Landschaftsökologie


Landschaftsökologie

Die Landschaftsökologie ist eine synthetisch-integrative, gesamtheitliche Betrachtungsweise der physischen Geographie. Sie untersucht innerhalb eines gegebenen Ausschnittes der Erdoberfläche das räumliche, zeitliche sowie funktionale Wirkungsgefüge zwischen den dort lebenden Organismen und ihrer Umwelt.

Inhaltsverzeichnis

Inhalte

Laut Definition des Geographen Carl Troll (1970) vertritt die Landschaftsökologie das Studium des gesamten, in einem bestimmten Landschafts-Ausschnitt herrschenden komplexen Wirkungsgefüges zwischen den Lebensgemeinschaften und ihren Umweltbedingungen. Dieses äußert sich räumlich in einem bestimmten Verbreitungsmuster (landscape mosaic, landscape pattern) und in einer naturräumlichen Gliederung verschiedener Größenordnung. Während die Geoökologie dabei vorwiegend abiotische und die biologische Ökologie biotische Faktoren betrachtet, befasst sich die Landschaftsökologie mit dem Wirkungsgefüge beider Bereiche in Natur und Umwelt.

Eine zweite Entwicklungsschiene des Fachgebietes kommt aus der Land- und Forstwirtschaft und wurde vor allem durch Anliegen des Umweltschutzes ausgelöst. Problemfelder sind hier etwa Bodenerosion, Stoffhaushalt, Überdüngung und Gewässerschutz. Beim Modellieren der Prozesse in der Landschaft und im Boden ist das „Upscalen“ von primären Punktdaten auf die Fläche der wichtigste Schritt. Hierbei und für die Bodenschätzung sind verschiedene Geoinformationssysteme (GIS) ein heute unentbehrliches Werkzeug.

Im Übergangsbereich zur Naturschutzplanung steht vor allem die nachhaltige Nutzung bzw. Entwicklung der Kulturlandschaft und der Lebensraum- und Artenschutz gefährdeter Tier- und Pflanzenarten. Hier ist - beispielsweise im ECL-Projekt „Our Common European Cultural Landscape Heritage“ - ein europaweiter Verbund von Forschungsprojekten zur interdisziplinären Landschaftspflege im Entstehen, oder die Erarbeitung von Managementplänen im Rahmen von Natura 2000.

Diese ursprünglich von Geographie und Bodenkultur begründete Fachgebiet bildet damit eine Schnittstelle von Geowissenschaften, Agrarwissenschaften und Biowissenschaften, sowie der angewandten Fachgebiete Naturschutz und Landschaftsplanung.

Studium

Da die Landschaftsökologie sowohl geographische wie biologische Bezüge hat, sind Landschaftsökologische-Arbeitsgruppen in den Biologischen, wie auch den Physisch-Geographischen Fakultäten vieler Universitäten angesiedelt. Als Studiengang kann Landschaftsökologie unter anderem an folgenden Hochschulen studiert werden:

Deutschland

In Deutschland an den Universitäten in Greifswald (Diplom, Master of Science, Bachelor of Science), Oldenburg (Master of Science) und Münster (Diplom, Master of Science, Bachelor of Science), teilweise auch an den Universitäten Bonn und Dresden;

  • am Wissenschaftszentrum Weihenstephan der Technischen Universität München wird die frühere Vertiefungsrichtung Landschaftsökologie nun im Bachelorstudiengang „Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung“ als Vertiefungsrichtung Landschaftsplanung weitergeführt sowie im Rahmen des Masterstudiengangs „Umweltplanung und Ingenieurökologie“.
  • In Rostock Landeskultur und Umweltschutz

Österreich

In Österreich bot die Universität für Bodenkultur in Wien schon seit etwa 1980 die Landschaftsökologie an, aktuell werden Studien in Landschaftsplanung angeboten. Das Studium ist durch die enge Vernetzung der Hochschulinstitute in hohem Maße interdisziplinär.

  • Die Universitäten Salzburg und Wien bieten einschlägige Vertiefungen im Geographiestudium an; Wien hat ein eigenes physiogeographisch-landschaftsökologisches Labor.
  • an der Universität Graz die Möglichkeit eines Studium irregulare der Umweltsystemwissenschaften, ergänzbar mit dem Fachschwerpunkt Ökonomie.

Schweiz

Schweiz: an der ETH Zürich die Studienrichtung „Landeskultur und Umweltschutz“ mit Schwerpunkt beim Institut für Landschaftsplanung und Landschaftsökologie.

Studienhauptfächer sind unter anderem Agrarwissenschaft, Biologie, Bodenkunde, Forstwirtschaft, Geologie, Geomorphologie, Hydrologie, Klimatologie, Planungswissenschaften (vor allem Stadtplanung und Geoinformatik). Auch Fernerkundung und grundlegende Kurse in Physik, Chemie und Mathematik sind meist Pflichtveranstaltungen.

Literatur

  • H. Ellenberg: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen in ökologischer, dynamischer und historischer Sicht. Ulmer, Stuttgart 1996, ISBN 3-8252-8104-3.
  • L. Finke: Landschaftsökologie. Dortmund 1996 ISBN 3-14-160295-6.
  • G. Gerstbach (Hsg.): GeoLIS II, Geowissenschaftliche/ geotechnische Daten in Landinformationssystemen. Geowiss. Mitt. Band 33, 316 S., TU Wien 1989.
  • Hartmut Leser: Landschaftsökologie. UTB-Taschenbuch, Ulmer-Verlag, Stuttgart 1997, ISBN 3-8252-0521-5.
  • U.Steinhardt, O.Blumenstein, H.Barsch: Lehrbuch der Landschaftsökologie. Elsevier GmbH, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2005, ISBN 3-8274-1448-2.
  • C. Troll: Landschaftsökologie (Geoecology) und Biogeocoenologie. Eine terminologische Studie. 1970, S. 9-17.
  • M. G. Turner, R.H. Gardner, R.V. O´Neill: Landscape Ecology in Theory and Practice Pattern and Process. Springer, Berlin 2003, ISBN 0-387-95123-7.

Weblinks


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