Liberalkatholische Kirche


Liberalkatholische Kirche

Die Liberalkatholische Kirche (LKK) ist eine in ihrer Theologie stark von der Theosophie beeinflusste christliche Kirche. So war und sei die LKK bis heute eine okkulte Tochterorganisation der Theosophischen Gesellschaft Adyar.[1] Die Kirche ist nicht mit der Römisch-Katholischen Kirche oder der Alt-Katholischen Kirche zu verwechseln.

Inhaltsverzeichnis

Verbreitung

Nach adherents.com hatte die liberalkatholische Kirche 1990 weltweit etwa 3000 Mitglieder.[2] In Deutschland hat sie nach eigenen Angaben vier Gemeinden, in Österreich eine, in der Schweiz ist die liberalkatholische Kirche nicht vertreten. Der Religionswissenschaftler Georg Schmid gibt für Deutschland 200 Mitglieder an.[3]

Geschichte

Die rein esoterische Kirche wurde im Jahre 1916 von den beiden Theosophen James Ingall Wedgwood (1883–1951) und Charles Webster Leadbeater in England gegründet. Die Grundidee zur Gründung der Liberalkatholischen Kirche stammte von Eliphas Levi, der aber bereits vor der Gründung der Theosophie im Jahre 1875 starb, dennoch auf die moderne Esoterik und den Okkultismus einen großen Einfluss hatte. Das Motiv für die Kirchengründung sei das Bestreben gewesen, trotz der Haltung der Theosophische Gesellschaft Adyar gegenüber den Kirchen, Kirchenanhänger zu gewinnen.[4][5] Wedgwood, der zuvor anglikanischer Geistlicher war, wurde am 22. Juli 1913 durch Arnold Harris Mathew in der Alt-Katholischen Kirche in England ordiniert.

Auf einer Synode am 6. September 1918 in London einigten sich die Anwesenden Priester und Bischöfe, darunter Wedgwood als Vorsitzender Bischof, auf einen neuen Namen für ihre reorganisierte Alt-Katholische Kirche und nannten diese schließlich The Liberal Catholic Church = Liberalkatholische Kirche (LKK). In den folgenden Jahren war Wedgwood viel unterwegs, er konsekrierte zahlreiche Priester und Bischöfe und eröffnete viele Zentren für die schnell wachsende LKK.

Vorsitzende Bischöfe der Liberalkatholischen Kirche [6], [7], [8]
Zeitraum Name
6. September 1918 – 2. April 1923 James Ingall Wedgwood
2. April 1923 – 1. März 1934 Charles Webster Leadbeater
26. Juli 1934 – 26. Januar 1956 Frank Waters Pigott
10. Mai 1956 – 1. November 1964 Adriaan Gerard Vreede
9. November 1964 – 8. Juni 1973 Hugh Baronnet Sykes
8. Juni 1973 – 9. September 1984 Sten Herman Philip von Krusenstierna
9. September 1984 – 16. April 1992 Eric Scollick Taylor
16. April 1992 – 15. April 1999 Johannes Cornelius van Alphen


Konservativ Reformfreudig
Zeitraum Name Zeitraum Name
18. April 2000 – 25. Dezember 2005 Ian Richard Hooker 9. Juni 2003 – 14. Juni 2005 Tom Degenaars
seit 25. Dezember 2005 Graham Sidney James Wale seit 25. Juni 2005 Maurice Henri Joseph Ghislain Warnon

Von 1933 bis zum Verbot 1937 nannte sich die LKK „Freie katholische Kirche“.[9] Seit 1945 gibt es in der liberalkatholischen Kirche zwei Zweige, die Liberal Catholic Church International (LCCI), hauptsächlich in den USA und die Liberal Catholic Church (LCC), hauptsächlich in Europa. [10]

Liberalkatholische Kirche USA (LCCI)

In der LCCI sind die theosophischen Glaubenssätze wie Reinkarnation fakultativ, ebenso vegetarische Ernährung. In der Liturgie können Traubensaft und Wein verwendet werden. Frauen können durch Zulassung der Frauenordination alle kirchlichen Ämter innehaben, homosexuelle Menschen können Priester werden und Priester können ein Gehalt beziehen. [11]

Liberalkatholische Kirche Europa (LCC)

In der LCC sind die theosophischen Glaubenssätze fester Bestandteil der Lehre. Es gibt keine Frauenordination, worüber in der Kirche gegenwärtig debattiert wird, und Priester dürfen kein Gehalt beziehen. Vegetarische Ernährung und Traubensaft in der Liturgie sind obligatorisch.

Beziehungen zur Ökumene

Die liberalkatholische Kirche gehört keiner ökumenischen Gemeinschaft an.

Sie erkennt Taufe und Weihen anderer christlicher Kirchen nicht an, und ihre Taufe und Sakramente werden von den übrigen christlichen Kirchen nicht anerkannt. Bisherige Kirchenmitgliedschaften der LKK-Mitglieder können jedoch beibehalten werden.

Gnostische Kirche

Die Liberalkatholische Kirche wird zu den Gnostischen Kirchen gezählt. „Gnostische Kirchen“ sind Kirchen neuerer Gründung, die sich auf gnostisches Gedankengut berufen, und zu den Anschauungen der herkömmlichen Kirchen oft im Widerspruch stehen. Das Selbstverständnis, eine „Gnostische Kirche“ zu sein, kommt auch in dem Anspruch der liberalkatholischen Kirche zum Ausdruck, zu einer „Gemeinschaft von befreiten Heiligen“ zu gehören. Die Mitglieder dieser Gemeinschaft der Befreiten, die auch als „Weiße Bruderschaft“ bezeichnet wird, seien dem Kreislauf der Inkarnationen entstiegen, senden aber zu gewissen Zeiten bereits befreite Mitglieder dieser „Weißen Bruderschaft“ zur Erde. Der Auftrag dieser freiwillig Inkarnierten bestehe darin die Menschen auf den Pfad der Befreiung zu führen. Den eigenen Mitgliedern werden Hilfe und Beistand auf deren Weg zur Vervollkommnung versprochen, um ihnen Heilsgewissheit und Erkenntnis der „wahren Gnosis“ zuteilwerden zu lassen.[12][13]

Lehre

Die Lehrinhalte der Liberalkatholischen Kirche stammen aus dem Gedankengut verschiedener Religionen, besonders aus dem Katholizismus und dem Buddhismus. Einen maßgeblichen Einfluss auf die Doktrin der LKK hatte der Theosoph Franz Hartmann durch seine Schrift „Was ist Theosophie“ ausgeübt, in der er dem Katholizismus eine gewisse Form einer Geheimschule der Theosophie zusprach. Die Gottheit der liberalkatholischen Kirche sei wesenseins mit dem das All durchdringenden Brahman der Veden und offenbare sich durch die „2. Person“ der Gottheit in der imaginierten Gestalt des Logos oder Demiurgos, der als Baumeister und Instandhalter des Weltalls angesehen wird.[14][15][16][17]

Verhältnis zum Christentum

Es bestehen keine Verbindungen der Liberalkatholischen Kirche zu den bekannten christlichen Kirchen, da die Differenzen zu groß seien. Christliche Kirchen sehen ihre Aufgabe in der Verkündigung des Evangeliums von Jesus Christus und nicht in der Weitergabe theosophischer Erkenntnisse. So sei die christliche Lehre der Erbsünde und deren Rechtfertigung durch den zentralen christlichen Schlüsselbegriff der Gnade in der LKK verpönt.[18]

Siehe auch

Quellen

  1. Karl R. H. Frick: Licht und Finsternis. Gnostisch-theosophische und freimaurerisch-okkulte Geheimgesellschaften bis zur Wende des 20. Jahrhunderts. Marix Verlag GmbH Wiesbaden 2005. ISBN 3-86539-044-7. Seite 314.
  2. adherents.com
  3. Georg Schmid: Kirchen, Sekten, Religionen. 2003
  4. Horst E. Miers: Lexikon des Geheimwissens. Goldmann Verlag, München 1993, ISBN 3-442-12179-5. Seite 380 und S. 382
  5. Rudolf Passian: Licht und Schatten der Esoterik. Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. München 1991, Seite 72
  6. Liberalkatholische Apostolische Nachfolge: http://LIBERALKATHOLISCHEKIRCHE.ORG/Sukzession.html
  7. Die Kirche, Blatt der Liberalkatholischen Kirche für dir Kirchenprovinz Mitteleuropa: http://LIBERALKATHOLISCHEKIRCHE.ORG/DieKirche.html
  8. The Liberal Catholic, Magazine: http://TheLiberalCatholicChurch.org/TLC/
  9. Horst E. Miers: Lexikon des Geheimwissens. Goldmann Verlag, München 1993, ISBN 3-442-12179-5. Seite 380 und S. 382-283
  10. Zu den Unterschieden zwischen LCCI und LCC (englisch)
  11. Liberalkatholische Kirche
  12. Gasper, Müller, Valentin: Lexikon der Sekten, Sondergruppen und Weltanschauungen. Verlag Herder Freiburg im Breisgau 1994, Seite 606, ISBN 3-451-04271-1
  13. Horst E. Miers: Lexikon des Geheimwissens. Goldmann Verlag, München 1993, ISBN 3-442-12179-5. S. 251-252 und Seite 382-383
  14. Karl R. H. Frick: Licht und Finsternis. Gnostisch-theosophische und freimaurerisch-okkulte Geheimgesellschaften bis zur Wende des 20. Jahrhunderts. Marix Verlag GmbH Wiesbaden 2005. ISBN 3-86539-044-7. Seite 314.
  15. Gasper, Müller, Valentin: Lexikon der Sekten, Sondergruppen und Weltanschauungen. Verlag Herder Freiburg im Breisgau 1994, Seite 606, ISBN 3-451-04271-1
  16. Horst E. Miers: Lexikon des Geheimwissens. Goldmann Verlag, München 1993, ISBN 3-442-12179-5. Seite 380 und S. 382-283
  17. Rudolf Passian: Licht und Schatten der Esoterik. Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. München 1991, Seite 72 und 167
  18. Horst E. Miers: Lexikon des Geheimwissens. Goldmann Verlag, München 1993, ISBN 3-442-12179-5. Seite 380 und S. 382-283

Weblinks


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