.

Blasonierung: „In Blau linksgewendet ein goldener Adler mit roten Fängen, der sich auf einer rot-bewehrten silbernen Gans festkrallt und seinen Schnabel in ihren Hals schlägt.“[7]

Wappenforscher deuten das Wappen als redende Umsetzung des Ortsnamens und leiten ihn vom mittelhochdeutschen Wort „krimmen“ (packen oder würgen) ab.

Das Wappen wurde vom Heraldiker Frank Diemar gestaltet.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Scheunenviertel
St. Nikolai-Kirche
Dorfkirche in Staffelde
Vorlaubenhaus in Staffelde
Gutshaus in Beetz

Die Liste der Baudenkmale in Kremmen enthält alle Kremmener Boden- und Baudenkmale aus der Denkmalliste des Landes Brandenburg.

  • Kirche St. Nikolai aus der Zeit um 1200 mit barocker Ausstattung und Schuke-Orgel von 1961
  • Rathaus: 1841 nach einem Stadtbrand neoklassizistisch am Rand des Marktplatzes neu erbaut
  • Scheunenviertel (noch 40 der ursprünglich 70 Scheunen erhalten), in einem Gebäude sind ein Museum und ein Hofladen eingerichtet
  • das Theater tiefste Provinz, besteht seit April 2006
  • Im Ortsteil Staffelde
    • Schloss / Gut Staffelde, die Kirche aus dem 15./16. Jahrhundert und der „Dorfkrug“, ein Vorlaubenhaus aus dem 18. Jahrhundert
  • Im Ortsteil Sommerfeld
    • Waldhaus Charlottenburg im Ortsteil Sommerfeld, ein medizinisches Zentrum für Erkrankungen des Bewegungssystems
    • Nähmaschinen-Museum Sommerfeld[8]
  • Gedenktafeln
    • Gedenktafel von 1973 Am Markt Nr. 5 an die jüdische Familie Borchardt, die in einem Vernichtungslager ermordet wurde
    • Gedenktafel in der Raniesstraße/Ecke Dammstraße an den Arbeitersportler und Antifaschisten Erich Paulig, der 1941 im KZ Groß-Rosen ermordet wurde
    • Gedenktafel an der Schule Straße der Einheit/Ecke Ruppiner Chaussee an die Häftlinge eines KZ-Todesmarsches, die im April 1945 von SS-Männern erschossen wurden
    • Todesmarsch-Tafel an der Einfriedungsmauer der Kirche im Ortsteil Sommerfeld
    • Todesmarsch-Tafel am Ortsausgang von Sommerfeld in Richtung Hohenbruch

Nordöstlich des Gutshauses in Beetz befindet sich im ehemaligen Gutspark die von Alexander Ferdinand Ludolf von Quast errichtete Erbbegräbnisstätte.

Wirtschaft und Infrastruktur

Kremmen ist landwirtschaftlich geprägt, ein großer Teil der Bevölkerung lebt direkt oder indirekt von der Landwirtschaft. Größter nicht-landwirtschaftlicher Arbeitgeber in Kremmen dürfte seit 1994 die Lidl Lagergesellschaft sein. Hier arbeiten ca. 120 Kommissionierer.

Eisenbahn und Straßenverkehr

Kremmen ist Endpunkt der in Berlin beginnenden Kremmener Bahn. Diese Strecke wird fortgeführt von der Strecke nach Meyenburg, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts von der Ruppiner Eisenbahn AG betrieben wurde. An dieser befindet sich auch der Haltepunkt Beetz-Sommerfeld im Ortsteil Sommerfeld. Zudem verläuft durch Kremmen ein 1967 stillgelegtes Teilstück der Umgehungsbahn. Alle diese Strecken treffen sich im Kremmener Bahnhof.

Auf der Kremmener Bahn verkehren Züge nach Hennigsdorf und Berlin-Spandau, auf der Ruppiner Bahn nach Neuruppin, Wittstock und Wittenberge beziehungsweise nach Rheinsberg (abbestellt im Dezember 2006). Die Zugverbindungen zwischen Berlin-Spandau und Wittenberge werden Prignitz-Express genannt.

Kremmen ist verkehrsmäßig über die A 24 (Anschlussstelle Kremmen) und die B 273 aus Richtung Oranienburg oder Nauen gut erreichbar. Aus dem mittelalterlichen Kremmener Damm ist im 20. Jahrhundert die L 19 geworden.

Persönlichkeiten

  • Peter Gustav Schweitzer (19. Jahrhundert), Pfarrer
  • Richard Dehmel (19./20. Jahrhundert), Dichter, stammte aus dem Spreewald, lebte ab 1867 in Kremmen

Literatur

  • 700 Jahre Stadt Kremmen. Wanderung durch Stadt und Geschichte mit Gerhard Henniger begleitet von Petra Born und Heiko Hohenhaus, 1998
  • Fred Sobik: Mehr als Sumpf und Sand. Die Orte um Kremmen und Fehrbellin, 2000
  • Friedrich Werwach: Die Kremmener Studenten auf den deutschen Universitäten bis 1700. In: „Brandenburgia“. Monatsblatt der Gesellschaft für Heimatkunde der Provinz Brandenburg zu Berlin, 9. Jahrgang 1900/1901. Berlin: Stankiewicz 1901, S. 144–159 (Digitalisat in der Google Buchsuche-USA)
  • Hermann Wille: Heimatbuch für Kremmen und Umgegend, 1971
  • Ulrich Koerth: Die bäuerlichen Erbgewohnheiten im Amtsgerichtsbezirk Kremmen. Nebst Thesen, 1939
  • Hermann Wille: Heimatbuch für Kremmen und Umgegend, 1930-1937
  • Oberförsterei Kremmen, Regierungsbezirk Potsdam, 1932
  • Hermann Wille: Geschichtliches Heimatbuch für die Stadt Kremmen, 1925
  • Hermann Wille: Bilder aus der Geschichte der Stadt Kremmen, 1922
  • Oberförsterei Kremmen im Regierungsbezirk Potsdam, 1910

Weblinks

 Commons: Kremmen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen und Einzelnachweise

  1. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Bevölkerung im Land Brandenburg am 31. Dezember 2010 nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden (PDF; 31,71 KB), Stand 31. Dezember 2010. (Hilfe dazu)
  2. Stadtbrände von einst - Glücksfall für heute. In: Christa und Johannes Jankowiak: Brandenburg. Nicht nur Sand und Heide. Stapp Verlag Berlin 2009, ISBN 978-3-87776-573-9; S. 17ff
  3. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2001
  4. Märkische Oderzeitung, 10. August 2006, S. 9
  5. private Website zu Hohenbruch
  6. http://wahl.oberhavel.de/gemeinden/kremmen/wahl.html
  7. Wappenangaben auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg
  8. Nähmaschinen-Museum Sommerfeld (http://kulturportal.maerkischeallgemeine.de online)

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