Land to the Tiller


Land to the Tiller

Land to the Tiller (en.: Land in Bauernhand) Programme waren verteilende Landreformen in der Zeit des kalten Krieges in Südvietnam und in El Salvador.

Inhaltsverzeichnis

Südvietnam

Im März 1970 erließ Präsident Nguyễn Văn Thiệu das "Land to the Tiller" Gesetz, womit das von der FNL den Landwirte und Dorfbewohnern der südvietnamesischen Agrargebiete faktisch zugeteilte Land nachträglich legalisiert wurde. Dazu wurde ein Antrag beim Government of the Republic of Vietnam (GVN) gestellt, woraufhin die Regierung an die enteigneten Grundbesitzer eine Entschädigung zahlte, die bei der Mehrheit der Empfänger klaglos angenommen wurde. Die maximal auf diese Weise erwerbbare Grundfläche war 15 Hektar pro Person. (Der Slogan, "in Südvietnam seien die Herzen und die Überzeugungen der Bauern zu gewinnen" wurde erweitert auf "In Südvietnam sind die Herzen über Hektar zu gewinnen".) Ende 1973 hatte die Regierung von Südvietnam Landtitel für 1,2 Millionen Hektar, an etwa 950.000 Begünstigte verteilt und damit das ursprüngliche Ziel eine Million Hektar zu verteilen, überschritten [1].

Widerstände

Die Maßnahmen des Legalisierungsprogrammes waren nach Landqualität in so genannte Corps (Ernten) von I bis IV klassifiziert. Von Gebieten der Landqualität Corp I und Corp II wurden relativ wenige Parzellen verteilt. In den gebirgigen Gebieten unternahm die Regierung keine ernsthaften Versuche das Programm umzusetzen. Im Tiefland gab es eine hartnäckige Opposition der örtlichen Beamten und Latifundisten, die zusammen mit der Knappheit von Ackerland und nicht-landwirtschaftlichen Beschäftigungsmöglichkeiten, dem Legalisierungsprojekt entgegenwirkten.

In den Küstengebieten blieben beträchtliche Teile der Landarbeiter, die auf der Qualität Corp I und Corp II arbeiteten, in Pacht- oder Lohnarbeitsverhältnissen. Einige Dorfbewohner brachten vor, das Land to the Tiller-Programm führe zu Ungerechtigkeiten gegen sie. Eine geringe Anzahl enteigneter Latifundisten wohnte noch in den Dörfern und mussten ein Jahr oder länger auf eine Entschädigung warten. Einige Soldaten, die außerhalb ihres Dorfes im Einsatz waren, hatten ihr Land zeitweise verpachtete und mussten ihr Land abgeben. Gelegentlich wandten Latifundisten und örtliche Beamte Tricks an, um die Verteilung von Land der Qualität Corps III und Corps IV zu verhindern.

Umfang

Im Mekong-Delta und den Provinzen um Saigon wurde das Programm angenommen. Im Mekong-Delta wurde für die Hälfte der Fläche des mit Reis bebauten neue Eigentumstitel verteilt.

Wirtschaftliche Verbesserungen

Die Bevölkerungszahl in Provinzen mit Bodenqualität Corps I und Corps II war wesentlich geringer als in Provinzen mit Bodenqualität Corps III und Corps IV, weshalb das Legalisierungsprogramm große Teile der Bauern betraf. Das Legalisierungsprogrammm verringerte die von Pächtern bebaute Fläche innerhalb von drei Jahren um 60 % [2]. Was möglicherweise darauf zurückzuführen ist, dass die Latifundisten kein Land mehr verpachteten aus Furcht vor Enteignung. Allgemein wurde anerkannt, dass das Land for the Tiller Programm die wirtschaftliche Situation von Millionen von Landwirten verbessert hat. Die Empfänger der Landtitel mussten nicht mehr fürchten dass die Pacht für ihre Parzellen eingefordert wird. Die Latifundisten erhielten eine angemessene Entschädigungen, ohne die Pachten weiter eintreiben zu müssen. Nach dem US-Truppen die Kontrolle über ein Dorf genommen hatten war üblicherweise der erste Besucher der abwesende Landeigentümer und versuchte die ausstehenden Pachten einzutreiben. Charles Callison untersuchte die Legalisierungen im Mekong-Delta, nach seinen Erhebungen wurde die gezahlte Entschädigung von den Empfängern überwiegend als fair bezeichnet [3].

Wissenschaftliches Begleitprogramm

Henry Bush war Mitarbeiter von Control Data Corporation welche ein wissenschaftliches Begleitprogramm zum Land for the tiller Programm erstellte. In 44 von Regierungstruppen kontrollierten und befragten Dörfern im Mekong-Delta wurden in der ersten Hälfte 1972 ermittelt, dass 89 % der neuen Landtitelträger angaben, dass sich das Leben in ihren Dörfern verbessert hätte, seit das Legalisierungsprogramm initiiert wurde. zwei Prozent gaben an, das Leben in den Dörfern habe sich verschlechtert [4].

Randbedingungen

Es gab Klagen, dass Reishändler Kartelle bildeten, um die Bauern zu betrügen. In den späten 1960er Jahren wurde die Möglichkeit für Kredite in den Dörfern verbessert. Viele Dorfbewohner erhielten Regierungskredite für Agrarproduktion zu günstigen Zinsen. Die durch das Legalisierungsprogramm erhaltenen Titel konnten beliehen werden. Die Kreditwürdigkeit und Einkommen führte in einzelnen Fällen Investitionen in Maschinenpark und Agrarhilfstoffe, wodurch die Produktivität und damit das Einkommen gesteigert wurde.

Feudales System

Die Latifundisten hatten teilweise feudale Macht über die Pächter, und behandelten sie wie Leibeigene. Diese arbeiteten von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang, waren bei zeremoniellen Festen zur unentgeltlichen Arbeit verpflichtet und hatten Reis oder Hühner für die Opferzeremonie mitzubringen. Die Việt Minh enteigneten und vertrieben sie, mit dem Legalisierungsprogramm wurde ihre reduzierte soziale Rolle in den Dörfern formal nachvollzogen [5].

Komplementär zum Strategic Hamlet Program

Durch die Landtitelübertragung stieg der soziale Status der Empfänger, überstieg aber nicht jenen der Dorfbeamten, diese sozialen Veränderungen hatten keine Massenwirkung. Wohlstand, Sicherheit und Freiheit von unterdrückenden Autoritäten waren maßgebliche Motive. Hinzu kam die Legalisierung in einer vertrauten Umgebung der Familie und Freunde und den Geistern der Ahnen was einer Deportation in Strategic Hamlets vorgezogen wurde.

Kleinbauernmentalität

Die Land to the Tiller-Legalisierung hatte unterschiedlichen Einfluss auf die politische Einstellungen in den betroffenen Dörfern. Die Einschätzungen reichten von keinem, bis hin zu einer Verbesserung der Einstellung zur Regierung. Dass die Regierung versuchte die Herzen der Landwirte zu kaufen um im ländlichen Bereich mehr Unterstützung zu finden wurde als positiver Zug aufgefasst. [5] Höhere Einkommen und die Möglichkeit im Land der Ahnen zu leben verbesserte die Einstellung zur Regierung mindestens in moderatem Umfang. Henry Bush folgerte 1971 basierend auf 550 Interviews, welche mit Kriegsgefangenen Vietcongs, und Passanten in der Long An Province gemacht wurden, dass die Legalisierung psychologisch so wirkt, dass die Begünstigten im Falle eines FNL-Sieges unter Verdacht der Kollaboration mit dem südvietnamesischen System geraten würden. [6]

Der relative Wohlstand in den von der Regierung kontrollierten Gebieten machte das System beliebter. In Gebieten unter engerer Kontrolle der Regierung herrsche mehr Wohlstand, erklärte Ed Brady, ein vietnamesischsprechender US-Militärberater, im Rahmen des von 1965 bis 1971 dauernden Phoenix Program. Interview with Ed Brady [7]

El Salvador

Das Land for the tiller-Konzept für El Salvador wurde 1961 bis 1968 in der Zeit des US-Verteidigungsministers Robert McNamara entwickelt und in dessen Eigenschaft als Präsident der Weltbank von 1968 bis 1981 durch diese flankiert. Bis 1976 war versucht worden, dass Oberst Arturo Armando Molina, ein Land for the Tiller Programm in El Salvador durchführt. Die Partido de Conciliación Nacional erwies sich aber als zu abhängig von der Landoligarchie, weshalb Carlos Humberto Romero am 15. Oktober 1979 aus dem Amt des Präsidenten geputscht wurde. Die verteilende Landreform wurde in El Salvador unter der Junta Revolucionaria de Gobierno durchgeführt. In Salvador wurden eine Reihe von Taktiken der Asymmetrische Kriegführung aus dem Vietnamkrieg wiederholt, im Fall von Operation Phoenix und Land for the tiller wurde dafür keine neuen Bezeichnungen gewählt. In El Salvador wurde das Programm durch eine Verfassungsreform 1982 gesetzlich sanktioniert. Dort gibt es einen Artikel 105, welcher das Eigentum von Grund auf 245 Hektar beschränkt. Für die Abwicklung der Landübertragung wurde das Instituto Salvadoreño de Transformación Agraria (ISTA) gegründet. Der Konflikt zwischen Agujero de oro und USAID, um das Land for the tiller programm gipfelte am 3. Januar 1981 im San-Salvador-Sheraton-Mord. Durch die durchgeführten Teile der Reforma Agraria konnten etwa 40 % der formal den Anforderungen entsprechenden Landwirte Land erwerben. Das Land musste von ihnen gekauft werden dazu erhielten sie von staatlichen Banken geförderte Kredite, das Land wurde dabei als Sicherheit genommen. [8]

Einzelnachweise

  1. USAID, United States Economic Assistance to South Vietnam, 1954-75, Vol. II, P. 257.
  2. Thomas Thayer, War Without Fronts: The American Experience in Vietnam, Boulder, CO: Westview Press, 1985, p. 242.
  3. Charles Stuart Callison, Land-to-the-Tiller in the Mekong Delta: Economic, Social, and Political Effects of Land Reform in Four Villages of South Vietnam (Lanham, MD: University Press of America, 1983), p. 215.
  4. Henry Bush, Gordon Messegee, und Roger Russell, The Impact of the Land to the Tiller Program in the Mekong Delta Control Data Corporation, Saigon 1972, p. 43
  5. a b Callison, Land-to-the-Tiller in the Mekong Delta, p. 224.
  6. Jewett Burr, Land to the Tiller: Land Redistribution in South Viet Nam, 1970- 1973 Ph.D. diss., University of Oregon, 1976, p. 302.
  7. Interview with Edward Thomas Brady nach Mark Moyar, "Villager attitudes during the final decade of the Vietnam War". Presented at 1996 Vietnam Symposium "After the Cold War: Reassessing Vietnam".
  8. envio August 1983, ¿Pacificar o liberar a los campesinos? Reforma Agraria en El Salvador y Nicaragua

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