Lohrbergfest


Lohrbergfest
Blick zur Frankfurter Innenstadt
Baumblüte am Lohrberg
Weinberg
Sichtbare Hangbewegung

Der Lohrberg oder kurz der Lohr gilt als Hausberg von Frankfurt am Main und ist ein wichtiger Teil des Frankfurter Grüngürtels. Er gehört zum Stadtteil Seckbach und ist Bestandteil der geologischen Formation des Berger Rückens, der sich in der Form eines flachen „U“ von Berkersheim bis hinter das Ortsende von Bergen – auslaufend nach Maintal-Bischofsheim – erstreckt. An der Berger Warte liegt der höchste Punkt des Stadtgebietes mit 212 m ü. NN.

Vom Lohrberg aus hat man einen weiten Blick über die Mainebene bis zu den Hochhäusern von Frankfurt, besonders auch auf die Feuerwerke der Dippemess, die auf dem Platz an der Eissporthalle – gegenüber dem Ostpark  – stattfinden.

Auf dem Lohrberg befinden sich u. a. die Lohrberg-Schänke, ein beliebtes Ausflugslokal, und der Volkspark Lohrberg, ein Naherholungsgebiet mit einem Kinderspielplatz, Wasserbecken, zahlreichen Spazier- und Radwegen und Rasenflächen für Spiel und Sport. Im Herbst kann man auf dem Lohrberg Drachen steigen lassen, im Winter ist Frankfurts längste Rodelbahn ein Anziehungspunkt. Das inzwischen privatisierte MainÄppelHaus Lohrberg mit dem angeschlossenen Garten ist ein umweltpädagogisches Beratungszentrum.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Nach der Eingemeindung Seckbachs durch Frankfurt (1900) und der Entstehung des Huthparks 1911 entstanden erste Planungen für eine großzügige Parkanlage auf dem Lohrberg. Nach einer Unterbrechung durch den Ersten Weltkrieg  wurde zuerst 1919 eine Kleingartenanlage mit 60 Kleingärten für die Bevölkerung angelegt. 1924 konnte – unter der Federführung des Gartenbaudirektors Max Bromme – mit der Anlage eines Volksparks und eines Weinbergs begonnen werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand 1947 der Beispiel- und Beratungsgarten.

Unter der Nummer 06 112 000/1 wurde 1971 die Rebfläche Lohrberger Hang als kleinste und damals östlichste Einzellage im Weinbaugebiet Rheingau in die Weinbergrolle eingetragen. Die etwa einen Hektar große, ausschließlich mit Riesling bestockte Lage ist leicht nach Süden geneigt. Sie wird vom Weingut der Stadt Frankfurt am Main bewirtschaftet und bringt jährlich ca. 10.000 Flaschen Wein, der meist trocken ausgebaut wird und in guten Jahren Spätlese-Qualität erreicht. Bei der Landesweinprämierung 2005 erhielt der 2004er Frankfurter Lohrberger Hang Riesling Kabinett trocken eine Goldene Preismünze.

1990 veröffentlichte das Stadtvermessungsamt Höhenmessungen der letzten zwölf Jahre. Sie ergaben, dass der Lohrberg pro Jahr um einen Zentimeter rutscht. Der Quellenwanderweg im Frankfurter Grüngürtel, der zwischen dem Alteborn in Seckbach und dem Schelmenborn in Bergen-Enkheim am Südhang des Lohrbergs verläuft, wurde 2001 eingerichtet. 2005 übernahm der 2003 zum Schutz der Streuobstwiesen im Raum Frankfurt gegründete Verein Streuobstzentrum die Trägerschaft für den bereits zweimal von der Schließung bedrohten Beratungsgarten am Lohrberg. Er unterhält dort das umweltpädagogische MainÄppelHaus Lohrberg.

Lohrbergfest

Das Lohrbergfest ist ein jährlich veranstaltetes leichtathletisches Bergsportfest für Kinder und Jugendliche, das erstmals ausgerichtet durch den Turnverein Seckbach 1875 auf Anregung von Oberbürgermeister Dr. Walter Kolb und des Frankfurter Sportamtes – 1951 stattfand. OB Dr. Kolb beauftragte den Turnverein Seckbach 1875 mit dessen Organisation - alljährlich. Seinerzeit war Kolb auch Vorsitzender des Deutschen Turnerbundes (DTB).

Organisator des Lohrbergfestes mit leichtathletischen Wettkämpfen (50-, 75- und 100-Meter-Lauf, Ballwerfen, Kugelstoßen, Weitsprung, Pendelstaffel) wurde Karl Zscherneck, der ab 1960 auch 1. Vorsitzender des TV Seckbach war. Das Lohrbergfest wird für den Turngau Frankfurt veranstaltet.[1]

Die Idee für ein Bergsportfest, das Einzige im Stadtgebiet von Frankfurt am Main, basierte einmal auf der früheren Anwesenheit des Turnvaters Friedrich Ludwig Jahn, der am 4. Juni 1848 auf dem östlichen Teil des Lohrbergs, an der Berger Warte auf Seckbacher Gemarkung, eine Rede vor Turnern gehalten hatte. Zum Anderen wollte man zu dem schon seit 1844 stattfindenden Feldbergfest ein kleineres Pendant auf Frankfurter Boden schaffen.

Dass gerade geeignete Berggipfel Anziehungspunkt für turnerische Veranstaltungen wurden, liegt historisch in dem Umstand begründet, dass nach der Völkerschlacht bei Leipzig im Jahr 1813 Freudenfeuer auf deutschen Berggipfeln entzündet wurden, die weithin zu sehen waren. Die in dieser Zeit aufkommende Turnbewegung war zu einem guten Teil einer gewünschten Stärkung freiheitskämpferischer Bestrebungen gegen die napoleonische Okkupation geschuldet. Das Turnen war demzufolge als Wehrertüchtigung der Jugend gedacht.

Nach dem Zweiten Weltkrieg markierte das Lohrbergfest einen Anreiz zur freien sportlichen Betätigung in den reaktivierten Turn- und Sportvereinen der Stadt am Main. Viele Kinder und Jugendliche der damaligen Zeit wuchsen ohne vollständige Familie auf, etliche waren Vollwaisen. Sportliche Veranstaltungen wie diese erfüllten somit auch einen wichtigen sozialen Zweck, wurden die gebildeten Mannschaften nebst Trainern und Betreuern doch oft zu einer Art Ersatzfamilie.

Siehe auch

Literatur

  • Beck, Franz Wilhelm: "Bergturnfeste im Hessenland", Beitrag zur Hessischen Turngeschichte, Erweiterter Sonderdruck aus: Der Hessische Turnverband, 1968

Weblinks

Einzelnachweise

  1. http://www.tv-seckbach.de/pages/lohrberg.html

50.1505555555568.72916666666677Koordinaten: 50° 9′ 2″ N, 8° 43′ 45″ O


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