Kwela


Kwela

Kwela, auch Pennywhistle-Jive, ist die Bezeichnung einer jazzorientierten, südafrikanischen Musik aus den 1950er Jahren. Charakteristisch ist die Verwendung der Blechflöte (Pennywhistle) als Melodieinstrument.

Inspiriert durch Musiker wie Lester Young, Count Basie, Cab Calloway und andere Musiker der Swing-Ära entstand in den Townships Südafrikas in den 1950er Jahren die Kwela-Musik. Sie beruht auf dem Marabi-Sound und hat einen fröhlichen Charakter. Kwela ist geprägt von einem raschen, vorandrängenden Rhythmus. Die Akkordfolge ist gewöhnlich TonikaSubdominante–Tonika–Dominante, wobei diese Akkorde gleichrangig sind.[1] Trotz des nordamerikanischen Einflusses ist der Kwela nach einer Analyse von Gerhard Kubik „erstaunlich reich an afrikanischen Elementen“. Dabei sind die Themen der Stücke meist auf kurzen Ablaufformen, zwei- bis viertaktigen melodischen Motiven, aufgebaut, wie sie aus der traditionellen Musik Afrikas bekannt sind, und in einem regelmäßigen Summationsmetrum abgerundet. Die Improvisation findet nicht auf den Harmonien statt; vielmehr sind die Ausgangspunkte des improvisierten Spiels die kurzen Melodie-Themen. Blue Notes kommen in zahlreichen Kwela-Stücken vor.[2]

Sean Bergin, hier gleich mit mehreren Kwela-Whistles (unübliche Spielweise)

Kwela wurde auf den Straßen Südafrikas zumeist in einer Skiffleband-Besetzung gespielt: ein bis drei Pennywhistles, speziellen Metallblockflöten der deutschen Firma Hohner, ein aus einer Teekiste gebauter einsaitiger Bass, einer Gitarre und einer Rassel, zum Beispiel einer mit Kirschkernen gefüllten Flasche. Diese Musik war in den 1950er Jahren sehr beliebt und wurde daher mit Flötisten wie Lemmy Mabaso, Spokes Mashiyane und Aaron Lerole aufgenommen und erfolgreich vertrieben. Die Musikindustrie veränderte für die Plattenaufnahmen bereits früh den Sound und ersetzte beispielsweise die Rassel durch ein Schlagzeug, den Stehbass durch einen Kontrabass und teilweise auch die Flöte durch ein Saxophon. Zur Kwela-Musik wurde mit schwingenden Bewegungen getanzt.[3]

In Johannesburg gehörten Kwela-Bands bis etwa 1962 zum allgemeinen Straßenbild. Kwela verbreitete sich rasch in weiten Teilen des südlichen Afrikas, beispielsweise auch nach Malawi, wo die Band von Donald Kachamba die Musizierhaltung pflegt. Die südafrikanische Band Kwela Tebza, in der Nachfahren von Aaron Jack und Elias Lerole spielen, war an der Eröffnungsfeier des FIFA.Confederations Cup 2009 in Johannesburg beteiligt.

Saxophonisten wie Kippie Moeketsi und Gwigwi Mrwebi nahmen die neu entstandene Spielweise auf und transferierten sie in den südafrikanischen Jazz; später entstand aus ihr der Cape Jazz. Über die Kompositionen von Abdullah Ibrahim, Dudu Pukwana, Mongezi Feza oder Chris McGregor kamen auch nordamerikanische und europäische Jazzmusiker mit dem Kwelastil in Berührung.

Das Wort kwela stammt aus dem IsiZulu und bedeutet „hinauf“, wurde aber als „kwela-kwela“ auch für Polizeiautos verwendet. Damit wird einerseits eine Einladung zum Tanz verbunden, aber auch eine Warnung vor Polizeirazzien in den illegalen Schanklokalen.

Literatur

  • Lara V. Allen: Pennywhistle Kwela: a Musical, Historical and Sociopolitical Analysis. MA (Natal-Durban) 1993
  • Gerhard Kubik: Afrikanische Elemente im Jazz - Jazzelemente in der populären Musik Afrikas. In: Ders., Zum Verstehen afrikanischer Musik. Ausgewählte Aufsätze. Reclam, Leipzig 1988, S. 300–321
  • Wolfgang Bender: Sweet Mother: Moderne afrikanische Musik. Edition Trickster im Peter Hammer Verlag, Wuppertal 2000, ISBN 3-87294-843-1

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Gerhard Kubik: Afrikanische Elemente im Jazz - Jazzelemente in der populären Musik Afrikas. In: Ders., Zum Verstehen afrikanischer Musik. Ausgewählte Aufsätze. Reclam, Leipzig 1988, S. 317
  2. Gerhard Kubik: Afrikanische Elemente im Jazz - Jazzelemente in der populären Musik Afrikas. In: Ders., Zum Verstehen afrikanischer Musik. Ausgewählte Aufsätze. Reclam, Leipzig 1988, S. 318
  3. Gerhard Kubik: Afrikanische Elemente im Jazz - Jazzelemente in der populären Musik Afrikas. In: Ders., Zum Verstehen afrikanischer Musik. Ausgewählte Aufsätze. Reclam, Leipzig 1988, S. 315

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  • Kwela — is a happy, often pennywhistle based, street music from southern Africa with jazzy underpinnings. It evolved from the marabi sound and brought South African music to international prominence in the 1950s. The music is rooted in Africa, but later… …   Wikipedia

  • kwela — n. A kind of danceable music popular among black South Africans; it includes a whistle among its instruments. [WordNet 1.5] …   The Collaborative International Dictionary of English

  • kwela — n. m. Musique et danse populaires des townships d Afrique du Sud en vogue depuis les années 50 …   Encyclopédie Universelle

  • Kwela — Le kwela est un style de musique sud africain des années 1950, caractérisé par le jeu jazzy d un tin whistle. De tous les genres de musique utilisant le tin whistle, le kwela est le seul qui soit totalement dominé par cet instrument, le style… …   Wikipédia en Français

  • kwela — noun A style of music first played in the townships whose principal instrument is the penny whistle …   Wiktionary

  • kwela — kwe|la [ kweılə ] noun uncount a type of popular music developed by black people in South Africa …   Usage of the words and phrases in modern English

  • kwela — n. poplar rhythmical African music that has a whistle among its instruments (similar to jazz) …   English contemporary dictionary

  • kwela — [ kweɪlə] noun a style of rhythmical popular African music resembling jazz. Origin Afrik., perh. from Zulu khwela mount, climb …   English new terms dictionary

  • kwela — noun (U) a kind of dance music popular among black South African people …   Longman dictionary of contemporary English

  • kwela — UK [ˈkweɪlə] / US noun [uncountable] music a type of popular music developed by black people in South Africa …   English dictionary