Kuller


Kuller
Spornkuller an einer ASK 21

Als Kuller oder Kullerchen werden in der Fliegersprache Rangierhilfen für Flugzeuge bezeichnet. Besonders Segelflugzeuge sind konstruktionsbedingt am Boden nur schwer zu manövrieren, daher werden im Bedarfsfall temporär zusätzliche, um 360° drehbare Räder oder Rollen montiert. Über den Genus des Begriffes besteht im praktischen Sprachgebrauch keine Einigkeit: Das und der Kuller sind gleichermaßen verbreitet.

Inhaltsverzeichnis

Spornkuller

Rolladen Schneider LS8 mit Spornkuller und zusätzlichem Stützrad zum Transport ohne zusätzlichen „Mann an der Fläche“.
Am Sporn einer Schleicher Ka 6 verschraubtes Spornkuller.

Im Gegensatz zu vielen Motorflugzeugen besitzen die meisten Segelflugzeuge als Hauptfahrwerk nur ein einzelnes Rad im Rumpf, das am Heck durch einen Schleifsporn aus Metall oder ein kleineres Spornrad unterstützt wird. Um beim Rangieren am Boden bei engeren Kurvenradien Beschädigungen am Rumpf zu vermeiden, muss das Heck des Flugzeuges angehoben werden. Ältere Modelle wie die Schleicher K 8 besitzen dazu eigens am Heck angebrachte Handgriffe, bei neueren Flugzeugen in Kunststoffbauweise ist dies nicht mehr ohne weiteres möglich. Daher greift man hier auf eine Hilfskonstruktion, das Spornkuller (engl. tail dolly), zurück: Am Heck wird temporär ein um 360° drehbares Rad angebracht. Dies geschieht in der Regel mittels einer gepolsterten GFK-Schale, die um den Rumpf und den unteren Teil der Seitenflosse greift. Alternativ wird das Kuller mit einer Flügelschraube direkt am metallenen Sporn angeschraubt (Bild rechts) oder einfach von unten in eine entsprechende Aufnahmevorrichtung am Seitenleitwerk gesteckt (z.B. Astir).

Damit ist es möglich, das Flugzeug ohne großen Kraftaufwand auf der Stelle zu drehen. Außerdem kann das Kuller als Ansatzstelle für eine Schleppstange dienen, mit deren Hilfe das Flugzeug an einer handelsüblichen Anhängerkupplung angehängt und so mit dem PKW zur Startstelle bewegt werden kann.[1]

Gefahren

Sollte vor dem Start vergessen werden, das Kuller zu entfernen, kann es zu schweren Unfällen kommen: Da das zusätzliche Gewicht am Heck die Schwerpunktlage des Flugzeugs beeinflusst, können veränderte Langsamflugeigenschaften bis hin zu Abkippen und Flachtrudeln auftreten. Außerdem ist die Gefahr des seitlichen Ausbrechens beim Anrollen erhöht.[2] In Deutschland ist die Überprüfung des Kullers daher in der Segelflugbetriebsordnung als Teil des Startchecks vorgeschrieben.[3]

Hallenkuller

Um den in der Privatfliegerei meist begrenzten Platz in der Flugzeughalle möglichst gut ausnutzen zu können, werden die darin untergebrachten Flugzeuge meist nicht einfach nebeneinander geparkt, sondern ineinander verschachtelt. Dazu ist es oft nötig, ein Flugzeug diagonal oder seitwärts zur Längsachse zu bewegen.

Segelflugzeuge

Hallenkuller für Doppelsitzer mit Hebelmechanismus

Bei Segelflugzeugen kann hier das Spornkuller um ein Hallenkuller ergänzt werden. Dieses besteht im einfachsten Fall aus einem rechteckigen Stück kräftigen Blechs, das an den Ecken mit um 360° drehbaren Rollen versehen ist. In der Mitte des Blechs befindet sich eine Mulde, in die das Hauptrad gehoben wird. Da besonders bei doppelsitzigen Segelflugzeugen durchaus Gewichte von 400 kg erreicht werden, gibt es darüber hinaus eine Vielzahl von Kipp- und Hebelkonstruktionen, die es ermöglichen, das Flugzeug komfortabel auf das Kuller zu schieben.

Im Gegensatz zu Spornkullern werden solche Hallenkuller meist nicht vom Hersteller mitgeliefert und müssen daher in Eigenarbeit angefertigt oder separat erworben werden.

andere Flugzeuge

Trike auf einer Kombination aus drei einfachen Hallenkullern.

Motorgetriebene Flugzeuge besitzen in der Regel ein lenkbares Sporn- oder Bugrad und eine geringere Flügelspannweite, was die Rangierbarkeit im Hangar im Vergleich zu Segelflugzeugen deutlich verbessert. Aber auch hier werden gelegentlich Kuller eingesetzt. Dabei wird entweder jedes einzelne Rad auf ein eigenes Kuller gehoben, oder man verwendet eine verstrebte Metallkonstruktion, die das gesamte Flugzeug aufnehmen kann.

Einzelnachweise

  1. DG-Flugzeugbau: Schleppstange und Hebevorrichtung von COBRA-Trailer, Abgerufen am 10. April 2009
  2. DG-Flugzeugbau: Der korrekte Windenstart, Abgerufen am 10. April 2009
  3. Deutscher Aeroclub e.V.: Segelflugbetriebsordnung (pdf, 503 KB), Abgerufen am 10. April 2009

Literatur

  • Matthias Gebhardt: Wortbildung in der Sprache der Segelflieger. GRIN Verlag, 2007, ISBN 978-3-638-71147-0.
  • Alexander Willberg: Segelfliegen für Anfänger – Theorie und Praxis. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1996, ISBN 3-613-01682-6, S. 146–147.

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Fliegersprache – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  • Youtube-Video: Funktionsweise eines Spornkullers
  • Youtube-Video: Ein Segelflugzeug wird mittels eines Spornkullers im Kreis gedreht.

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