Landwirtschaftliche Revolution


Landwirtschaftliche Revolution

Seit etwa dem 16. Jahrhundert vollzog sich ein Strukturwandel in der britischen Landwirtschaft. Ab etwa 1700 spricht man in der englischen, ab der Mitte des 18. Jahrhunderts dann auch in der mitteleuropäischen Landwirtschaft von den allgemein anerkannten Produktivitätssteigerungen, der sogenannten landwirtschaftlichen Revolution oder Agrarrevolution.[1][2] Wichtige Merkmale der "landwirtschaftlichen Revolution" waren seit 1760 die Fruchtwechselwirtschaft anstatt der Dreifelderwirtschaft, die Ausdehnung des Futterbaus und der Winterstallfütterung sowie die planmäßige Zuchtverbesserung und Ertragssteigerung des Viehbestandes.[3]

Verschiedene natürliche Düngemittel (Stalldung, Knochenmehl, Kohlenasche, städtischer Abfall, Sand) erhöhten die Erträge beträchtlich. Ausländische Rinder wurden importiert, um durch Kreuzungen möglichst fleischreiche Tiere züchten zu können. Landwirtschaftliche Geräte (Dresch- und Sämaschinen) wurden ständig weiterentwickelt. 1785 wurde der erste gusseiserne Pflug patentiert.

Schon in der frühen Neuzeit vergrößerten sich in England Großgrundbesitzer auf Kosten der Kleinbauern. Es wurden dazu die weit verstreuten Anbauflächen zusammengelegt und die Allmende (die gemeinsame Nutzfläche an Weide und Wald) aufgeteilt und, als Zeichen der Privatisierung, auch eingefriedet (Einhegung, Enclosure Movement). Besonders im 18. Jahrhundert wurden diese Einfriedungen immer häufiger. Die Folge war, dass die Bauern immer weniger Holz und Weidefläche für ihr Vieh hatten. Die meisten verkauften nun ihren bescheidenen Besitz, ließen sich bei den Großgrundbesitzern als Landarbeiter anstellen oder wanderten in die Städte ab (sheep eat men), um als Lohnarbeiter eine neue Beschäftigung zu finden. Ebenso war der zunehmende Einsatz von Maschinen ein Grund für die Arbeitslosigkeit und Abwanderung der Bauern. In den so vergrößerten Besitzungen wurde auch die landwirtschaftliche Produktion durch verschiedene Neuerungen gesteigert.

Um 1800 waren noch etwa 75% aller Arbeitskräfte in der Landwirtschaft tätig. Die ständigen Neuerungen machten es möglich, auch die rasch zunehmende Stadtbevölkerung ausreichend mit Lebensmitteln zu versorgen. So wuchs der Markt, obwohl die Masse der Bevölkerung weiter in bitterer Armut lebte.

Die Mitte des 20. Jahrhunderts einsetzenden Industrialisierungsschübe im Agrarsektor werden in der Regel als Grüne Revolution bezeichnet.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Martin Weißenborn, 2007: Der Liberalismus von Mill und Bentham- Unterschiede und Parallelen, Akademische Schriftenreihe, GRIN Verlag, ISBN 3638667960, ISBN 9783638667968, S. 3
  2. Reiner Prass, 1997: Reformprogramm und bäuerliche Interessen, Band 132 von Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte, Max-Planck-Institut für Geschichte Göttingen, Vandenhoeck & Ruprecht, ISBN 3525354479, ISBN 9783525354476, S. 15.
  3. Willi Albers, Anton Zottmann: Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaft (HdWW), Band 9, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 1982, S. 74

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