Königreich Kilikien


Königreich Kilikien
Das Armenische Königreich von Kilikien

Das Armenische Königreich von Kilikien (armenisch Կիլիկիոյ Հայկական Թագաւորութիւն) war ein mittelalterlicher Staat, der von Armeniern gegründet wurde, die nach der seldschukischen Eroberung aus Armenien geflohen waren. Es lag im Südosten der heutigen Türkei in der Region Kilikien und stellte das südwestlichste Siedlungsgebiet der Armenier dar. In der abendländischen Geschichtsschreibung wird es oft fälschlicherweise als Königreich Kleinarmenien bezeichnet; Kleinarmenien (Armenia Minor) liegt in Anatolien. Das Königreich Kilikien war von 1080 bis 1375 unabhängig.

Bereits unter dem byzantinischen Kaiser Konstantin Monomachus (1024-1055) waren Armenier in Sivas (Sebastia) und Kayseri (Caesarea Cappadociae) angesiedelt worden. 1042 wurde der Armenier Abul Gharib Gouverneur von Kilikien, und Boas vermutet, dass sich seitdem Flüchtlinge aus dem Norden auch hier ansiedelten. Abul Gharib wies einem Gefolgsmann, dem Hethumiden Oschin, die Festungen Lambron und Barbaron südlich der Kilikischen Pforte zu. Lambron wurde so zum Stammsitz der Familie, die ab 1198 die Könige von Kilikien stellte. Nach der Schlacht von Manzikert 1071 war die Kontrolle von Byzanz über den Osten geschwächt, und zahlreiche lokale Machthaber konnten mehr oder weniger unabhängig agieren. In Antiochia ergriff der Armenier Vasak die Herrschaft, wurde aber 1080 durch byzantinische Soldaten umgebracht. In Edessa hatte ein anderer Armenier, Abu Kab, die Herrschaft an sich gerissen.

Gründer des kilikisch-armenischen Staates waren die Rubeniden, eine Nebenlinie der Bagratiden, die zu verschiedenen Zeiten die Herrschaft in Armenien und Georgien innehatten. Ruben gelang es ab 1079 im Bündnis mit Philaretus Brachamius, der Antiochia und Edessa beherrschte, sich von seiner Burg Kosidar (Kopitar) aus in die Kilikische Ebene auszubreiten, sein Sohn Konstantin I. setzte in einer Zeit byzantinischer Schwäche die Eroberungen fort. Die Hauptstadt von Kilikien war Sis. Ab 1199 nannten sich die rubenidischen Herrscher Könige. Kilikien war ein enger Verbündeter der Kreuzfahrer, die es erfolgreich gegen die Byzantiner ausspielte und sah sich als christliche Bastion im Nahen Osten. Es war auch ein Fokus des armenischen Nationalismus und der armenischen Kultur, da Armenien selbst zu dieser Zeit unter seldschukischer Herrschaft stand. 1130 konnte ein Einfall der Danischmenden mit Hilfe von Bohemund II. zurückgeschlagen werden.

1137-38 gelang Kaiser Johannes II. die Wiedereroberung Kilikiens für Byzanz. Unter Thoros II. wurden die Rubeniden aber wieder weitgehend unabhängig. Durch wechselnde Bündnisse mit den Byzantinern, den verschiedenen Kreuzritterstaaten, den Türken und den Mongolen gelang es den Herrschern, ihr Gebiet weiter auszubreiten.

Nach dem Tod von König Leon I. (Lewon) 1219 fiel die Herrschaft über Armenien an seine minderjährige Tochter Zabel. Nach dem Tode des Regenten, den ihr Vater eingesetzt hatte, übernahm der Baron Konstantin von Lambron die Regentschaft und verheiratete sie mit Philipp von Tripolis. Dieser wollte jedoch nicht zur armenischen Kirche übertreten, wie es der Ehevertrag festgelegt hatte und plünderte das Reich zugunsten von Antiochia aus. Konstantin setzte ihn gefangen und verheiratete Zabel gegen ihren Willen mit seinem Sohn Hayton.

König Hayton I. hatte sich mit den Mongolen gegen die ägyptischen Mameluken verbündet und war an der Plünderung von Aleppo und Damaskus beteiligt. Kleinarmenien wurde daraufhin das Ziel ägyptischer Angriffe. Schon Sultan Al-Malik Al-Ashraf Chalil gelang es 1292, tief nach Kilikien vorzustoßen. Nachdem dessen Nachfolger al-Malik an Nasir 1303 die Mongolen endgültig besiegt hatte, drangen die Mameluken immer weiter nach Westen vor und begannen, die Existenz des Staates ernsthaft zu bedrohen. Als König Leon V. ohne Nachkommen starb, fiel die Krone an Guido von Lusignan (Konstantin IV.), dem ältesten Sohn von Zabel, der Schwester von Hayton II. und Amalrich von Tyrus. Als lateinischer Katholik war er jedoch extrem unpopulär und wurde 1344 von den Baronen ermordet. Peter I. (Zypern) eroberte 1360 einige Küstenstädte und nannte sich daraufhin König von Armenien. Er wurde am 16. Januar 1369 ermordet und der Titel ging unter seinem Sohn Peter II. (Zypern) wieder verloren.

Die Mameluken eroberten im Jahr 1375 die Hauptstadt Sis. König Leon VI. wurde gefangengenommen. Gegen Zahlung eines Lösegeldes wurde er freigelassen und starb schließlich 1393 in Paris (Grab in Saint-Denis). 1515 wurde das ehemalige Gebiet Kleinarmeniens Teil des osmanischen Reiches.

Vor dem Völkermord an den Armeniern waren die Armenier eine stark vertretene Volksgruppe in Kilikien

Nach dem „Erlöschen“ der Lusignans fiel die Krone von Kilikien über Katharina Cornaro an Venedig. Außerdem beanspruchte das Haus von Savoyen über Ludwig von Savoyen, den Ehemann von Carlotta von Lusignan, der ehelichen Tochter von Jakob I. von Lusignan, diesen Titel. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Kilikien allerdings schon fest in der Hand der Muslime, die europäischen Ansprüche auf das nicht mehr existierende Königreich waren rein formal.

Siehe auch

Literatur

  • T. S. R. Boase (Hrsg), The Cilician Kingdom of Armenia. Scottish Academic Press, 1978.
  • Steven Runciman: Geschichte der Kreuzzüge. Beck, München.
  • Jacob G. Ghazarian: The Armenian Kingdom Cilicia during the Crusades. Richmond 2000.
  • C. Mutafian: La Cilicie au carrefour des empires. 2 Bde. Paris 1988.
  • C. Mutafian: Le Royaume arménien de Cilicie. 12e-14e siècle. Paris 1993.
  • Bedros A. Tekeyan: Bibliography of Cilician Armenia: 1500-2000 / Bibliographie de la Cilicie Armenienne. 2. rev. & augmented ed. Tekeyan, Laval, Quebec 2001, ISBN 2-9806391-1-7

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