Lochkartensortierer


Lochkartensortierer

Der Lochkartensortierer (englisch Sorter) war ein Hilfsmittel der elektromechanischen Datenverarbeitung. Mit ihm konnten Lochkarten sortiert (in eine bestimmte Reihenfolge gebracht) oder bestimmte Lochkarten aussortiert werden.

IBM 080 Sortierer, siehe rechts oben (links hinter den beiden "Säbelzähnen") das Einlegefach. Die Lesestation befindet sich unter dem vergilbten, gebogenen Plexiglas und besteht aus zwölf Abfühlbürsten (eine für jede Reihe). Gummirollen oder ein Textilband transportieren die Lochkarten auf ihrem Weg in die Ausgabefächer (mit Magnetstößen).

Der Sortierer war kein Peripheriegerät eines Rechners, sondern ein Stand-Alone-Gerät. Er wurde nicht 'programmiert', sondern über Handschalter auf die auszuführenden Funktionen eingestellt. Anders als ein Lochkartenmischer oder eine Tabelliermaschine konnte der Lochkartensortierer je Durchlauf nur eine bestimmte Spalte verarbeiten.

Mit Hilfe des Sortierers konnten Lochkarten in die zum Mischen oder zur Verarbeitung erforderliche Reihenfolge gebracht werden. Zum Beispiel wurden die von einer Bank erstellten Lochkarten nach Belegarten getrennt erzeugt (wie Einzahlungen, Auszahlungen, Überweisungen, Schecks) und in dieser Ordnung unsortiert als ein Stapel angeliefert. Die Lochkarten mussten aber für die Buchungsverarbeitung nach Kontonummer sortiert werden.

Bis circa Ende der 1970er Jahre wurden Lochkarten als Datenträger für Bestands- oder Eingabedaten sukzessive durch andere Medien und Datenübermittlungsformen (z. B. Disketten, Lochstreifen, Magnetbandkassette und/oder auch durch Datenfernübertragung) abgelöst. Zum Teil und übergangsweise wurden Lochkarten weiterhin für Eingabedaten verwendet, aber unsortiert eingelesen und vor der eigentlichen Verarbeitung elektronisch (weil sehr viel schneller) sortiert. Lochkartensortierer waren seit diesem Zeitpunkt nicht mehr erforderlich.

Inhaltsverzeichnis

Lochkarten-Sortierverfahren

Hauptartikel: Sortierverfahren
Lochkartensortierer IBM 083, BJ ab 1958, rechts die schräge Karteneinzugsrampe

Hier beschrieben an dem am meisten verwendeten Lochkartentyp (80 Spalten, pro Spalte die Dezimalziffern 0 bis 9 plus zwei Überlochungen) und im Wesentlichen mit Bezug auf die IBM-Sorter 082/083.

Technische Beschreibung

  • Im Eingabefach wurden die Lochkarten als Stapel aufgelegt. Es fasste je nach Bauart ca. 1000–3000 Lochkarten.
  • Über mechanische Schalter wurde eingestellt, welche Spalte wie zu sortieren ist. Zonen- oder Nummernsortierung.
  • Die einzelnen Karten wurden über Gummirollen vom unteren Ende des Stapels abgezogen.
  • Über elektrische Kontakte (auf einer Bürste oder einer „Messerwalze“) in der Leseposition wurde der Lochkartencode in der zur Verarbeitung anstehenden Spalte identifiziert.
  • Entsprechend dem gelesenen Code und der vorgenommenen Einstellung wurde die gelesene Karte mithilfe von Rollen, elektrisch und mechanisch, bei manchen Geräten auch magnetisch über eine Führung in eines der 13 Ausgabefächer eingesteuert: für 0-9, für die beiden Überloch-Zonen und für 'leer'.
  • Dort bildeten sich also mehrere Lochkarten-Teilstapel, die den nächsten Sortierschritten wieder zugeführt wurden oder (zum Ende der Sortierung) zur Verarbeitung verwendbar waren.

Je nach Leistung des Sortierers konnte dieser in einem Durchlauf bis zu 1000 Lochkarten pro Minute sortieren. Da hierbei die Karten physisch und sichtbar bewegt wurden, war dies – z. B. für Besucher von Rechenzentren – eine eindrucksvolle Demonstration der "Leistungsfähigkeit moderner Technik".

Eine weitere schematisierte Darstellung für die Code-Abtastung und für das Ansteuern der Ablagefächer, gültig für den IBM-082-Sorter, findet sich bei in den Weblinks.

Ablauf von Sortiervorgängen

Die Bediener des Sortierers arbeiteten in der Regel nach Vorgaben, in denen je Sortiervorgang genau beschrieben war, welche Lochkartenstapel nach welchen Spalten in welcher Reihenfolge und wie (numerisch bzw. alphanumerisch; auf- bzw. absteigend) zu sortieren sind.

Die Einstellungen zur Sortierung wurden vor dem Sortieren jeder Spalte vorgenommen: Zu sortierende Spalte; welche Ablagefächer ansteuern? Die Eingabekarten mussten im Eingabefach so lange nachgelegt werden bis alle Karten durchgelaufen waren. Die in den Ausgabefächern ausgegebenen Lochkarten-Teilstapel mussten dem nächsten Sortierlauf in der absolut korrekten Reihenfolge zugeführt werden; bei großen Datenmengen war hierzu die Ablage in Zwischenfächern (Schrank) erforderlich. Dies erforderte hohe Konzentration, denn bei Fehlern (Stapel fällt herunter - eine „Katastrophe“) musste meist der gesamte Sortierlauf (über alle Spalten) wiederholt werden.

Bei mehrspaltigen Sortierungen war je Spalte ein Sortierlauf erforderlich. Dabei wurde mit der niedrigstwertigen Spalte begonnen, danach die zweitniedrigste usw. sortiert – bis zur höchstwertigen Spalte. Eine Sortierung z. B. nach Datum (JJMMTT) verlief also von rechts nach links. Details zeigt der Weblink „Funktionsdiagramm“.

Numerische Sortierung

Bei Spalten mit nur numerischen Inhalten genügte ein Sortierdurchlauf je Spalte. Die Karten-Teilstapel 0 bis 9 waren (bei 1-stelliger Sortierung) fertig sortiert oder mussten genau in der Reihenfolge 0 bis 9 für die Sortierung der nächsten Spalte wieder vorgelegt werden.

Alphanumerische Sortierung

Die einzelne Spalte musste in mehreren (bis zu vier) Durchläufen sortiert werden. Dabei ergab der erste Durchlauf eine Sortierung nach den Überlochungen inkl. Null. Weitere Durchläufe für dieselbe Spalte, aber nach den zu der Überlochung gehörenden Dezimalwerten und für jeden Zonenwert getrennt ergaben letztlich die gewünschte Kartenreihenfolge.

Aussortieren

Aus einem Lochkartenstapel mussten bestimmte Lochkarten wieder aussortiert werden. Beispiel: Aus dem bereits verarbeiteten, auch Adress- und Kontostammdaten enthaltenden Lochkartenstapel mussten die 'Buchungen' aussortiert werden. Die Ergebnisstapel konnten anschließend getrennt weiter bearbeitet oder ins Lochkartenarchiv ausgelagert werden. Voraussetzung: Die auszusortierenden Karten müssen in einer oder mehreren Spalten eindeutig erkennbar sein. Dazu war häufig eine sog. 'Kartenart' in den ersten Stellen der Lochkarte enthalten.

Technisch war das Aussortieren eine Variante des Sortierens: Es wurde lediglich eingestellt, dass nur Lochkarten mit einem bestimmten Inhalt in das Ablagefach, alle anderen in das Restfach abgelegt wurden.

Geschichte

Handsortierer

Maschine nach Hermann Hollerith 1890 Siehe auf dem Tisch rechts einen Lochkartenleser gekoppelt mit senkrecht montierten runden Zählwerken (die frühe Tabelliermaschine) sowie neben dem Tisch rechts damit verbundenen Sortierkästen die Geburt des Lochkartensortierers, links auf dem Tisch der Phantographlocher ein Lochkartenlocher

Der erste mechanische Lochkartensorterer geht direkt auf den Begründer der maschinellen Datenverarbeitung Herman Hollerith zurück. Schon seine Maschinen Ende des 19. Jahrhunderts hatten Sortierfächer. Die Lochkarte wurde per Hand in die Lesestation eingelegt, eine Klappe am Sortierfach signalisierte dem "Operator" in welches Fach er die Karte abzulegen hatte.

Der Lochkartensortierer 082 der Firma IBM, erschienen ca. 1948, war eine Weiterentwicklung des Modells IBM 080 und war bereits mit Röhren ausgestattet. Leistung 39.000 Karten pro Stunde

Das Modell IBM 083 kam ab 1958 auf den Markt und konnte ca. 1000 Karten pro Minute sortieren.

Eine Einfachversion der Firma Maul hatte nur 6 Ausgabefächer für:

  • Ziffer 0 - 5
  • Ziffer 6 - 10
  • Überlochung
  • Überlauf

Manual (englisch, PDF)

Sorting

Weblinks


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