Kürten


Kürten
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Kürten
Kürten
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Kürten hervorgehoben
51.0513888888897.2641666666667185
Basisdaten
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Köln
Kreis: Rheinisch-Bergischer Kreis
Höhe: 185 m ü. NN
Fläche: 67,36 km²
Einwohner:

19.639 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 292 Einwohner je km²
Postleitzahl: 51515
Vorwahlen: 02268, 02207
Kfz-Kennzeichen: GL
Gemeindeschlüssel: 05 3 78 012
Gemeindegliederung: 69 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Karlheinz-Stockhausen-Platz 1
51515 Kürten
Webpräsenz: www.kuerten.de
Bürgermeister: Ulrich Iwanow (CDU)
Lage der Gemeinde Kürten im Rheinisch-Bergischen Kreis
Kreis Mettmann Köln Leverkusen Oberbergischer Kreis Remscheid Rhein-Erft-Kreis Rhein-Sieg Kreis Solingen Wuppertal Bergisch Gladbach Burscheid Kürten Leichlingen (Rheinland) Odenthal Overath Rösrath WermelskirchenKarte
Über dieses Bild

Kürten ist eine Gemeinde im Bergischen Land im Rheinisch-Bergischen Kreis in Nordrhein-Westfalen in Deutschland.

Die Flächengemeinde Kürten erstreckt sich über eine Nord-Süd-Ausdehnung von 11,2 Kilometer und eine Ost-West-Ausdehnung von 10,8 Kilometer.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Geographische Lage

Kürten liegt im Ostteil des Rheinisch-Bergischen Kreises. Es befindet sich etwa 24 Kilometer (Luftlinie) nordöstlich von Köln im Naturpark Bergisches Land. Durchflossen wird es von der Kürtener Sülz, dem nördlichen Quellfluss der Sülz.

Nachbargemeinden

Benachbarte Städte sind Wermelskirchen, Wipperfürth, Overath, Bergisch Gladbach, benachbarte Gemeinden sind Lindlar, Odenthal.

Gemeindegliederung

Dörfer und Weiler in der Gemeinde Kürten sind:
Ahlen – Ahlendung – Altensaal – Bechen – Biesenbach – Biesfeld – Bilstein – Blissenbach – Bornen – Breibach – Broch – Broich – Broichhausen – Burgheim – Busch – Dahl – Delling – Dicke – Dhünnberg – Dörnchen – Dorpe – Duhr – Durhaus – DürscheidEichenEichhof – Eisenkaul – Eiserwarr – Engeldorf – Enkeln – Eulen – Forsten – Furth – Gerhardsberg – Hachenberg – Hägen – Hahn – Hau – Heiderjansfeld – Heidschlade – Hembach – Herscherthal – Herweg – Höchsten – Hommermühle – Hörnen – Hülsensteeg – Hufe – Hungenbach – Hutsherweg – Jähhardt – Junkermühle – Kalsbach – Kettenberg – Knappstockberg – Kochsfeld – Königsspitze – Kohlgrube – Krautweg – Laudenberg – Meiersberg – Meiswinkel – Meißwinkel – Miebach – Morteln – Müllenberg – Nassenstein – Nelsbach – Neuenhaus – Neuensaal – Niederkollenbach – Oberbersten – Oberbörsch – Oberkollenbach – Oberossenbach – Oberstockberg – Oeldorf – Offermannsberg – Offermannsheide – Olpe – Olperhof – Petersberg – Plätzmühle – Richerzhagen – Röttgen – Schanze – Scheid – Schnappe – Schwarzeln – Selbach – Siebelsmühle – Spitze – Sülze – Sürth – Unterbersten – Unterbörsch – Unterossenbach – Viersbach – WaldmühleWeiden – Weier – Wolfsorth.

Wappen

Das Wappen zeigt in der oberen Hälfte den Bergischen Löwen. Der Fischreiher im unteren Teil des Wappens deutet den Fischreichtum der zahlreichen Bäche an. Die amtliche Wappenbeschreibung lautet:

„In geteiltem Schild oben in Silber ein zwiegeschwänzter, blau bewehrter und gekrönter roter Löwe, unten in Rot ein silberner Fischreiher, der einen silbernen Fisch im Schnabel trägt.“

Das Gemeindewappen entspricht im Wesentlichen dem ursprünglichen Siegel des Gerichts in Cürten von 1598. Im Jahr 1925 wurde im Staatsarchiv in Düsseldorf eine Akte aus dem Jahr 1742 aufgefunden, die den Abdruck dieses Gerichtssiegels enthielt. Das Wappen wurde der Gemeinde Kürten zunächst durch Erlass des Preußischen Staatsministeriums vom 5. Oktober 1926 verliehen und ein weiteres Mal dem Amt Kürten, diesmal durch Urkunde der Landesregierung des Landes Nordrhein-Westfalen vom 8. Dezember 1949. In der Folgezeit hatte das Wappen Geltung bis zur kommunalen Neuordnung am 1. Januar 1975: Zu diesem Zeitpunkt wurden auch die heutigen Teilgemeinden Bechen und Olpe in das Wappenprivileg einbezogen. Als Reaktion auf die veränderte lokalpolitische Situation erhielt Kürten ein neu überarbeitetes Gemeindewappen, das in seiner heutigen Form per Urkunde vom 15. März 1982 vom Regierungspräsidenten in Köln genehmigt wurde.

Traditionell bildet der Bergische Löwe stets einen Teil der Wappengestaltung der Ortschaften aus der ursprünglichen Grafschaft Berg. Die Städte und Gemeinden dieser Region belegen deshalb einen Teil der Wappenzeichnung zusätzlich mit einem eigenständigen lokalen Symbol, um die Wappen voneinander zu unterscheiden.

Das neue Rathaus
Das Bürgerhaus
Die Wipperfürther Straße (L 286) ist die Hauptstraße durch den Ort
Kürtener Wohnhaus im Bergischen Fachwerkstil
Katholische Kirche St. Johannes Baptist
Ein auffallendes Wandgemälde im Ortsteil Dürscheid

Städtepartnerschaften

Kürten unterhält seit 1999 eine Städtepartnerschaft mit Rodengo-Saiano in Italien.

Einwohnerentwicklung

Kürten gehört zu den historisch langsam gewachsenen Orten im Bergischen Land. Erst seit den 1960er-Jahren erfolgte ein signifikanter Anstieg der Einwohnerzahl.

Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner
1829 2373 1953 3617 2003 20.040
1890 2591 1979 16.243 2004 20.116
1925 2329 1983 16.919 2005 20.077
1938 2684 1990 17.516 2006 20.059
1946 3903 2001 20.005 2007 19.963

Geschichte

Kürten und der „Liber Valoris“, 1308 bis 2008

Der Kernort Kürten feierte im Jahr 2008 das 700-Jahr-Jubiläum seiner erstmaligen schriftlichen Erwähnung. Im Jahr 1308 wurde der Kernort Kürten im Liber valoris ecclesiarum Coloniensis dioceses, verkürzt Liber valoris, verzeichnet: Dieses Manuskript enthält eine Auflistung sämtlicher Kirchorte und Gemeinden mit Kapellen innerhalb der Erzdiözese Köln, die bereits im Mittelalter Abgaben an den Erzbischof zu zahlen hatten. In einer Fassung des Liber valorisaus Beginn des 14. Jahrhunderts ist Kürten als CURTINE erwähnt. Im August 2008 fand ein Festakt mit Ausstellung zur Geschichte der Gemeinde statt.

Beim Liber valoris handelt es sich um eine Auflistung aller Kirchen als Grundlage zur Eintreibung des Kreuzzugs-Zehnten für die Erzdiözese Köln. Heute lagert dieses aufschlussreiche Dokument im Hauptstaatsarchiv in Düsseldorf. Um 1300, wahrscheinlich 1308, verzeichnet diese Fassung den Ort „Curtine“ als Standort einer Kirche mit Pastorat und Vikariat, angesiedelt im Dekanat Deutz („Tuiciensis“). Insofern erschien der erste schriftliche Beleg für die Existenz einer Gemeinde Kürten knapp anderthalb Jahrhunderte später als das erste schriftliche Zeugnis für die heute längst eingemeindeten Kirchspiele Bechen oder Olpe.

Das heißt jedoch nicht, dass die Siedlung selbst jünger ist als die Orte in ihrer Umgebung. Hinweise dafür gibt die Kirche. Mit der Namensgebung „Sankt Johannes Baptist“ ist das Gotteshaus Johannes dem Täufer geweiht. Diese Taufkirchen reichen vielfach in die Zeit der Christianisierung des Bergischen Landes zurück. Demzufolge könnte Kürten bereits in der Merowingerzeit, zwischen 700 und 800, besiedelt worden sein. Diese Annahme stützt auch ein Hinweis im Prümer Urbar, einem Güterverzeichnis von 893: Hier wird eine nicht näher bezeichnete Kirche erwähnt, die zwischen den beiden Orten Enkeln und Vogelberg liegt, beide eine „halbe Meile“ vom Kloster Altenberg entfernt. Nach Meinung einiger Lokalhistoriker handelt es sich hierbei um die Kürtener Kirche; generell herrscht aber Unsicherheit hinsichtlich der topographischen Zuordnung der Angaben des Prümer Urbar.

Ortsname und Topografie

Die Schreibweise des Orts- und auch Familiennamens Kürten war bis 1930 allgemein Cürten. Daneben erschienen in den Jahrhunderten zuvor auch die Formen Curten, Cürthen, Cörten und Corten

Für die Herkunft des Ortsnamens selbst gibt es mehrere Auffassungen.

Die herkömmliche Deutung des Ortsnamens indes beruft sich auf das mittellateinische curtis für Hof, Fronhof oder Hofstelle. Generell umschreibt curtis den freien, viereckigen Platz innerhalb eines eingefriedeten Hofes. In der Sprache der mittelalterlichen, bis ins 14. Jahrhundert hinein lateinisch geschriebenen Urkunden bezeichnet curtis einen ländlichen Gutshof, Tatsächlich gibt es Hinweise auf einen solchen Herrenhof, der wahrscheinlich zum Kölner Domkapitel gehörte. Kürten als Ort eines Landgerichts erscheint erstmals in Aufzeichnungen von Gerichtsprotokollen seit der Mitte des 16. Jahrhunderts: Kürten erhielt 1555 ein eigenes Siegel. Das Landgericht Kürten war zuständig für die Kirchspiele Kürten, Bechen und Olpe. Die Kürtener Gerichtsbarkeit selbst war damals und noch in den folgenden Jahrhunderten dem Amt Steinbach unterstellt.

Der ortsansässige Heimatkundler Theo Stockberg vertritt die Meinung, dass sich Kürten ableite aus „Op de Corte“, was sinngemäß bedeutet: „Auf dem kurzen (Wasserlauf)“. Tatsächlich existierte ein solcher Zufluss zur Sülz in der Nähe der heutigen Gesamtschule Kürten.

Monsignore Prof. Dr. Peter Opladen, der die Geschichtsforschung für die Region maßgeblich vorantrieb, stellte fest:

„Indem sich die hofhörigen Kötter um den Herrenhof ansiedelten, entstand das Dorf. In naturgemäßer Entwicklung wurde dann das Wort curtis – in der Form „Curts“, „zur Cürten“ – von den Siedlern zunächst auf den Hof selbst und in späterer Zeit auf das Dorf übertragen. Im Mittellateinischen ist curtina ≈ kleine curtis ≈ kleiner Hof. Als Endsilbe „court“ erscheint das Wort (neben der gebräuchlichsten Endung „-hofen“ und den weiteren seltenen Endungen „-hoop“, „-hop“) zur Bezeichnung des Herrenhofs und von Gruppen von Bauanwesen.

P. Opladen: Das Dekanat Wipperfürth, 1955, S. 187

Während die Heimatforschung ihr Augenmerk bisher überwiegend auf das Schlüsselwort curtis richtete, verlor sie das für Kürten im Liber valoris ausdrücklich belegte Curtine mit seinem erweiterten Bedeutungsumfang aus dem Blick. Einleuchtender erscheint die Version einer Herleitung von Kürten aus curtine Curtina bedeutet zunächst kleiner Hof; andererseits existiert auch der Ausdruck Kurtine im Sinne von Wall oder Mauer (als Teil einer curtis).Unter Kurtine versteht man noch heute die Verbindungsmauer oder den Wall zwischen zwei Türmen oder Bastionen einer Burg oder Festung. Kurtinen bei Festungen waren in der Regel aus Werk- oder Backsteinen errichtet, kommen auch als reine Erdwälle vor. Vor der Kurtine beziehungsweise der Zwingermauer wurde, wo möglich, ein Ring- oder Halsgraben ausgehoben. Zweieinhalb Kilometer weiter östlich des Kernorts Kürten, bereits zum Kirchspiel Kürten-Olpe gehörend, existiert ein klarer archäologischer Befund – mit einem ehemaligen Burg- beziehungsweise Ringwall. In unmittelbarer Nähe zu dieser Anlage findet sich auch der heute zu Kürten gehörende Weiler Burgheim. Insofern verweisen uns die archäologischen und ortsnamenskundlichen Befunde rund um Kürten, also auch Burgheim mitsamt seinem Ringwall und der sicherlich dazu gehörenden Kurtine, in die Zeit der Christianisierung der fränkischen Stämme im beginnenden Mittelalter. Man kann also zu jener Zeit von einem vermehrten Bedarf an vermutlich befestigten Taufstätten und Gemeindegründungen auf vormals heidnischem Boden in der Region ausgehen – mithin auch von einer exklusiven Verehrung des Johannes des Täufers. Hier schließt sich wieder der Kreis zu der Einstufung der diesem Heiligen zugeschriebenen Kirche „Sankt Johannes Baptist“ in eine Periode des Übergangs vom frühen ins hohe Mittelalter.

Archiv der Gemeinde

Das Kürtener Gemeindearchiv enthält überwiegend Verwaltungsakten, beginnend mit der Zeit der Verwaltungsstrukturierung nach dem Code civil unter napoleonischer Herrschaft. Bestand 1 umfasst die Akten von 1804 bis 1918, Bestand 2 verweist auf die Sammlung vom Ende des Ersten bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges; Bestand 3 bezieht sich auf die Akten der Nachkriegszeit von 1945 bis 1963; derzeit werden die neueren Verwaltungsablagen als Bestand 4 in das Findbuch aufgenommen. Aufgrund mangelnder schriftlicher Zeugnisse aus der Zeit vor Napoleon kann das Archiv also lediglich Auskunft geben über einen Zeitraum von 200 Jahren.

Mit einer Ausnahme: Im Jahr 2000 gelangte ein Bündel von 160 weitaus älteren Schriftstücken in das Gemeindearchiv: Neun Original-Akten aus dem 16. Jahrhundert, zum einen Kirchenakten aus Olpe, zum anderen Protokolle des von Landsbergischen Lehnsgericht Olpe. Dabei handelt es sich um Originalunterlagen aus dem 16. bis 19. Jahrhundert und insbesondere aus der Zeit um 1780. Das älteste Dokument in der betreffenden Sammlung, ein Gerichtsprotokoll, stammt aus dem Jahre 1572. Fotokopien dieser Lehnsgerichtsprotokolle wurden von N. J. Breidenbach in den 1980er-Jahre angefertigt und befinden sich in der Katholischen Öffentlichen Bücherei der Pfarrgemeinde St. Margareta in Kürten-Olpe und in der Privatsammlung „Quellen & Materialien“ N. J. Breidenbach in Wermelskirchen.

Zeittafel

seit etwa dem 9. Jahrhundert: Hinweise auf eine Besiedlung und Kirchengründung

  • 1171: Erste urkundliche Erwähnung des Gemeindeteils Olpe
  • 1175: Erste Erwähnung des Gemeindeteils Bechen
  • 1224: Erste Erwähnung des Gemeindeteils Dürscheid
  • 1308: Erste urkundliche Erwähnung von Kürten: Der Liber valoris verzeichnet den Ort „Curtine“ als Standort für eine Kirche.
  • um 1300: Die Grafen (und späteren Herzöge) von Berg führen eine Ämterverfassung ein, die 500 Jahre lang Gültigkeit hat und erst 1808 durch Napoleon aufgehoben wird. Dabei untersteht Kürten durchgängig dem Amt Steinbach.
  • 1363: 6. September: Erstmals erscheinen schriftliche Belege für die Ämter der Grafschaft Berg. In der Urkunde sind dem Amt Steinbach die Orte Wipperfeld, Bechen, Kürten, Olpe, Lindlar, Overath, Engelskirchen, Hohkeppel und Wipperfürth zugeordnet.
  • 1555: Hinweis auf das alte Siegel der Kürtener „Landgeding“ (Landgericht).
  • 1699: Kürten ist Standort einer Gerichtsbarkeit (Landgericht/Hofgericht; vgl. Ortnamensdeutung „Curtis“, vgl. mittelalterl. Beleg für „Curtine“). Hinweis auf Herrenhof mit Patronatsherrschaft und Schöffengericht, dem auch Biesfeld und Offermannsheide zugeordnet sind.
  • 1739: Wiederum Nachweise für die Zuordnung des Kirchspiels Kürten zum Amt Steinbach.
  • 1806: Kurfürst Max Joseph von Kurpfalz-Bayern tritt das Herzogtum Berg an Napoleon ab. 1808 wird ein Großherzogtum unter Joachim Murat gebildet und die Verwaltung reformiert (Mairies = Bürgermeistereien).
  • 1815: Kürten und Olpe werden dem Königreich Preußen zugeordnet.
  • 1929: Die Ämter Kürten (bestehend aus den Gemeinden Kürten und Bechen) und Olpe (bestehend aus den Gemeinden Olpe und Wipperfeld) werden zusammengelegt.
  • 1932: Das Amt Kürten wird Teil des zum 1. Oktober gegründeten Rheinisch-Bergischen Kreises.
  • 1946: Das Amt Kürten wird Teil des neu gebildeten Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Flüchtlinge aus ehemaligen deutschen Ostgebieten führen zu einem deutlichen Bevölkerungszuwachs.

Am 1. Januar 1975 werden im Zuge der kommunalen Neugliederung die bisherige Gemeinde Kürten und wesentliche Teile der Gemeinden Bechen und Olpe zur neuen Gemeinde Kürten zusammengeschlossen (§ 11 Abs. 1 Köln-Gesetz). In die neue Gemeinde werden zudem Teile der damaligen Stadt Bensberg (unter anderem Dürscheid) und kleinere Gebiete der (z. T. damaligen) Gemeinden Lindlar, Odenthal und Wipperfeld eingegliedert.[2] Im Verlauf der Auflösung des Amtes Kürten wird der größte Teil des vormaligen Ortsgebiets von Wipperfeld Teil der Stadt Wipperfürth. Die Gemeinde Kürten bleibt Teil des Rheinisch-Bergischen Kreises, während die Gemeinde Lindlar und die Stadt Wipperfürth dem Oberbergischen Kreis zugeordnet werden.

  • 2000: Die Aufbauleistungen in allen Regionen der Bundesrepublik Deutschland in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eröffnen auch in Kürten bis in die 1990er-Jahre einen vergleichsweise ungeahnten infrastrukturellen und wirtschaftlichen Aufschwung, begleitet von einem Bevölkerungszuwachs von knapp 4000 Menschen in der Nachkriegszeit bis über 20.000 Bürgerinnen und Bürger im Jahre 2000. Im Gegenzug zeigen sich seit der Jahrtausendwende mit den immer knapper werdenden Mitteln der öffentlichen Haushalte die Zeichen eines Wachstumsrückgangs.
  • 2008: Der Hauptort Kürten feiert das 700-Jahres-Jubiläum seiner Ersterwähnung als CURTINE im Liber valoris (1308).

Politik und Verwaltung

Bürgermeister ist seit der Kommunalwahl 2004 Ulrich Iwanow (CDU). Er wurde am 30. August 2009 wiedergewählt.

Die Ergebnisse der Wahlen für den Gemeinderat in Prozent:

Partei 2009 2004
CDU 38,2 39,0
SPD 14,0 14,7
B90/Grüne 7,4 6,3
FDP 14,6 13,1
Die Linke 2,5 -
BfB 22,8 26,7

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:

Partei 2009 2004
CDU 13 13
SPD 5 5
B90/Grüne 2 2
FDP 5 5
Die Linke 1 -
BfB 8 9

Seit 2008 wurde eine verwaltungsinterne Finanzreform durchgeführt: Das Neue Kommunale Finanzmanagement (NKF) löste die hergebrachte Kameralistik ab; der erste NKF-Haushalt ist bereits in Kraft getreten.

Wirtschaft, Industrie und Infrastruktur

Handel und Gewerbe

Der Zuzug zahlreicher Familien nach Kürten führte bis in die 1990er-Jahren zu einem deutlichen Bevölkerungswachstum. Kürten hat sich als Wohngemeinde etabliert, ein Großteil der ortsansässigen Berufstätigen ist außerhalb Kürtens beschäftigt. Dennoch bietet die Gemeinde attraktive Anreize für Gewerbetreibende.Die Gemeinde Kürten verfügt über einige Gewerbeflächen und weist vergleichsweise günstige Standortfaktoren für neue Industrieansiedlung aus. Vorzugsweise zog es Handwerksbetriebe nach Kürten: Mit einigen neu gegründeten Unternehmen sind Firmen insbesondere aus den Bereichen Bau, Holzverarbeitung sowie Fahrzeugtechnik vertreten. Die Anzahl der Fachgeschäfte und Einkaufsmärkte stieg ebenfalls. Doch angesichts der Zersiedelung der Gemeinde mit ihren vergleichbar großen Kirchdörfern ist noch immer keine flächendeckende Versorgung mit Geschäften erreicht.

Die bereits gewachsenen sowie noch in Entwicklung begriffene Gewerbegebiete finden sich in der Industriestraße (Kürten-Broich) und in Herweg-Cliev (Kürten-Bechen, Richtung Herrscherthal). Ein besonderer Standort entsteht derzeit in Unterossenbach: Hier fördert das nordrhein-westfälische Umweltministerium ein ökologisches Gewerbegebiet als landesweites Vorzeigeprojekt.

Vereinsfestival

Unter dem Motto „Wir in Kürten“ begingen im Juni 2008 mehr als 50 Gruppen und Institutionen erstmals ihr Vereinsfestival. Dieses wird sich in den kommenden Jahren wiederholen. Ihr Angebot präsentieren auf dem Rathausplatz eine Reihe unterschiedlicher Vereine, vom Sportclub bis zum Eine-Welt-Verein, von der Feuerwehr bis zum Deutschen Roten Kreuz, vom Schützen- bis zum Karnevalsverein, nicht zuletzt auch Vertreter der italienischen Partnerkommune Rodengo Saiano.

Splash-Bad

Mitte der neunziger Jahre leistete sich Kürten ein außerordentlich attraktives und großzügig dimensioniertes Freizeitbad, das „Splash“. Das Splash-Bad wurde in der Region gut angenommen. Weniger gut war die finanzielle Grundlage. Damit schien das Splash am Ende. Der Rat beschloss die Schließung zum 30. Juni 2006. Ein Investorenwettbewerb sollte die Anlage wieder zu neuem Leben erwecken. Nach mehreren Anläufen gewann die Gemeinde einen ortsansässigen Investor. Am 20. Mai 2008 erfolgte die offizielle Wiedereröffnung des Splash-Bades als familienfreundliches Bürgerbad mit Solebecken, mit einem 33 Grad warmen Außenbecken und einer Rutschbahn. Vor allem an Berufstätige richtet sich das neue Konzept „Feierabendsauna“. Das Angebot ergänzt die „Mitternachtssauna“ am Freitagabend. Neu ist auch, das Gäste ab sofort kosmetische Gesichtspflege und Wellnessbehandlungen, Shiatsu, Reflexzonenmassage, Lymphdrainage und klassische Massage buchen können.

Verkehrsanbindungen

Kürten liegt nicht unmittelbar an den Hauptverkehrswegen. Dennoch ist der Ort mitsamt seinen angegliederten Teilgemeinden inmitten des Bergischen Landes sehr zentral im Einzugsgebiet mehrerer Städte gelegen: So sind Bergisch Gladbach, Leverkusen, Wermelskirchen und Wipperfürth schnell zu erreichen. Auch Köln, Bonn, Düsseldorf, Solingen, Remscheid, Wuppertal und Gummersbach sind in Reichweite. Zur A 1, A 3 und A 4 gelangt man jeweils innerhalb von 15 bis 30 Minuten, mit öffentlichen Verkehrsmitteln beträgt die Fahrzeit beispielsweise nach Köln weniger als eine Stunde. Köln-Bonn ist der nächstgelegene Flughafen.

Straßenverkehr

  • A 1 (Köln/Leverkusen – Dortmund)
  • A 4 (Köln – Olpe/Siegerland)
  • B 506 (Köln – Bergisch Gladbach – Kürten-Bechen – Wipperfürth)

Eisenbahn

Der nächstgelegene Bahnhof befindet sich in Bergisch Gladbach. Von dort führt die S-Bahn Linie S11 via Köln Hauptbahnhof nach Neuss und Düsseldorf.

Busverbindungen

  • 426: Berg. Gladbach (S) – Dürscheid – Kürten – Thier – Wipperfürth (KWS, Montag bis Freitag bis 20 Uhr 20- bis 40-Minutentakt, Nachtbusverbindungen, am Wochenende Stundentakt)
  • 427: Bergisch Gladbach (S) – Bechen – Weiden – Kürten-Olpe – Wipperfeld – Wipperfürth (KWS, Montag bis Freitag Stunden- bis Zweistundentakt, am Wochenende etwa Zweistundentakt)
  • 429: Bergisch Gladbach (S) – Eichhof – Olpe – Ahe – Wipperfürth (KWS) (dient primär dem Schüler- und Berufspendlerverkehr nach Bergisch Gladbach und Wipperfürth)
  • 335: Frielingsdorf – Hartegasse – Lindlar – Linde – Biesfeld – Dürscheid – Herkenrath – Sand – Bergisch Gladbach (S) (OVAG, Montag bis Freitag etwa alle zwei Stunden, Samstags- und Feiertagsverkehr, kein Abend- und Nachtverkehr)

Darüber hinaus existieren zahlreiche Buslinien, die den Schülerverkehr unterstützen und die ausschließlich an Schultagen verkehren.

Kürten gehört zum Tarifgebiet des Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS).

Bildung, Erziehung, kulturelle Einrichtungen

Biesfeld, Kirche

Kirchengemeinden und religiöse Gemeinschaften

  • Katholische Kirchengemeinde Bechen
  • Katholische Kirchengemeinde Biesfeld
  • Katholische Kirchengemeinde St. Nikolaus Dürscheid
  • Katholische Kirchengemeinde Kürten
  • Katholische Kirchengemeinde Olpe
  • Evangelische Kirchengemeinde Delling
  • Evangelisches Gemeindezentrum Biesfeld
  • Evangelische Versöhnungskirche Bechen
  • Neuapostolische Kirche Eichhof

Angegliedert sind vier katholische öffentliche Büchereien.

Jugend und Erziehung

Kürten verfügt über elf kirchliche, kommunale und private Kindergärten, über fünf Grundschulen, eine Gesamtschule und eine private Ersatzschule für Erziehungshilfe beziehungsweise Kinderdorf („Die gute Hand“) in Biesfeld. Hinzu kommen sieben Jugendzentren.

Schulen im Gemeindegebiet:

  • Tilman-Röhrig-Gemeinschaftsgrundschule Kürten
  • Gemeinschaftsgrundschule Biesfeld
  • Gemeinschaftsgrundschule Olpe
  • Katholische Grundschule Bechen
  • Gemeinschaftsgrundschule Dürscheid
  • Gesamtschule Kürten
  • Private Ersatzschule für Erziehungshilfe „Die Gute Hand“

Jugendvereine:

  • Bekik
  • Jugendfeuerwehr Kürten 1 (Bechen)
  • Jugendfeuerwehr Kürten 2 (Biesfeld-Dürscheid)
  • Jugendfeuerwehr Kürten 3 (Kürten-Olpe)

Das Konzept einer offenen Ganztagesschule („Ogata“) konnte 2008 bereits in Dürscheid verwirklicht werden; die Ogata in Kürten selbst ist noch im Aufbau; dort ist auch eine neue Mensa in Planung.

Zielorte für Schülerinnen und Schüler der Gemeinde, die weiterführende Schulen besuchen, sind darüber hinaus Herkenrath, Lindlar, Wipperfürth oder Bergisch Gladbach. Die nächstliegenden berufsbildenden Schulen befinden sich in Bergisch Gladbach und in Wipperfürth.

Kultur und Bildung

Im Jahr 2002 gibt es in Kürten 21 kirchliche und außerkirchliche Chöre und Musikvereine, 17 Sportvereine, drei Schützenvereine. Die Zahl der Karnevalsvereine hat sich Ende 2008 von drei auf vier erhöht. Darüber hinaus existieren noch über ein Dutzend weiterer offizieller Vereinigungen, Verbände, Interessengemeinschaften und soziale Organisationen.

siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Kürten

Karneval

Kürten liegt im Einzugsbereich der rheinischen Karnevalshochburg Köln. Folgerichtig finden in Kürten und in den angegliederten Kirchdörfern, insbesondere in Bechen, Dürscheid und in der Kürtener Sülztalhalle, während der fünften Jahreszeit zahlreiche karnevalistische Aktivitäten statt mit närrischen Sitzungen, Dreigestirn und Umzügen.

Söhne und Töchter der Gemeinde

Persönlichkeiten, die in Kürten geboren wurden oder hier viele Jahre ihres Lebens verbracht haben:

Literatur

  • N. J. Breidenbach: Der Königsspitzer Hof bei Kürten. In: Kürtener Schriften. Heft 6, 2007.
  • Josef Büchel: Peter Gronwald: Bilder aus alter Zeit. Gemeinde Kürten, Kürten 1984–1998 (3 Bände).
  • Gemeinde Kürten (Hrsg.): CURTINE – CURTEN – KÜRTEN. 1308–2008. Bäuerliches Leben vor 700 Jahren. Ausstellung mit Festschrift. Ancos, Osnabrück 2008
  • Marie-Luise Denst: Die Delling. Entstehung und Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Delling. Heider, Bergisch-Gladbach 1985, ISBN 3-87314-160-4 .
  • Ute Ströbel-Dettmer: Gemeindearchiv: Auswertung historischer Schriften und Dokumente, Ortsnamen.
  • Lydia Kieven: Kulturführer Rheinisch-Bergischer Kreis. Heider, Bergisch Gladbach 1998, ISBN 3-87314-334-8, S. 155–180.
  • Bernd Kokerols: Rauhes Land. Wirtschaft und Gesellschaft der Gemeinde Kürten im 19. Jahrhundert. Gemeinde Kürten, Kürten 1991.
  • Geschichtsverein für die Gemeinde Kürten und Umgebung (Hrsg.): Kürtener Schriften. (heimatkundliche Beiträge, in zweijähriger Folge, seit 1997)
  • Peter Opladen: Das Dekanat Wipperfürth. Schmitt, Siegburg 1955.
  • Rheinisch-Bergischer Kalender. Jahrbuch seit 1920
  • Herbert Stahl (Redakteur): Die Gruben in der Paffrather Kalkmulde. Bergisch Gladbach 2006, ISBN 3-932326-49-0 (Das Erbe des Erzes. Band 3).
  • Ute Ströbel-Dettmer, Olaf Mickenhagen (Bearbeitung): Von der Reichsmark zur D-Mark zum Euro. Währungsreform und Währungsunion in Kürten und anderswo. (Sonderausstellung mit Katalog 1999, aus: Gemeindearchiv Kürten, Bestand 3, 1945–1961).

Einzelnachweise

  1. Amtliche Bevölkerungszahlen. Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW), abgerufen am 27. Juni 2011. (Hilfe dazu)
  2. Martin Bünermann, Heinz Köstering: Die Gemeinden und Kreise nach der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1975, ISBN 3-555-30092-X.

Weblinks

 Commons: Kürten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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