Laissez faire


Laissez faire

Laissez-faire [leseˈfɛʀ] ist ein aus dem Französischen entlehnter Begriff. Es heißt übersetzt lasst machen im Sinne von einfach laufen lassen.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft

Die Empfehlung «Tant qu'on laisse faire la nature» („Man lasse die Natur machen“) findet sich 1707 in einer Denkschrift von Pierre Le Pesant de Boisguilbert. «Laissez-nous faire» („Lassen Sie uns machen“) ist die Antwort des Kaufmanns Legendre an Colbert auf dessen Frage „Was kann man machen, um Ihnen zu helfen?“ Die Maxime «laissez faire» erscheint 1751 bei Marquis d'Argenson, und Turgot schreibt 1759 «laissez faire, laissez passer» Vincent de Gournay zu. In allen Fällen handelt es sich um Aufrufe an die Staatsmacht, nicht in wirtschaftliche Vorgänge zu intervenieren. Der Gegensatz wird als Interventionismus bezeichnet.

Verwendung

Wirtschaftswissenschaften

Abgeleitet von dem Motto „Laissez faire et laissez passer“ („lasst sie machen und lasst sie passieren“), womit die französischen Physiokraten Gewerbefreiheit und Öffnung der Grenzen (Freihandel) forderten, wurde im 19. Jahrhundert eine radikale Form des Wirtschaftsliberalismus auch als „Laissez-faire-Liberalismus“ bezeichnet, welcher teilweise mit dem Manchesterliberalismus gleichgesetzt wird.

Walter Eucken betont, dass dieser Laissez-faire-Liberalismus keine staatsfreie Wirtschaft sei. Vielmehr glaubte man die Grundentscheidung für die Wirtschaftsordnung allein schon durch die Ordnung des Staates und des Rechtswesens getroffen zu haben. Man war überzeugt, dass sich auf dieser Grundlage eine zweckmäßige Wirtschaftsordnung spontan, das heißt von selbst entwickeln würde. In den Gesetzen der vollständigen Konkurrenz in Produktion und Verteilung glaubte man schließlich die einzig richtige, natürliche, göttliche Ordnung entdeckt zu haben bzw. zu verwirklichen.[1]

Innerhalb des Liberalismus ist diese Bezeichnung jedoch umstritten. So weist Ludwig von Mises darauf hin, dass „laissez faire“ und „laissez passer“ zusammen gehören, also dass man die Forderung nach Gewerbefreiheit nicht von der Forderung nach der Öffnung der Grenzen trennen könne.[2]

Friedrich August von Hayek ist der Ansicht, dass die Formel „Laissez-faire“ stets irreführend gewesen sei.[3] „Der Liberalismus lehrt nicht, dass wir die Dinge sich selber überlassen sollen. Er beruht auf der Überzeugung, dass dort, wo ein echter Leistungswettbewerb möglich ist, diese Methode der Wirtschaftssteuerung jeder anderen überlegen ist. Er leugnet nicht, sondern legt sogar besonderen Nachdruck darauf, dass ein sorgfältig durchdachter Rahmen die Vorbedingung für ein ersprießliches Funktionieren der Konkurrenz ist und dass sowohl die jetzigen wie die früheren Rechtsnormen von Vollkommenheit weit entfernt sind.“[4]

Pädagogik

In der Pädagogik bzw. Erziehung die Bezeichnung für einen Erziehungsstil, bei dem man das Kind sich selbst überlässt, es „machen lässt“. Erziehung wird hier als eine nicht legitime Maßnahme gegenüber Kindern aufgefasst und dementsprechend unterbleiben zielgerichtete Erziehungsmaßnahmen. Nicht zu verwechseln mit der antiautoritären Erziehung.

Philosophie

Aus der chinesischen Philosophie kennt man das Prinzip des Nicht-Handelns oder „Tun ohne Tun“ (Wu wei), das erstmals im Daodejing auftaucht und zu den Wesensmerkmalen des Taoismus gehört (nicht zu verwechseln mit einem westlichen Verständnis der Vernachlässigung oder des Sichgehenlassens).

Einzelnachweise

  1. Walter Eucken: Grundsätze der Wirtschaftspolitik, Tübingen 19906, S. 26 f. Zur Entwicklung der wirtschaftspolitischen Maxime A. Oncken: Laissez-Faire, 1886. A. Rüstow: Das Versagen des Wirtschaftsliberalismus, 1945; J. M. Keynes: Das Ende des Laissez-Faire, 1926, der freilich – laut Eucken – „den Grundgedanken dieser Wirtschaftspolitik in seiner prinzipiellen Bedeutung nicht mehr verstand“.
  2. Ludwig v. Mises: Rezension zu Das Ende des Laissez-Faire von J. M. Keynes (1927); in Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft, (1927) S. 190
  3. F. A. v. Hayek: Politischer Liberalismus; in: Handwörterbuch der Sozialwissenschaften, Bd. 6 (1959); S. 595
  4. Friedrich August von Hayek: Der Weg zur Knechtschaft; 1944; S. 58

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