Anlageformen

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Unter einer Geldanlage, präzise Kapitalanlage (engl. financial investment) versteht man die Investition von Geldbeträgen unter Umwandlung in Kapital. Ziel ist es im Idealfall einen Wertzuwachs oder einen Ertrag zu erwirtschaften, mindestens aber den realen Wert zu erhalten. Durch Sparen werden die notwendigen Gelder für eine Geldanlage bereitgestellt. Zum Ge- oder Verbrauch erworbene Güter werden nicht als Geldanlage gezählt. Die Geldanlage schließt auch die Kapitalanlage mit ein.

Die Geldanlage kann

  • durch Direktinvestition bei einem vertrauenswürdigen Geschäftspartner
  • bei einer Bank durch den Erwerb von Sparprodukten
  • auf dem Kapitalmarkt durch den Erwerb von Aktien oder Obligationen erfolgen.

Durch die Anlage verzichtet der Kapitalgeber auf die unmittelbare Nutznießung (z. B. Konsum) seines Kapitals. Für diesen Verzicht wird er vom Kapitalnehmer mit einer Rendite in der Mindesthöhe des derzeit am Kapitalmarkt gültigen risikolosen Zinssatzes entschädigt. Wenn der Schuldner nicht die höchste Bonität aufweisen kann, bekommt der Kapitalgeber einen weiteren Zinszuschlag für die Abgeltung von schuldnerbedingten Risiken wie z. B. mögliche künftige Zahlungsunfähigkeit oder Konkurs des Geldnehmers, oder Unsicherheit bezüglich der Höhe künftiger Kapitalrückflüsse (z. B. bei Dividenden). Da die Zinsrisiken mit der Laufzeit der Kapitalanlage wachsen, wird der Kapitalgeber für eine längere Laufzeit auch einen höheren risikolosen Zinssatz verlangen als bei einer nur kurzfristigen Geldanlage. Für einen gegebenen Zeitpunkt bilden die unterschiedlichen Zinssätze für unterschiedliche Laufzeiten die Zinsstrukturkurve.

Inhaltsverzeichnis

Ziele der Geldanlage

Eine Geldanlage kann die folgenden Ziele verfolgen:

hohe Sicherheit
Die Geldanlage sollte möglichst sicher sein, das heißt, die Wertschwankungen und die Wahrscheinlichkeit des Verlustes des eingesetzten Kapitals sollten minimiert werden.
hohe Rendite
Die Geldanlage sollte einen möglichst hohen Ertrag innerhalb einer bestimmten Periode abwerfen.
hohe Liquidität
Die Geldanlage sollte möglichst schnell wieder zu Geld gemacht (das heißt im Allgemeinen verkauft) werden können. (siehe auch Fungibilität)
Verantwortung
Die Geldanlage sollte ethischen Aspekten entsprechen, z. B. ökologische oder soziale Ziele verfolgen oder zumindest keine vom Anleger abgelehnten Aktivitäten finanzieren (z. B. Kinderarbeit, Rüstung)

Diese Ziele verhalten sich zueinander konkurrierend, das heißt es können nicht alle Ziele vollständig erfüllt werden. Man spricht in diesem Zusammenhang von dem Dilemma des Magischen Tetraeders (früher: Magischen Dreiecks) der Geldanlage. Zusätzlich rückt bei vielen Anlegern auch die steuerliche Situation zunehmend in den Fokus, das heißt der Einfluss der Steuer auf die gewählte Anlageform. Bei privaten Anlegern ist dementsprechend die Rendite nach Steuern ausschlaggebend, da Kapitaleinkünfte einkommensteuerpflichtig sind. Aktien unterliegen zum Beispiel dem Halbeinkünfteverfahren, während Fonds bei unterjährigen Verkäufen zu 100 % steuerpflichtig sind.

Beispiele für Formen der Geldanlage

Bargeld

Das Sparen von täglich verfügbarem Geld auf einem unverzinsten Girokonto oder in Form von physischem Bargeld in eigener Verwaltung (im sprichwörtlichen „Sparstrumpf“) fällt normalerweise nicht unter den Begriff Geldanlage, da hierbei kein Zinsertrag anfällt und bei positiven Inflationsraten ein Kaufkraftverlust entsteht.

Allerdings gibt es eine seltene Phase im Wirtschaftszyklus, die Deflation, in der es tatsächlich sinnvoll ist, Bargeldbestände als Geldanlage anzusehen. In der Deflation fallen die Preise der Güter in der Realwirtschaft rapide, sodass mit fortschreitender Zeit immer mehr Güter für den gleichen Geldbetrag erwerbbar sind. In dieser Phase ist außerdem das Zinsniveau sehr niedrig und der Finanzmarkt tendiert zu starken Kursrückgängen, während die Kaufkraft des Bargeldes ständig zunimmt, sodass keine zwingende Notwendigkeit besteht, das Geld zinsbringend anzulegen oder im Finanzmarkt zu investieren, dies wäre von erheblichem Nachteil.

Spareinlagen: Standardvertrag

Bei Spareinlagen handelt es sich meistens um das so genannte „normale“ Sparkonto, bei dem es keiner besonderen Vereinbarung mit der Sparkasse oder Bank über die Laufzeit bedarf.

Verzinsung
Die Zinsen liegen in der Regel zwischen 0,5 % und 2 %.
Verfügbarkeit
Pro Kalendermonat können bis zu 2.000 Euro abgehoben werden. Will der Sparer höhere Beträge abheben, so muss er drei Monate vorher kündigen, das heißt seiner Bank oder Sparkasse mitteilen, dass er in drei Monaten etwa 8.000,00 Euro abheben will. Wenn er die Kündigungsfrist nicht einhalten kann, so wird man ihm dennoch den gewünschten Betrag auszahlen, er muss dann mit einem geringfügigen Zinsabzug, dem so genannten Vorschusszins, rechnen.

Spareinlagen: Kündigungsfrist über drei Monate

Verzinsung
der Zinssatz für diese Spareinlagen ist höher als für das „normale“ Sparbuch. Je länger die vereinbarte Kündigungsfrist, desto höher ist der erzielte Zins.
Verfügbarkeit
üblich bei Spareinlagen sind Kündigungsfristen von einem oder von vier Jahren; möglich sind auch andere Vereinbarungen. Dabei ist zu beachten, dass nach den gesetzlichen Vorschriften für die Kündigung eine Wartefrist von 6 Monaten nach der Einzahlung gilt.

Üblicherweise wird auch für prämienbegünstigte und vermögenswirksame Spareinlagen in Anbetracht der längeren Laufzeit ein höherer Zinssatz als bei gesetzlicher Kündigungsfrist gezahlt.

Eine weitere Form ist das sogenannte Bonussparen. Zusätzlich zum Zinssatz der gesetzlichen Spareinlage wird meist nach Ablauf eines Jahres ein zusätzlicher Zinsbonus auf den Betrag gewährt, der während der gesamten Zeit auf dem Konto blieb. Oft steigert sich dieser Zinsbonus von Jahr zu Jahr. Es handelt sich der Konstruktion nach um eine Art Nachbildung von einem Bundesschatzbrief.

Sparbriefe

Wer einen Geldbetrag für einen Zeitraum zwischen vier und sechs Jahren zurücklegen möchte, kann einen Sparkassenbrief über einen beliebig hohen Betrag (Mindestbetrag: 50 €) erwerben. Der Sparkassenbrief ist ein Wertpapier, in dem eine Forderung gegenüber der Sparkasse verbrieft ist.

Verzinsung
Sparkassenbriefe bringen in der Regel einen höheren Zins ein als die Geldanlage auf einem Sparbuch. Im Gegensatz zu diesem steht der Zinssatz für die gesamte vereinbarte Laufzeit fest. Für die Verzinsung gibt es zwei Möglichkeiten: Der Käufer zahlt den Nennwert ein und erhält die vereinbarten Zinsen jährlich oder halbjährlich ausgezahlt oder gutgeschrieben ähnlich wie bei einem Sparkassenbuch. Daneben gibt es den so genannten „abgezinsten“ Sparkassenbrief, bei dem der Käufer nur den Nennwert abzüglich der Zinsen zahlt, die während der Laufzeit anfallen.
Verfügbarkeit
über den Gegenwert eines Sparkassenbriefes kann erst nach dem Ablauf der vereinbarten Laufzeit verfügt werden. Braucht der Käufer das Geld jedoch früher, so kann er den Sparkassenbrief beleihen lassen und von der Sparkasse einen Kredit in entsprechender Höhe bekommen.

Bausparen

Mit dieser Anlageform verbindet der Sparer das Ziel, Wohnungs- oder Hauseigentum zu erwerben oder bereits vorhandenes Eigentum zu verbessern. Wer einen Bausparvertrag abschließt, hat nach dem Ansparen eines Teiles der Bausparsumme (40 %) und nach Ablauf einer Mindestfrist (18 Monate) Anspruch auf ein unkündbares zinsgünstiges Bauspardarlehen. Die Höhe des Darlehens entspricht der Differenz zwischen der Bausparsumme (über die der Vertrag abgeschlossen wird) und dem Sparguthaben zum Zeitpunkt der Zuteilung. Während die Guthabenzinsen auf einem Bausparkonto vergleichsweise gering sind, sind es die Zinsen für das Darlehen ebenfalls. Wird das Darlehen nicht in Anspruch genommen, der Bausparvertrag also lediglich zum Ansparen verwandt, bessern viele Bausparkassen den Guthabenzins nachträglich auf. Siehe: Kollektives Bausparen. Günstig ist eine Bausparfinanzierung immer dann, wenn während der Ansparphase die Zinsen niedrig sind - der Bausparer steht dann gegenüber anderen Sparformen relativ gut da - und wenn während der Darlehensphase die Marktzinsen hoch sind - beim Bauspardarlehen sind sie traditionell niedrig, allerdings ist die Tilgung im Vergleich zum Hypothekendarlehen in der Regel deutlich höher. Lohnend ist Bausparen auch für Sparer, die gar kein Darlehen wollen, sondern sieben Jahre prämienbegünstigt sparen wollen. Für Bezieher nicht allzu hoher Einkommen gibt der Staat derzeit (2006) noch eine knapp zehnprozentige Wohnbauprämie auf maximal 512 eingezahlte Euro pro Jahr. Zusammen mit den Zinsen ist damit eine Rendite um die fünf Prozent pro Jahr über die gesamte Laufzeit risikolos erreichbar.

Festverzinsliche Wertpapiere

Durch die Ausgabe festverzinslicher Wertpapiere, die die Kreditinstitute zum Kauf anbieten, werden Mittel für größere Vorhaben (Investitionen) aufgebracht. Genannt seien hier Pfandbriefe, mit denen Gelder für den Wohnungsbau beschafft werden können; Kommunalobligationen, Anleihen von Bund, Bundesbahnen und Bundespost, um Mittel etwa für die Erschließung von Gewerbegebieten, Kanalbau, Ausbau des Verkehrs- und Fernsprechnetzes zu bekommen.

Verzinsung
Die Durchschnittsverzinsung von festverzinslichen Wertpapieren kann etwa bei fünf bis sechs Prozent liegen. Sie richtet sich nach der Lage am Kapitalmarkt (Börse).
Verfügbarkeit
Festverzinsliche Wertpapiere haben bestimmte Laufzeiten, die im Allgemeinen zwischen fünf und zehn Jahren liegen. Nach dieser Zeit werden die Papiere zum Nennwert, das heißt dem aufgedruckten Betrag, zurückgezahlt. Wer die Wertpapiere vor dem vorgesehenen Rückzahlungstermin in Geld umwandeln möchte, kann sie jederzeit über ein Kreditinstitut an der Börse verkaufen. Dann ist allerdings nicht garantiert, dass er den Ausgabekurs erhält (der meistens unter 100 %, das heißt unter dem Nennwert liegt), sondern bezahlt wird der jeweilige Tageskurs, der an der Börse festgestellt wird. Der Tageskurs kann über oder unter dem Ausgabekurs liegen. So sinken Wertpapiere im Kurs, wenn ihre Verzinsung niedriger als die der neu ausgegebenen liegt. Sie können im umgekehrten Fall – wenn der Zins am Kapitalmarkt sinkt – aber auch steigen.

Aktien

Eine Aktie verbrieft in Höhe ihres Nennwertes ein Anteilsrecht am Grundkapital einer Aktiengesellschaft. Aktien werden an Wertpapierbörsen zum Kurswert gehandelt, der sich aus Angebot und Nachfrage ergibt. Der Aktionär ist also (Teil-)Eigentümer des Unternehmens und entscheidet als solcher in der Hauptversammlung über die Geschäftspolitik. Da sich die größten Aktienpakete in der Hand institutioneller Anleger befinden hat der Kleinaktionär in der Hauptversammlung in der Praxis außer seinem Rederecht wenig Einflussmöglichkeiten.

Verzinsung
Aktien verbriefen einen Anteil am Gewinn (Dividendenrecht). Die Höhe ergibt sich aus dem Dividendensatz, der sich auf den Nennwert bezieht. Er ist abhängig von der Gewinnsituation. Je nach Land variieren die Dividendenzahlungen: einmal pro Jahr (etwa Deutschland), einmal pro Quartal (etwa Großbritannien, USA) oder zweimal jährlich (etwa Niederlande). Firmen mit hohem Investitionsbedarf (besonders Computer- und Pharmabranche) schütten teilweise keine Dividenden aus, da sie den Gewinn wieder investieren. In diesem Fall erwartet der Anleger, dass sich die Kurse entsprechend gut entwickeln um den Nachteil der fehlenden Dividende auszugleichen. Traditionell hohe Dividenden zahlen Versorger, die Ölmultis und manche Banken.
Verfügbarkeit
Aktien können in der Regel jederzeit gekauft und verkauft werden. Dabei können sich Kursverluste oder Kursgewinne ergeben. Der Kunde muss den Kauf- oder Verkaufsauftrag über eine Bank abwickeln. Früher geschah diese überwiegend telefonisch, inzwischen häufig per Internet. Die früher übliche Provision für die Bank in Höhe von einem Prozent des Transaktionsvolumens unterbieten die Internetanbieter zum Teil deutlich.

Aktien werden auch nach der Größe der Firmen unterteilt, die sie ausgeben: blue chips bezeichnet die erste Reihe, Firmen mit Weltgeltung, die den großen Indizes, etwa dem Dow Jones (USA) oder dem DAX (Deutscher Aktienindex) angehören. midcaps bezeichnet die zweite Reihe, in Deutschland etwa den MDAX. Darunter folgen die smallcaps in Deutschland etwa der SDAX.

Investmentzertifikate

Investmentgesellschaften (Kapitalanlagegesellschaften) kaufen Wertpapiere unterschiedlicher Art, etwa Aktien und Pfandbriefe. Sie bilden zusammen ein Sondervermögen, auch Fonds genannt. Wer einen Investmentanteil kauft, besitzt ein Miteigentumsrecht zu Bruchteilen an diesem Sondervermögen. Dessen Wert richtet sich nach den Tageskursen der Wertpapiere, die im Fonds enthalten sind. Dem Investmentsparen liegt das Prinzip der Risikostreuung zugrunde. Wenn die Kurse bestimmter Papiere eines Fonds sinken, so kann das durch Kurssteigerungen bei anderen Papieren ausgeglichen werden.

Verzinsung
(=Ausschüttung) Erträge, z. B. Zinsen, Dividenden, Kursgewinne aus dem Fondsvermögen, können jährlich an die Inhaber der Anteile verteilt werden. Die Höhe der „Ausschüttungen“ richtet sich nach dem Ertrag der im Fonds enthaltenen Wertpapiere oder der Grundstücke bei den Immobilienfonds. Die Höhe der Verzinsung kann man berechnen, indem man den prozentualen Anteil der Ausschüttung am Preis des Anteilscheins ermittelt.
Verfügbarkeit
Investmentanteile haben keine festen Laufzeiten. Wer sein Geld zurückhaben möchte, kann die Anteile über sein Kreditinstitut verkaufen. Von der Entwicklung des Wertes der im Fonds enthaltenen Wertpapiere oder Immobilien hängt es ab, ob beim Verkauf eines Anteils mehr oder weniger erlöst wird als beim Kauf dafür ausgegeben wurde.

Geldanlage in Edelmetallen

Bei der Geldanlage in Edelmetallen, wie z. B. Gold und Silber, wird in wirtschaftlich ruhigen Zeiten Papiergeld in einen Sachwert getauscht mit der Erwartung, dass an einem unbestimmten Zeitpunkt in der Zukunft eine größere Menge Papiergeld für die gleiche Menge Edelmetall zu erhalten sein wird. In Zeiten galoppierender Inflation oder Hyperinflation wird dagegen das Papiergeld endgültig in Edelmetall getauscht, um angesammeltes Vermögen über eine Währungsreform hinaus dauerhaft zu erhalten.

Die Edelmetallanlage ist besonders in Zeiten mit negativer Realverzinsung lukrativ, da hier die Geldentwertung (Inflation) größer ist als der Zinsertrag, der durch eine kurzfristige Anlage in Zinspapieren zu erzielen ist. Durch den global gültigen Edelmetallpreis bietet sich darüber hinaus die Möglichkeit, bei Überschreiten bestimmter Größenordnungen an der Geldentwertung in anderen Währungsräumen zu profitieren. Der Kursverlauf von Gold und der anderen Edelmetalle wird von manchen Leuten als Indikator für die künftig zu erwartende Geldentwertung betrachtet, da die frische Liquidität zuerst den Finanzmarkt flutet und sich erst später in der Realwirtschaft durch Preissteigerungen bemerkbar macht. Allerdings hängt der Preis der Edelmetalle auch von sehr vielen anderen, teils nicht kalkulierbaren Faktoren ab, die diese Indikatorwirkung massiv beeinträchtigen. Auch ist zu bedenken, dass Gold von einem Weltmarkt abhängt und somit nicht auf die Inflationsgefahr einer bestimmten Währung geschlossen werden kann.

Die Edelmetallanlage kann physisch erfolgen, d. h. das Papiergeld wird in Barren und Anlagemünzen getauscht, oder sie erfolgt in Papierform, z. B. durch Zertifikate. Letztere sind von der Solvenz des Emittenten abhängig und beeinflussen die Nachfragesituation an der Rohstoffbörse nicht. Seit kurzem ist auch die physische Edelmetallanlage über börsengehandelte Anteile an Exchange-traded fund (ETF) möglich.

Der Wechsel zwischen dem Papiergeldsystem und einem Goldwährungssystem lässt sich recht einfach über „Digital Gold Currencies“ (DGC) abwickeln, die ähnlich dem PayPal-System funktionieren, nur mit dem Unterschied, dass eingezahlte Guthaben automatisch zu 100 % mit physischem Gold gedeckt sind. Siehe E-Gold.

Darüber hinaus bietet der Erwerb von Aktien der Minengesellschaften die Aussicht auf eine höhere Rendite in Form von Kurssteigerungen und Dividenden als bei der Anlage in das physische Edelmetall. Dabei enthalten diese Investments aber auch höhere Risiken, wie etwa Produktionsausfälle durch Stolleneinbrüche, Managementfehler, Streiks, höhere Kreditbelastungen oder Kapitalerhöhungen nach Liquiditätsengpässen, politische Einflussnahme sowie Konkurs, die sich durch die Marktenge in signifikanten Kursausschlägen bemerkbar machen. Aktien der Minengesellschaften bieten sich wie fast alle Aktien auch bei einer drohenden Währungsreform an, da sie einen Anteil am Sachkapital der Gesellschaft verbriefen, d. h. der Aktionär besitzt einen Anteil des sich noch im Boden befindlichen Edelmetalls.

Noch höhere Renditen und Risiken bietet die Edelmetallanlage in Form von Derivaten, die den Metallpreis oder den Aktienkurs der jeweiligen Minengesellschaft als Basis haben. Derivate sind wie Zertifikate von der Solvenz des Emittenten abhängig.

Kunst und Wertgegenstände als Geldanlage/Kapitalanlage

Schon die alten Römer raubten Kunst aus den eroberten Gebieten und brachten sie nach Rom, da ihnen der Wert bewusst war. Heute bietet der legale Erwerb von Kunst durchaus eine gute, schöne Möglichkeit der Geldanlage. Wer auf den Geschmack gekommen ist Kunst zu sammeln, wird sich nicht mehr mit Drucken und Postern als Zimmerdekoration begnügen. Eine echte Leidenschaft kann entstehen, die ein Leben lang anhält. Die Spannung von Kunstauktionen und die gesellschaftlichen Kontakte im Rahmen einer Vernissage haben ihren Reiz. Gerade bei moderner oder zeitgenössischer Kunst aus Deutschland ist derzeit international ein erheblicher Boom zu verzeichnen. Einen guten Anhaltspunkt bieten der Kunstkompass der Zeitschrift Capital, das Art Investor Magazin sowie zahlreiche Kataloge namhafter Auktionshäuser. Dabei gibt es drei Anlagestrategien:

  1. Man erwirbt Kunst von bereits seit Jahren boomenden Künstlern und setzt auf eine weitere Wertsteigerung. (Aktuelles Beispiel: Jörg Immendorff) Vorteil: Man setzt auf einen Gewinner, Nachteil: bereits hoher Einkaufspreis;
  2. Man kauft antizyklisch und erwirbt Werke namhafter Künstler, die derzeit noch günstig oder etwas gefallen sind, langfristig aber erheblich steigen werden (Beispiel: Markus Lüpertz, Imi Knoebel, Joseph Beuys, Herbert Zangs, Adolf Luther, Otto Piene, …) Vorteil: Relativ geringerer Einstandspreis bei namhaftem Künstler, Nachteil: Gespür für Trend und Markt notwendig;
  3. Man setzt auf aufstrebende, studierte Künstler - bereits betreut von guten Galeristen aber noch bezahlbar. (Beispiel: Ruff Schüler wie Thomas Neumann, Martina Sauter oder Vanessa Jack - Claudia Rogge - den Bildhauer Klaus Hack, die Maler Moritz Götze oder Helge Leiberg, …) Vorteil: Geringer Einstandspreis, Nachteil: Viele Sternchen werden nicht zum Star, auch hier ist Gespür notwendig;
  4. Man versucht noch Werke von fast auf Lebzeiten ausverkauften Künstlern zu erwerben, die derzeit international boomen und durch namhafte Sammler und Galeristen gepusht werden. Dazu zählen: Neo Rauch, Daniel Richter, Matthias Weischer, Dirk Skreber oder - zum Teil noch erschwinglich - Andrea Lehmann) Vorteil: Man setzt auf einen Gewinner und erzielt vielleicht schnell hohe Erträge, Nachteil: es sind keine Werke am Markt erhältlich oder unerschwinglich, die astronomischen Preise können einbrechen;

Bei der Auswahl unter den zahlreichen Künstler bieten Studium und Bekanntheit der Professoren, Auszeichnungen, Lebenslauf, kunsthistorische Bedeutung, Ausstellungen, Wertentwicklung oder die Anzahl der Galeristen, Artikel in Zeitschriften einen guten Anhaltspunkt. Auch hier das Beispiel: Herbert Zangs. Weitere Anhaltspunkte bieten der Capital Kunstkompass oder andere Indizes. Hier gilt es aber genau zu differenzieren. Beispiel: während Unikate von Beuys eine fabelhafte Geldanlage sind, muss man bei den Multiples starke Unterschiede feststellen. Plastische Objekte sind sehr gefragt (Filzanzug, Erdtelefon, Capri Batterie, …) - Druckgrafik stagniert derzeit.

Generell ist Unikaten - soweit noch bezahlbar - der Vorzug vor Auflagen zu geben. Meist empfiehlt es sich stets wenige - bessere Werke zu erwerben. Große Auktionshäuser nehmen Werke erst ab einem Schätzwert von etwa 1.000 Euro an, Sothebys inzwischen erst ab 3.000,- Pfund (Änderung der Strategie).

Der Vorteil des Kunstmarktes liegt darin, dass sich know how und Gespür auszahlen und langfristige Tendenzen absehbar sind. Ist nach dem Tod eines namhaften Künstlers die Gründung einer Stiftung absehbar und die Summe der Werke geringer als erwartet - wie zum Beispiel bei Herbert Zangs - so ist mit deutlichen Wertsteigerungen zu rechnen. Vor runden Geburtstagen oder Todestagen namhafter Künstler ist mit einer Presseberichterstattung zu rechnen, die stets das öffentliche Interesse und somit die Nachfrage erhöht. Jüngste Beispiele: Beuys (Geburtstag, Todestag) oder Immendorff (Krankheit, Tod).

Generell bietet Kunst den Vorteil einer anonymen, mobilen Geldanlage, die gleichzeitig Lebensqualität und Freude bietet. Ein Nachteil ist die Tatsache, dass auch erstklassige Sammlungen nicht schnell veräußert werden können, da Auktionshäuser meist nur zwei Versteigerungen pro Jahr durchführen. Will man Gewinne realisieren, so muss man eine Veräußerung langfristig planen. Auch die Provisionen der Auktionshäuser sind einzukalkulieren. Mindestpreise (Limits) von Auktionshäusern liegen meist 20 % unter dem eigentlich Schätzwert, da der Käufer etwa 20 % Aufgeld beim Erwerb zahlen muss. Dem Verkäufer werden 10-20 % Provision abgezogen. Dazu kommen Gebühren für Katalog-Abbildungen und Transport. Auktionshäuser behandeln die Daten Ihrer Kunden stets vertraulich. Schätzungen erfolgen meist kostenfrei.

Siehe auch

Literatur

  • Andrew Kilpatrick, Warren Buffett. Von bleibendem Wert, München, 2002, ISBN 393211471X
  • Benjamin Graham, Intelligent Investieren, München, 2005, ISBN 3932114175
  • Andre Kostolany, Der große Kostolany: Börsenseminar. Börsenpsychologie. Die besten Geldgeschichten, Berlin, 2006, ISBN 3-5483-6685-6

Weblinks


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