Kreuznacher Jahrmarkt


Kreuznacher Jahrmarkt
Riesenrad auf dem Bad Kreuznacher Jahrmarkt

Der Kreuznacher Jahrmarkt ist ein traditionelles Volksfest in Bad Kreuznach, das alljährlich am dritten Freitag im August beginnt und bis zum folgenden Dienstag dauert. Der Kreuznacher Jahrmarkt ist flächenmäßig das größte und bezogen auf die Besucherzahlen nach dem Wormser Backfischfest und dem Dürkheimer Wurstmarkt das drittgrößte Volksfest in Rheinland-Pfalz. Dabei zählt der Jahrmarkt in den fünf Tagen über 500.000 Besucher auf dem rund 63.000 Quadratmeter großen Festgelände „Pfingstwiese“. Neben den Händlern mit den unterschiedlichsten Produkten liegt der Schwerpunkt des Marktes heute auf den Schau-, Fahr- und Belustigungsbetrieben sowie der Gastronomie. Der Markt ist täglich bis 3 Uhr geöffnet und bietet am Dienstag traditionell um 22 Uhr ein etwa 20-minütiges Höhenfeuerwerk.

Moderne Fahrgeschäfte ebenso wie traditionelle Attraktionen wie Riesenrad und Kettenkarussell gehören regelmäßig zum Aufgebot der Schausteller, aber auch Ball- und Pfeilwurfwagen. Jahrmarkttypisch sind weiterhin Imbiss-, Ausschank- und Süßwarenstände aller Art vorhanden.

Inhaltsverzeichnis

Historisches

Wissenswertes
Nächster Jahrmarkt 17.-21. August 2012
Ort Pfingstwiese
Erstmals 19.–21. August 1810
Größe 62.000 m²
Besucher ca. 500.000
Dauer 5 Tage
Beschicker ca. 200
Jubiläum 200 Jahre (2010)
Motto „Nix wie enunner!“

Der erste Kreuznacher Jahrmarkt fand vom 19. bis 21. August 1810 statt. Der Termin des Marktes wurde auf den Sonntag nach dem Fest des Heiligen Napoléons (15. August), dem Namenspatron des französischen Kaisers Napoléon Bonaparte und gleichzeitig auch Geburtstag des Kaisers, festgelegt, und dauerte bis zum folgenden Dienstag. Dabei wurde der Markt schon damals auf der außerhalb der Stadt gelegenen Pfingstwiese abgehalten. Das Marktgelände umfasste dabei rund 23.000 Quadratmeter. In den Anfängen des Jahrmarktes bestand dieser größtenteils aus Gastronomie und Viehmarkt. Im Laufe der Zeit kamen jedoch weitere Händler unterschiedlicher Waren hinzu so etwa die „Barmer Spitzentante“, die in mehreren Generationen ab 1881 auf jedem Jahrmarkt präsent war, wie lange ist nicht bekannt. Mit den Jahren und Jahrzehnten entwickelte sich der Kreuznacher Jahrmarkt jedoch stetig mehr zu einem Markt der Vergnügung, bei dem die Waren in den Hintergrund gerückt sind.

Wo bis vor etwa 50 Jahren noch Varietébetriebe standen, die die Menschen mit skurrilen Dingen wie die „Frau ohne Unterleib“ und ähnlichem unterhielten, stehen heute mehr und mehr Fahrgeschäfte der neusten Generationen. Somit ist in der 200-jährigen Geschichte des Bad Kreuznacher Jahrmarkts auch der technische Fortschritt gut zu beobachten.

Der Jahrmarkt war bis 1978 zu Fuß über die hölzerne „Nickelbrücke“ zu erreichen, welche jedes Jahr extra für die Jahrmarktszeit über die Nahe aufgebaut wurde. Nach Ende des Jahrmarktes wurde die Brücke abgebaut und im Salinental gelagert. Wer die Brücke passieren wollte, musste zunächst 10 und später 20 Pfennig „Brückengeld“ zahlen. Einige Besucher sparten sich jedoch das Geld und wateten durch die im Sommer seichte Nahe.

Am Abend des 20. August 2011 wurde der Kreuznacher Jahrmarkt zum ersten Mal in seiner Geschichte wegen einer Bombendrohung unterbrochen. Der komplette Jahrmarktsplatz wurde innerhalb einer Stunde durch ein Großaufgebot an Polizisten geräumt. Die Menschen wurden unter anderem über Lautsprecher dazu aufgefordert den Platz zu verlassen. Das gesamte Areal wurde gesperrt. Zusätzlich waren auch zahlreiche Feuerwehr- und Rettungskräfte vor Ort. Laut eines Sprechers des Polizeipräsidiums Mainz zufolge waren bis zu 50.000 Menschen betroffen.[1] Erst am darauffolgenden Sonntagmorgen wurde der Jahrmarkt wieder freigegeben.

Benennung der Gassen und Plätze

Im Jahre 1973 wurde durch eine Verlosung 16 Straßennamen, für die Gassen zwischen den Schaustellern/Händlern ermittelt, die seither Jahr für Jahr durch die eigens für den Jahrmarkt gebauten Straßenschildern gekennzeichnet werden. In Anlehnung an die in den einzelnen Gassen und Plätzen ansässigen Händler und deren Waren (z. B. Baumwollgass: Händler, die Baumwollprodukte verkaufen) oder an die gesellschaftlichen Geschehnisse (Sprichklopperstroß, Schmusweid) bekam jede Straße und jeder Platz einen humoristischen Namen. Die Straßennamen lauten wie folgt:

  • Am Dippemarkt
  • Baumwollgass
  • Brulljesmacherstroß
  • Cellemochumer Stroß
  • Debedeedamm
  • Jakob-Thon-Stroß
  • Johrmarktsbrick
  • Klamottewesch
  • Luftkutscherplatz
  • Napoleonstroß
  • Nix-wie-enunner-Stroß
  • Schmusweid
  • Schoppestecherstroß
  • Spezialisteweg
  • Sprichklopperstroß
  • Strunzereck

2007 bekam der Platz vor dem Riesenrad auch einen eigenen Namen und heißt seitdem „Himmelsguckerplatz“.

Regelmäßige Beschicker

Viele Schausteller und Händler bauen regelmäßig ihre Zelte, Buden und Fahrgeschäfte auf dem Kreuznacher Jahrmarkt auf.

Firmen/Familien

  • seit 1903 Firma Eitel Gräff
  • Familie Grell-Käupel Etagen Cafe Grell
  • Familie Kehrein (Festzelte Kehrein)
  • Familie Ahrend Vesperhaus
  • Familie Koch-Dierichs
  • Familie Heinert (Fischspezialitäten)
  • Familie Krug (Pizza Krug)
  • Familie Hugo Levy (Las Vegas Ballwurf)
  • Familie Modes (Karussell/Baby-Flug)
  • Familie Nagel (Wurzelsepp)
  • Familie Rosskopf, Goswin Cadillac-Treff/Autoscooter/Schießwagen
  • Familie K. Peter, Speyer/Nickel Wellenflug (Fahrgeschäft)
  • Familie Kipp und Sohn (Europarad)
  • Familie Spangenberger (Breakdance No.1, Magic, Taiga Jet, Musik Express 3000)
  • Familie Bügler (Ponyreiten, Bayernwippe/Discofieber, Joker)
  • Familie Ruppert (Take off, Fliegender Teppich, *Casino* Automaten Spiel)
  • Familie Kinzler (Breakdance No.2, Revolution, Wilde Maus)

Die Auswahl der Stände, Zelte und Attraktionen obliegt dem „Jahrmarktsausschuss“ des Bad Kreuznacher Stadtrates, der jährlich nur etwa 20% der Bewerbungen berücksichtigen kann. Die Mitgliedschaft in diesem Ausschuss wird meist nur langgedienten Ratsmitgliedern übertragen.

Impressionen

Literatur

Stadt Bad Kreuznach (Hrsg.): 200 Jahre Jahrmarkt Bad Kreuznach. Geschichte & Geschichten, Verlag Matthias Ess 2010. ISBN: 978-3935516-58-7

Einzelnachweise

  1. Meldung zur Bombendrohung

Weblinks/Quellen


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