Krkonose


Krkonose
Riesengebirge – Schneekoppe mit Schlesierhaus (Schronisko Dom Śląski)
Topographie des Riesengebirges (100-fach überhöht)

Das Riesengebirge (polnisch Karkonosze, tschechisch Krkonoše) ist das höchste Teilgebirge der Sudeten an der Grenze zwischen Polen und Tschechien und erreicht in der Schneekoppe eine Höhe von 1602 Metern. Charakteristisch ist der subalpine Charakter des Gebirges mit eiszeitlichen Gletscherkaren, Bergseen und den steilen felsigen Flanken der Berge. Nahe am Kamm bei Špindlerův Mlýn (Spindlermühle) befindet sich in fast 1400 m Höhe die Quelle der Elbe, einem der bedeutendsten europäischen Flüsse. Seit 1959 (Polen) bzw. 1963 (Tschechien) steht das Riesengebirge als Nationalpark unter Naturschutz. Große Teile des Riesengebirges stehen zusätzlich als Biosphärenreservat unter dem Schutz der UNESCO. Allgemein bekannt sind die Sagen und Märchen um den Berggeist Rübezahl (tschech. Krakonoš, poln. Liczyrzepa bzw. Duch Gór = Berggeist), der im Riesengebirge seine Heimat hat.

Inhaltsverzeichnis

Geologie

Das Riesengebirge innerhalb der geomorphologischen Einteilung Tschechiens und Polens

Das Riesengebirge zeichnet sich durch eine komplexe geologische Struktur aus. Hier finden sich zahlreiche Gesteine (z. B. Granite, Glimmerschiefer und Gneise) und Mineralien wie z. B. Bergkristall. Reste aus der Eiszeit sind die Gletscherseen im nördlichen Teil des Gebirges.

Der Granit stellt die Hauptmasse der Gesteine im Riesengebirge dar. Das Vorkommen in ellipsoider Form erreicht in seiner West-Ostrichtung eine Länge von 66 Kilometern und misst an seiner breitesten Stelle 20 Kilometer. Im Kern des Vorkommens liegt der Zentralgranit, der von älteren Gneisen und Glimmerschichten ummantelt wird. In diese Schichten ist Granit aus der spätkarbonischen Zeit eingedrungen. Der sogenannte Riesengebirgsgranit besteht aus rötlichblauem oder fleischrotem bis weißblauem Orthoklas, gelbbraunem Oligoklas, Quarz und Biotit. Des Weiteren kommen Plagioklas, Muskovit, Pyrit, Apatit und Zirkon vor. Der Granit hat ein porphyrisches oder gleich- bzw. feinkörniges Gefüge. Der gleichkörnige Granit findet sich vor allem auf dem Gebirgskamm, insbesondere um Janowice Wielkie (Jannowitz) und nördlich der sogenannten „Friesensteine“. Er wird auch Berggranit genannt.

Der Granit mit porphyrischem Gefüge, in dessen feinkörniger Grundmasse sich einzelne große Minerale als sogenannte Einsprenglinge befinden, wird am Ostrand des Riesengebirges und südlich von Jelenia Góra (Hirschberg) gefunden. Im Riesengebirgsgranit sind Magmamassen in der Südwest-Nordost-Richtung des Massivs eingedrungen, die Ganggesteine gebildet haben. Die Vorkommen sind bis zu 30 Meter breit und zum Teil kilometerlang. Es handelt sich um Aplite (feinkörnige Granite) und Pegmatite (großkörnige Granite), porphyrische Granite und Lamprophyre. Es finden sich des Weiteren Malachite und Kersanite. Basalte treten nördlich von Jelenia Góra und Orle (Karlsthal) massenhaft an die Oberfläche.

Der rote porphyrische Riesengebirgsgranit wurde um Janowice Wielkie, Karpniki (Fischbach) und Strużnica (Neudorf) abgebaut. Dieser Granit zeigt ein deutliches Richtungsgefüge durch die Paralleleinlagerung der Feldspäte, hat häufig Haarrisse. Er fand vor allem als Baustein Verwendung[1].

Geografie

Blick von der Nordseite zum Hauptkamm. Große Sturmhaube (Śmielec) (1.424 m) und Schwarze Agnetendorfer Schneegrube (Czarny Kocioł Jagniątkowski)

Der Hauptkamm des Riesengebirges verläuft großteils in west-östlicher Richtung und bildet die Grenze zwischen Polen und Tschechien. Seine höchste Erhebung ist die 1602 m hohe Schneekoppe (poln. Śnieżka, tschech. Sněžka), der höchste Berg des Riesengebirges sowie ganz Tschechiens. Auf der schlesischen Nordseite in Polen fällt das Gebirge steil zum Hirschberger Tal hin ab, während es sich auf der böhmischen Südseite in Tschechien zum Böhmischen Becken hin senkt. Das Gebirgsvorland weist jeweils Meereshöhen von 300 Metern oder darüber auf. Im Nordosten setzt sich das Riesengebirge in Polen im Landeshuter Kamm fort, im Südosten reicht es über den Bergrücken Kolbenkamm bis zum Liebauer Tor und Rehorngebirge. Die westliche Begrenzung stellt der Neuweltpass (886 m) bei Jakuszyce (Jakobsthal) dar, dahinter schließt sich an der polnisch-tschechischen Grenze das Isergebirge an. In Tschechien verläuft südlich des Hauptkamms und parallel zu ihm der nur ca. 100 Meter niedrigere Böhmische Kamm (auch Innerer Kamm genannt). Er wird bei Špindlerův Mlýn von der Elbe durchbrochen. Daran schließen sich noch mehrere Nebenkämme an. Die Ausdehnung des Riesengebirges beträgt 631 km², wovon 454 km² auf tschechischem und 177 km² auf polnischem Gebiet liegen.

Blick vom Hauptkamm zum Böhmischen Kamm. Im Vordergrund die Spindlerbaude (Špindlerová bouda)
Elbfall mit Elbfallbaude um 1900

Hauptkamm und Böhmischer Kamm sind durch die Täler von Mummel (Mumlava), Elbe (Labe) und Weißwasser (Bílé Labe) getrennt. Weitere bedeutende Flüsse auf tschechischer Seite sind Velka Úpa (Große Aupa) und Malá Úpa (Kleine Aupa), sowie die Jizerka (Kleine Iser). Die Mumlava und die Jizerka münden in die Jizera (Iser), welche im angrenzenden Isergebirge entspringt und den Südwesten des Riesengebirges durchfließt.

Hainfall (Wodospad Podgórnej), Polen

Die Flüsse der tschechischen Seite stürzen oft über steile Kanten von den Rändern der Höhenzüge in die von eiszeitlichen Gletschern geformten Täler. Die größten Wasserfälle auf der Südseite des Gebirges sind Labský vodopád (Elbfall) mit einer Fallhöhe von 50 m, Pančavský vodopád (Pantschenfall) (140 m, höchster Wasserfall Tschechiens), Horní Úpský vodopád (Oberer Aupafall), Dolní Úpský vodopád (Unterer Aupafall) und Mumlavský vodopád (Mummelfall) (10 m). Die bedeutendsten Flüsse auf polnischer Seite sind Zacken (Kamienna), Lomnitz (Łomnica) und Bober (Bóbr). Sie und ihre Zuflüsse verlaufen häufig in engen Felsschluchten und bilden aufgrund des starken Gefälles ebenfalls imposante Wasserfälle, wie z. B. den Wodospad Kamieńczyka (Zackelfall) (27 m), den Wodospad Szklarki (Kochelfall) (13,5 m), den Wodospad na Łomnicy (Lomnitzfall) (10 m) oder den Wodospad Podgórnej (Hainfall) (10 m).

Über den Hauptkamm des Riesengebirges verläuft die Wasserscheide zwischen Nordsee und Ostsee. Die Flüsse der tschechischen Südseite entwässern über die Elbe in die Nordsee, die Flüsse der polnischen Nordseite über die Oder in die Ostsee.

Natur

Abgestorbene Fichten im Moorgebiet am Nordabfall des Hauptkamms (Juli 2005)

Im Riesengebirge ist die typische Zonierung der Vegetation nach Höhenstufen eines mitteleuropäischen Gebirges vertreten. Die Flusstäler und niederen Lagen bilden die submontane Zone. Die hier ursprünglich vorherrschenden Laub- und Mischwälder wurden jedoch größtenteils durch Fichtenmonokulturen ersetzt. Nur in den Flusstälern sind noch Reste der Laubwälder vorhanden.

Daran schließt die montane Vegetationszone an. Deren natürliche Nadelwaldbestände wurden ebenfalls zum großen Teil durch Fichtenmonokulturen ersetzt. Diese sind durch Luftverschmutzung und Bodenversauerung oft stark geschädigt. An vielen Stellen ist der Wald großflächig abgestorben. Der Grund ist die geografische Lage im Schwarzen Dreieck, einer Region um das deutsch-polnisch-tschechische Dreiländereck, in der eine große Zahl von Elektrizitätswerken, die mit Braunkohle betrieben werden, existiert. Zwar wurde deren Schwefeldioxidemission, die hauptverantwortlich für den sauren Regen ist, sowie die Emission vieler anderer Luftschadstoffe seit Beginn der 1990er-Jahre stark reduziert, trotzdem konnte der Prozess des Waldsterbens, der bereits in den 1970er Jahren einsetzte und Ende der 1980er Jahre seinen Höhepunkt erreichte, noch nicht vollständig gestoppt werden.

Alpine Vegetationszone am Riesenkamm (1.400 m), östlich der Schneekoppe

Oberhalb der Baumgrenze in ca. 1250–1350 m Höhe liegt die subalpine Vegetationszone. Sie ist vor allem von Knieholzbeständen, natürlichen und sekundären Borstgraswiesen und subarktischen Hochmooren geprägt.

Schneegruben und ehemalige Schneegrubenbaude (Schronisko nad Śnieżnymi Kotłami)

Diesem Lebensraum kommt im Riesengebirge eine besondere Bedeutung zu. Es handelt sich hierbei um einen Rest der arktischen Tundra, die während der Eiszeiten in Mitteleuropa vorherrschte. Gleichzeitig bestand jedoch eine Verbindung zum alpinen Grasland der Alpen. Es existieren hier Pflanzenarten nebeneinander, die sonst mehrere tausend Kilometer voneinander getrennt sind, z. B. Moltebeeren. Einige Arten entwickelten sich unter den speziellen Bedingungen des Riesengebirges anders als in den Alpen oder in der Tundra. Sie sind endemisch, das heißt, sie kommen nur hier vor.

Nur auf den höchsten Gipfeln (Schneekoppe, Hochwiesenberg (Luční hora), Brunnberg (Studniční hora), Hohes Rad, Kesselkoppe (Kotel) und Reifträger (Szrenica) findet man die alpine Vegetationszone. Hier herrschen Gras- und Flechtengesellschaften vor, deren Lebensraum ausgedehnte, aus Felstrümmern bestehende Schutthalden bilden.

Rübezahl nach Martin Helwig, 1561

Besonders artenreich sind Gletscherkare wie der Riesengrund (Obří důl), der Elbgrund (Labský důl) und der Weißwassergrund (Důl Bílého Labe) auf der Südseite und die dramatischen Schneegruben (Śnieżne Kotły), der Melzergrund (Kocioł Łomniczki) sowie die Kessel der Bergseen Großer Teich (Wielki Staw) und Kleiner Teich (Mały Staw) auf der Nordseite des Hauptkamms. Die artenreichsten Stellen nennt man zahrádka ("Gärtchen"). Davon gibt es im Riesengebirge etwa 15, z. B. Čertova zahrádka (Teufelsgärtchen) und Krakonošova zahrádka (Rübezahls Gärtchen).

Naturschutz

Zackelfall (Wodospad Kamieńczyka), Polen

Sowohl auf tschechischer Seite als auch auf polnischer Seite sind große Teile des Riesengebirges als Nationalpark geschützt.

Karkonoski Park Narodowy (KPN)

Der 56 km² große Karkonoski Park Narodowy (KPN) (Nationalpark Riesengebirge) besteht als polnischer Nationalpark bereits seit 1959. Er umfasst vor allem die sensiblen Hoch- und Gipfellagen des Gebirges ab etwa 900–1000 m Höhe und einige besondere Naturreservate unterhalb dieser Zone.

Krkonošský národní park (KRNAP)

Anschließend an den polnischen Nationalpark wurde 1963 der Krkonošský národní park (KRNAP) (Nationalpark Riesengebirge) als erster Nationalpark in Tschechien eingerichtet. Seine Fläche beträgt annähernd 370 km². Unter Schutz stehen nicht nur die subalpinen Kammlagen, sondern auch die Bereiche bis an den Fuß des Gebirges.

Die strengen Naturschutzbestimmungen des polnischen Nationalparks lassen keine künstliche Wiederaufforstung der durch das Waldsterben in den 70er und 80er Jahren betroffenen Bereiche des Gebirges zu. Auf tschechischer Seite hingegen wird Wiederaufforstung betrieben.

Klima

Das Klima des Riesengebirges ist von häufigen Wetterumschwüngen geprägt. Die Winter sind kalt und Schneehöhen über 3 m keine Seltenheit. Weite Teile des Gebirges verbergen sich ca. 5–6 Monate unter einer Schneedecke. Die höheren Lagen sind oft in dichten Nebel gehüllt. Der Gipfel der Schneekoppe ist an durchschnittlich 296 Tagen zumindest zeitweise im Nebel bzw. in den Wolken verborgen. Die Durchschnittstemperatur auf der Schneekoppe beträgt ca. 0,2 °C und entspricht damit der von Island. Die Kammlagen gehören zu den windexponiertesten Gegenden Europas. Auf der polnischen Seite ist der Föhn eine häufige Wettererscheinung. Der jährliche Niederschlag reicht von ca. 700 mm am Fuße des Gebirges bis zu 1230 mm auf der Schneekoppe. Mit bis zu durchschnittlich 1512 mm in den Schneegruben werden die höchsten Niederschlagsmengen jedoch in den Tälern am Fuße des Hauptkammes erreicht.

Besiedelung

Das Riesengebirge war bis ins Mittelalter unbesiedelt. Die schlesischen Piasten errichteten zu jener Zeit an den nördlichen Abhängen des Gebirges Grenzburgen zur Sicherung ihrer Gebiete. Mit der Ansiedlung sächsischer, fränkischer und thüringischer Kolonisten im Umkreis jener Burgen begann die Urbarmachung des Territoriums. Ausgehend vom Hirschberger Tal - 1288 etwa wurde Hirschberg gegründet - wurden nach und nach immer höhere Regionen des Gebirges erschlossen.

Die Besiedelung der böhmischen Seite des Riesengebirges hingegen begann weit später (Spindlermühle etwa 1793), durch Kolonisten aus dem Alpenraum. Diese Kolonisten brachten ihre traditionellen, für den Alpenraum typischen, Wirtschaftsformen mit, etwa die alpine Weidewirtschaft. Dadurch entstanden im böhmischen Riesengebirge jene Baudensiedlungen, welche bis 1945 die Landschaft prägten.

Mit dem Ende des 2. Weltkrieges begann die Vertreibung der deutschen Bevölkerung. Die Bewohner des schlesischen Teils des Gebirges gelangten vorwiegend in den britisch und sowjetisch besetzten Teil Deutschlands, die Bewohner des böhmischen Teils vorwiegend in die amerikanische Besatzungszone. Die schlesische Seite wurde daraufhin mit Polen neubesiedelt, die böhmische Seite mit Tschechen. Insbesondere auf der tschechischen Seite konnte die frühere Besiedelungsdichte allerdings nie mehr erreicht werden, so dass heute ca. 2/3 weniger Einwohner in dem Gebiet leben.

Wirtschaft

Im Mittelalter begann der Bergbau. Zunächst waren es Edelsteine, dann kamen Eisenerz und andere Mineralien dazu. Für die Verarbeitung der Erze waren große Mengen Holz erforderlich, so dass der Rodung des Waldes Einhalt geboten werden musste. Der Dreißigjährige Krieg beendete die Blütezeit des Bergbaus. Auf der böhmischen Seite entwickelte sich die Glaskunst, die sich durch eine reiche Farbgestaltung auszeichnet. In der Stadt Harrachov befindet sich heute ein Glasmuseum.

Besonders in der Umgebung von Bergbauden entstanden durch Rodung artenreiche Bergwiesen, welche in alpiner Weidewirtschaft gepflegt wurden. Durch die Vertreibung der sudetendeutschen Bevölkerung kam diese Art der Bewirtschaftung ab 1945 weitestgehend zum Erliegen, wodurch diese Bergwiesen nach und nach verwilderten.

Geblieben ist die touristische Erschließung, die sich seit dem 19. Jahrhundert entwickelt hat.

Besonderheiten

Die Teichbaude (Schronisko Samotnia) am Kleinen Teich, Polen

Typisch für das Riesengebirge sind die zahlreichen Bergbauden. (mittelhochdeutsch Buode = Bau, Gebäude). Ursprünglich handelte es sich um von Hirten im Sommer bewohnte, meist hölzerne Schutzhütten in den höheren Gebirgslagen. Ab etwa 1800 wurden einige der Hütten für die ersten Wanderer interessant, sodass viele gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Herbergen umgewandelt wurden. Später wurden die Bauden oft erweitert, um eine größere Zahl von Gästen bewirten und beherbergen zu können. Bekannte historische Bauden sind beispielsweise die Wiesenbaude (Luční bouda), die Martinsbaude (Martinová bouda) und die Wosseckerbaude (Vosecká bouda) in Tschechien sowie die Hampelbaude (Schronisko Strzecha Akademicka), die Teichbaude (Schronisko Samotnia) und die Neue Schlesische Baude (Schronisko na Hali Szrenickiej) in Polen. An anderen Stellen wurden die alten Bauden durch neuere Gebäude ersetzt. Zu diesen im 20. Jahrhundert speziell für touristische Zwecke errichteten Bauden zählen z. B. die Peterbaude (Petrova bouda) oder die Gipfelbaude auf der Schneekoppe (Schronisko na Śnieżce).

Panorama einer Hochfläche mit Bauden, Tschechien

Auch zahllose, zum Teil sehr eindrucksvolle und auf der gesamten Länge des Gebirges vorhandene Felsformationen hat das Riesengebirge zu bieten, z. B. die Mädelsteine (tschech. Dívčí kameny, poln. Śląskie Kamienie) und die Mannsteine (tschech. Mužské kameny, poln. Czeskie Kamienie) in über 1400 m Höhe am Hauptkamm, die Harrachsteine (Harrachovy kameny) in Tschechien oder die gewaltigen Dreisteine (Pielgrzymy) und den Mittagstein (Słonecznik) in Polen. Es sind hohe Türme und Blöcke aus Granit, die durch ungleichmäßige Verwitterung verschiedenartige Formen angenommen haben. Oft ähneln sie Menschen oder Tieren, erreichen aber Höhen von bis zu 30 Metern. Ähnliche Formationen finden sich auch in anderen Teilgebirgen der Sudeten.

Tourismus

Erinnerungen an das Riesengebirge, Caspar David Friedrich, vor 1835

Das Riesengebirge ist eines der traditionsreichsten Touristengebiete in Mitteleuropa. Bereits im 18. und 19. Jahrhundert waren Besteigungen der Schneekoppe häufig, etwa durch Theodor Körner oder Johann Wolfgang Goethe. Ende des 19. Jahrhunderts gründeten sich auf der böhmischen und schlesischen Seite des Gebirges zwei Vereine, der schlesische Riesengebirgsverein und der Österreichische Riesengebirgsverein. Beide setzten sich u.a. die touristische Erschließung des Riesengebirges zum Ziel, wozu in erster Linie der Wegebau vorangetrieben wurde. Insgesamt schuf man ein Wegenetz von 3000 Kilometern, wobei allein 500 Kilometer auf das Hochgebirge entfielen. Das Riesengebirge wurde in Folge zu einem der beliebtesten Urlaubsgebiete Deutschlands. Im damaligen Schreiberhau (heute: Szklarska Poręba) auf der schlesischen Seite befanden sich seit der Gründerzeit zahlreiche Ferienvillen von Berliner Fabrikanten, welche auch heute noch erhalten sind und ein besonderes Flair haben. Direkte Bahnverbindungen nach Schreiberhau bestanden von Berlin, Breslau und Dresden, sodass eine bequeme und schnelle Anreise möglich war.

Nach 1945 erfolgte auf beiden Seiten des Gebirges vor allem ein Ausbau der Skigebiete mit Liften und neuen Abfahrtspisten, während die traditionellen Bergbauden zunächst vernachlässigt wurden. Etliche wurden ein Opfer von Bränden, wie die Elbfallbaude, die Riesenbaude oder die einstige Rennerbaude und die Prinz-Heinrich-Baude. Ebenso verfielen aufgrund mangelnder Pflege viele Wanderwege, Sprungschanzen und Rodelbahnen. Der grenzüberschreitende Kammweg war in den 1980er Jahren nur noch polnischen und tschechoslowakischen Bürgern zugänglich; deutschen Besuchern wurde die Nutzung des nunmehr Freundschaftsweg genannten Weges untersagt.

Heute stellt das Riesengebirge vor allem für Gäste aus Deutschland und den Niederlanden wieder ein beliebtes Urlaubsziel im Sommer und im Winter dar. Große und schneesichere Skigebiete befinden sich auf der tschechischen Seite in Špindlerův Mlýn (Spindlermühle) und Harrachov (Harrachsdorf) sowie auf der polnischen Seite in Szklarska Poręba (Schreiberhau) und Karpacz (Krummhübel). Bekannt sind auch die Skiflugschanzen von Harrachov und Karpacz.

Bedeutende Erhebungen

Der Reifträger (Szrenica), 1362 m
  • Schneekoppe (tschech. Sněžka, poln. Śnieżka), 1602 m, höchster Berg des Riesengebirges, Gipfelstation des Sessellifts aus Pec pod Sněžkou
  • Hochwiesenberg (Luční hora), 1555 m, höchster Berg des Böhmischen Kamms
  • Brunnberg auch Steinboden (Studniční hora), 1554 m
  • Hohes Rad (poln. Wielki Szyszak, tschech. Vysoké Kolo), 1509 m, höchster Berg im westlichen Teil des Riesengebirges
  • Mittagsberg (Smogornia), 1489 m
  • Veilchenstein (Labski szczyt, tschech. Violik), 1472 m
  • Kleine Sturmhaube (poln. Mały Szyszak, tschech. Malý Šišák), 1440 m
  • Kesselkoppe (Kotel), 1435 m
  • Große Sturmhaube (poln. Śmielec, tschech. Velký Šišák), 1424 m
  • Plattenberg (tschech. Zadni plania), 1423 m
  • Herrachstein (tschech. Harrachovy kameny ), 1421 m
  • Mannsteine (tschech. Mužské kameny, poln. Czeskie Kamienie), 1416 m
  • Mädelsteine (tschech. Dívčí kameny, poln. Śląskie Kamienie), 1414 m
  • Schwarze Koppe (tschech. Svorova hora, poln. Czarna kopa), 1411 m
  • Goldene Höhe (tschech. Zlate navrsi), 1411 m
  • Rosenberg (tschech. Ruzova hora), 1390 m
  • Kleine Koppe (Kopa), 1377 m, nördlicher Seitengipfel der Schneekoppe, Gipfelstation des Sessellifts aus Karpacz, Skigebiet
  • Fuchsberg (Liščí hora), 1363 m
  • Reifträger (Szrenica), 1362 m, Gipfelstation des Sessellifts aus Szklarska Poręba, Skigebiet
  • Kahler Berg (Lysá hora), 1344 m
  • Ziegenrücken (tschech. Kozi hrbety), 1321nbsp;m
  • Heuschober (Stoh), 1315 m
  • Schwarzenberg (Černá hora), 1299 m
  • Schüsselberg (Medvědín), 1235 m, Gipfelstation des Sessellifts aus Špindlerův Mlýn, Skigebiet
  • Teufelsberg (Čertová hora), 1020 m, Gipfelstation des Sessellifts aus Harrachov, Skigebiet, auch bekannt durch die dortige Skiflugschanze
  • Kynast (Chojnik), 627 m, mit mittelalterlicher Burgruine Chojnik

Ausgewählte Orte im Riesengebirge

in Polen:

in Tschechien:

Einzelnachweise

  1. W. Dienemann und O. Burre: Die nutzbaren Gesteine Deutschlands und ihre Lagerstätten mit Ausnahme der Kohlen, Erze und Salze, Enke-Verlag, Stuttgart 1929, S. 61ff

Literatur

  • Bernd Wurlitzer: Riesengebirge – Reisen mit Insider-Tips. Mairs Geographischer Verlag, Ostfildern 1997, ISBN 3-89525-449-5
  • Kerstin und André Micklitza: Wandern im Riesengebirge – 30 Touren mit Höhenprofilen. Du Mont Reiseverlag, Köln 2002, ISBN 3-7701-5535-1
  • Kerstin Micklitza: Durchs Prebischtor zur Schneekoppe. Wanderungen in den Westsudeten. 2. Aufl., Lusatia Verlag, Bautzen 1998, ISBN 3-929091-25-9
  • Kerstin und André Micklitza: Von der Schneekoppe zum Altvater. Wanderungen in den Mittel- und Ostsudeten. Lusatia Verlag, Bautzen 1997, ISBN 3-929091-46-1
  • Bernhard Pollmann: Riesengebirge mit Isergebirge. 50 ausgewählte Wanderungen. 2. Aufl., Bergverlag Rother, München 1996, ISBN 3-7633-4222-2)
  • Frank Schüttig: Das Riesengebirge entdecken. Rübezahls Land an der tschechisch-polnischen Grenze. 4. Aufl., Trescher Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-89794-073-6

Weblinks

50.7515.5833333333331602Koordinaten: 50° 45′ N, 15° 35′ O


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