Logienquelle Q


Logienquelle Q

Die Logienquelle Q (von griechisch logion „Ausspruch“; auch Redequelle oder kurz Q für „Quelle“) ist ein hypothetischer, griechischer, handschriftlich fixierter Text, der gemäß der Zweiquellentheorie den Autoren des Matthäus- und des Lukasevangeliums neben dem Text des Markusevangeliums als zweite Quelle vorlag. Inhaltlich soll er vor allem Aussprüche, sog. Logien nach griechisch logos „Wort“, Jesu enthalten haben und im Umfeld frühchristlicher Wanderprediger entstanden sein. Eine Abschrift von Q wurde allerdings nie gefunden.

Beschreibung

Die Logienquelle wurde mehrfach durch Vergleiche von Matthäus- und Lukasevangelium und Markusevangelium rekonstruiert. Dabei stützte man sich hauptsächlich auf die gemeinsamen Textpassagen von Matthäus und Lukas, die aber nicht in Markus vorkommen. In der kritischen Ausgabe des rekonstruierten Textes aus dem Jahr 2000 (siehe unten: Rekonstruktionen), die von einem internationalen Forschungsteam erstellt wurde, werden auch Verse aus dem matthäischen oder lukanischen Sondergut bzw. Verse mit Markus-Parallelen aus verschiedenen Gründen für Q in Betracht gezogen.

In der neueren Forschung wurden auch verschiedene mögliche Vorstufen der Logienquelle diskutiert. Je nach Autor handelt es sich dabei um einen Text oder um mehrere Texte, z. B. Proto-Q1, Q1, Proto-Q2 und Q2 oder Q1, Q2, und Q3 jeweils mit unterschiedlicher Datierung und unterschiedlicher Christologie. Andere Autoren unterscheiden z. B. ältere in Judäa bzw. Galiläa und neuere in der Diaspora niedergeschriebene Jesusworte, die bis 65 n. Chr. gemeinsam niedergeschrieben wurden. Spätestens um das Jahr 70 n. Chr. soll aber ein unbekannter Redaktor die „Endfassung“ der Logienquelle als einen Text niedergeschrieben haben.

In der Quelle selbst findet sich (ähnlich wie im Thomasevangelium) kein Passions- oder Auferstehungsbericht. Es handelt sich mit wenigen Ausnahmen (z.B. Q 7,1-10) um Worte und Aussprüche Jesu, der in der christlichen Quelle vor allem als Menschensohn verehrt wird.

Es gibt keine erhaltenen Manuskripte der Logienquelle, sie wird in der Überlieferung der frühen Kirche nicht erwähnt und ist als historisches Dokument nicht nachgewiesen. Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass die Logienquelle, nachdem sie wahrscheinlich vollständig in das Matthäus- und Lukasevangelium eingegangen war, früh ihre Bedeutung als eigenständige Quelle verlor.

Neben der Zweiquellentheorie gibt es auch andere Thesen über die Entstehung der synoptischen Evangelien.

Literatur

Bibliografien
  • David M. Scholer: Q Bibliography Supplement. Society of Biblical Literature Seminar papers. Scholars Press, Atlanta 1965-2003,ISSN 0160-7588. 127.1991, S. 1ff.; 128.1992, S. 1ff.; 129.1993, S. 1ff.; 130.1994, S. 1ff.; 131.1995, S. 1ff.; 132.1996, S. 1ff.; 133.1997, S. 750-756; 134.1998, S. 1005-1012
  • Thomas R. W. Longstaff, Page A. Thomas: The Synoptic Problem. A Bibliography 1716–1988. New Gospel Studies 4. Mercer, Macon 1988, ISBN 0-86554-321-6
  • Frans Neirynck, J. Verheyden, R. Corstjens: The Gospel of Matthew and the Sayings Source Q. A Cumulative Bibliography 1950-1995. Bibliotheca Ephemeridum Theologicarum Lovaniensium 140. 2 Bände, University Press, Leuven 1998, ISBN 90-6186-933-1
Einführung
  • Klaus-Stefan Krieger: Was sagte Jesus wirklich?. Vier Türme, Münsterschwarzach 2003, ISBN 3-87868-641-2
  • John S. Kloppenborg: Q, the Earliest Gospel: An Introduction to the Original Stories and Sayings of Jesus. Westminster John Knox Press, Louisville 2008, ISBN 9780664232221
Rekonstruktionsversuche
  • Adolf von Harnack: Sprüche und Reden Jesu. Hinrichs, Leipzig 1907
  • Athanasius Polag: Fragmenta Q. Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn 1979/1982, ISBN 3-7887-0541-8
  • Frans Neirynck (Hrsg.): Q-synopsis. The Double Tradition Passages in Greek. Studiorum Novi Testamenti Auxilia 13. University Press, Leuven 1988 (2. erweiterte Auflage 1995, 2001), ISBN 90-5867-165-8
  • Marcus J. Borg, Thomas Moore (Hrsg.): The Lost Gospel Q: The Original Saying of Jesus. Ulysses Press 1996, ISBN 1-56975-100-5
  • James M. Robinson, Paul Hoffmann, John S. Kloppenborg (Hrsg.): The Critical Edition of Q. Synopsis Including the Gospels of Matthew and Luke, Mark and Thomas with English, German, and French Translations of Q and Thomas. Fortress, Minneapolis 2000, ISBN 0-800-63149-8
  • Paul Hoffmann, Christoph Heil (Hrsg.): Die Spruchquelle Q. Studienausgabe Griechisch und Deutsch. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2002 (2. Auflage 2007/ 3. Auflage 2009), ISBN 3534164849
  • James M. Robinson u.a. (Hrsg.): Documenta Q. Peeters, Leuven 1996ff. (bisher acht Bände: Q 4,1-13 [1996], Q 6,20f. [2001], Q 7,1-10 [2002], Q 11,2b-4 [1996], Q 12,8-12 [1997], Q 12,33f. [2007], Q 12,49-59 [1997], Q 22,28.30 [1998]), ISBN 90-6831-788-1
  • Maurice Casey: An Aramaic Approach to Q: Sources for the Gospels of Matthew and Luke. Cambridge University Press 2002, ISBN 0521817234
  • Harry T. Fleddermann: Q: A Reconstruction and Commentary. Peeters Press, Leuven 2005, ISBN 9042916567
Kritik
  • Arthur J. Bellinzoni, Jr. (Hrsg.): The Two-Source Hypothesis. A Critical Appraisal. Mercer, Macon 1985, ISBN 0-86554-096-9
  • Allan J. McNicol, David L. Dungan, David B. Peabody: Beyond the Q Impasse. Luke's Use of Matthew. A Demonstration by the Research Team of the International Institute for the Renewal of Gospel Studies. Trinity, Philadelphia 1996, ISBN 1-56338-184-2
  • Eta Linnemann: Q – das verlorene Evangelium – Fantasie oder Faktum? In: Eta Linnemann: Bibelkritik auf dem Prüfstand. Wie wissenschaftlich ist die „wissenschaftliche Theologie“? Verlag für Theologie und Religionswissenschaft, Nürnberg 1998, ISBN 3-933372-19-4, S. 13–32
  • Michael D. Goulder: Self-Contradiction in the IQP (International Q Project). In: Journal of Biblical Literature 118, 1999, ISSN 0021-9231, S. 477–496
  • Mark Goodacre: The Case Against Q. Studies in Markan Priority and the Synoptic Problem. Trinity Press, Harrisburg 2002, ISBN 1-563-38334-9

Weblinks


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