Linux Standard Base


Linux Standard Base
Linux Standard Base
Entwickler Linux Foundation
Aktuelle Version 4.1
(3. März 2011)
Betriebssystem Linux
Kategorie Binärschnittstelle
Deutschsprachig nein
Linux Foundation – LSB

Die Linux Standard Base (LSB) ist eine Arbeitsgruppe der Linux Foundation die Ende der 1990er ins Leben gerufen wurde[1]. Die LSB definiert Standards für Binärschnittstellen, Programmbibliotheken und andere Betriebssystembestandteile mit dem Ziel, die Kompatibilität zwischen den verschiedenen Linux-Distributionen, z.B. mit Hinblick auf die Lauffähigkeit von Programmen, zu verbessern. Bis heute erfüllt nur ein kleiner Teil der Linux-Distributionen die Anforderungen der LSB.[1]

Inhaltsverzeichnis

Hintergrund

Im Laufe der Geschichte von Linux haben sich eine Reihe von verschiedenen Linux-Distributionen entwickelt, die in vielen Details unterschiedliche Ansätze verfolgten, wie beispielsweise inkompatible Software-Paket-Formate, abweichende Verzeichnisstrukturen oder unterschiedliche Versionen der integrierten Softwarepakete. Dadurch waren Softwareanbieter gezwungen, ihre Software für jede Distribution extra anzupassen und anzubieten, ein enormer Mehraufwand.

Die LSB wurde ins Leben gerufen, um mit Standards und Richtlinien eine einheitliche Plattform für Softwareinstallationen unter Linux zu erzeugen.[1] Sie macht u.a. Vorgaben, welche grundlegenden Programme und Bibliotheken auf einem LSB-konformen System vorhanden sein müssen und legt gemäß dem Filesystem Hierarchy Standard eine Verzeichnisstruktur fest. Anfänglich wollte die LSB die POSIX- und die Single-Unix-Spezifikation einhalten und diese an einigen Stellen erweitern, daher hatte die OpenGroup auch angeboten eine Zertifizierung für einen US$ durchzuführen. Im Jahr 2005 begann die LSB jedoch darauf zu beharren, bestimmte in Linux-Distributionen übliche Abweichungen nicht zu beseitigen.[2] Seitdem gab es bei dem Prozess zur Erreichung der Standardkonformität keine Fortschritte, das Ziel der vollständigen POSIX- und SUL-Konformität scheint zugunsten der in bestehenden Linux-Systemen üblichen Konventionen aufgegeben worden zu sein. Im Gegenteil, Linus Torvalds hat wiederholt klar gemacht, dass er bereit ist von POSIX zu divergieren, wenn es dafür gute Gründe gibt.[3]

Versionen

Die erste Version 1.0 der LSB umfasste ältere, schon weiter verbreitete Standards. Anfang Januar 2004 wurde die LSB das erste Mal der Internationalen Organisation für Normung (ISO) vorgelegt. Die darauffolgende Version 2.0 unterstützte mehr Architekturen. Die LSB 3.0 zeichnet sich durch Aktualisierungen der bereits bestehenden Standards aus. Anfang November des gleichen Jahres wurde dann bekannt, dass die ISO die LSB als internationalen Standard anerkannt hatte. Die anerkannte Version ist die Version 2.0.1. Neuere Versionen der LSB sollen folgen.

Übersicht

Version Datum Wesentliche Neuerungen
1.0 1. Juli 2001[1]  
2.0 15. September 2004
  • Neues Application Binary Interface (ABI) für C++ mit Unterstützung für 32- und 64-Bit-Hardware-Architekturen
  • Unterstützung für IBM PowerPC 64, S390 und S390X sowie AMD 64-Bit-Prozessoren[4]
3.0 19. September 2005
  • Aktualisierung der Application Binary Interface (ABI) für C++
  • Aufnahme der Echtzeit-Bibliothek librt[5]
3.1 31. Oktober 2005
  • Unterstützung für Qt 3.3 und Qt 4
  • Unterstützung für portable Desktop-Anwendungen
  • Modularer Aufbau[6]
3.2 28. Januar 2008
  • Unterstützung für Perl und Python
  • Zusätzliche Druckschnittstellen
  • Unterstützung für portable Druckertreiber
  • Ersatz der optionalen Module durch Trial-Use-Module wodurch nun u. a. das ALSA-Soundsystem über Libasound unterstützt wird
  • Primärer Fokus auf Qt 4; Qt 3 wird nicht mehr unterstützt[7]
4.0 11. November 2008
  • Spezifikation für Shellskripte
  • Separates Software Development Kit (SDK)
  • Verschlüsselungsunterstützung für Mozillas Network Security Services (NSS) und Netscape Portable Runtime (NSPR)[8]
4.1 3. März 2011
  • Aufnahme der Standardbibliotheken GTK+ 2.10 und Cairo 1.2.0
  • Entfernung von Java[9]

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b c d Eric Brown (8. Dezember 2010): LSB 4.0 certifications aim to heal Linux fragmentation (englisch). linuxfordevices.com. Abgerufen am 16. November 2011. „The LSB spec outlines interoperability between applications and the Linux operating system, "allowing application developers to target multiple versions of Linux with just one software package," says the LF. Launched in the late '90s, the LSB working group released its first major LSB 1.1 specification in 2001. [...]
  2. Conflicts between ISO/IEC 9945 (POSIX) and the Linux Standard Base (englisch) – Bericht der OpenGroup, vom 20. August 2005
  3. Linus Torvalds: Re: RFD: x32 ABI system call numbers. 31. August 2011, abgerufen am 6. September 2011 (englisch): „POSIX has been wrong before. Sometimes the solution really is to say "sorry, you wrote that 20 years ago, and things have changed".“
  4. Linux Standard Base 2.0 veröffentlicht
  5. Linux Standard Base 3.0 veröffentlicht
  6. LSB 3.1 mit besserer Desktop-Unterstützung
  7. Linux Standard Base 3.2 mit ALSA-Unterstützung
  8. Erste Beta der Linux Standard Base 4.0
  9. Linux Foundation: Linux Standard Base 4.1 ohne Java – Artikel bei Golem.de, vom 11. März 2011

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