Leo Kirch

Leo Kirch

Leo Kirch (* 21. Oktober 1926 in Würzburg; † 14. Juli 2011 in München[1]) war ein deutscher Medienunternehmer.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Leo Kirch wurde als Sohn des Klempners und Nebenerwerbsweinbauern Robert Kirch und dessen Frau Katharina in Würzburg geboren und wuchs in Fahr am Main (heute Ortsteil von Volkach) auf. Er besuchte von 1932 bis 1940 die Volksschule in Fahr und anschließend von 1940 bis 1943 die Oberrealschule in Würzburg.

Im Juli 1943 wurde Kirch 17-jährig zur Flak eingezogen. Unter anderem war er an der Abwehr eines amerikanischen Bombenangriffes auf das fränkische Schweinfurt im Morgengrauen des 14. Oktober 1943 beteiligt. Im April 1945 desertierte er und kehrte nach Fahr zurück.

Nach dem Not-Abitur in Würzburg studierte er ab 1946 Mathematik und Physik an der Universität Würzburg. Im Juni 1950 wurde er der Universität verwiesen und begann danach ein Studium der Betriebswirtschaft an der Hochschule für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in Nürnberg. Ab 1952 war er Assistent an der Universität München und befasste sich bevorzugt mit den elektronischen Medien. Im Juni 1958 wurde er an der HfWS Nürnberg promoviert; Thema seiner Dissertation war Der Einfluß des Raumes auf die Reichweite des Verkehrs.

Im Jahr 1954 heiratete Kirch seine Kommilitonin Ruth Weigand. Aus dieser Ehe ging 1957 der Sohn Thomas Kirch hervor. Dieser war 1988 einer der beiden Gründungsgesellschafter des Fernsehsenders ProSieben, der der Nachfolger von Eureka TV war.

Kirch galt als öffentlichkeitsscheu, jahrelang gab es nur ein einziges bekanntes Foto aus großer Entfernung. Leo Kirch litt an Diabetes mellitus und war infolge dieser Krankheit nahezu erblindet. Als weitere Folge musste ihm im Dezember 2007 der linke Fuß amputiert werden.[2]

Leo Kirch starb am 14. Juli 2011 im Alter von 84 Jahren.

Filmrechtehändler

Als Filmrechtehändler stieg Leo Kirch seit den 1960er-Jahren zu einem der wichtigsten und einflussreichsten Medienunternehmer Deutschlands auf. Die Rechte für seinen ersten Film, La Strada von Federico Fellini, den er 1956 persönlich aus Italien holte, kaufte er mit von der Familie seiner Frau geborgtem Geld. Er baute ein komplexes und unübersichtliches Unternehmen mit zahllosen Tochterunternehmen und Beteiligungen auf.

Dazu gründete er 1955 die Firma Sirius Film und Einkauf GmbH, 1959 die BetaFilm und 1963 die TaurusFilm, die zum Vertrieb von Filmen und Fernsehprogrammen dienten. 1966 folgte die Gründung der Unitel und 1968 der IdunaFilm für Spiel- und Fernsehfilmproduktionen sowie 1975 die Gründung der Firma BetaTechnik, als Servicezentrum der KirchGruppe, und 1983 der TaurusVideo. Kirchs erste Großakquisition stellte 1985 eine 10 %-Beteiligung am Axel Springer-Verlag dar.[3]

Das ZDF war jahrzehntelang völlig von ihm abhängig und besaß keine eigenen Hollywood-Kontakte. Um sich nicht völlig von einem Filmhändler abhängig zu machen, wollte der Sender auch von anderen Firmen Filme kaufen, bis herauskam, dass auch diese Firmen zu Kirch gehörten. Als mit Aufkommen des Privatfernsehens der Sender Kirch als Konkurrenz auffasste und keine Geschäfte mehr mit ihm machte, liefen für einige Jahre keine Hollywood-Filme mehr im ZDF.

1983 erlebte Kirch einen Rückschlag, als die ARD in eigenen Verhandlungen ein großes und langfristiges Filmpaket von Metro-Goldwyn-Mayer und United Artists bzw. MGM/UA erwarb. Hierin waren u. a. die Filme der James-Bond-Reihe und etliche MGM-Knüller wie Das Appartement oder Eins, Zwei, Drei enthalten. Der Klassiker Vom Winde Verweht (USA 1939) war in diesem Paket übrigens nicht enthalten, denn nachdem Kirch damals gegen diese Absprache einen Rechtsstreit mit der ARD bzw. dem Studio angestrengt hatte, fielen einige MGM-Rechte an ihn zurück.

Die ARD hatte somit erstmals einen eigenen Output-Deal direkt mit einem Hollywood-Studio abgeschlossen. Die Lizenzrechte zwischen der ARD und dem Studio wurden 1997 für weitere zehn Jahre verlängert. MGM konnte aber durchsetzen, dass die im Rechtepaket enthaltenen Payrechte an MGM zurückfielen. 1997 schloss Kirch dann einen Lizenzvertrag für die MGM/UA Filme für das Bezahlfernsehen ab, ebenfalls auf zehn Jahre. Einige Free-Rechte im ARD-Paket sind inzwischen abgelaufen und nachdem MGM inzwischen zu Sony Pictures Entertainment gehört, gab es 2006 ein Abkommen zwischen ProSiebenSat.1 Media und MGM/SONY.

Medienunternehmen

1985 erwarb Leo Kirch eine Beteiligung am Axel-Springer-Verlag, Ende der 1980er-Jahre stieg er bei dem Fernsehsender Sat.1 ein, Mitte der 1990er-Jahre gründete er den Bezahlfernsehanbieter DF1 (heute Sky). Zu diesem Zeitpunkt kontrollierte Leo Kirch über seine verschiedenen Beteiligungen große Teile des deutschen und einen Teil des europäischen Medienmarktes.

Bereits in den 1990er Jahren gab es immer wieder Berichte über Finanzschwierigkeiten der Kirch-Gruppe bis zum Rande der Insolvenz. Gründe waren zu große Investitionen in das Bezahlfernsehen aufgrund einer Fehleinschätzung. In anderen Ländern Europas konnte Bezahlfernsehen gewinnbringend betrieben werden, weil es nur wenige frei empfangbare Kanäle gab. Kirch versuchte jedoch, seine Filmvorräte gleich in mehreren Sendern im Free-TV und auch auf Premiere zu vermarkten. Viele Filme und Serien wurden sogar zeitnah auf Premiere und einem FreeTV-Sender ausgestrahlt. Dieses Überangebot sorgte für schwache Absatzzahlen. Außerdem war der Premiere-Decoder leicht zu knacken, so dass es viele nicht zahlende Schwarzseher gab. Kirch investierte zusätzlich enorme Beträge in die Fußball-Bundesliga, was dazu beitrug, dass dort die Spielergehälter stark ansteigen konnten.

Im Jahr 2002 wurden erneut Zahlungsschwierigkeiten der Kirch-Gruppe bekannt. [4]

Im April 2002 musste die KirchMedia angesichts von über 7 Milliarden Euro Schulden und Verbindlichkeiten einen Insolvenzantrag stellen (AZ: 1502 IN 879/02). [5] In der Folge wurden deren einzelne Sparten zerschlagen.[6] Leo Kirch zog sich aus dem Unternehmen zurück, behielt aber umfangreiche Beteiligungen an Firmen in der Schweiz, die nicht in die Insolvenzmasse fielen.

Im Jahre 2002 verklagte Kirch die Deutsche Bank, da sie seiner Ansicht nach eine Schuld an der Insolvenz trägt. Diese Schuld soll sich aus der Äußerung von Rolf-E. Breuer, dem damaligen Vorstandssprecher der Deutschen Bank, herleiten. Breuer hatte im Fernsehen gesagt, es sei allgemein bekannt, dass Kirch keine Kredite mehr bekomme. Nach Auffassung Kirchs hat diese Äußerung die darauf folgende Kündigung seiner Kredite durch alle anderen Banken bewirkt. Nachdem der BGH am 24. Januar 2006 entschieden hat, hat Rolf E. Breuer am 3. Mai 2006 sein Mandat als Aufsichtsratsvorsitzender der Deutsche Bank aufgegeben.[7]

Nachdem im BGH-Urteil festgestellt wurde, dass nur der Tochtergesellschaft, die bei der Deutschen Bank den Kredit aufgenommen hatte (PrintBeteiligungs GmbH), nicht aber Kirch oder anderen Gesellschaften der KirchGruppe Schadensersatz grundsätzlich zusteht, reichte Kirch im Mai 2007 für behauptete Schäden der PrintBeteiligungs GmbH eine Leistungsklage gegen die Deutsche Bank in Höhe von zunächst 1,6 Milliarden Euro ein (Aktenzeichen: 33 O 9550/07). Im Wesentlichen geht es um die Springer-Aktien, die als Pfand für den Kredit dienten und nach der Kündigung des Kredits von der Deutschen Bank verwertet wurden. Die Klage wurde am 25. November 2008 durch Versäumnisurteil teilweise abgewiesen. Nach Einspruch von Kirch gegen das Versäumnisurteil wurde am 23. November 2010 erneut verhandelt. Die Klage wurde mit Urteil des Landgerichts München I vom 22. Februar 2011 insgesamt abgewiesen.[8] [9]

Eine KGL Pool GmbH hat im Dezember 2005 aus abgetretenem Recht von 17 Gesellschaftern der Kirch-Gruppe eine weitere Klage auf Schadensersatz gegen die Deutsche Bank und Herrn Breuer erhoben, die am 31. März 2009 vom Landgericht München I (Az: 33 O 25598/05) vollständig abgewiesen wurde.[10] Ein Berufungsverfahren war anhängig. Am 25. Februar 2011 wurde es vor dem Oberlandesgericht München mündlich verhandelt, welches feststellte, dass das Münchener Landgericht mit der Abweisung der Klage "wesentlich zu kurz gegriffen" habe.[11] Es schlug am 24. März 2011 einen Vergleich vor mit dem Betrag von 775 Millionen Euro, die Deutsche Bank lehnte ab.[12]

Comeback als Medienunternehmer

Im Oktober 2007 wurde bekannt, dass Kirch wieder in den Fernsehrechtehandel eingestiegen war: Mit seinem Unternehmen Sirius GmbH wollte er ab Sommer 2009 die Fernsehrechte der Fußball-Bundesliga vermarkten,[13] den Bundesligavereinen hat er dafür über sechs Jahre drei Milliarden Euro garantiert.[14] Der diesbezügliche Vertrag wurde jedoch auf Druck des Bundeskartellamtes am 25. September 2008 seitens der DFL wieder gekündigt.[15]

Die Leo Kirch zuzurechnende KF 15 GmbH hält darüber hinaus eine Beteiligung von 17,1 Prozent an der Constantin Medien AG (vormals EM SportMedia AG). Zur Constantin Medien gehören unter anderem der Fernsehsender Sport1 (vormals „Deutsches Sport Fernsehen“), das Internetsportportal Sport1.de und die Produktionsgesellschaft Plazamedia. Über eine weitere Beteiligung der Constantin Medien und der KF 15 GmbH hielt Kirch außerdem einen großen Anteil an Highlight Communications. Diese besitzen unter anderem einen hohen Anteil an dem Sportvermarkter TEAM und dem deutschen Kinoproduzenten Constantin Film.

Kirch und Kohl

Leo Kirch und Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl waren seit Jahrzehnten befreundet. Als Kohl nach der CDU-Spendenaffäre Freunde und Anhänger um Spenden in Höhe von 6 Millionen Deutsche Mark bat, um den finanziellen Schaden für die CDU zu beheben, gab Kirch die größte Spende (1 Mio. DM).[16] Kirch war auch Trauzeuge bei Kohls zweiter Hochzeit am 8. Mai 2008.

Literatur

Weblinks

 Commons: Leo Kirch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Medienunternehmer Kirch ist tot. Frankfurter Allgemeine Zeitung, abgerufen am 14. Juli 2011.
  2. Fuß-Amputation in der Uni-Klinik. Bild-Zeitung via T-Online, 15. Januar 2008, abgerufen am 14. Juli 2011.
  3. Leo Kirch. Who ist who, abgerufen am 14. Juli 2011.
  4. Der Ungeheure. die tageszeitung, 23. Februar 2002, abgerufen am 14. Juli 2011.
  5. Der Traum des Leo Kirch - Ein Imperium, sein Schöpfer und die Geschichte seines Untergangs. Süddeutsche Zeitung, 12. Juni 2002, abgerufen am 14. Juli 2011.
  6. Chronik: Geschichte eines Zerfalls. Süddeutsche Zeitung, 18. Juni 2002, abgerufen am 14. Juli 2011.
  7. Bundesgerichtshof: Bundesgerichtshof entscheidet über die Schadensersatzfeststellungsklage von Dr. Kirch gegen die Deutsche Bank AG und Dr. Breuer. Nr. 13/2006. Aktualitätendienst des Bundesrecht Juris.de, abgerufen am 14. Juli 2011.
  8. Kein Schadenersatz für Kirch. Pressemitteilung Nr. 04/2011. Landgerichts München I, 22. Februar 2011, abgerufen am 14. Juli 2011.
  9. Vollständiges Urteil des Landgerichts München I vom 22. Februar 2011. ZIP-Online.de, 22. Februar 2011, abgerufen am 8. August 2011.
  10. Landgericht München I: Kirch-Pleite vor Gericht - Urteil im Rechtsstreit mit der Deutschen Bank. Justiz Bayern, 31. März 2009, abgerufen am 14. Juli 2011.
  11. Prozess in München: Die deutsche Bank, Ihr Ex und Kirch. Süddeutsche Zeitung, 25. Februar 2011, abgerufen am 14. Juli 2011.
  12. Kirchs Erben machen weiter. FAZ.NET, 14. Juli 2011, abgerufen am 14. Juli 2011.
  13. Kirch vermarktet Fußball-Bundesliga. horizont.net, 10. Oktober 2007, abgerufen am 15. Juli 2011.
  14. Das Comeback des Leo Kirch. Focus, 9. Oktober 2007, abgerufen am 14. Juli 2011.
  15. DFL kündigt Vertrag mit Sirius. Bundesliga, 25. September 2008, abgerufen am 14. Juli 2011.
  16. Der Marktwert des Dr. Helmut Kohl. Berliner Zeitung, 10. März 2000, abgerufen am 14. Juli 2011.

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