Lew Sergejewitsch Termen


Lew Sergejewitsch Termen

Lew Sergejewitsch Termen, später Leon Theremin (russisch Лев Сергеевич Термен, wiss. Transliteration Lev Sergeevič Termen; * 15.jul./ 27. August 1896greg. in Sankt Petersburg; † 3. November 1993 in Moskau) war ein russischer Physiker und Erfinder. Er hat mit dem nach ihm benannten Theremin das erste Instrument erfunden, das elektronisch Töne erzeugt und gilt somit als Wegbereiter für später aufkommende Erfindungen wie Synthesizer oder Drumcomputer.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Theremin absolvierte das Sankt Petersburger Konservatorium im Fach Cello und studierte anschließend Physik an der Universität in seiner Heimatstadt. Ab 1919 leitete er das physikalisch-technische Institut in Petrograd und kooperierte seit 1923 dabei eng mit dem Moskauer Institut für Musikwissenschaften. 1919/1920 erfand er das Theremin im Labor für elektrische Schwingungen. Zu diesem Zeitpunkt nannte er es noch Ätherophon. Zwei Jahre später wurde das Theremin in Moskau präsentiert.

Eine dem Theremin ähnliche Anordnung konnte zur Überwachung wertvoller Gegenstände in Museen und zur Annäherungskontrolle an Eingängen verwendet werden. Auch Metall- und Minensuchgeräte arbeiten nach dem Prinzip des Theremins.

In den 1920er Jahren entwickelte er das Fernsehen weiter und konnte die Auflösung der Fernsehbilder signifikant erhöhen. Dazu ersetzte Theremin die Löcher in der Nipkow-Scheibe durch Spiegelanordnungen und erreichte 1927 bereits Übertragungen bei Tageslicht und Bilder mit 100 Zeilen auf großflächigen Projektionen. Allerdings wurden seine Ergebnisse nicht publiziert, sondern vom sowjetischen Geheimdienst zur Personenüberwachung genutzt. (Der bekannte Weltrekord war damals 48 Zeilen.)

Ab 1927 ging Termen mit dem Theremin auf Welttournee und begeisterte mit seiner „Geistermusik“ das Publikum. Im Zuge dessen ließ sich Termen 1928 in New York nieder. In den USA wurde das Theremin patentiert und die Produktionslizenz an RCA verkauft, die das Gerät nun herstellten. Termen amerikanisierte seinen Namen und nannte sich Leo(n) Theremin. In New York baute Theremin eine Art Science-Fiction-Studio auf, in dem er reiche Sponsoren und Gönner mit neuesten, für die damalige Zeit revolutionären, „Spielsachen“ zu beeindrucken pflegte.

1938 kam Theremin unter ungeklärten Umständen nach Russland zurück, wo er nach kurzer Zeit wegen antisowjetischer Propaganda verhaftet und zu einer zehnjährigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Zunächst kam er nach Sibirien in ein Gulag, später in eine Akademie für gefangene Wissenschaftler in Moskau, wo er an der Entwicklung von Flugzeugen teilnahm. Nach der Auflösung dieser Gruppe beschäftigte er sich, noch im Gefängnis, wieder mit eigenen Entwicklungen. Er entwickelte verschiedene Wanzen. Nach der Erfindung einer der ersten Wanzen für den KGB erhielt er den Stalinorden Erster Klasse. Er hatte nun die Möglichkeit, sein Gefängnis zu verlassen, bevorzugte es aber, vorerst in gewohnter Umgebung weiterzuarbeiten. Nach seiner Entlassung arbeitete er zunächst weiter für den sowjetischen Geheimdienst.

Lange Zeit herrschte in westlichen Ländern die Meinung vor, er sei bereits 1938 verstorben. Dabei schien er für längere Zeit praktisch aus der Geschichte verschwunden zu sein.

1963 wurde Theremin Direktor der Abteilung für akustische Forschung am Konservatorium in Moskau. Vier Jahre später wurde er an die Physikalische Fakultät der Universität Moskau versetzt.

1990 trat er in die KPdSU ein, kurz vor deren Auflösung. Frühere Aufnahmeanträge waren abschlägig beschieden worden, zunächst wegen seiner Auslandstätigkeit, später wegen seiner Verhaftung, dann wegen seines Alters.

Anfang der 1990er Jahre wurde er international geehrt und führte sein Theremin auf verschiedenen Reisen vor.

Im Alter von 97 Jahren starb Leon Theremin, der „sowjetische Faust“, wie er in der Biografie von Bulat Galejev genannt wurde, am 3. November 1993 in Moskau.

Einige Erfindungen Theremins

  • Termenvox - das klassische Theremin (1919-1920)
  • Alarmanlagen, die auf dem Theremineffekt beruhen (1920er Jahre)
  • Lichttheremin - reagiert auf Helligkeitsunterschiede (1923)
  • Fernsehsysteme - Nipkowscheibe mit Spiegeln statt mit Löchern (ca. 1925)
  • Terpsiton - Plattform um Tanz in Töne umzuwandeln (1932)
  • Theremincello - ein elektronisches Cello ohne Saiten (ca. 1930)
  • Rhythmicon - eine Art früher Drumcomputer (1932)
  • Polyphones Theremin (ca. 1960)
  • Harmonium (1930-er ... 1960-er)
  • Visualisierung des räumlichen Griffbretts des Theremins (Termenvox)

Literatur

  • Булат Галеев: Советский Фауст : Лев Термен - пионер электронного искусства (Bulat Galejev: „Ein sowjetischer Faust: Lew Termen - ein Pionier der elektronischen Kunst“)
  • Albert Glinsky: Theremin: Ether Music and Espionage (Theremin: Äthermusik und Spionage)

(Beide Bücher sind nicht in deutscher Sprache erschienen.)

Quellen

Siehe auch

Video

Weblinks


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