Lawsonia inermis


Lawsonia inermis
Hennastrauch
Hennastrauch (Lawsonia inermis), Illustration

Hennastrauch (Lawsonia inermis), Illustration

Systematik
Unterklasse: Rosenähnliche (Rosidae)
Klasse: Dreifurchenpollen-
Zweikeimblättrige
(Rosopsida)
Ordnung: Myrtenartige (Myrtales)
Familie: Weiderichgewächse (Lythraceae)
Gattung: Lawsonia
Art: Hennastrauch
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Lawsonia
L.
Wissenschaftlicher Name der Art
Lawsonia inermis
L.

Der Hennastrauch (Lawsonia inermis, Syn.: Lawsonia alba (L.) Lam., Lawsonia spinosa L.), auf türkisch Kina genannt, ist die einzige Pflanzenart der monotypischen Gattung Lawsonia und gehört zum Subtribus Lagerstroemiinae im Tribus Nesaeeae innerhalb der Familie der Weiderichgewächse (Lythraceae). Die Gattung wurde nach Isaac Lawson benannt, der 1735 half die erste Auflage von Linnés Systema Naturae zu finanzieren.

Der Hennastrauch ist ziemlich vielgestaltig und relativ stark variabel. [1]

Inhaltsverzeichnis

Pflanzenbeschreibung

Habitus und Blätter

Bild eines Hennastrauches in einem Garten in Gambia.
Junge Zweige.

Es ist ein duftender, laubabwerfender Strauch oder kleiner Baum mit steifen, breit ausladenden Zweigen, der Wuchshöhen von 1,5 bis 8 Metern erreicht. Zum Teil befinden sich an kleineren Ästen Kurztriebe mit Stacheln, meist ist der Hennastrauch unbewehrt („wehrlos“ lat.: inermis). Die dünne Rinde hat eine weißliche bis gräulich-braune Farbe.

Die kurz gestielten Blätter sitzen gegenständig an den Zweigen angeordnet. Die glatten, ganzrandigen, eiförmigen bis elliptischen, silbrig-grünen, ledrigen Laubblätter sind an beiden Enden zugespitzt, 8 bis 44 mm lang und 2 bis 20 mm breit. Nebenblätter fehlen.

Blütenstände, Blüten und Früchte

Die Hauptblütezeit des Hennastrauch reicht von Oktober bis November, er kann aber die meiste Zeit des Jahres blühen. In endständigen, großen, sympodial verzweigten, 3 bis 22 cm lang ripigen Blütenständen stehen viele Blüten zusammen. Die Blütenstiele sind 2 bis 3,5 mm lang. Die zwittrigen, radiärsymmetrischen, vierzähligen Hennablüten sind nur wenige Millimeter klein und sie duften unterschiedlich stark. Die vier Kelchblätter sind gelblich-weiß. Die vier 3 bis 4 mm langen und 4 bis 5 mm breiten Kronblätter geben den Blüten ein zerknittertes Aussehen; ihre Farbe ist je nach Varietät unterschiedlich: weißlich, gelb, rosa (Lawsonia inermis var. rubra) und rötlich (Lawsonia inermis var. miniata). Die acht paarweise stehenden Staubblätter sind länger als die Kronblätter; die Staubfäden sind etwa 4 mm lang. Der einzelne blassgrüne Stempel endet in einer kopfigen Narbe.

Die kugelförmigen, etwa erbsengroßen Kapselfrüchte haben eine purpurschwarze bis blauschwarze Farbe und weisen einen Durchmesser von meist 4 bis 8 (3 bis 9) mm auf. Sie enthalten zahlreiche pyramidale, weiche Samen. [2]

Kultur

Es ist unklar, wo der Hennastrauch sein natürliches Vorkommen hat. Er wächst aber nur in warmen Zonen oder wenn Wärme zugeführt wird. Der Boden sollte trocken bis leicht feucht oder mit guter Drainage ausgestattet sein. Der Hennastrauch benötigt viel Licht. Er kann sowohl mit Samen oder Stecklingen vermehrt werden. Der Hennastrauch ist Schädlingen gegenüber resistent.

Hennasträucher findet man außerhalb der Oasenplantagen in vielen Innenhöfen, wo sie vor allem wegen der Blüten, die einen betörenden Duft verströmen, gezogen werden[3]. Der Duft der Blüten wird seit Jahrtausenden im Orient geschätzt und in Parfums verwendet ("Mohammeds liebster Duft")[4][5][6].

Nutzung

Angebaut wird Henna in Nord- und Ostafrika sowie in weiten Teilen Asiens. Aus den Blättern des Strauches wird Hennapulver hergestellt, das nur in den westlichen Industrienationen hauptsächlich zur Färbung der Haare benutzt wird. Weniger bekannt ist die Tatsache, dass in der ganzen islamischen Welt Henna hauptsächlich zum Färben der Hände und Fußsohlen verwendet wird [7]. Die naturheilkundliche Anwendung der Pflanze gegen Infektionen und die Schlafkrankheit wurde bis jetzt in klinisch-kontrollierten zweifelsfreien Tests am Menschen nicht überprüft. In mikrobiologischen Untersuchungen zeigte sich eine keimhemmende Wirksamkeit.

Henna

Seit Stars wie Madonna es in den späten 1990er Jahren in Mode brachten, wird es auch zum Einfärben der Oberhaut verwendet, um sogenannte Henna-Tattoos zu erzeugen. Die zu kosmetischen und rituellen Zwecken aufgebrachten Bemalungen mit Henna sind schon seit dem Altertum bekannt. So wurden in Ägypten Mumien mit Henna-Bemalungen gefunden. In Indien, dem Vorderen Orient und Nordafrika wird Henna auch heute noch bei Festtagen und Festlichkeiten wie Hochzeit und Beschneidung zu filigranen Körperverzierungen an Händen und Füßen benutzt (siehe Mehndi). Man kann auch keratinhaltige Stoffe wie Wolle oder Seide damit einfärben.

Gewinnung von Henna

Hennapulver

Henna wird aus den getrockneten und zerriebenen bzw. zermahlenen Blättern des Hennastrauches (Lawsonia inermis) gewonnen. Geerntet werden sie, indem sie von den Zweigen abgestreift werden. Um den in den Blättern enthaltenen roten Farbstoff nützen zu können, müssen sie an einem dunklen schattigen Ort getrocknet (Sonnenlicht zerstört den Farbstoff)[8] und zu Pulver vermahlen werden.

Henna-Farben

Je nach Qualität des Hennapulvers sowie Art und Weise der Anwendung variiert der Farbton, der auf Haut und Haar erzielt werden kann, zwischen hellem Orange und dunklem Mahagonirotbraun.

Allerdings werden unter dem Begriff „Henna“ sehr oft Mischungen mit anderen farbgebenden Pflanzenbestandteilen angeboten, die blond, braun oder schwarz färben sollen, allerdings ist darin häufig kaum Henna enthalten. Da Henna hier in Deutschland als ein Haarfärbemittel gilt, darf und werden vielen auf dem Markt befindlichen Hennaprodukten entweder synthetische Farbstoffe oder sogenannte Beizen (Farbverstärker wie das Natriumpikramat, (engl. sodium picramate) eine aromatische Nitroamino-Verbindung, die das Erbgut schädigen kann) zugesetzt, um eine schnelle und sichere Färbung zu gewährleisten. Diese sind für die allergieauslösende Wirkung der Produkte verantwortlich. Der Hennafarbstoff Lawson selbst ist kein Sensibilisator. Sowohl tierexperimentelle Untersuchungen zur Bestimmung des Sensibilisierungsvermögens als auch Tests am Menschen verliefen mit dem reinen Farbstoff negativ.[9] Besondere Vorsicht ist bei angeblich „schwarzfärbendem Henna“ geboten. Solche Mischungen können die chemische Farbsubstanz PPD (Phenylendiamin) enthalten, die schwere allergische Reaktionen auslösen und zu irreparablen Hautschäden führen kann.[10]

Anwendung von Henna

Handinnenfläche mit Hennabemalung aus Hudaida/ Jemen

Henna färbt nicht direkt als Farbstoff. Die rotbraune Farbe, das 2-Hydroxy-1,4-naphtochinon (HNQ, Lawson) entsteht erst durch Fermentation, das heißt durch einen Gärungsprozess, bei dem durch Bakterien und Enzyme (Fermente) bestimmte Stoffe (Glykoside) chemisch umgewandelt werden. Dazu müssen die Blätter des Hennastrauches pulverisiert und mit warmem Wasser angerührt werden. Im Verlauf von mehreren, in der Regel sechs bis acht Stunden geht Henna dann mit eiweißhaltigen Stoffen, wie Haut, Haaren, Wolle oder Seide eine dauerhafte Verbindung ein. Den Farbentstehungsprozess nennt man in der Fachsprache „Aufziehen“.

Reaktionsformel der Entstehung von Lawson aus Hennosid A durch enzymatische Hydrolyse und Oxidation

Zusätze wie Wein oder Tee variieren den Farbton des Hennas nur leicht und nicht dauerhaft. In den Ländern Nordafrikas und des Nahen Ostens, wo Henna seit undenklichen Zeiten angewendet wird, mischt man dem Henna Indigo bei, um eine schwarze Färbung zu erzielen.

Inhaltsstoffe und Pharmakologie

HNQ-Struktur

Der Farbstoff in Hennablättern ist das 2-Hydroxy-1,4-naphtochinon (HNQ, Lawson); die ihm zeitweilig nachgesagte krebserregende Wirkung wurde inzwischen widerlegt[11]. Hennablätter enthalten außerdem unter anderem die Verbindungen Apigenin, Luteolin, Cosmosiin, p-Cumarinsäure, 2-Methoxy-3-methyl-1,4-naphthochinon und Apiin, die, wie HNQ, jede für sich eine dem Vitamin C ähnliche antioxidative Wirkung haben[12]. Aufgrund der Anbauweise in den Ursprungsländern können Teile der Hennapflanze teils größere Mengen der verbotenen Pestizide Lindan, DDT oder DDE enthalten[13].

Extrakte der Hennablätter, insbesondere der getrockneten Blätter, sind in Laborversuchen wirksam gegen Staphylococcus aureus[14], Escherichia coli und Pseudomonas aeruginosa[15], sowie gegen Trypanosomen[16]. Dagegen kann die Anwendung von Henna bei Personen mit einem angeborenen G6PD-Mangel zu lebensbedrohlicher Hämolyse führen[17].

Ethnobotanik

Die Verwendung von Henna als Heilmittel bei Lepra und anderen Hautkrankheiten sowie Pocken, Windpocken, Abszessen und Tumoren reicht bis weit ins Altertum und ist uns durch arabische Ärzte überliefert. Das allgemeine Wissen um diese Zusammenhänge drückt sich in den arabischen Ländern in der uralten Vorstellung aus, Henna schütze vor dem „Bösen Blick“ und zeigt sich darin, dass das Einfärben von Händen und Füßen zu allen Gelegenheiten ritualisiert ist, von denen man annimmt, ein Mensch sei in dieser Situation besonders den übelwollenden Kräften des „Bösen Blicks“ ausgesetzt. Das ist bei Geburten, Beschneidungen, Hochzeiten und Tod der Fall.

Trivia

Das sogenannte neutrale Henna, also das Henna das nicht färbt, ist in der Regel nicht Henna, sondern besteht in den meisten Fällen aus den zerpulverten Blättern von Senna italica (Syn. Cassia obovata), die zur Familie der Leguminosen gehört.

Henna wird manchmal von Drogenhändlern benutzt, um Haschisch zu strecken.

Quellen

  1. Annette Korolnik-Andersch, Marcel Korolnik: Die Farbe Henna. Arnoldsche Art Books. 2002. S. 60. ISBN 3-89790-178-1
  2. Beschreibung in der Flora of Pakistan. (engl.)
  3. Olga und Octavia Engelhardt: Der Hennastrauch., gelesen am 23.07.2006
  4. Kirsten Albrecht Llamas: Tropical Flowering Plants: A Guide to Identification and Cultivation. Timber-Press, 2003. ISBN 0-88192-585-3. S. 249.
  5. N. P. Manandhar: Plants and People of Nepal. Timber Press, 2002. ISBN 0-88192-527-6. S. 286.
  6. S. C. Dey: Fragrant Flowers for Homes and Gardens, Trade and Industry. Abhinav Publications, 1997. ISBN 8170173353. S. 15.
  7. Olga Engelhardt: Henna, nicht nur ein Kosmetikum., hier eingefügt am 20.05.2007
  8. Aline Tauzin, "Le henné art des femmes de Mauritanie" Paris 1998, S.14
  9. Björn M.Hausen, Martin Kaatz; Uta Jappe; Ulrike Stephan; Gunthram Heidbreder: Henna/p-Phenylendiamin-Kontaktallergie: Folgenschwere Dermatosen nach Henna-Tätowierungen. In: Deutsches Ärzteblatt 98, Ausgabe 27 vom 6. Juli 2001, Seite A-1823
  10. Björn M.Hausen, Martin Kaatz; Uta Jappe; Ulrike Stephan; Gunthram Heidbreder: Henna/p-Phenylendiamin-Kontaktallergie: Folgenschwere Dermatosen nach Henna-Tätowierungen. In: Deutsches Ärzteblatt 98, Ausgabe 27 vom 6. Juli 2001, Seite A-1822 / B-1564 / C-1449
  11. D. Kirkland und D. Marzin: An assessment of the genotoxicity of 2-hydroxy-1,4-naphthoquinone, the natural dye ingredient of Henna. Mutat Res. 537/2/2003. S. 183-99. PMID 12787822
  12. B. R. Mikhaeil et al.: Antioxidant and immunomodulatory constituents of henna leaves. Z Naturforsch [C]. 59/7-8/2004. S. 468-76. PMID 15813363
  13. H. Prosen et al.: Determination of some organochlorine compounds in herbal colouring agent henna (Lawsonia inermis) and in tea (Thea sinensis). Arh Hig Rada Toksikol. 56/1/2005. S. 1-7. PMID 15969202
  14. F. Aqil et al.: Effect of certain bioactive plant extracts on clinical isolates of beta-lactamase producing methicillin resistant Staphylococcus aureus. J Basic Microbiol. 45/2/2005. S. 106-14. PMID 15812867
  15. O. A. Habbal et al.: In-vitro antimicrobial activity of Lawsonia inermis Linn (henna). A pilot study on the Omani henna. Saudi Med J. 26/1/2005. S. 69-72. PMID 15756356
  16. T. Okpekon et al.: Antiparasitic activities of medicinal plants used in Ivory Coast. J Ethnopharmacol. 90/1/2004. S. 91-7. PMID 14698515
  17. A. N. Kok et al.: Henna (Lawsonia inermis Linn.) induced haemolytic anaemia in siblings. Int J Clin Pract. 58/5/2004. S. 530-2. PMID 15206514

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