Kreuer


Kreuer

Willy Kreuer (* 28. November 1910 in Köln; † 12. September 1984 in Berlin) war ein Architekt der Nachkriegsmoderne, der in Berlin eine nennenswerte regionale Bedeutung hatte. Der Vorname „Wilhelm“, der auf Kreuers Geburtsurkunde stand, taucht nur gelegentlich in Zeitungsartikeln auf, wurde allerdings von Kreuer nie verwendet.

Leben und Werk

Kreuer im IBA-Jahr 1957

Zunächst war Kreuer von 1928–1937 in verschiedenen Kölner Baubüros tätig, unter anderem bei bedeutenden Baumeistern der Moderne, wie Martin Elsässer und Dominikus Böhm. Aus dieser Zeit stammen innovative und moderne Entwürfe. Erst 1937 begann seine Tätigkeit in Berlin, wo er 1938 ständiger Mitarbeiter bei Werner March wurde und dabei mit Neuplanungen für das Elbufer in Hamburg betraut war, ferner einer Stadionsanlage in Belgrad sowie Bauten der jugoslawischen Gesandtschaft in Berlin. Später hatte er längere Aufenthalte in Kopenhagen und Budapest. Er nahm 1941 am Wettbewerb für eine Hochschulstadt in Preßburg (heute Bratislava) teil, wurde dann von 1942–1945 zum Wehrdienst eingezogen. 1945/1946 konnte er seine Tätigkeit als freischaffender Architekt in Berlin wieder aufnehmen und beteiligte sich 1946 erfolgreich am Wettbewerb für die Bebauung und Verkehrslösung des Areals zwischen Hauptbahnhof und Hauptwache in Frankfurt (Main) in Zusammenarbeit mit Wolfgang Draesel. Damit nahm eine rege Wettbewerbstätigkeit Kreuers ihren Anfang, die sein Interesse für bedeutende Bauaufgaben zeigte. Es folgte 1948 die Teilnahme am Wettbewerb für eine Wiederaufbauplanung Frankfurt (Oder) in Entwurfszusammenarbeit mit Richard Lüer.

1949–1952 wurde er Assistent am Lehrstuhl für Städtebau der Technischen Universität Berlin, womit seine dortige Laufbahn begann, 1951 wurde er außerordentlicher Professor an der TU Berlin.

Fakultätsgebäude für Bergbau und Hüttenwesen aus der Hardenbergstraße gesehen, zusammen mit dem Anschluss an einen Altbau im Vordergrund. Aufnahme 2004, vor der Sanierung

Ein bedeutender Berliner Wettbewerb, an dem er teilnahm war u. a. der Wettbewerb zum Hauptgebäude (Zentrale) der Berliner Bank, Hardenbergstraße 32 (1951, ausgeführt wurde der Entwurf von Gerhard Siegmann 1952/1953). Seine Bedeutung als Architekt konnte er erstmals 1951 bei seiner Entwurfs- und Baubeteiligung zusammen mit Fritz Bornemann an der 1951–1953 errichteten Amerika-Gedenkbibliothek unter Beweis stellen. Es folgte zunächst 1951/1952 der Entwurf und Bau des Rathauses Berlin-Kreuzberg, Yorckstraße 4–11. Kreuer arbeitete beim Entwurf mit Hartmut Wille zusammen. Die Grundsteinlegung des Stahlbeton-Skelettbaus erfolgte im Oktober 1952 (1. Bauabschnitt 1953/1954, 2. Erweiterungsabschnitt 1956–1958).

Sein herausragendstes Werk ist das Fakultäts- und Institusgebäudes für Bergbau und Hüttenwesen der Technischen Universität Berlin am Ernst-Reuter-Platz 1 (1955–1959). Der für die Planung und Baudurchführung verantwortliche Mitarbeiter war Alfred Fitting. Im Berliner Hansaviertel lagen dem städtebaulichen Entwurf die Pläne Kreuers zugrunde. Als Bauwerk verwirklichte Kreuer dort allerdings nur die katholischen Kirche St. Ansgar 1957/1958. Zwischen 1958 und 1961: Entwurf und Bau des ADAC-Gebäudes in der Bundesallee. Mitarbeiter Herbert Stanz, Grundstein 12. September 1959, Fertigstellung 1960. Zuwenig beachtet in seiner architektonischen Qualität wird Kreuers Alterswerk, das seit 1963 entworfene und 1965–1968 gebaute Institut für Technische Chemie der TU Berlin an der Straße des 17. Juni: Dieses wurde als Stahlbetonbau errichtet und mit einer Kunststofffassade verkleidet.

Literatur

Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz. Kunstbibliothek Berlin (Hrsg.), Willy Kreuer. Architekturplanungen 1929 bis 1968. Ausstellungs- und Bestandskatalog, Berlin 1980

Weblinks


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