Kuldiga


Kuldiga
Kuldīga (dt.: Goldingen)
Wappen von Kuldīga
Kuldīga (Lettland)
DEC
Basisdaten
Staat: Lettland
Gebiet:
Landkreis:
Koordinaten: 56° 57′ N, 21° 58′ O56.9521.9666666666677Koordinaten: 56° 57′ 0″ N, 21° 58′ 0″ O
Einwohner: 13.094 (1. Jan. 2005)
Fläche:
Bevölkerungsdichte:
Höhe:
Stadtrecht: seit 1347
Webseite: www.kuldiga.lv

Kuldīga (dt.: Goldingen) ist eine Stadt in der nordkurischen Landschaft Wynda/ Venta in Lettland mit 13.094 Einwohnern (Stand 1. Januar 2005).

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Haus in Kuldīga

Unter dem livländischen Landmeister des Deutschen Ordens Dietrich von Grüningen (1242-1245) soll die Ordensburg errichtet worden sein, welche erst als „Jesusburg“ bezeichnet wurde. Später entstand der Name „Goldingen“.

Goldingen erhielt 1347 das Stadtrecht. Seit 1368 gehörte Goldingen zur Hanse. Aufgrund dieser Zugehörigkeit war die Stadt nun Mitglied in der Neuen Hanse und nahm an den Hansetagen der Neuzeit teil.

Goldingen wurde 1561 zur Residenz des Herzogs Gotthard Kettler und später zur Hauptstadt Kurlands. Unter Herzog Jakob Kettler blühte die Wirtschaft in Goldingen auf: so entwickelte sich zum Beispiel der Schiffbau, Salpeterfabriken und Ziegelbrennereien.

Durch den polnisch-schwedischen Krieg und den Großen Nordischen Krieg sowie einer Pestepidemie verlor die Stadt an wirtschaftlichem und politischem Einfluss. Nach dem Frieden von Nystad 1721 stand Kuldiga unter polnischer Oberhoheit bis zur Auflösung der polnisch-litauischen Adelsrepublik im Jahre 1795. Danach geriet Kuldiga unter russische Herrschaft. Die Stadt wurde ein Kreiszentrum im Kurländischen Gouvernement, einem der drei Ostseegouvernements.

Im 19. Jahrhundert erlebte die Stadt einen erneuten wirtschaftlichen Aufschwung. Die größten Unternehmen waren: die Nadelfabrik „Meteor“, die Streichholzfabrik „Vulkan“ und die Lederfabrik. Im Jahre 1881 hatte die Stadt bereits 9.151 Einwohner. 1886 wurde das Lehrerseminar von Riga hierher verlegt. 1896 gründete sich in Kuldiga ein erster Bund der Sozialdemokraten des Baltikums. Nach dem Ersten Weltkrieg kam Kuldiga zum unabhängig gewordenen Lettland.

Am Tag des Einmarschs der Deutschen in Lettland begannen Pogrome in der Stadt. Als Wehrmacht und SS in die Kuldīga einmarschierten, starteten Schikanen und Enteignungen der jüdischen Bewohner, die 1935 knapp ein Zehntel der Bevölkerung ausmachten [1]. Später wurden sie in der Synagoge zusammengetrieben und dort knapp zwei Wochen interniert. Anschließend wurden sie innerhalb zweier Tage in den umliegenden Wäldern von Letten aus Kuldīga und Angehörigen der SS und der Wehrmacht erschossen. Hab und Gut der Ermordeten wurden unter der einheimischen Bevölkerung versteigert.

Wappen

Goldingen besaß bereits zur Ordenszeit ein Siegel in dessen Zentrum die heilige Katharina von Alexandrien stand. Sie hat in einer Hand das Richtrad, in der zweiten - das Schwert. Das Stadtwappen zeigt die heilige Patronin weiß auf rot in der Mitte stehend mit abgespreizten Armen. In der rechten Hand hält sie das Rad, welches mit einem Kreuz an der Kette umhangen ist. Die linke Hand stützt sich auf ein abwärts gerichtetes Schwert.

Sehenswürdigkeiten

Das ehemalige Schloss des Deutschen Ordens wurde 1248 erbaut und war im 17. Jahrhundert Residenz der kurländischen Herzöge. Sehenswert ist außerdem die aus dem 19. Jahrhundert stammende Backsteinbrücke. Kuldīga ist bekannt für Ventas Rumba - einen Wasserfall der Venta (deutsch: Windau), der mit einer Breite von 270 bis 275 Metern der breiteste Wasserfall Europas ist.

Die Synagoge der Stadt war eine der, wenn nicht gar die, Synagoge Lettlands mit der prächtigsten Innenausstattung. Nach der Shoa wurde sie Anfang der 1950er Jahre zu einem Kino umgebaut. Dazu wurden eine Decke auf Höhe der Frauenempore eingezogen, Treppenhäuser eingebaut und der Haupteingang in den Ort der Heiligen Lade, die Aron ha-Qodesch (Toraschrein) gebrochen. Das Kino schloss wenige Jahre nach dem Ende der Sowjetunion und steht seitdem leer. Die Stadtverwaltung plant, die Stadtbibliothek plus Parkplatz auf dem Gelände der ehemaligen Synagoge, der ehemaligen Wochentagssynagoge, und weiterer ehemals jüdischer Einrichtungen zu errichten.

Städtepartnerschaften

Söhne und Töchter der Stadt

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Ezergailis, Andrew: The Holocaust in Latvia: 1941 - 1944: the missing center, Riga 1996, S.403

Weblinks


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