Leibrock


Leibrock

Der Frack (von frz. fraque) ist der festlichste Herrenanzug, auch als Großer Gesellschaftsanzug (im Gegensatz zum Smoking als kleinem Gesellschaftsanzug) bezeichnet, der nur bei Abendgesellschaften (ab 18 Uhr) getragen wird. Im englischen Sprachraum wird er zumeist als „White Tie“ bezeichnet. Er gilt als der König der Herrenkleidung.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Ursprünge

Herr im Frack aus dem Jahre 1785

Die Ursprünge des Fracks liegen im englischen bürgerlichen Tuchrock, den die arbeitenden Schichten zu Beginn des 18. Jahrhunderts in den Städten trugen. Dieser Tuchrock hatte volle Schöße und unterschied sich zunächst nur durch den dunklen Wollstoff von dem meist hellfarbigen Justaucorps. Taschen, Ärmelaufschläge, Seiten- und Rückenschlitze sowie die Länge des Tuchrocks stimmten mit den Formen der höfischen Gewänder überein. Die Tuchröcke hatten aber von Anfang an einen Kragen und engere Ärmel, die bis zu den Handgelenken reichten.

Den typischen Frackschnitt erhielt der Tuchrock vom Soldaten- bzw. Militärrock, dessen Entwicklung eng mit der des bürgerlichen Anzugs verbunden war.

Eine in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts von den Niederländern durch die Franzosen übernommene Sitte bestand darin, die Zipfel der Rockflügel beim Reiten nach außen umzuschlagen (Retroussis[1]) und hier durch einen Knopf oder Haken zu vereinigen, sodass das bunte Futter zum Vorschein kam. Sie verbreitete sich von Frankreich aus weiter und wurde um das Jahr 1700 im westlichen Europa allgemein. Diese Form des Rockes fand überall beim Militär Eingang und regte die Engländer zur Erfindung des Reitrocks „the Frock” an, der zur Vergrößerung der Bewegungsfreiheit vorne verlaufend zurückgeschnittene Schöße hatte.

Doch schon 1739 soll es in England modern gewesen sein, sich auf die gleiche Stufe mit seinen Dienern zu stellen und einen Tuchrock als Negligéanzug und zum Reiten zu tragen.

Um die Mitte des 18. Jahrhunderts hatte der Tuchrock den coat, wie der Justaucorps in England hieß, in der Tageskleidung weitgehend verdrängt. Da in England, anders als in Frankreich, der Hof seit dem Englischen Bürgerkrieg nicht mehr dominierte, hielt sich der englische Hochadel (Nobility) oft auf seinen Landgütern auf oder besuchte Landgüter anderer (Landadel). Obwohl sich die Engländer schon immer für Sport interessiert hatten, nahmen sie den Sport am Ende des 18. Jahrhunderts ganz in Anspruch und zum Reiten, Pferderennen und der Jagd kam jetzt noch das Wagenrennen hinzu. Man trug daher Reitkleidung. Der Adel verbrachte so viel Zeit in Wollstoff (grobes Tuch), Wildleder und Stiefeln, dass seine Kleidung in den 1780er Jahren zur Mode auswuchs, die man nur zu außergewöhnlichen Anlässen ablegte, wie zum Beispiel für eine Einladung zum Hofe oder zum Gelage.

Situation im Königreich Frankreich

Im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts hielt die englische Herrenmode als Reaktion gegen das prunkvolle und kostspielige Hofkleid auch in Kontinentaleuropa Einzug und begann sich in den achtziger Jahren sogar in Paris durchzusetzen. Da sich die Franzosen vom Aufputz, von den Stickereien und Spitzen schwerer trennen konnten als die Engländer, gab es neben den Tuchröcken einen frac habillé (geputzten Frack; geschmückter Frack), der weiterhin aus Seidenstoffen hergestellt wurde und vor allem als eleganter Morgen- und Ballanzug diente. Andererseits erhielt auch der ab 1750 habit à la française genannte Justaucorps nach etwa 1770 einen frackähnlichen Schnitt, indem seine Vorderteile in Nachbildung des englischen Reitkleides, des "Frock", am unteren Ende nach hinten verschnitten wurden und man so ein neues Kleidungsstück, "le Frac", schuf.

frac à la française

Ein Mann im Negligé aus dem Jahre 1786 mit Hut à l'Androsmane

Dieser frac à la française glich anfangs noch völlig der mit habit à la française bezeichneten Form des Justaucorps und unterschied sich nur dadurch von ihm, daß das habit à la française stets kragenlos war, der Frack hingegen mit einem kleinen Stehkragen, "le collet", ausgestattet wurde. Dieses neue Garderobestück wurde dadurch, dass es auch der König Ludwig XVI. trug, bald allgemein üblich und kam sogar, um das Jahr 1780, an Stelle des habit à la française, aber unter dem gleichen Namen, als Hoftracht in Gebrauch. Mit der allgemeinen Annahme des Fracks verkürzte man die Weste (la veste) bis zum Unterleib und gestaltete ihre Schöße auf ähnliche Weise wie die des Fracks, wobei die überreichen Stickereien auf eine schmale Randeinfassung beschränkt wurden.

Ungefähr seit dem Jahre 1780 wurde die Weste durch das Gilet, "le gilet", mehr und mehr verdrängt. Dieses, den Engländern entlehnte, ärmellose Kleidungsstück reichte nur bis auf den Leib und war unten völlig gerade und ohne Schöße geschnitten. Der Rücken des Gilets wurde, nicht wie bei der Weste, von demselben, sondern von geringerem Stoff gefertigt als das Vorderteil und bis in die Höhe der Schulterblätter in der Mitte aufgeschnitten und zum Schnüren eingerichtet. Durch dieses falsche Rückenstück und durch Weglassen der Ärmel bewirkte man eine Stoffersparnis, die auch bei der kurzschößigen Weste zur Anwendung kam; man nannte das so entstandene Mittelding zwischen Gilet und Weste: "gilet-veste" oder "veston". Die Giletweste und das Gilet verdrängten die eigentliche Weste bald ganz und die Bezeichnung Veston wurde auf jene beiden Kleidungsstücke übertragen.

Der gestickte Frack (frac à la française) und die Schoßweste erhielten sich in Frankreich bis zum Untergang des Königtums als Hoftracht; aber der reiche Schmuck daran verlor sich seit dem Jahre 1788 nach und nach ganz. Durch diese Vereinfachung erhielt der Galafrack (~ frac à la française) völlig das Ansehen des „frac habille”.

frac habillé

In Frankreich hat man zwischen der Alltags- und Geschäftskleidung und dem vollen männlichen Anzug (grande parure) noch eine Mitteltracht entworfen, nämlich den frac habillé (geputzen Frack). Der frac habille war stets in Seide und reich gestickt, doch wurde nie ein Gilet, sondern stets die kurze Weste (veston) getragen und auch der Degen angelegt. Im allgemeinen jedoch hatte sich die Sitte des Degentragens verloren, seit der englische Frack und der runde Hut als gewöhnlicher Anzug (Negligé) Mode geworden waren. Die Herren ließen den Degen von da an weg und führten statt seiner einen Stock aus spanischem Rohr mit großem Knopf, wenn sie sich eines runden Hutes als Kopfbedeckung bedienten. Die Beinkleidung bestand noch immer in langen, gewöhnlich seidenen Strümpfen und darüber gezogenen, bis unter die Knie reichenden Hosen, die unten nicht nur geknöpft, sondern auch mit einer Schnalle und Strippe fest zusammengezogen wurden. Mit dem Frack und dem Gilet hatte auch eine veränderte, in England übliche Hosenform in Frankreich Eingang und von hier aus weitere Verbreitung gefunden. Bei dieser wurde die Hose vorn nicht mehr mit einem zuknöpfenden Schlitz, sondern mit einem heraufzuschlagenden, ziemlich breiten Latz, "le pont", "la patte" versehen und gegen das Herabgleiten von den Hüften durch über die Achsel laufende Bänder, Hosenträger, "les bretelles", gesichert. Die Schuhe erhielten jetzt bedeutend größere Schnallen als sie bisher hatten.

Negligé-Frack

Der Mann ist en Negligé, sobald er im Frack oder Surtout, und zu feinen täglichen Arbeiten und Geschäften bequem gekleidet ist. Man trägt zum Frack gewöhnlich dunklere, gedeckte Farben, weil diese für den Staub und andere Spuren der Alltags weniger delikat sind als einfarbige und helle.

Situation im deutschen Teil des Heiligen Römischen Reiches

Das deutsche Bürgertum erlebte in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts eine Zeit geistiger Erneuerung. Philosophie und Kunst der Antike, aber auch romantische Empfindsamkeit und wissenschaftlicher Forscherdrang, bewegen besonders die jungen Menschen. Als Goethe 1774 den Roman Die Leiden des jungen Werther schrieb, kleidete er seinen tragischen Helden nach der neuen englischen Mode. Sie bestand aus dem blauen Frack mit Messingknöpfen, gelber Weste, hellen Lederhosen in Stulpenstiefeln und einem runden schwarzen Filzhut. Statt des höfischen Degens wurde dazu ein Stock mit Goldknauf getragen. Im Gegensatz zum französchen-höfischen Justaucorps war dieser Anzug bequem, doch ohne überflüssige Weite geschnitten und hatte einen aufliegenden Kragen. Diese „Werthertracht“ nahm der damalige deutsche Teil des Heiligen Römischen Reiches schon kurz bevor der Werther erschien, begeistert auf, aber erst recht mit Beginn des sogenannten Wertherfiebers. Der neue Stil in der Herrenkleidung hatte hier durchaus Tradition: Diese Werthertracht war zwar um 1750 in England entstanden, aber doch ganz offensichtlich nach dem Vorbild preußischer Uniformröcke gestaltet. Mit körpernahem Schnitt und blauer Farbe wurde bereits um 1720 in der preußischen Armee genau der Typ praktischer Gebrauchskleidung eingeführt, der dann im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts die europäische Herrenmode beeinflusste.

1790 bis 1820

Mit der Französischen Revolution wurde der englische Tuchrock in Frankreich durch die Abschaffung aller Standestrachten durch die Nationalversammlung endgültig zum Ehrenkleid erhoben und Samt und Seide verächtlich den Lakaien und Anhängern des Hofes überlassen. Aus dem ehemaligen Standesabzeichen wurde so ein politisches Abzeichen. Die Nationalfarben durften schon 1789 weder an den Uniformen der Nationalgarde noch an den Kleidern der Zivilisten fehlen. Blau-weiss-rote Kokarden, Bänder und Knöpfe wurden auch an de Hüten und Anzügen getragen. Westen, Hosen und Strümpfe stellte man oft sogar aus blau-weiss-roten Stoffen her. Bei den Uniformen der Nationalgarde waren die Röcke blau, Westen und Hosen weiss und die Aufschläge der Röcke rot. Die verschiedene Prägung der gelben Knöpfe ließ die Zugehörigkeit zu dem jeweiligen Distrikt erkennen.

Reich und Arm kleidete sich so nachlässig wie nur möglich, denn wer durch seine Erscheinung als Aristokrat verdächtigt wurde, schwebte in Lebensgefahr. Damals legten selbst wohlhabende Leute die blauleinenen Pantalons und die kurze Jacke, Carmagnole, des Arbeiters an. Man setzte sich die rote Mütze der Galeerensklaven, das Symbol der Jakobiner, aufs Haupt. Der Frack und die Hose waren es, die zuerst tiefgreifende Veränderungen erfuhren; namentlich der Frack wurde immer wieder umgebildet und gleichzeitig in wesentlich verschiedenen Formen hergestellt, die aber miteinander in ursprünglichem Zusammenhang standen. Zwei davon behaupteten die Herrschaft, die eine bildete sich als ausschließlich bürgerliches Kleid, die andere als Uniformfrack heraus. Die Grundgestalt für alle diese Frackarten blieb die des Salonfracks, den man bald dem englischen anglich, indem man sein Hinterteil im ganzen schmäler schnitt, wodurch die Schoßfalten nicht nur verkleinert, sondern auch verringert wurden.

Zu diesen beiden Gattungen gesellte sich um das Jahr 1786 der damals in England übliche Reitfrack, der in Frankreich zunächst nur als Reitanzug (Redingote) getragen wurde. Er unterschied sich von den anderen, zu dieser Zeit noch gebräuchlichen Frackarten vor allem dadurch, daß er zwei Reihen Knöpfe hatte und daher sowohl nach rechts, als auch nach links geknöpft werden konnte. Wollte man ihn offen tragen, so knüpfte man die beiden Frackränder als Revers zurück. Diese Form des Fracks wurde für die bürgerliche Tracht bald allgemein üblich; sie war aber durch die beständig wechselnde Mode verschiedenen Umgestaltungen unterworfen, deren früheste darin bestand, dass man das Vorderteil verkürzte und bald darauf die Schöße schmäler und länger machte. Gleichzeitig rückte man die Achselnähte weiter nach hinten und vergrößerte die Armlöcher bedeutend. Andere, lediglich durch die Mode bedingte Veränderungen betrafen nur die Länge der Ärmel, die Länge und Breite der Schöße, die Gattung der Knöpfe, die Farbe des Tuches usw.

Sogar die Französische Revolution, die alles umgestaltete, gab dem Frack, den man nun ausschließlich als Kleid, Habit, bezeichnete, keine wesentlich andere Form; obgleich man damals dessen Taille noch mehr verkürzte und die Brustklappen auffallend vergrößerte, so blieb der Frack doch immer auf beiden Seiten zu knöpfen und war mehr oder minder scharfeckig ausgeschnitten. Der rund geschnittene, mit nur einer Reihe von Knöpfen versehene Frack erhielt sich von jetzt ab fast nur noch als Reitanzug, wurde aber auch vielfach von Nichtreitern getragen. Der Kragen wurde damals sehr hoch gemacht und breit umgeschlagen oder auch in seiner ganzen Ausdehnung niedergelegt. Binnen kurzer Zeit erfuhr der Frack noch viele Umgestaltungen; ja es kamen sogar mehrere, nicht selten stark voneinander abweichende Arten gleichzeitig in Mode. Die Taille aber blieb bei allen dauernd sehr kurz. Gegen das Jahr 1804 trat insofern eine wichtige Veränderung ein, als die Taille bedeutend länger wurde und auch der Kragen eine ganz abweichende Form bekam. Diesen Frackschnitt behielt man für eine Reihe von Jahren bei, trotzdem die Mode beständig in den Einzelheiten wechselte und in der Ausgestaltung des Kragens und der Schöße mancherlei Neues hervorbrachte.

Während sich der als bürgerliches Kleid übliche Frack in der angegebenen Weise um- und ausbildete, war der eigentliche Salonfrack (frac habillé bzw. frac à la française, "Hoffrack") seit etwa 1792 in Frankreich ganz in Vergessenheit gekommen und auch in anderen Ländern nur noch als Hoftracht üblich. Erst Napoleon führte ihn nach seiner Kaiserkrönung an seinem Hofe wieder ein. Aber auch an diesem Kleidungsstück war die Einwirkung der Revolution nicht spurlos vorübergegangen, denn sein Schnitt hatte sich gegen früher stark geändert. Auch die reiche Stickerei kehrte zurück; nur wurde sie nicht mehr wie früher dem Geschmacke des einzelnen überlassen, sondern sie war je nach dem Rang und Stand der betreffenden Personen genau vorgeschrieben; Knöpfe und Knopflöcher dienten nur als Zierde, da man diesen Frack offen zu tragen pflegte. Um ihn aber auch schließen zu können, waren auf dem inneren Rande, mitten auf der Brust, zwei Haken und zwei Ösen angebracht. Dem Salonfracke glich im Schnitt der Uniformfrack der Offiziere; auch der Rock für die Soldaten der meisten Regimenter der kaiserlich französischen Arme war ihm ähnlich.

Der Rock, le Justaucorps, war, nachdem sich der Frack seit dem Jahr 1780 immer mehr eingebürgert hatte, nach und nach ganz außer Gebrauch gekommen. Schon um das Jahr 1790 wurde er fast nur noch von Männern geringen Standes getragen und hatte gleichzeitig seinen Schnitt so weit verändert, dass er sich nur durch die bedeutendere Breite und Länge der Schöße vom Frack unterschied. Diesen Rock, den man wegen seiner Ähnlichkeit mit dem englischen Reitrock (Riding-coat) „Redingote” nannte, trugen Leute von Stand nur als überzieher, „Surtout”, und wählten, falls sie sich statt des Frackes eines andern Kleidungsstückes bedienen wollten, in der Regel ein ausländisches Gewand: meistens den reich mit Schnüren und Quasten besetzten polnischen Rock.

Als im Verlaufe der Revolution nicht nur alle Standesunterschiede verschwanden, sondern es auch immer mehr Sitte wurde, sich möglichst bequem zu kleiden, trugen auch die vornehmeren Herren anstatt des Frackes häufig den Rock, la Redingote, bezeichneten ihn aber scherzweise noch als „Pauvre diable”. Dieses Kleidungsstück wurde jedoch erst gegen das Jahr 1810 Allgemeingut. Bis zu dieser Zeit war der Rock, teils dem Fracke entsprechend, teils selbständig, immer mehr ausgebildet und so bedeutend gekürzt worden, daß man ihm seine einstige Bestimmung, als Überzieher zu dienen, nicht mehr ansah.

Neben diesem Rock, den man vom Jahr 1815 ab wieder stark verlängerte, kam seit 1807 auch der polnische Rock wieder in Mode. Als Überzieher, „Surtout”, blieb die Redingote noch immer beliebt, wurde aber für diesen Zweck ziemlich lang und entsprechend weit gemacht. Auch legte man in diesem Fall weniger Wert auf die jeweils herrschende Mode als auf den Zweck, den Körper gegen die Einflüsse widriger Witterung zu schützen und richtete die Redingote deshalb ganz zum Zuknöpfen ein. Aus alledem ist leicht zu ersehen, daß der Schnitt der als Surtout benützten Redingote im ganzen nur sehr geringe Veränderungen erfahren konnte. Um diese Rockart auch dem Namen nach von der vorher erwähnten zu unterscheiden, nannte man den zum Überzieher bestimmten Rock „La Capote”.

Spenzer, Garrick

Gegen 1800 kam ein Kleidungsstück als Obergewand in Mode, das bald ebenso allgemein beliebt war wie die Capote und sich viele Jahre lang neben dieser im Gebrauch erhielt. Dies war der in England erfundene, durch mehrere Schulterkragen ausgezeichnete „Garrick”. Er bildete ein Mittelding zwischen Rock und Mantel; da er durch Zug und Knöpfstrippen beliebig zu erweitern war, konnte er verschiedenen Zwecken dienen. Er verdrängte in der Tat für längere Zeit den noch immer gebräuchlichen Mantel so weit, dass dieser nur noch als Reisekleid übrigblieb. Ein sehr originelles, gleichfalls in England erfundenes Kleidungsstück war um das Jahr 1805 in Mode gekommen, der „Spenzer", der nur den Oberkörper gegen Kälte schützen sollte und der, bei sonst rockartigem Schnitt, keine Schöße und nur ganz kurze Ärmel hatte. In der Regel fertigte man den Spenzer von hellem Tuch, damit er von dem darunter gezogenen, dunkleren Rock oder Frack sich recht grell abhebe.

Veston

Das Veston, das zum Salonfrack (frac habillé) getragen wurde, glich in seinem Vorderteile noch ganz der zuletzt üblich gewesenen Westenform; wieder waren die Schöße um einige Zentimeter kürzer geworden und die vorderen Ränder der Schöße standen unten weiter voneinander ab. Den Rücken machte man jetzt nicht mehr, wie früher bei der Weste, gerade so lang wie das Vorderteil, sondern ließ ihn nur bis an den Anfang der Schöße reichen; er bestand in der Regel aus starker Leinwand. Durch die Revolution wurde in Frankreich das Veston durch das Gilet verdrängt und erst bei Errichtung des Kaisertums zugleich mit dem Salonfrack wieder aufgenommen; es erhielt dabei gleich diesem eine etwas veränderte Form. In Deutschland wurde dieses Kleidungsstück zur Unterscheidung von dem gleich ihm als „Weste” bezeichneten schoßlosen Gilet „Schoßweste” genannt. Das Gilet war anfangs sehr lang und hatte nur eine Reihe Knöpfe. Während der Revolution bekam es zwei Reihen Knöpfe und wurde immer mehr verkürzt. Man fertigte damals das Gilet meist von einem hellen, feinen Stoff, gewöhnlich von Kaschmir, und zierte es mit Stickerei u. dgl. Häufig trug man aber auch Gilets und Westen von gestreiftem oder stark gemustertem Zeuge. Der breite Kragen wurde durch dünne Fischbeinstäbe, die man in seine vorderen Ränder einnähte, aufrechtstehend erhalten. Um das Jahr 1804 wurde die Weste wieder länger und nach unten zu offen getragen, später erhielt sie einen Überschlagkragen. Sie war einem häufigen Wechsel unterworfen; so zog man z. B. wirklich oder nur scheinbar mehrere Westen übereinander an, machte bald den Kragen breit, bald schmal, schnitt die Weste unten gerade oder in kleine Schöße, machte sie bald lang, bald kurz usw.

Hose

Die Hose hatte schon um das Jahr 1780 durch die Engländer insofern eine wesentliche Verbesserung ihres Schnittes erfahren, als sie seitdem vorn durch einen Latz (le Pont oder la Patte) geschlossen wurde. Diese Abänderung wurde beibehalten und erst um das Jahr 1840 kam der Schlitz wieder in Mode. Aber nicht nur durch die Einführung des Latzes war die Hose von 1790 an vervollkommnet worden, sie bekam auch im ganzen einen zweckmäßigeren Schnitt. Wie bisher, so war auch jetzt noch die Hose in der Kniekehle etwas ausgeschnitten.

Schuhe und Stiefel

Als sich die Sitte einbürgerte, zum Ausgehen Stiefel anstatt der Schuhe zu tragen, beseitigte man an den Beinkleidern die Knieschnallen und ersetzte sie durch Bänder, die man, zu Schleifen gebunden, mehr oder weniger lang herabhängen ließ. Diese Bandschleifen trug man auch noch, als man bald nach dem Jahre 1790 die Hosen so lang machte, dass sie bis auf die Waden reichten. Seit dieser Zeit verlängerten sich die Hosen immer mehr, so dass sie schon um das Jahr 1800 die Länge des Beines hatten, aber unten von den Halbstiefeln bedeckt wurden. Man trug damals die Hosen so eng als nur irgend möglich und fertigte sie deshalb nicht von Stoff, sondern ließ sie nach Art der Strümpfe stricken oder wirken; derartige Hosen nannte man „Strumpfhosen”. Ebenso wie für die Stoffhosen waren auch für die Strumpfhosen helle Farben sehr beliebt; ihren Latz zierte man durch aufgenähte Schnüre, wie man sie bei den Stoffhosen mit Steppereien zu schmücken pflegte.

Pantalons

Gegen das Jahr 1810 trug man lange, über die Stiefel gehende Beinkleider, „Pantalons”. Man machte diese im ganzen etwas weiter als es sonst für die Hose Mode war. In den Jahren von 1815—1820 waren sie auffallend kurz. Auch zum Reiten wurde die Hose seit dem Jahre 1810 sehr eng getragen und gegen das Heraufrutschen durch Spannstrippen oder Stege gesichert. Die Kniehose blieb neben allen diesen Neuheiten unausgesetzt in Gebrauch und erhielt sich fast unverändert in der um das Jahr 1790 üblich gewesenen Form. Sie allein trug man zum Salonfrack, sie herrschte an den Höfen und bei zeremoniellen Gelegenheiten und verschwand erst gegen das Jahr 1830.

Herr im dunkelblauen Tuchfrack aus dem Jahre 1815

Die Stiefel, besonders die „Stutzstiefel”, bildeten mit dem englischen Frack längere Zeit das echt bürgerliche Kleid. Da dieser Anzug durch die Französische Revolution zur Herrschaft gelangt war, nahm die Mode darauf die gebührende Rücksicht.

Kopfbedeckung

Weit länger als jedes andere Kleidungsstück war der Hut ein Gegenstand des Streites. Der Hut „a l'Androsmane” behauptete sich einige Jahrzehnte hindurch gegenüber den verschiedenen Formen, von denen die runde allmählich an Beliebtheit zunahm. Dieser runde Hut war zwar seit dem Jahr 1790 bei dem Bürgerstande als Kopfbedeckung üblich geworden, aber für das zeremonielle Auftreten bediente man sich doch des aufgeschlagenen Hutes, den man auch zu jeder Art von Uniform trug. Obgleich die Gewohnheit und das Vorurteil mancher Regierenden, die unter jedem runden Hut einen revolutionären Kopf witterten und somit der Verbreitung der neuen Mode hindernd im Wege standen, so wurde doch diese als geschmackvoll und zweckmäßig befundene Tracht immer mehr angenommen. Schon gegen des Jahres 1812 bediente sich fast in ganz Europa die gebildete, nicht uniformierte Klasse der Bevölkerung des runden Hutes als Kopfbedeckung und behielt ihn seitdem auch bei. Der aufgeschlagene Hut blieb als Auszeichnung der Uniformträger bestehen und kam noch lange bei zeremoniellen Gelegenheiten in Anwendung. Seine Gestalt hatte man um das Jahr 1800 dadurch verändert, dass man auch die vordere Krempe scharf anzog, und er nunmehr nur zweiseitig, aber sehr hoch aufgekrempt erschien. Diese Form hat er dann auch beibehalten (Zweispitz).

Haartracht

Den gleichen tiefgehenden Einfluss wie auf die gesamte Kleidung übte die Revolution auch auf die Haartracht aus; sie räumte nicht nur mit dem Puder auf, sondern bewirkte auch in der ganzen Anordnung des Haares eine durchgreifende, doch keineswegs plötzliche Veränderung. Diese Änderung erfolgte um so allmählicher, als nicht jeder gewillt war, sich sofort den eintretenden Neuerungen zu fügen und auch abweichende Geschmacksrichtungen sich geltend machten. Zum Beispiel waren die „Hundsohren” und der „Igel” (Herisson) ganz verschiedene Frisuren. Während man zu ersterer die Haare, zumal vorn, lang wachsen und auf die Schultern herabhängen ließ, schnitt man sie bei der letzteren fast über den ganzen Kopf gleichmäßig kurz ab und richtete sie borstenartig in die Höhe. Wurden bei dieser Tracht die Haare etwas weniger gekürzt, so nannte man sie einen „Tituskopf”.

1820 bis 1850

Der Biedermeier-Herr verkörperte die letzte Stufe phantasievoller Eleganz. Der Frack war für Straße wie Gesellschaft unerläßlich, der Rock galt nur als Negligé-Anzug. Frack und Leibrock sahen sich im 19. Jahrhundert sehr ähnlich. Kragenform, Aufschläge und die faltig eingesetzten Schoßteile hatten beide Kleidungsstücke gemeinsam. Nur der Schoß beim Frack war vorne bogig oder eckig geschnitten, der Leibrock dagegen behielt die vollen Schöße. Um 1840 verschwand das Trikotbeinkleid zugunsten der in der Taille faltig geschnittenen Langhose, nur der glockige Frack wies noch modische Einfälle auf und leistete einige Zeit lang der unaufhaltsam vorschreitenden Gleichförmigkeit Widerstand. Die Schöße waren eine Zeitlang so weit, dass die männliche Silhoutte ähnlich glockenförmig wie die der Frau war. Die Taille rückte allmählich an die natürliche Stelle, der enganliegende Sitz blieb wohl noch kurze Zeit beliebt, aber das Ideal bürgerlicher Bequemlichkeit triumphierte. Die elegant geschwungene Kurve der Biedermeierzeit ging in die Silhouette wuchtiger Männlichkeit und Zweckmäßigkeit über. Das Kragenrevers büßte an Breite ein, auch die Klappen der Taschen schrumpften zusammen; das breite Halstuch aus Seide oder Batist wurde allmählich zu einem schmalen Bändchen; die bunte Weste, in der die Herrentoilette den größten Luxus entfaltete, kämpfte als letzte um ein verlorenes Terrain. Man verabscheute alles Beengende, der Vatermörder, der sich bis in die 1850er Jahre allgemein behauptete, machte um die Mitte derselben einem steifen schmalen Krägelchen Platz. Noch lange gingen die alten Formen neben den neuen her, ehe sie ganz untertauchten. Erst während des Zweiten Kaiserreiches erfolgte noch einmal ein Aufschwung zur Eleganz. Die Silhouette straffte sich wieder und überwand mit Erfolg die Schwerfälligkeit, die Anfang der 50er Jahre um sich gegriffen hatte.

Der Frack

Bis um das Jahr 1818 hatte sich der schmale Rückenschnitt des Fracks wieder verloren und man ließ das Rückenteil abermals in bedeutender Breite an die Armlöcher grenzen; dagegen machte man jetzt die Schultern sehr breit und den Kragen hinten am Halse abstehend. Ebenso stand der Frack über die Brust weit vom Körper ab, schloß dagegen über den Hüften knapp an. Die sehr schmalen und unten fast spitzigen Schöße reichten bis unter die Knie. Die Ärmel waren oben weit und verengten sich gegen das Handgelenk, das sie fest umschlossen, erweiterten sich aber dann wieder und bedeckten, an der hintern Seite aufgeschnitten, die Hand bis zu den Fingern. Bald darauf, um das Jahr 1820, erfuhr auch der Schnitt des Frackes ebenso wie der des Überrockes insofern eine durchgreifende Veränderung, als man den Schoß von dem Oberteil trennte, ihn eigens zuschnitt und dann mit dem Hinterteil und Vorderteile die entsprechenden Stücke durch je eine Naht verband, wodurch das Kleidungsstück um die Taille weit besser saß und auch dann fest den Körper umschloß, wenn es nicht zugeknöpft wurde. Bei diesem Schnitt machte man wie bisher den Ärmel zweinähtig und gebogen und versah ebenso den Kragen in der Mitte herunter mit einer Naht. Die Umschläge auf der Brust schnitt man jetzt auch für sich und setzte sie an; dadurch erhielten sie sich besser in ihrer Lage als früher. Kragen und Umschläge pflegte man überdies noch durch angemessene Einlagen möglichst zu steifen und die Brust sowie die Hüften des Frackes zu wattieren. Der im Jahr 1818 hinten weit abstehende Kragen näherte sich später wieder dem Halse; er stieg aber gleichzeitig fast bis an den Kopf hinauf und war dabei so breit und dick, daß er um das Jahr 1830 einem Pferdekummet nicht unähnlich war. Das Hässliche dieser Mode wurde dann auch bald empfunden und so schnell und durchgreifend beseitigt, dass schon im Jahre 1837 Frack und Rockkragen eine der kurz vorher üblichen, geradezu entgegengesetzte Form erhalten hatten. Aber nicht nur der Kragen bekam damals eine andere Gestalt; fast das ganze Kleidungsstück nahm einen andern Charakter an: es wurden nämlich die Ärmel von unten bis oben möglichst eng und anschließend und dabei so kurz gemacht, daß sie gerade nur das Handgelenk bedeckten. Zu gleicher Zeit ließ man die Abrundung der sehr langen und schmalen Schöße schon auf der Mitte der Brust beginnen, wodurch die Möglichkeit, den Frack zuzuknöpfen, verloren ging. Bis zum Jahre 1841 war der Frack an der Taille wieder zu einer ansehnlichen Weite gelangt; die Schöße, deren Breite nun unten und oben dieselbe war, markierten sich durch scharfen Ab- und Ausschnitt. Der Kragen an Frack und Rock war ziemlich schmal und niedrig und die nicht sehr breiten Umschläge hatten fast die Länge der Taille. Die Ärmel waren noch immer eng und kurz. Eine sehr beliebte Tracht war damals der sog. „Reitfrack”, ein Mittelding zwischen Frack und Rock; der sich von ersterem durch breitere Schöße unterschied, welche jedoch nicht wie bei dem Rock, vorn von oben bis unten, sondern häufig nur oben, oft aber auch gar nicht zusammenstießen. Bei derartigen Kleidungsstücken pflegte man auf den Vorderteilen der Schöße quergeschnittene, mit breiten Patten bedeckte Taschen anzubringen. Bisweilen war der Reitfrack auch so eingerichtet, daß man ihn fast bis an den Hals zuknöpfen konnte. Um das Jahr 1850 wurde bei dem Frack, ebenso wie bei dem Rock, die Taille immer länger und der Rücken breiter, auch nahmen die bis dahin engen Ärmel wieder an Weite zu. Gleichzeitig wurde der Kragen breiter und stieg höher am Halse empor; die Umschläge dagegen wurden kürzer, die Schöße aber spitziger. Noch einige Jahre später wurde der Frack auch in der Taille weiter und näherte sich in seiner ganzen Gestalt mehr dem Rocke, mit welchem er bezüglich der weiten Ärmel sowie des ganzen Schnittes die derzeitigen großen Veränderungen in der Form geteilt hatte. Um das Jahr 1870 unterscheidet sich der Frack von dem Rock eigentlich nur noch durch mächtigere Umschläge und durch mäßig nach hinten zu abgeschnittene Schöße.

Die Hose

Die französische Revolution hatte auch den bisherigen Hosenschnitt stark verändert und zwar beseitigte man zunächst die Kniehose samt den ihr zugehörigen langen Strümpfen, indem man Hosen einführte, die das Bein bis an die Knöchel bedeckten. Diese langen, bis über die Stiefel herabreichenden Beinkleider bezeichnete man zum Unterschied von der Kniehose mit dem Namen „Pantalon”, nach der lustigen Person, die in den italienischen Arlequinaden vorkam und stets mit solcher Beinbekleidung aufzutreten pflegte. Im Verlaufe der nächsten Jahre änderten sich die Hosen (unter diesem Ausdruck verstand man sehr bald nur mehr die Pantalons) im ganzen wenig; gegen das Jahr 1800 aber mußten sie, wegen der damals üblichen kurzen Westen, bedeutend höher gemacht werden. Da jedoch diese fast bis unter die Arme reichenden Hosen nicht mehr wie alle früheren Arten durch eine Zugschnur am Herabrutschen gehindert werden konnten, so brachte man breite Bänder, „Hosenträger”, in Anwendung, die über die Schultern gelegt und vorn und hinten an die Hosen angeknüpft wurden. Im Jahre 1818 trug man sehr kurze, kaum bis an die Knöchel reichende Hosen, die bis an die Knie eng waren und von da ab nach unten zu sich erweiterten. Sieben Jahre später waren die Hosen gleichmäßig eng und wurden durch Lederriemen, unter der Stiefelsohle, sog. „Stege”, festgehalten, um bei jeder Bewegung des Beines fest auf dem Stiefel aufzuliegen. Noch später ließ man die Hosen von oben nach unten zu sich allmählich verengen, so daß sie um den Knöchel möglichst knapp anschlossen; im Jahre 1830 lagen sie wiederum am ganzen Bein eng an. Im Jahre 1830 wurden die Beinkleider etwas weiter gemacht, nachdem sie kurz vorher bis an die Knie eng waren und sich von da nach unten allmählich erweitert hatten. Zu dieser Zeit kam der schmale Latz, der ungefähr seit dem Jahre 1790 üblich war, aus der Mode und es trat statt seiner der breite Latz wieder auf. Zum Reiten waren damals lange, über die Stiefel gehende, meist weiße Hosen von Hirschleder sehr beliebt. Um das Jahr 1840 machte man die Beinkleider oben und unten eng und um die Knie etwas weiter. Stege wurden während aller dieser geringen Veränderungen des Beinkleiderschnittes beständig getragen. Was das Material der Hosen betrifft, so ist zu bemerken, daß seit dem Jahre 1835 das Tuch, zumal aber das schwarze, seiner geringen Haltbarkeit wegen immer mehr abkam und man sich statt dessen derberer, zweckmäßiger gewirkter Zeuge bediente, unter denen endlich der Buckskin am beliebtesten wurde. Zu Sommerhosen trug man vor allem das weiße englische Leder, einen sehr derben Baumwollenstoff oder auch den echten ostindischen Nanking. Um das Jahr 1839 kam der sog. Sommerbuckskin auf und mit diesem die verschiedenen staubgrauen Farben, die man für Sommerhosen geeigneter fand als die üblichen weißen oder gelben Stoffe.

Die Weste

Die Weste war in Stoff und Schnitt das bevorzugte Kleidungsstück. Bald nach 1800 waren die Westen allmählich wieder enger geworden und reichten um das Jahr 1812 abermals bis auf die Hüften herab. Ihrem Schnitt nach waren sie für zwei Reihen Knöpfe eingerichtet und hatten einen breiten, etwas gesteiften Stehkragen. Im Jahre 1818 waren die Westen noch ebenso lang wie im Jahre 1812, hatten aber nur eine Reihe Knöpfe. Bis 1825 war der Stehkragen immer schmäler geworden und wurde endlich mit dem oberen Teile des vorderen Westenrandes nach außen umgeschlagen. Die im Jahre 1818 aufgekommene Mode, zwei verschiedenfarbige Westen übereinander anzuziehen, herrschte auch noch im Jahre 1825, verlor sich aber dann bald. Der Westenschnitt änderte sich seitdem mehrere Jahre hindurch sehr wenig und erfuhr erst um das Jahr 1836 eine Umwandlung durch den damals aufgekommenen Schalkragen, der den ganzen Oberteil der Weste bis auf die Brust herab in fast gleicher Breite umgab. Obgleich man den Schnitt der Westen in Kleinigkeiten vielfach änderte, so erhielt er im wesentlichen doch keine eigentliche Umgestaltung. Auch der stete Modewechsel (1821 wechselte ihr Schnitt in Paris während acht Monaten fünfmal) brachte nichts Neues: alle seit 1836 üblich gewesenen Westen hatten entweder meist einen Schalkragen oder einen kleinen Stehkragen, sie waren entweder mit einer Reihe oder mit zwei Reihen Knöpfen versehen und reichten mehr oder minder tief auf den Leib herab. Größer als der Wechsel in der Form war der Wechsel in den Stoffen, aus denen man die Westen anfertigte, bis auch hier ein Stillstand eintrat. Um die Mitte des Jahrhunderts kamen die buntfarbigen Westen nach und nach ab. man fertigte die Weste zur Hose oder zum Rock passend. Samtwesten blieben wohl noch einige Zeit üblich, verschwanden aber auch allmählich. Nur die helle Sommerweste aus Waschstoff vermochte sich dank ihrer Zweckmäßigkeit in der Gunst der Herrenwelt zu erhalten.

1850 bis 1918

Der Frack

Der Frack, der bisher auch als Straßenanzug diente, wurde schließlich nur noch besonderen Festlichkeiten vorbehalten und zum Gesellschaftsanzug des Bürgers. Er gab, anders als das damalige sackartig geschnittene Jackett oder Sakko, die Taille nicht auf und hat sogar bis heute an seinem Schnitt festgehalten, sodass sich die Mode nur noch mit der Form des Auschnittes, mit Kragen und Revers, der Länge der Schöße, dem Sitz der Knöpfe und dergleichen Details beschäftigte. Außerdem begann man für den Frack immer dunklere Farben zu wählen bis schließlich nur noch schwarz gestattet war.

Die Hose

Um das Jahr 1850 warf man alle seit langer Zeit gültigen Begriffe von Zweckmäßigkeit und Schönheit über den Haufen: der Latz wurde abgeschafft und an seine Stelle trat wieder der, seit dem Ende des 17. Jahrhunderts gänzlich vergessene Schlitz, dessen Knöpfe jedoch jetzt durch eine darüber gesetzte Leiste verdeckt wurden. Die unter dem Schuh durchgezogenen Stege an den Hosen kamen ab und die Hose schlotterte locker um das Bein. Endlich aber schuf man, seit dem Jahre 1865, Beinkleider, die der Form des Körperteils, den sie bedecken, offenbar Hohn sprechen. Die Hosen fingen nämlich oben ziemlich eng an, erweiterten sich um das Knie und wurden nach unten zu wieder enger; hatten also von oben bis an die Wade einen der Form des Beines geradezu entgegengesetzten Schnitt. Damit aber die Hose diese ihre Säulenform ja nicht zu leicht verlor, wurde sie gewöhnlich von einem derben und möglichst steifen Stoffe angefertigt. Um die 70er Jahre beseitigte man diese häßlichste aller Hosen und trug statt derselben wieder das enge Beinkleid. Die Bügelfalte, die der zuvor lose herabfallenden Hose eine neue Straffheit verlieh, war eine Erfindung der Jahundertwende.

Die Weste

Die Weste musste ihre extravaganten Allüren aufgeben, versuchte allerdings immer wieder ihre Vorzugsstellung, die sie hinsichtlich der Stoffe und Farben in der ersten Jahrhunderthälfte hatte, zurückzugewinnen, sodass die Farben der Weste zwar dezenter wurden, aber nicht ganz verschwanden. Es galt aber schon in dieser Zeit als obligatorisch eine weiße oder schwarze Weste zum Frack zu tragen.

Der Frack Heute

Heutzutage ist der Frack schwarz (seltener dunkelblau) und besteht aus der Jacke mit „Schwalbenschwänzen“ (am Rückenteil), die vorn taillenkurz ist und grundsätzlich offen getragen wird. Die spitzen Revers sind meist mit glänzendem Seidensatin geschmückt. Die Frackhose hat nie Aufschläge und wird an den Seitennähten mit zwei Seidenbändern – Galons genannt – verarbeitet. Die Frackhose wird nicht mit Gürtel sondern nur mit Hosenträgern getragen.

Kombination

Dazu trägt man ein weißes Frackhemd mit gestärkter Piquébrust, Frackknöpfen sowie Stehkragen (Vatermörder) und einfacher Manschette, die nicht umgeschlagen wird. Über dem Hemd wird eine weiße Frackweste und eine weiße Schleife (beides aus Baumwoll-Piqué) getragen (Ausnahme: Bei einem Begräbnis wird eine schwarze Weste getragen). Hemd, Weste und Fliege werden zusammen als Frackset bezeichnet. Die Variante, den Frack ohne Weste und stattdessen mit einem Kummerbund zu tragen ist vor allem bei Musikern verbreitet, als klassischer Abendanzug aber eher unüblich. Der Fuß wird mit dunklen Seiden- oder Wollstrümpfen, die bis unter das Knie reichen (beim Sitzen darf man keinesfalls Haut zeigen) und schwarzen Lackschuhen bekleidet.

„Einzig mögliche“ Kopfbedeckung zum Frack ist der schwarze Klappzylinder (Chapeau Claque); optionale Accessoires sind weißer Seidenschal und weiße Glaceehandschuhe. Erlaubt ist weiterhin eine goldene Taschenuhr mit Kette, das Tragen einer Armbanduhr gilt als Fauxpas. Als Taschentücher sind nur solche aus Stoff (keinesfalls Papiertaschentücher) erlaubt.

Der festlichste Herrenanzug tagsüber (bis 18 Uhr) ist der Cutaway, auch als „Frack des Tages“ bezeichnet; dieser wird z. B. bei Hochzeiten, Staatsempfängen und hochklassigen Beisetzungen getragen. In der Bundesrepublik, wie auch in vielen anderen europäischen Ländern, ist der Frack aus dem offiziellen Gebrauch bei Staatsempfängen verdrängt, und durch den Smoking ersetzt worden.

Sport

Im Bereich des Tanzsportes wird der Frack zum Standardtanz getragen. Er unterscheidet sich aber in vielen Details von einem „richtigen“ Frack. So sind zum Beispiel die Ärmel gerade angenäht, um in der Tanzhaltung natürlich auszusehen. Auch sind die einzelnen Teile wie Jacke, Weste und Hemd nur an den sichtbaren Stellen vorhanden, um mehrlagige Partien zu vermeiden. Zudem kommen andere Materialien zur Verarbeitung.

Bälle

Am Wiener Opernball herrscht Frackzwang, d. h. alle Männer müssen einen Frack tragen, außer sie tragen eine Ausgehuniform. In den skandinavischen Ländern stellt er auch auf weniger exklusiven Bällen die Herren-Standardbekleidung dar.

Literatur

Geschichte

Ursprünge und Situation in England

Bücher
  • Norah Waugh: The Cut of Men's Clothes 1600-1900. Faber and Faber Ltd., London 1964, 0 571 057144.
  • Erika Thiel: Geschichte des Kostüms. die europäische Mode von den Anfängen bis zur Gegenwart. 8. Auflage. Seemann Henschel, Leibzig 2004, 3894872608.
  • Gertrud Lenning, Gisela Krause: Kleine Kostümkunde. 12. Auflage. Schiele&Schön, Berlin 1998, 3-7949-0629-2.
  • Carl Köhler (bearbeitet von Emma von Sichart): Praktische Kostümkunde. F. Bruckmann, München 1926.
  • Ingrid Loschek: Reclams Mode- und Kostümlexikon . 5. Auflage. Reclam, Stuttgart 2005, 3-15-010577-3.

Situation im Königreich Frankreich

Bücher
  • Carl Köhler (bearbeitet von Emma von Sichart): Praktische Kostümkunde. F. Bruckmann, München 1926.
  • Max von Boehm (bearbeitet von Ingrid Loschek): Die Mode. 5. Auflage. Stiebner, München 1996, 3830708122 (Die Mode. Eine Kulturgeschichte vom Barock bis zum Jugendstil).

Modejournale
  • Friedrich Justin Bertuch, Georg Melchior Kraus (Hrsg.): Journal des Luxus und der Moden. Müller&Riepenhauer, Hanau/Main 1786-1790, (Band 1-5).

Situation im deutschen Teil des Heiligen Römischen Reiches

  • Gertrud Lenning, Gisela Krause: Kleine Kostümkunde. 12. Auflage. Schiele&Schön, Berlin 1998, 3-7949-0629-2.

Modejournale
  • Friedrich Justin Bertuch, Georg Melchior Kraus (Hrsg.): Journal des Luxus und der Moden. Müller&Riepenhauer, Hanau/Main 1786-1790, (Band 1-5).

1790 bis 1820

Bücher
  • Carl Köhler (bearbeitet von Emma von Sichart): Praktische Kostümkunde. F. Bruckmann, München 1926.

Modejournale
  • Friedrich Justin Bertuch, Georg Melchior Kraus (Hrsg.): Journal des Luxus und der Moden. Müller&Riepenhauer, Hanau/Main 1790-1825, (Band 6-40).

1820 bis 1850

  • Carl Köhler (bearbeitet von Emma von Sichart): Praktische Kostümkunde. F. Bruckmann, München 1926.
  • Max von Boehm (bearbeitet von Ingrid Loschek): Die Mode. 5. Auflage. Stiebner, München 1996, 3830708122 (Die Mode. Eine Kulturgeschichte vom Barock bis zum Jugendstil).
  • Erika Thiel: Geschichte des Kostüms. die europäische Mode von den Anfängen bis zur Gegenwart. 8. Auflage. Seemann Henschel, Leibzig 2004, 3894872608.

1850 bis 1918

  • Erika Thiel: Geschichte des Kostüms. die europäische Mode von den Anfängen bis zur Gegenwart. 8. Auflage. Seemann Henschel, Leibzig 2004, 3894872608.

Kombination

  • Iris Gräfin Vitzthum: Würdiger Bürger im Frack? Ein Beitrag zur kulturgeschichtlichen Kleidungsforschung. (2008) (Geschichte des bürgerlichen Frackanzugs, 332 Seiten) ISBN 978-3-8340-0425-3

Einzelnachweise

  1. Retroussis

Siehe auch


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