Livläkarens besök


Livläkarens besök

Der Besuch des Leibarztes, Originaltitel Livläkarens besök, ist ein 2001 erschienener Roman von Per Olov Enquist.

Der Roman wurde von Wolfgang Butt aus dem Schwedischen ins Deutsche übersetzt. Das Werk wurde von Per Olov Enquist als „historischer Roman“ geschrieben. In Grundzügen beruht der Roman auf einer wahren Geschichte. Die Personen hat es wirklich gegeben, die im Roman geschilderten Begebenheiten sind aber fiktiv.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Der geisteskranke dänische König Christian VII., der in seiner Kindheit misshandelt und geschlagen wurde, muss mit bereits sechzehn Jahren die Thronfolge (Vater: Friedrich V.) antreten. Zwei Jahre später wird er mit der drei Jahre jüngeren englischen Prinzessin Caroline Mathilde verheiratet.

Der König vollzieht nur ein einziges Mal den Beischlaf mit seiner Gattin. Neun Monate später bringt sie Friedrich VI. zur Welt. Aus diesem Grund bittet er seinen Leibarzt Struensee sich um sie zu kümmern. Bald entwickelt sich zwischen den beiden eine Liebesbeziehung, aus der sogar eine Tochter namens Louise Augusta hervorgeht. Christian nimmt dies hin.

Struensee gewinnt mit der Zeit das Vertrauen des Königs und wird aus diesem Grund zum „Geheimen Kabinettsminister“ ernannt. Von nun an ist er ermächtigt, Beschlüsse ohne die Zustimmung des Königs zu erlassen. Somit hat er die Möglichkeit, Ideen der Aufklärung wie Abschaffung der Folter, Gedankenfreiheit und Schulreform in Dänemark zu verwirklichen. Als Struensee immer mächtiger wird, beschließt Ove Høegh-Guldberg, Christians Staatsminister, die Ehre des Königs wiederherzustellen und Struensee zu beseitigen. Außerdem will er die Gedanken der Aufklärung aus Dänemark vertreiben.

Mit einem gefälschten Umsturzplan, den er Struensee in die Schuhe schiebt, kann Guldberg einige sehr einflussreiche Leute auf seine Seite ziehen. Am 17. Januar 1772 um 4.30 wird Struensee aus dem Bett heraus festgenommen und in den Kerker geschafft. Christian VII. erkennt auf Rat Guldbergs Louise Augusta, die gemeinsame Tochter Struensees und der Königin, als legitime Tochter an und lässt sich von Caroline Mathilde scheiden. Sie stirbt später in der Verbannung. Struensee wird am 28. April 1772 auf dem Schafott hingerichtet.

Guldberg löst Struensee als Machthaber ab und widerruft viele der Beschlüsse, die auf diesen zurückgehen. Später wird er aber von Friedrich VI., dem gemeinsamen Sohn Christians VII. und der Königin, gestürzt und abgesetzt.

Die Tochter Struensees und der Königin heiratet später Friedrich Christian von Augustenborg. Caroline Amalie, eines ihrer drei Kinder, wird 1839 Königin von Dänemark.

Personen

König Christian VII.

König Christian VII. wird beschrieben „als alter Mann, sehr klein, abgemagert, mit eingefallenem Gesicht, und seine brennenden Augen zeugen von seinem kränklichen Geisteszustand [...] bei Nervosität ereilen ihn spastische Zuckungen“. Er ist von Geburt an eigentlich recht intelligent. Es gibt zwei Theorien, weshalb er geisteskrank geworden ist. Entweder weil er in seiner Kindheit misshandelt wurde, oder weil er angeblich an Schizophrenie litt, die aber auch in der Erziehung ausgelöst worden sein könnte. Christian glaubt schon sehr früh, dass man ihn verwechselt hätte und er in Wirklichkeit ein Bauernsohn wäre. Im Alter von fünf Jahren besucht er die Aufführung einer italienischen Komödiantengruppe und glaubt von diesem Zeitpunkt an, dass es sich beim Hofleben um ein Theaterstück handeln würde und es seine Aufgabe wäre, eine Rolle darin zu spielen. Vor der Ankunft Struensees ist sein Hund sein einziger „Gesprächspartner“. Der Königin gegenüber ist er sehr schüchtern und zurückhaltend. Erst bei der Prostituierten Anna Catherine Beuthaken trifft er auf Zuneigung und Verständnis.

Prinzessin Caroline Mathilde

Von Prinzessin Caroline Mathilde heißt es: „Sie habe helles, langes Haar, schöne blaue Augen, füllige Lippen, wenngleich eine etwas breitere Unterlippe, und besitze eine melodische Stimme“. Während der Überfahrt nach Dänemark, wo sie ihren Bräutigam zum ersten Mal sehen sollte, hat sie die ganze Zeit geweint, denn sie wusste welche Aufgabe man ihr zugedacht hatte: „Wie eine Zuchtstute soll sie von dem kleinwüchsigen, geistesgestörten dänischen König gedeckt werden und einen Thronfolger gebären“. Am dänischen Hof fühlt sie sich sehr einsam und alleine gelassen, da sie nach der Trauung mit Christian hauptsächlich ignoriert wird. Als Struensee in ihr Leben tritt und sich ihrer annimmt sieht sie wieder Hoffnung. Die Beziehung entwickelt sich außerdem recht gut, da die Königin sehr intelligent ist und sich somit auf einer gleichen Verstandesebene mit Struensee unterhalten kann. Guldberg nennt sie „die kleine englische Hure“, weil sie mit Struensee eine Beziehung eingeht.

Johann Friedrich Struensee

Johann Friedrich Struensee wird am 5. August 1737 in Halle geboren. Nach erfolgreichem Medizinstudium eröffnet er eine Arztpraxis in Altona. Später wird er Leibarzt Christians VII.. Im Gegensatz zu seinem Vater schließt sich Johann Friedrich Struensee den Gedanken der Aufklärung an. Er wird beschrieben als freundlich, schweigsam, zuhörend. Von der Gestalt mittelgroß und blond. „Einer der ersten, die Zahncreme benützen“ Er gewinnt sehr rasch das Vertrauen des Königs und wird später alleiniger Herrscher. Als der König mit der Bitte an ihn herantritt „er möge sich doch der Königin annehmen“, beginnt er eine Liebesbeziehung mit ihr. Bis zu seiner Hinrichtung versuchte er die Ideen der Aufklärung zu verwirklichen - er erließ insgesamt 633 Verordnungen.

Ove Høegh-Guldberg

Ove Høegh-Guldberg ist der Sohn eines Leichenbestatters aus Horsens. Im Alter von dreißig wird er Professor an der Akademie Sorø. Ursprünglich wird er als Privatlehrer für Christians Halbbruder Friedrich an den Hof in Kopenhagen geholt. Er wird als „ähnlich in der Gestalt wie Christian VII. beschrieben [...] ein Zwerg, kindlich, 1,48m groß“. Am Beginn des Romans ist er noch eine eher unbekannte Person. Aber im Verlauf der Geschichte wird seine Rolle immer tragender. Aus Neid und aus Streben nach Macht will er Struensee beseitigen.

Sprache und Stilmittel

Die gesamte Geschichte ist in gehobener Sprache geschrieben und wird von einem allwissenden Erzähler geschildert. Der Text ist eine Mischung aus Sachbuch-Biografie und Roman. Obwohl man schon im ersten Satz des Buches erfährt, dass Struensee sterben wird, schafft es der Autor trotzdem die Spannung durchwegs zu erhalten.

Hörspiel

Der Roman wurde 2002 von NDR und SWR als Hörspiel produziert. Hörspielbearbeitung und Regie: Walter Adler. In den Hauptrollen: Hans Peter Hallwachs (Erzähler), Ulrich Matthes (Struensee), Andreas Pietschmann (Christian), Felix von Manteuffel (Guldberg), Alexandra Henkel (Caroline Mathilde), Jutta Hoffmann (Königinwitwe Juliane).

Literatur

  • Per Olov Enquist: Der Besuch des Leibarztes, Fischer Tb., Frankfurt 2003, ISBN 3596154049

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