Leichtfahrzeug

Leichtfahrzeug
Leichtfahrzeug Arola 20 des ehemaligen französischen Herstellers Arola SARL

Ein Leichtfahrzeug ist ein mehrspuriges (zumeist) motorisiertes Fahrzeug, welches in Gewicht und Maßen gegenüber einem klassischen Automobil deutlich reduziert ist. Auch die Bezeichnungen Leichtmobil und Kleinfahrzeug sowie Mopedauto werden verwendet. Es nimmt dadurch in ruhendem und fließendem Verkehr und im Stau weniger Platz ein. Das Leichtfahrzeug schließt die Lücke zwischen Motorrad und dem herkömmlichen Pkw. Dementsprechend nehmen Leichtfahrzeuge im Regelfall eine oder zwei Personen auf.

Diese Fahrzeuge können in Österreich mit dem Mopedschein mit der Eintragung vierrädriges Leichtkraftfahrzeug bewegt werden.

In Deutschland kann von der Führerscheinstelle ein vor 1989 erworbener Mopedführerschein in die Führerscheinklasse S geändert werden. Hier sind die Fahrzeuge von der Haupt- und Abgasuntersuchung und auch zulassungsbefreit, das heißt, es muss keine Kfz-Steuer für die Haltung entrichtet werden. Zur Inbetriebnahme des Fahrzeugs im öffentlichen Straßenverkehr ist ein Versicherungskennzeichen erforderlich.

Die Fahrzeug-Zulassungsverordnung (FZV) definiert Leichtkraftfahrzeuge als "vierrädrige Kraftfahrzeuge mit einer Leermasse von nicht mehr als 350 kg, ohne Masse der Batterien bei Elektrofahrzeugen, mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von nicht mehr als 45 km/h, mit Fremdzündungsmotor, dessen Hubraum nicht mehr als 50 cm³ beträgt oder mit einem anderen Verbrennungsmotor oder Elektromotor, dessen maximale Nennleistung nicht mehr als 4 kW beträgt".

Inhaltsverzeichnis

Geschichte und aktuelle Entwicklung

Würde heute als Leichtfahrzeug bezeichnet: Messerschmitt Kabinenroller

Leichtfahrzeuge sind keine neue Erscheinung, sondern gewissermaßen eine Rückkehr zu den "Rollermobilen" und Kleinfahrzeugen der 1950er Jahre. Damaliger Grund für die Popularität war die preisgünstige Möglichkeit für fast jedermann, ein überdachtes Fahrzeug zu besitzen. In den 1970er und 1980er Jahren wurden mit der zunehmenden Verbreitung des Automobils diese Fahrzeuge weitgehend aus dem Straßenbild verdrängt. Da ihre Nutzung aufgrund einer Gesetzeslücke für Inhaber bestimmter Mopedführerscheine zulässig war, verschwanden sie jedoch nicht ganz.

Die Intention heutiger Entwicklungen liegt mehr in der Lösung aktueller Verkehrsprobleme. Die derzeitige geringe Nachfrage und Marktaufteilung stellt Leichtfahrzeuge eindeutig als Nischenfahrzeuge dar. Die Marktsegmente von Fahrrad, Motorrad und Auto sind klar aufgeteilt und haben ihre jeweilige Anhängerschaft, neue Hybride zwischen diesen Fahrzeugen haben es schwer, die notwendige Verbreitung zu erlangen, selbst wenn hohe Aufmerksamkeit erzielt wird. Ein Beispiel dafür war der teilweise Misserfolg des BMW C1 am Markt. Auch die derzeit geringe Verbreitung von Velomobilen und Elektroautos ist, neben technischen Problemen und hohen Kosten, zum Teil darauf zurückzuführen.

Bereits angebotene Fahrzeuge orientieren sich im Erscheinungsbild und Räderzahl zur Zeit im Wesentlichen am klassischen Auto.

Die größten Hersteller sind Aixam, Ligier, Microcar, Chatenet und JDM. In Europa sind die Leichtkraftfahrzeuge am häufigsten in Frankreich, Spanien, Italien, Portugal, Österreich und in den Niederlanden vertreten.

Fahrerlaubnis

Leichtkraftfahrzeuge

Seit dem 1. Februar 2005 dürfen in Deutschland Jugendliche ab 16 Jahren, die im Besitz des Führerscheins Klasse S sind, Leichtkraftfahrzeuge lenken. Bezüglich der Geschwindigkeit kommt dies einer Einordnung in die Klasse der Kleinkrafträder gleich. Dieser Führerschein hat jedoch bei Politikern, Verkehrsexperten und Eltern viele Fragen aufgeworfen und ist umstritten.

Im Unterschied zu anderen Kleinwagen und Kleinstwagen kann der Wagen in manchen Ländern ohne PKW-Führerschein mit einem Moped-Führerschein gefahren werden.

Oft sind die Leichtkraftfahrzeuge die beste Möglichkeit für Ältere oder Gehbehinderte, mobil zu bleiben. Zudem sind sie eine preiswerte Alternative, da weder Haupt- noch Abgasuntersuchung erforderlich sind, keine Kfz-Steuer gezahlt werden muss und im Vergleich zu stärkeren Kfz geringe Versicherungskosten anfallen.[1]

Andere Leichtfahrzeuge

Je nach Konstruktion und Antriebsart ist bei anderen Leichtfahrzeugen kein Führerschein erforderlich (z. B. Alleweder-E) oder sogar ein PKW-Führerschein Klasse B (z. B. Twike).

Sicherheit

Ein Argument gegen Leichtfahrzeuge ist deren geringere passive Sicherheit gegenüber dem Auto, wobei optimal konstruierte Leichtfahrzeuge vergleichbar mit gewöhnlichen Autos sind [2]. Im Vergleich zu Zweirädern ergibt sich jedoch eine Erhöhung der Sicherheit. Zudem ist die äußere Sicherheit gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern höher als beim Auto.

Es existiert die Befürchtung, dass die Anzahl der am motorisierten Straßenverkehr teilnehmenden Jugendlichen sich mit mehrspurigen Fahrzeugen erhöhen wird und sich dies sich in steigenden Unfallzahlen bemerkbar machen wird. Die Auswirkungen der frühen Gewöhnung Jugendlicher an den Straßenverkehr mit geringeren Geschwindigkeiten auf die Unfallstatistik können erst nachträglich ermittelt werden. Während geringere Geschwindigkeiten generell ein Sicherheitsgewinn darstellen, führen große Geschwindigkeitsunterschiede im selben Straßenraum zu mehr Unfällen.

In einer Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) zu Benzin-Lkfz wird ihre Sicherheit mit Skepsis betrachtet und in Frage gestellt. [3] Dagegen haben Untersuchungen von Leichtelektromobilen im Vergleich zu Autos auf ein kleineres Sicherheitsrisiko im Stadtverkehr hingewiesen, dies wegen einer messbar ruhigeren Fahrweise .[4] Beides kann richtig sein, da verschiedene Benutzergruppen ganz unterschiedliche Fahrweisen aufweisen können: einerseits Leute, die ihren Auto-Führerausweis auf Grund von Vergehen verloren haben, andererseits "Öko-Pioniere"; einerseits Junge, die noch nicht Auto fahren dürfen, andererseits Alte, die nicht mehr möchten. Auf jeden Fall sind die Prämien für Lkfz-Haftpflichtversicherungen generell tiefer als für schnellere und schwerere Fahrzeuge.

Vor- und Nachteile der Leichtkraftwagen

  • Auch für Personen geeignet, die keinen regulären Führerschein gemacht haben.
  • Deutliche Vorteile bezüglich Komfort im Vergleich zu einem Motorrad oder Moped
  • Heutige Modelle sind auch im Sicherheitsbereich sehr ausgereift. Es gibt heute serienmäßig Gurtstraffer und kraftabsorbierende Fahrzeugträger, und gegen Aufpreis sind auch schon Airbags erhältlich.
  • Es gibt heute für einige Modelle auch schon Klimaanlagen, Autoradios und Holzeinlagen.
  • Die Fahrwerke sind heutzutage bereits vollständig entwickelt und bieten daher auch auf Schnee und Eis ein ausgezeichnetes Fahrverhalten, das aufgrund der günstigen Gewichtsverteilung vielen herkömmlichen PKW-Modellen überlegen ist.
  • Dank moderner Einspritzsysteme ist der Kraftstoffverbrauch stark gesunken, wodurch heute Leichtkraftwagen zu den sparsamsten und umweltschonendsten Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor überhaupt zählen. Noch sparsamer ist der Elektroantrieb bei vielen erhältlichen Modellen, und dort ist ein Batteriesatz wesentlich günstiger als der eines schweren Elektroautos.
  • Für einige Verwendungszwecke zu geringes Platzangebot.
  • Die reguläre Geschwindigkeit ist sehr stark begrenzt worden.
  • Die Kraftfahrzeugversicherung ist in manchen Fällen relativ hoch.

Quads

Quads sind aus dem Motorrad heraus entwickelte vierrädrige Fahrzeuge (quad = vier). Sie sind meist sehr geländegängig und mitunter stark motorisiert. Sie dienen vorwiegend als Offroad-Freizeitfahrzeuge.

Die Vorläuferfahrzeuge mit Kugelbereifung und zwei bis acht Rädern waren vor allem im militärischen Bereich angesiedelt. Auf deutscher Seite ist das KRAKA zu nennen.

Leichtelektromobile

Als Leichtelektromobil (LEM) wird ein batteriebetriebenes Fahrzeug in Leichtbauweise bezeichnet, welches in seiner Bauart zwischen einem Elektrorad und einem Elektromobil bzw. Elektroauto steht.

Nachdem um 1900 Elektromobile im Vergleich zu den mit Verbrennungsmotor angetriebenen Automobilen durchaus konkurrenzfähig waren, gab es erst nach der Ölkrise wieder Bestrebungen, Elektrofahrzeuge zu entwickeln. Ein grundlegendes Problem der Elektrofahrzeuge liegt in dem geringen Energieinhalt des Energiespeichers (Akku). Um diesen Mangel auszugleichen und befriedigende Reichweiten zu erhalten, muss der Energieverbrauch eines Elektrofahrzeugs sehr gering gehalten werden. Dies wird, wie auch der Name schon sagt, durch konsequenten Leichtbau erreicht. Leichtelektromobile sind zumeist relativ klein (1 bis 1,2 m x 2 bis 3 m), nur ein- bis zweisitzig, haben eine Kunststoffkarosserie, schmale Reifen und bevorzugt drei Räder.

Viele Konzepte von Leichtelektromobilen kamen aus einem Versuchsstadium nie heraus (SAM, Voltaire, Hotzenblitz). Kommerziell erfolgreich waren nur die Firmen Kewet Buddy, Twike, Citycom mit dem CityEL (ehemals: el Trans) und Lohmeyer-Leichtfahrzeuge mit dem Alleweder-E. Jedoch konnte die Technologie auch auf zweirädrigre Fahrzeuge übertragen werden, die von vielen Herstellern in größeren Stückzahlen verkauft werden, jedoch immer noch sehr viel weniger als benzinbetriebene Fahrzeuge. Eine Sonderform ist das Segway mit zwei nebeneinander angeordneten Rädern.

Als Traktionsbatterien kommen zumeist Bleiakkumulatoren oder Nickel-Cadmium-Akkus zum Einsatz, und neuerdings werden auch Lithium-Ionen-Akkumulatoren erprobt. Typischerweise reicht der Energiegehalt der Akkus für den Betrieb mit einer Stunde Höchstgeschwindigkeit, so dass die Reichweiten der Leichtelektromobile bei maximal 50 bis 80 km liegen.

Eine Form der Leichtelektromobile sind Fahrzeuge für Gehbehinderte, die das Zufußgehen und Fahrradfahren ersetzen. Eine Sonderform ist auch das Segway mit zwei nebeneinander angeordneten Rädern.

Experimentalfahrzeuge und Konzeptautos

Mit die spektakulärsten Vertreter und auch aus technologischer Sicht besonders interessante Ableger sind die auf engl. sogenannten Tilting Three Wheelers (TTW), sich neigende dreirädrige Fahrzeuge.

Sogar Mercedes-Benz hat bereits 1997 ein solches Konzeptauto vorgestellt, den Mercedes F 300 Life-Jet. Hierbei handelt es sich um ein Trike, das sich in Kurven neigt. Es fährt auf Motorradreifen und bietet Fahrleistungen, die zwischen einem PKW und einem Motorrad liegen. Das Hardtop ist abnehmbar. In der Reihe sind weitere Experimentalfahrzeuge entstanden, die aber nicht alle in die Kategorie Leichtfahrzeuge fallen.

Der Shell-Konzern startet jedes Jahr einen Eco-Marathon, in dem Fahrzeuge mit einem Liter Benzin möglichst weit fahren sollen. Die Fahrzeuge sind alle Experimentalfahrzeuge, die mit Benzin, Wasserstoff, Solar oder Diesel betrieben werden. Der Verbrauch wird auf einen Liter Benzin umgerechnet. Der Sieger des Jahres 2005 kam mit einem Liter 3836 km weit. Das entspricht 0,00026 l/km bzw. 0,026 l/100 km. Dies wurde mit einem wasserstoffbetriebenen Fahrzeug der Schweizer ETH Zürich erreicht. Das beste dieselbetriebene Fahrzeug errang Platz 11 in der Gesamtwertung und erreichte 1807 km/l mit einem 4,2 PS starken Triebwerk. Das Fahrzeug wurde von der FH Offenburg ins Rennen geschickt.

HPV (Human powered vehicles) / Velomobile

Am radikalsten wird der Leichtbau bei mit Muskelkraft angetriebenen Fahrzeugen (Velomobile) vorangetrieben. Neben reinen Muskelkraft-Konzepten gibt es auch kombinierte Antriebe, wobei unterstützend ein Elektroantrieb zum Einsatz kommt (z. B. Aerorider, TWIKE).

Heutige Hersteller von Leichtfahrzeugen

Referenzen

  1. http://www.lepori.de/Fuehrerschein.htm, abgerufen am 19. Juni 2009
  2. http://www.agu.ch/pdf/Compatibility.pdf
  3. Unfallforschung der Versicherer (UDV) - Sicherheitsrisiko von Leichtkraftfahrzeugen.
  4. "Das Fahrverhalten beim Lenken von Leichtmobilen" im Auftrag der Universität Zürich, Ralf Risser et al., Universität Wien, am III. Leichtmobil-Symposium Wildhaus der Winterthur Unfallforschung, Februar 1993

Siehe auch

Weblinks


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