Liesthal


Liesthal
Liestal
Wappen von Liestal
Basisdaten
Kanton: Basel-Landschaft
Bezirk: Liestal
BFS-Nr.: 2829Vorlage:Infobox Ort in der Schweiz/Gemeinde
PLZ: 4410
UN/LOCODE: CH LTL
Koordinaten: (622338 / 259290)47.4847.735327Koordinaten: 47° 29′ 2″ N, 7° 44′ 6″ O; CH1903: (622338 / 259290)
Höhe: 327 m ü. M.
Fläche: 18.21 km²
Einwohner: 13'458
(31. Dezember 2008)[1]
Website: www.liestal.ch
Karte
Karte von Liestal

Liestal (schweizerdeutsch: [ˈliəʃdl]), früher Liesthal, ist eine politische Gemeinde im Bezirk Liestal des Kantons Basel-Landschaft in der Schweiz.

Sie liegt 17 Kilometer südöstlich von Basel. Als Kantonshauptort und Bezirkshauptort ist sie Sitz von kantonalen Behörden, Gerichten und Verwaltungen.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Lage und Nachbargemeinden

Liestal liegt mitten im Ergolztal durchschnittlich auf 327 m ü. M. Der tiefste Punkt befindet sich an der Ergolz im Niederschöntal mit 287 m ü. M., der höchste Punkt ist der Aussichtsturm auf dem Schleifeberg auf 614 m ü. M. [2]

Die Fläche beträgt 1821 Hektar (ha), davon sind 1077 ha Wald, der zum grössten Teil im Besitz der Bürgergemeinde ist. Mit 1821 Hektar ist Liestal die grösste Gemeinde des Kantons. [2]

Bestimmender Wasserlauf im Gemeindegebiet von Liestal ist die Ergolz, welche in Geissflue entspringt und durch Sissach, Liestal und Füllinsdorf bis zur Mündung in den Rhein durchfliesst.

Die Stadtgrenze ist 26,5 Kilometer lang. Nachbargemeinden sind:

Bis 1851 war Liestal um 400 Jucharten (ca. 150 Hektar) grösser und grenzte auch an Muttenz und Gempen SO. Das betreffende Gebiet (mit der Ruine Schauenburg und der Schauenburger Flueh) wurde damals an Frenkendorf abgetreten.

Liestal ist der Mittelpunkt der Agglomeration Liestal, zu der auch Frenkendorf, Füllschdorf und Lause gehören.

Klima

„Jahrhundertschnee“ im März 2006

Liestal hat für Schweizer Verhältnise ein mildes Klima mit einer Jahrestemperatur von durchschnittlich 10.1 °C. Im Januar sind es 2.1 °C, im Juli 20.8 °C. Die jährliche Niederschlagshöhe beträgt 933  Millimeter, fast ausschliesslich als Regen, da es Schnee sehr selten gibt. Es gibt etwa 24 Nebeltage im Jahr, die meisten mit Hochnebel. [2]

Die Winter sind in der Regel für die Breitengrade eher mild und es hat auch nur an sehr wenigen Tagen Schnee. Eine Ausnahme bildete das Jahr  2006: Beim „Jahrhundertschnee“ vom 4. auf den 5. März ist innert 24 Stunden ein halber Meter Schnee gefallen. In den letzten Jahren sind die Sommer mit lang anhaltenden Hitzeperioden von über 30 °C häufiger geworden. [2] Dabei liegen die Temperaturen ein wenig niedriger als in der Stadt Basel, wo sie etwa 18,1° Celsius im Jahr betragen.

Bevölkerung

Offiziell leben in Liestal rund 13'362 Personen (Stand April 2007). 25 % der in Liestal gemeldeten Einwohner, das sind 3'325 Personen, besitzen keinen Schweizer Pass. Im Kanton Zürich besitzen 30% keine schweizer Pass. 2000 waren 21,5 % der Einwohner jünger als 19 Jahre. Zwischen 20 und 64 Jahren sind rund 62,5 % der Einwohner. Älter als 64 Jahre waren 16,0 % der Einwohner. [3]

Sprachen

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1900 5'403
1950 8'449
1980 12'158
1990 12'853
2000 12'930
2009 13'417

Die Amts- und Verkehrssprache Deutsch, welche im alltäglichen Umgang überwiegend als Baseldeutsch gesprochen wird, benutzen gemäss der Volkszählung 2000 83.2 % der Einwohner als Hauptsprache. Die zweithäufigste Sprache ist Italienisch mit 5,1 % und die dritthäufigste ist Serbokroatisch mit 2,1 % der Bevölkerung.

Religionen, Konfessionen

Heute sind die Evangelisch-Reformierten mit 40.4 Prozent die grösste Religionsgruppe, erst an zweiter Stelle folgt die römisch-katholisch Kirche mit 26.4 Prozent.

Nebst den bereits genannten religiösen Strömungen gibt es in Liestal auch eine Vielzahl von freikirchlichen Gemeinden und kleineren Glaubensgemeinschaften. So existieren Versammlungsorte der folgenden Gemeinschaften: Chrischona-Gemeinde, Evangelisch-methodistische Kirche, Evangelische Täufergemeinde, Freie Evangelische Gemeinde, Freie Missionsgemeinde, Heilsarmee, Pfingstgemeinde Liestal, Missione Cattolica Italiana – Italienische Mission der Katholischen Kirche und verschiedene freie Gemeinden.

Immer mehr Menschen in Liestal bezeichnen sich zudem als konfessionslos; der Anteil der Konfessionslosen (15.5 Prozent) und derjenigen ohne Angabe einer Konfession (2.1 Prozent) war im Jahr 2000 zusammen bei 17.6 Prozent. Rund 15.0% gehörten anderen Glaubensrichtungen an.

Der Name Liestal

Die erste urkundliche Erwähnung von Liestal

Die erste urkundliche Erwähnung von Liestal findet sich in einer Urkunde vom 17. April 1189. Der Bischof Heinrich I. von Basel liess das Kloster Schöntel in Langenbrugg neu bevölkern und bestätigt die Rechte und Besitztümer vom Kloster. In einer langen Liste wurde auch den Namen «Volmar villicus de Lihstal» genannt, also eine Art Dorfvorsteher. Nähere Studien haben aber ergeben, dass die Urkunde um das Jahr 1218 entstanden ist und wurde dann vordatiert. Damit ist die eigentlich erste urkundliche Erwähnung von Liestal 1218 erfolgt. 1226 wurde der Ort bereits wie in der heutigen Schreibung als Liestal erwähnt.

Etymologie des Ortsname

Für die Erklärung des Name Lihstal hat es verschiedene Ideen gegeben und gibt es zum Teil noch immer:

  • Liustatio, römischer Wachposten zum Schutz von der (Römer-) Strasse, von liu-statio (althochdytsch liustal)
  • Lieschtal, der Ort an dem Liesche (Riedgras) wachst (wie zum Beispiel die sumpfige Gegend vom speetere Weyer)
  • Lucistabulum, Haus von einem römischen Siedler namens Lucius
  • Liubherestal, der Besitz von einem Alemann namens Liubirih
  • Liecht-Stall, nach der Neuerbauung des Ortes nach dem Erdbeben von 1356 (1398 Erwähnung vom Ort als Liechtstal)

Langer Favorit war «dr Ort, wo Liesche wachst» gewesen, denn in den zeitgenössischen Quellen wird Liestal 1302 als Linstal und 1376 als Lieschtal angegeben, was sehr deutlich auf Liesche hinweist. Seit man in neuster Zeit aber erkannt hatte, dass Liestal höchstwahrscheinlich auf einem spätrömischen Kaschtell basiert, ist die Variante «Liustatio», wo schon vor der Entdeckung aus rein etymologieschen Gründen postuliert worden ist, ebenfalls sehr plausibel. Die Variante Liecht-Stall dürfte falsch sein, da Lihstal schon 1198/1218 belegt worden ist, über 100 Jahr vor dem Erdbeben. Trotzdem haltet sich die Theorie in der Bevölkerung hartnäckig, gelegentlich auch als Aufblühen der Stadt noch einer Pestepedemi (statt des genannten Erdbeben).

Geschichte

La Hoguette-Kultur

In der Gegend rund um Liestal haben schon in der Steinzeit Menschen gelebt. Entsprechend sind auch ein paar bearbeitete Silex (Feuersteine) gefunden worden - wie übrigens an vielen anderen Orten in der Region auch. Im Mai 2001 hat sich aber eine mittlere archäologische Sensation ereignet: Beim Bau von der Hurlistrasse am Schleifeberg sind mehrere sogenannte „Dickenbännlispitzen“ gefunden worden. Das sind eine Art kleine Bohrer aus Silex, welche um 4000 v. Chr. gebraucht worden sind. Solche Silexstücke sind in der Nordwestschweiz schon über 100 Mal gefunden worden und sind daher nicht etwas besonderes. In der Nähe hat man aber weiter Silexgeräte gefunden, unter anderem eine asymmetrische Pfeilspitzen aus Silex und eine geschliffene Meissel aus Felsgestein, welche älter aussehen als Dinge aus der Jungsteinzeit. Kurz danach sind Keramikscherben gefunden worden, welche aussen rotbraun, innen aber schwarz gebrannt sind, dazu sind sie mit kleinen Einstrichen verziert gewesen. Solche Scherben sind das erste Mal in La Hoguette einem Dorf im französische Calvados in den 1960 Jahr gefunden worden und auf die Zeit zwischen ca. 5500 und 5000 v. Chr. datiert worden - also in der Mittelsteinzeit. Die Funde in Liestal sind eindeutig auch der sog. La-Hoguette-Kultur zugeordnet worden. Da man der Ursprung von dieser Kultur im spanisch-französischen Mittelmeerraum vermutet, handelt sich es bei den Funden von Liestal um die östlichsten von allen La-Hoguette-Funde. Auch wenn sich bis zu den Römer keine eindeutigen Spuren mehr finden lassen, muss man davon ausgehen, dass die Gegend von Liestal seit ca. 7'000 Jahr praktisch ununterbrochen bevölkert gewesen war.

Römerzeit

Der grösste Teil aller Bodenfunde (5000 vor bis circa 1000 nach Christus) in Liestal geht auf die Römer zurück. Da die Römer relativ spät nördlich der Alpen siedelten, beginnt die Römerzeit in Liestal etwa von Christi Geburt an. Namentlich sind vier römische Bauwerke bekannt: Die Villa Munzach, die Wasserleitung, ein Kastell in der Altstadt und eine Strasse.

Knapp sechs Kilometer von Liestal entfernt findet sich die Ruine der antiken römischen Grossstadt Augusta Raurica, welche ca. 15 v. Chr. gegründet worden ist und in ihrer Blütezeit gut 10'000 Einwohner gehabt hat. Entsprechend haben die viel Trinkwasser gebraucht. Das hat man mit einer über sechs Kilometer lange Wasserleitung höchstwahrscheinlich von der Ergolz transportiert. Die Leitung ist wahrscheinlich um 75 n. Chr. erbaut worden. Die Wasserfassung von der Ergolz ist höchstwahrscheinlich an der Grenze von Liestal zu Lause circa bei der Cheddite erfolgt. Von dort aus ist es ganz unten am Hang vom Schleifeberg entlang in einem gemauerten Gewölbe - knapp mannshoch und gut mannsbreit - mit einem stetige Gefälle von über anderthalb Promille noch Augusta Raurica geführt worden. Die Wasserleitung ist - von der Ausdehnung her - die grösste erhaltene römische Anlage von der Schweiz. Durch die Besiedlung sind grosse Teile von der für die Ewigkeit erbaute Wasserleitung zerstört worden, allerdings sind auf Liestaler Boden noch immer grössere Teilstücke intakt - und au weitgehend nach 2000 Jahr immer noch wasserdicht! Erhalte und begehbar sind das im Jahr 1896 entdeckte Teilstück am Zirkelrain (Heideloch) wie aus 1996/1997 freigelegte Stück im Weideli (Obere Burghaldeweg). Weitere Teilstück sind erhalten geblieben, aber unterirdisch belassen worden und nicht zum besichtigen. Dass im Liestaler Boden ein uraltes „Loch“ existiert, ist im Volks seit jeher bekannt gewesen, nicht um sonst heisst das Quartier unten am Schleifenberg seit alters her Heideloch.

Die Ruine von der römischen Villa

Seit langem ist bekannt, dass es im heutigen Goldbrunnenquartier früher ein eigenes kleines Dorf - Munzach - gegeben hat. 1949 hat man in diesem Gebiet beim Neyfasse von der Munzachquelle ein Haufen Süüle- und Ziegeltrümmer gefunden. Unter der Leitung vom Theodor Strübin (1908–1988) hat seine Schulklasse noch weitere Spuren gesucht. Im Herbst 1950 ist man dann auf die Fundamente von einer riesigen, ursprünglichen prachtvolle und bis dato völlig unbekannte römische Villa gestossen. Auch wenn die Anlage nur in Teil freigelegt worden ist (Ausgrabungen bis 1974), muss man von einer Länge von 350 Meter und einer Breite von 160 Meter ausgehen. Die Villa dürfte am Anfang vom 1. Jahrhundert n. Chr. gebaut worden sein und ist denn ständig erweitert worden. So stamme die prächtigen Mosaik von circa 220 n. Chr. Die Villa ist ein Aussenposten von Augusta Raurica und muss einer sehr vermögenden römischen Familie gehört haben. Im 4./5. Jahrhundert n. Chr. ist die Villa wahrscheinlich aufgegeben worden, aufgrund vom Zusammenbruch des römischen Reich. Das Gebäude dürfte aber weiter genutzt worden sein und die Entstehung vom Ort Munzach dürfte unmittelbar auf die römische Villa zurück gehen.

In spatrömischer Zeit, wahrscheinlich irgendwann im 4. Jahrhundert n. Chr., ist im Gebiet von der heutigen Stadtkirche ein römisches Kastell erbaut worden, welches wahrscheinlich der Weg über der Hauenstein bewacht hat. Über das Kastell ist so gut wie nichts bekannt, und die Existenz lässt sich auch nur indirekt nachweisen: So ist der heutig Kirchenhof sehr untypisch für eine mittelalterliche Siedlung wie Liestal. Allerdings stimmt der Platz mit seiner fast rechteckigen Form und seinen vier vis-a-vis gelegenen Zugängen komplett überein mit dem spätrömischen Kastell von Ingehause (Pfäffikon ZH) und Schaan FL. Aus dem Kastell aus dürfte sich mit einer wahrscheinlich im 9. Jahrhundert baute Kirche im Zentrum der Siedlung von Liestal entwickelt haben. Über die Kastellgrenze aus dürfte man sich aber erst im 12. Jahrhundert gewagt haben.

Ausgrabungen an der Burg- und Langhagstrasse haben belegt, dass die Römerstrasse von Augusta Raurica über den Hauenstein durch Liestal verlaufen ist. Klare Spuren, wie z.B. in Langenbrugg, gibt es aber nicht. Wahrscheinlich hat die Strasse beim heutigen Steinbrücke die Franke überquert, ob die heutig Brücke auf die Römer zurück geht, lässt sich nicht mehr feststellen.

Liestal auf dem Weg zur Stadt

Munzach

Noch vor der Erwähnung von Liestal wurde Munzach (heute das Goldbrunnenquartier) 825 als Munciacum urkundlich erwähnt. Dieser Ort geht auf die römische Villa Monciacum zurück und dürfte circa im 6. Jahrhundert entstanden sein. Es ist unklar, ob Munzach oder Liestal älter sind, da das spätrömische Kastell im Kirchenhof auf das 4. Jahrhundert zurück geht. Verfolgt man aber die Theorie, dass vor der Erbauung der römischen Villa eine kleine keltische Siedlung existiert hatte, wäre Munzach älter. Wahrscheinlich dürfte sowohl in Munzach wie auf dem Kastell der Übergang von den Römern zu den einfallenden Alemannen fliessend gewesen sein. Bereits im 14. Jahrhundert ist Munzach aufgegeben worden. Die St. Lorenz Kirche von Munzach ist aber erst 1765 abgebrochen worden. Munzach ist im 1. Jahrtausend n. Chr. ein Wallfahrtsort gewesen, will der Sag nach in Munzach die heilige Maria – die Mutter von Jesus Christus – erschien, und dort, wo sie auf den Boden gezeigt hatte, sei Wasser von arg prächtiger Qualität aus dem Boden gesprudelt. Der Quartiername „Goldbrunnen“ dürfte auf die Sage zurück gehen. Neben Munzach ist auch belegt, dass vom 9. bis 11. Jahrhundert im Rösertal ein Gewerbegebiet existiert haben muss. Auf der Burghalde thront zudem eine erst teilweise erforschte ausgedehnte Festungsanlage aus der Jahrtausendwende.

Aus dem römischen Kastell wird eine Stadt

Wahrscheinlich im 7./8. Jahrhundert ist in der Mitte vom Kastell die Stadtkirche St. Martin gebaut worden und das Kastell hatte sich zu einer alemannische Siedlung entwickelt, ähnlich wie ein Dorf, aber viel stärker befestigt aufgrund des römischen Ursprungs. Wahrscheinlich hatte sich etwa im 11. Jahrhundert die Siedlung über den Kastellmauern ausgebreitet mit einem sog. Freihof (Curtis), etwa dort, wo heute das Regierungsgebäude steht. Genaueres weiss man nicht, weil im 14./15. Jahrhundert das Gebiet rund um der Kirchenhof abgeändert worden ist und dabei die frühmittelalterliche Spuren vernichtet worden sind. Seine weitere und bald rasante Entwicklung verdankt Liestal seiner verkehrsgünstigen und strategisch wichtigen Lage an der Strassengabelung von den beiden Hauensteinpässe. Zudem ist der Ort auf einem natürlichen kleinen Terrassesporn gelegen. Nach der Eröffnung vom Gotthardpass und dem Bau von der ersten Rheinbrücke in Basel erkenne die Freiburger die Wichtigkeit von Liestal und der Möglichkeit von der Kontrolle vom Nord-Süd-Verkehr. Der Hartmann IV. von Froburg baut Liestal um 1240 die befestigte Stadt aus und macht sie zu einem sicheren Etappenort zwischen Nord und Süd. Liestal bekommt schnell Mauern, Türme und Tor. Der Markt wird vom offene „Altmärt“, in der Nähe vom Zusammenfluss von der Ergolz und der Frenke, in die sichere Stadt verleit. Fürs Jahr 1296 erscheint Liestal als „oppidum“, also als Ort mit Marktrechten, verwaltet von einem Schultheiss, gesichert durch eine massive Stadtmauer mit Türmen und Tor. Die Sicherheit von der Stadt hatte der Bevölkerung von Munzach und Lause-Bettenach in die neue Stadt gelockt; Munzach und Lause-Bettenach sind bald darauf aufgegeben worden.

Die mittelalterliche Stadt unter der Knechtschaft von Basel

Um 1300 ist durch Erbteilung die Macht von den Freiburger zerfallen. Schon 1265 ist Liestal an die Homburger, einen Seitenast von den Froburgern, gegangen. 1303 ist die Linie aber ausgestorben und 1305 hatte der Bischof von Basel das Städtchen gekauft. Unter der Herrschaft vom Bischof bekommen die Liestaler weitgehende Selbstständigkeit. Sie müssen sich aber damit abfinde, dass der Bischof ihren Ort ständig anderen Herren verpfändet, welchen dann wieder mal mehr Mal weniger zu gehorchen ist. Das Basler Erdbeben von 1356 hatte auch vieles Liestal zerstört, es wird darauf nur langsam wieder aufgebaut. 1374 hatte der Bischof von Basel Liestal mit Waldenburg und Homburg zusammen am Herzog Leopold von Österreich verpfändet. Dieser hatte sie aber bald dem Graf von Thierstei überlassen. Als dieser 1381 das Pfand nicht hatte zurück geben wollen, hatte der Herzog Liestal eingenommen und das Städtchen verbrennt. Noch im gleichen Jahr löste der Bischof das Pfand aber wieder ein und gibt Liestal neue Rechte. 1400 kaufte die aufstrebende Stadt Basel dem Bischof, welcher immer Schulden hatte, Liestal ab und wieder gehen die Freiheiten und Vorrechte verloren. Liestal wird von der Stadt vorübergehend zu einem Schloss degradiert, aber stark befestigt. Mit de Jahre hatte die Stadt den Liestaler aber viele Rechte wieder zurück gegeben, weil die Liestaler ein freiheitsliebendes und wehrhaftes Volk sind, sind sie auch immer wieder in Krieg verwickelt gewesen. 1444 sind die Liestaler als Untertanen von Basel mit eigenem Banner bei der Schlacht beim Joggeli dabei, wo sie 23 eigene Leute verlieren. 1476 und 1477 kämpften die Liestaler in dem Burgunderkrieg. 1499 unterstützten die Liestaler im Schwabenkrieg die Solothurner und die Eidgenossen, obwohl ihnen die Stadt Basel strikte Neutralität vorgeschrieben hatte. 1501 legte der Schultheiss von Liestal auf einem Basler Marktplatz im Name von seinen Mitbürgern und Nachbardörfern der Eid auf den Schweizerbund ab. Darauf kommt es immer wieder zu heftigen Streitereien mit den habsburgischen Rhyfäldnern. Immer wieder auch lehnt sich Liestal gegen die Bevormundung von Basel auf, die setzen ihre Vormacht aber mit Gewalt durch. Auch beeinflusst vom süddeutschen Bauernkrieg haben die ständige Aufstände gegen Basel im 16. Jahrhundert denn Erfolg: Liestal bekommt 1525 einen Freiheitsbrief, welcher unter anderem die Leibeigenschaft aufhebt. Kurz darauf schliesst sich Liestal der Reformation an. Gegen Ende des 16. Jahrhundert wird die Lybeigeschaft wieder eingeführt, was viele ärgerte. Im 17. Jahrhundert beteilige sich die Liestaler an der schweizerischen Bauernbewegung und revolutionierte wieder einmal gegen die Vorherrschaft von Basel und besonders auch gegen die Lybeigeschaft. Dieses Mal scheiterte der Aufstand, Liestal wird 1653 von Basler Truppen besetzt und die drei Liestaler Anführer wurden in Basel geköpft. Die rebellische Stadt musste arg beissen und Teile von der Befestigungsanlage wurden geschlossen. Aber schon nach drei Jahren gelang es den Liestaler, begünstigt durch die Wirtete vom 1. Villmerger Krieg, die Wiederbewaffnung vom Städtchen. Die Leibeigenschaft blieb aber.

Von der Helvetika bis zur Industralisierung

Napoleon in Liestal

Noch der Revolution von 1789 in Frankreich verlangten die Liestaler als ersten Ort vom Baselbiet schon 1790 die Wiederherstellung von den alten Rechten. Begeistert feierten die Liestaler 1797 Napoléon Bonaparte, welcher durch Liestal reiste. «Liestal bien patriote» nennt er das Städtchen, welches zu dem Mittelpunkt von der endgültige Baselbieter Befreiungsbewegung wird. In Liestal steht der erste Freiheitsbaum von der Deutschschweiz. Im Januar 1798 verreisten rebellische Liestaler die Fahne von der Obrigkeit und setze die Trikolore. Unter der Führung von Liestal erlangte das ganze Baselbiet die Freiheit. Napoléon hatte aber nicht nur die Freiheit, sondern auch die Armut nach Liestal gebracht, hatte die Stadt in nur 273 Wohnhäusern 4'000 Soldaten müssen beherbergen. Erst der Sturz von Napoléon hatte der Armut das Ende gemacht. Aber Basel hatte auch seine alten Rechte als Herr über die Landschaft wieder geltend gemacht und viele Errungenschaften von Napoleon sind ruckgängig gemacht worden.

Zeit von der Kantonstrennung

Siehe auch: Basler Kantonstrennung

1830 wird auch das Baselbiet von der französischen Julirevolution erfasst. Im Liestaler Rathaus beginnt im Januar 1831 eine provisorische Regierung zu arbeiten. Das lassen sich die Basler nicht bieten und besetzen mit ihrer Armee nur ein paar Tag später Liestal und vertreibt die Regierung. Durch die Zugeständnisse der Basler gelingt es ihnen zuerst, der Volksaufstand im Oberbaselbiet zum Erliegen zu bringen. Doch sie machen einen entscheidenden Fehler: Sie bestehen auf die Bestrafung der Aufwiegler vom Januar und fallen im Sommer 1831 erneut ins Städtchen ein. Das lassen sich viele Baselbieter nicht gefallen und die Jahre 1831 bis 1833 werden ausgesprochene turbulente und kriegerisch. Hielten manche Gemeinden zu Basel, fordere viele andere ihre Unabhängigkeit und Gnade für die Aufwiegler. Am 22. Februar 1832 schliesslich entlässt die Stadt Basel 42 Gemeinden, darunter auch Liestal, aus ihrer Herrschaft. Die Gemeinden wollen sich dann selbstständig machen, worauf Basel sein Entscheid doch wieder bereut und mit kriegerischen Mitteln versucht, die Landschaft wieder einzunehmen. Am 3. August 1833 rückte eine 1200 Mann starke Basler Armee mit 14 Kanonen gegen Liestal vor und brandschatze Muttenz und Pratteln. An der Hülfteschanz in Frenkendorf bereite Baselbieter Freiheitskämpfer den Baselstädtern aber eine schwere und endgültige Niederlage. Die Basler werden Richtung Basel verfolgt und die Landschäftler veranstalten unter den Geschlagenen ein hässliches Gemetzel. Im August 1833 entscheidet die eidgenössische Tagessitzung, dass Basel geteilt wird und das Baselbiet ein neuer Halbkanton wird. Als Hauptstadt wird natürlich Liestal gewählt.

Industrialisierung

Noch langer Zeit prägt die revolutioniere Gesinnung die Liestaler Politik. Im 19. Jahrhundert werden viele politische Flüchtlinge von der damaligen Zeit aufgenommen. 1854 bekommt Liestal mit der Hauensteinlinie Anschluss an das internationale Eisenbahnnetz, welcher der Grundstein für die Industrialisierung von Liestal ist. Bemerkenswert ist, dass sich die Liestaler zuerst gegen die Eisenbahn gesträubt haben, ist sie doch von Basel gekommen, nur 20 Jahre nach der Kantonstrennung. Und dazumal ist alles Baslerische schlecht gewesen. Doch mit der Eisenbahn ist viel Gewerbe und Industrie nach Liestal angeleint worden. Um 1870 ist Liestal der bedeutendste Standort von der ganzen Schweiz in der Textilindustrie gewesen.

Politik

Als Kantonshauptort ist in Liestal praktisch die ganze kantonale Verwaltung untergebracht. Alle Departemente von der Regierung haben in Liestal ihren Sitz, in der Regel auch mit der ganzen Verwaltung. Die Gebäude sind hauptsächlich rund an der Rathausstrasse verteilt. Am Ende von der Rathausstrasse mitten im Städtchen steht das Regierungsgebäude, in welchem die Legislative und Exekutive des Kantones tagen.

Stadtrat

Mitten an der Rathausstrasse im alten roten Rathaus findet sich die Verwaltung von der Stadt Liestal und die entsprechenden Dienste vor. Die Exekutive der Stadt Liestal ist der Stadtrat. Er besteht aus einem/r halbamtlichen Stadtpräsidenten/in und vier nebenamtlichen Mitgliedern. Von 2004-2008 besteht der Stadtrat aus folgende Personen:

  • Peter Rohrbach-Munz, parteilos
  • Marion Schafroth-Martin, FDP
  • Regula Gysin-Grieder, FDP
  • Ruedi Riesen-Schreiber, SP
  • Lukas Ott, Grüne

Alle vier Jahre wird der Stadtrat durch das Stimmvolk neu gewählt.

Einwohnerrat

In Liestal ersetzt der Einwohnerrat als Parlament der Gemeinde die Gemeindeversammlung. Auch dieser wird alle vier Jahre durch das Stimmvolk neu gewählt und besteht aus 40 Mitgliedern.

Mit parlamentarischen Vorstössen (Motionen, Postulate, Interpellationen und Kleine Anfragen) können die Mitglieder, Fraktionen und Kommissionen des Einwohnerrats eigene Anliegen einbringen.

Der Einwohnerrat besteht momentan aus vier Kommissionen und einer Spezialkommission. Diese dienen zur Vorberatung der Geschäfte, sowie zur Ausübung der Oberaufsicht des Stadtrates. Die vier Kommissionen sind:

  • Das Büro (zuständig für die organisatorischen Belange des Rates)
  • Die Geschäftsprüfungskommission
  • Die Finanzkommission
  • Die Bau- und Planungskommission

Zehn mal jährlich tagt der Einwohnerrat im Landratssaal. Die Sitzungen sind öffentlich.

Städtepartnerschaften

Liestal ist Städtepartnerschaften eingegangen mit Onex im Kanton Genf, Sacramento in Kalifornien (USA) und im alemannischen Raum mit Waldkirch in Baden-Württemberg.

Die Verbindung mit Waldkirch existieren seit 1952 und sind zufällig entstanden: Eine Gruppe Waldkirchner sind an der Baustelle von dem Stadion Gitterli, wo damals gebaut worden ist, vorbei gekommen. Da die Gemeinde Waldkirch selber auch ein Stadion bauen wollte, hatten sie sich näher interessiert. Nach dem 2. Weltkrieg hat die Gemeinde Wiederaufbauhilfe geleistet. Darum hat sich die Partnerschaft schnell auf Sportligs bezogen, wo denn auf kulturelles und gewerbliches ausgebaut worden ist. Anlässlich der 800-Jahr-Feier von Liestal 1989 ist die Partnerschaft offiziell geworden.

In dem gleichen Jahr, wie Waldkirch, ist Sacramento Partnerstadt geworden. Die haben in gleichen Jahr ihr 150-Jahr-Jubiläum gefeiert. Weil Sacramento vom General Johann August Sutter, welcher aus der Baselbieter Gemeinde Rüneberg ausgewandert ist, gegründet worden ist, Sacramento die Hauptstadt von Kalifornien und Liestal die vom Baselbiet ist, ist eine Partnerschaft für die Amerikaner auf der Hand gelegen und haben dann auch angefragt. Weil Liestal dann grad 800 Jahr gefeiert hat, hatte man dann die Partnerschaft vollzogen.

Anlässlich von der 700-Jahr-Feier von der Schweizer Eidgenosseschaft sind das Baselbiet und der Kanton Genf Partnerkantone gewesen. Durch diese Verbindung hatte es diverse Kontakte mit Genfer Gemeinden gegeben und 1996/1997 haben sich Onex und Liestl verschwestert. [4]

Liestaler Stadtwappen

Zur Zeit von der bischöflichen Herrschaft (1305-1400) hatte Liestal der Basler Bischofsstab bekommen, und hat diesen wie ein Bistum in roter Farbe gefeiert. Besondere Kennzeichen sind die sieben gotische Krabben (Tupfe) und der rote Schildrand. Nach der Kantonstrennung hatte der neue Kanton Basel-Landschaft der rote Stab als Kantonswappen bekommen. Um Verwechslungen auszuschliessen, hatte man im Jahr 1921 das seit 1407 bekannte Stadtsiegel zum offiziellen Stadtwappen gemacht: Die untere Hälfte ist rot, die obere silbern, darauf befindet sich eine wachsenden roten Bischofsstab mit seinen sieben Krabben. Die Flagge ist weiss-rot senkrecht halbiert.[5]

Wirtschaft

Frontansicht der Giesserei Erzenberg, links im Hintergrund die Kamine der Öfen

Das Wirtschaftsleben von Liestal ist geprägt durch die kantonale Verwaltung sowie durch die zahlreichen kleinen und mittleren Gewerbetreibenden und Unternehmen, die entweder die lokale Nachfrage bedienen oder aber als spezialisierte Zulieferer für grosse Unternehmen des Wirtschaftsraumes Nordwestschweiz produzieren. Als Produktionsstandort für klassische Industriegüter, vor allem Schwer- und Textilindustrie, spielte Liestal in früherer Zeit eine erhebliche Rolle (u.a. Hanro und Tuchfabrik Schild). Erhalten geblieben ist die Giesserei Erzenberg AG, einer der letzten schwerindustriellen Betriebe in der Schweiz. Die im Zentrum Liestals gelegene Brauerei Ziegelhof schloss dagegen 2006 nach 156 Jahren. In jüngerer Zeit haben sich einige Hightech-Unternehmen angesiedelt. Die Nanosurf AG, die am Mars-Programm Phoenix der US-Raumfahrtbehörde NASA beteiligt ist, hat ihren Standort in Liestal. Liestal bietet 11'700 Arbeitsplätze an und ist somit ein Zupendlerort. Aber viele Liestaler pendeln auch jeden Tag von Liestal weg.

Verkehr und Infrastruktur

Verkehr

Bahnhof Liestal im März 2006 während des Jahrhundertsschnee

Liestal liegt an der internationalen Bahnlinie Köln - Basel - Chiasso/Brig - Mailand. Intercitys und Schnellzüge von der SBB verbinden in kurzen Intervallen Liestal mit den wichtigsten schweizer Städten und Mailand. Natürlich haltet auch S-Bahnlinien der Basler S-Bahn. Liestal ist seit 1880 auch der Ausganspunkt von der Waldenburgerbahn. Im Schnitt halten am Bahnhof Liestal pro Stunde 14 Züge, welche von Basel her die ganze Schweiz befahren.

Regionalbusse der Autobus AG Liestal (AAGL) erschliessen Liestals Agglomeration sowie das Tal nach Reigoldswil wie auch der Ergolz und dem Rhein entlang die Orte bis nach Basel. Postautos (Postbusse) verbinden das hügelige Hinterland mit Liestal. Die Linien verkehren meistens in einem halb Stunden Takt, zu den Stosszeiten manchmal auch häufiger und in den Randstunden manchmal auch nur zur vollen Stunde.

Die Schnellstrasse J2 verbindet Liestal über Sissach mit der Autobahn A2 und bildet gleichzeitig ihre Ortsumgehung. Der Abschnitt Liestal - Augst (Anschluss A 2) ist gegenwärtig im Bau. Der Bau ist seit 2006 im Bau und sollte 2012 fertiggestellt werden.

Infrastruktur

Als Hauptstadt des Kantons ist ein Grossteil der kantonalen Verwaltung in Liestal domiziliert.

In Liestal befindet sich das Kantonsgericht. Weitere Gerichte, welche sich in Liestal befinden, sind das Bezirksgericht, das Strafgericht, das Verfahrensgericht in Strafsachen, das Enteignungsgericht, das Steuergericht und das Jugendgericht. Auch die Staatsanwaltschaft, das besondere Untersuchungsrichteramt, die Jugendstaatsanwaltschaft und ein Statthalteramt sind in Liestal zu finden. Weiter ist auch die Zentrale von der Baselbieter Kantonspolizei in Liestal.

Liestal ist das Schulzentrum von dem Oberbaselbiet und hat darum viele öffentliche Schulen. Die kleinen Kinder sind auf vierzehn Kindergarten verteilt. Die älteren Kinder gehen in sechs verschiedene Primarschulhäuser. Drei Sekundarschulen nehmen die Frühpubertierenden aus der ganzen Agglomeration Liestal auf. In Liestal hat es ein Gymnasium, eine Fachmaturitätsschuele (FMS), eine Handelsmaturschule (HMS), die kaufmännische Schule (KV), die gewerbliche-industrielle Schule (GIBL) und die Landschule Röseretal. Mit der Pädagogischen Hochschule ist Liestal auch ein kleiner Hochschulstandort. Zudem befindet sich in Liestal die Eidgenössische Zollschule - die einzige in der ganzen Schweiz. Weiter hat es noch wenige private Schulangebote.

In Liestal gibt es eine reformierte Kirche im Städtchen und an der Rheinstrasse ist die katholische Kirche zu finden. Auch eher kleinere Glaubensrichtungen haben in Liestal ihre Versammlungsorte: Die methodistischen Kirche an der Kasernenstrasse, die Neuapostole am Erzeberg, die Heilsarmee im Oristal, die Chrischona-Gemeinde auf der Burg, die Mennonite auf dem Bieneberg, Bewegungplus beim Stadion, Vineyard und die Zeugen Jehovas am Benzburweg.

Das wichtigste Spital ist das Kantonsspital. Aber auch die Psychiatrische Klinik Hasenbühl ist in Liestal und mit der Ergolzklinik ein Privatspital. Ausserdem gibt es diverse Alters- und Pflegeheime.

Die neu renovierte Kaserne

In Liestal hat es auch eine Kaserne, der einzige militärische Stützpunkt von der Schweiz der nördlich des Jura liegt. Liestal hat einen regionalen Feuerwehrstützpunkt. Am Bahnhofsplatz findet sich die Kantonsbibliothek Baselland, die grösste Bibliothek der Region nach der Universitätsbibliothek in Basel. Nahe vom Hasebühl befindet sich ein kleiner Tierpark.

Sehenswürdigkeit

Aus der Römerzeit

Die Steinbrücke über die Frenke

In Munzach (Goldbrunnequartier) findet sich eine römische Villa aus dem 1. Jahrhundert nach. Chr. Die Grabungen von 1950 bis 1974 haben ein mit Mosaik und Heizungen reich ausgestatteten Herrensitz samt Landwirtschaftsbetrieb an das Tageslicht befördert. Zur Zeit ist die Anlage allerdings in einem ausgesprochenem erbärmlichen Zustand. Alle wichtigeren Funde sind in Museen, vor allem im Römermuseum in Augst, ausgestellt.

Weiter gibt es im Heideloch und an der oberen Burghalde Überreste von einer römischen Wasserleitung von Lausen nach Augst. Zum besichtigen und begehen sind zwei Teilstücke im Heideloch und im Weideli.

Im Gräubere gibt es noch eine Steinbrücke über die Frenke. Es gibt Vermutungen, dass die Brücke römisch ist und Bestandteil von der Römerstrasse über Hauenstein gewesen ist. Ob die Steinbrücke, besonders im heutigen Zustand, von den Römer erbaut worden ist, muss stark angezweifelt werden. Gut möglich ist es aber, dass Teile davon auf einer früheren römischen Brücke basieren. Bereits im 14. Jahrhundert jedenfalls ist die Steinbrücke urkundlich erwähnt worden. Der Ort hat bis zur Zwischenkriegszeit als Verwunschen gegolten, weil dort immer wieder Frauen „für immer ins Wasser gange sin“.

Aus dem Mittelalter

Das Liestaler Wahrzeichen

Aus dem Mittel- und vor allem Spätmittelalter hat sich vor allem das Städtchen, der Ortskern von Liestal, erhalten. Vor allem anderen ist das Törli zu nenne, offiziell Obertor, welches das Wahrzeichen der Stadt ist. Andere erhaltene Teile von der Befestigungsanlage sind der Thomasturm, Reste von der Stadtmauer und die alte Stadtmühle von 1422.

In der Altstadt selber ist vor allem das Rathaus von 1568 bekannt, welches wie das in Basel in rot gehalten ist. Besonders sehenswert ist der alte Rotsaal mit Kabinettscheiben aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Im Rathaus wird auch die Burgunderschale aufbewahrt. Das ist eine silberne, zum Teil vergoldete Schale vom Karl dem Kühnen, welcher vom Liestaler Wirt Heinrich (Heiri) Strübin in der Schlacht von Nancy (1477) erbeutet worden ist.

Mitten in der Altstadt findet sich auch die reformierte Stadtkirche mit ihrem Kirchenhof. Die heutige Gestalt stammt aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Das letzte Mal wurde die Kirche im Jahr 2002 renoviert, dabei hat man sich bemüht, die ursprüngliche Farbgebung möglichst genau wieder neu wiederzugeben, was nicht allen gefallen hat, besonders der ochsenblutrote Turm ist Anfangs gewöhnungsbedürftig gewesen. Sehenswert sind sonst noch die frühgotischen Türen, die Standscheiben und das Chorgestühl mit den Flachschnitzereien von 1506.

Weiter ist der Olsbärgerhof von 1571 und das frühere Korn- und Zeughaus, welches um 1530 erbaut worden ist. Seit 1981 ist im Gebäude das Kantonsmuseum, welches neben ständigen wechselnden Sonderausstellungen Dauerausstellungen zu Naturkunde, Archäologie, Volkskunde und zur Seidenbandwäberei hat.

Aus dem früheren Mittelalter stammen die Ruine von der Burg an der Oberen Burghalde.

18. bis 21. Jahrhundert

Aus dem Jahr 1750 stammen der Bauernhof Gräubere und die Ergolzhof Feldmühle. Aus dem Spätbarock stammt das kantonale Regierungsgebäude mit dem Landrats- und Regierungsratsaal. Am Bahnhof steht das 1891/1892 vom Hans Willhelm Auer, dem Architekt des Bundeshaus in Bern, erbautes Postgebäude, heute besser als Palazzo (Kulturzentrum und Kino) bekannt. Im Jahr 1853/1854 wurde das kantonale Gerichtsgebäude erbaut,welches vis-a-vis vom Palazzo liegt und ursprünglich aber als Schuelhaus genutzt wurde. 1919 hat man es zu einem Gericht umgebaut. Fassadenmalereien am Rathaus und das Wandbild im Liechthof stammen von Otto Plattner aus dem Jahr 1937. Aus dem Jahr 1961 stammt die römisch-katholische Kirche, welche vom Architekt Fritz Metzger erbaut worden ist. Er gilt als einer von den bedeutendsten Kirchenarchitekten vom 20. Jahrhundert. 2006 ist das Gebäude auch bereits unter Denkmalschutz gestellt worden. Ganz neu ist die im Jahr 2004 neu eröffnete Kantonsbibliotheke am Bahnhof.

Kunst und Kultur

Museen und Denkmale

An der Rathausstrasse ist seit ein paar Jahren das Dichter- und Stadtmuseum geöffnet, welches Werke von Carl Spitteler, Joseph Widmann und dem Ehepaar Herwegh behütet. In Liestal liegt das Harmonimuseum, welches mit über 100 Harmonia schweizweit einzigartig ist. Denkmale gibt es unter anderem für Georg Herwegh, Carl Spitteler und andere Personen.

Kino, Theater, Musik

In Liestal hat es zwei Kinos. Das Kino Sputnik im Palazzo am Bahnhof bringt Kulturfilme, das Kino Oris im Städtchen zeigt die grossen Kassenschlager, meistens von Hollywood. Im Palazzo wie auch im alten Zeughaus gibt es eine kleine Gleitheaterszene. Für die Liebhaber von der klassischen Musik gibt es die Orchesterreihe „Baselbieter Konzärt“, welche meistens in der Stadtkirche spielt und die Kulturscheune an der Kasernenstrasse für kleine Aufführungen nutzt. Für die jungen Leuten gibt es im Modus im Schildareal Party mit Tanz und Musik.

Sport

Der berühmteste Verein in Liestal ist der FC Liestal, welcher Mitglied des Schweizerischen Fussballverbands (SFV) ist. Der Verein wurde am 3. Juli 1895 als „Fussballclub Liestal“ gegründet. Er spielt momentan in der 2. Liga interregional, der vierthöchsten Schweizer Liga. Die grössten Erfolge erreichte er in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, als er einige Jahre lang in der Serie B, der zweithöchsten Liga, spielte. In Liestal gibt es mit dem Stadion Gitterli ein Multifunktionsstadion mit einer Tribüne und total 5000 Sitzplätz sowie mehreren Nebenplätzen und einer Tennishalle. Unweit davon ist das Hallen- und Freibad Gitterli, die grösste Badeanlage der Region nach dem Joggeli in Basel. Bei der Kaserne gibt es eine grosse Sporthalle. Liestal verfügt auch über zwei Kunstturnhallen. Zusätzlich gibt es viele Rasenplätze und Turnhallen bei den Schuelhäusern.

Brauchtum

Chienbäse 2009, Feuerwagen vor der Durchfahrt durchs Obertor

Die Liestaler Fasnacht ist sehr stark von der Basler Fasnacht geprägt, wenn auch mit viel Lokalkolorit. Sie beginnt von einigen Vorfasnachtsveranstaltungen abgesehen – dem alten Termin der „Burefasnacht“ folgend – am Sonntag vor dem Morgestraich der Basler Fasnacht mit einem grossen Strassenumzug. Dieser ist nach dem Cortège der Basler Fasnacht der grösste der Nordwestschweiz. Ein Konzert der verschiedenen Guggenmusiken am Vorabend verkürzt die Wartezeit bis zum Chienbäse. Am darauf folgenden Montag und Dienstag findet das Schnitzelbank-Singen statt, währenddessen der Mittwoch Nachmittag der Tag der Kinder ist, wiederum mit grossem Strassenumzug und Maskenball. Die Fasnacht wird am darauf folgenden Samstag sechs Tage nach Beginn der Fasnacht mit einem Guggekonzert beendet, dem sogenannten Cheruus (Kehraus).

Am Abend des Fasnachtssonntags werden aus Föhrenscheiten gebundene «Besen» von 20–100 kg Gewicht brennend durch die Altstadt getragen. Höhepunkte des Umzugs sind Feuerwagen und eiserne Wagen, die mehrere Tonnen brennendes Holz tragen. Besonders hoch lodern die Flammen nach der Durchfahrt unter dem Obertor auf. Der Anlass zieht jeweils 30'000 bis 50'000 Zuschauer aus der ganzen Schweiz wie dem Ausland an.

Am 6. Dezember um 17 Uhr versammeln sich die Liestaler Kinder in der Allee. Der Umzug wird vom traditionellen Blauen Santichlaus angeführt. Ihm folgen – von grösseren Schulkindern auf den Köpfen getragen – farbig beleuchtete Yffeln und schliesslich hinter einer riesigen, am Joch getragenen Glocke die Kinderschar. Jedes Kind trägt eine Glocke. Am Ziel des Umzugs erhalten alle vom Chlaus einen duftenden Grättimaa (oder auch Grittibänz genannt).

Wie in vielen Baselbieter Gemeinden gehört in Liestal der Banntag fest zum Jahresablauf. Am Montag vor Auffahrt ziehen die Männer von Liestal in vier Rotten aus, um die Grenzen der Gemeinde abzuschreiten. Als eine der letzten Gemeinden wird der Zug traditionell von Vorderladergeknalle begleitet. In den letzten Jahren entstand um diese Knallerei eine heftige Kontroverse inklusive juristischer Geplänkel. Aus Protest gegen den reinen Männer-Festtag zieht seit einigen Jahren eine fünfte Rotte vier Tage später, am Auffahrtstag, zum alternativen Familien-Banntag los.

Persönlichkeiten

Die untengennante Namen sind die Söhne und Töchter der Stadt Liestal:

Einzelnachweise

  1. Statistik Basel-Landschaft – Wohnbevölkerung nach Nationalität und Konfession per 31. Dezember 2008
  2. a b c d Stadt Liestal Online:Zahlen und Fakten. Abgerufen am 4. April 2009.
  3. http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/regionen/regionalportraets/basel-land/Liestal/00.html
  4. Stadt Liestal Online:Partnerstädte. Abgerufen am 4. April 2009.
  5. Stadt Liestal: Geschichte des Wappens

Weblinks

Quellennachweis

Texte: Geschichte, Sehenswürdigkeiten (Teile) Mit freundlicher Genehmigung – Eugen Lichtsteiner, http://www.baselland.ch/liestal-htm.275652.0.html

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