Lorenz Hübner

Lorenz Hübner

Lorenz Hübner (* 2. August 1751 in Donauwörth; † 9. Februar 1807 in München) war ein katholischer Aufklärer, Publizist und Übersetzer.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Nach dem Besuch des Jesuitengymnasiums in Amberg trat er 1768 in die Gesellschaft Jesu ein und gehörte diesem Orden bis zu dessen Aufhebung im Jahre 1773 an. Von 1770 bis 1773 studierte er an der Universität Ingolstadt Philosophie (Promotion). Von 1772 bis 1773 studierte er zusätzlich Theologie und ab 1774 Jurisprudenz. Nach Abschluss aller seiner Studien wurde Hübner 1774 unter Fürstbischof Ludwig Joseph von Welden im Freisinger Dom zum Priester geweiht.

Ab 1775 war Hübner als Lehrer für Französisch und Italienisch, ab 1776 als Professor für Moralphilosophie am kurfürstlichen Gymnasium in Burghausen tätig. 1779 übernahm er die Redaktion der „Münchner Staatszeitung“ und der „Münchner Gelehrten Beyträge“. Unter dem Druck der von Kurfürst Karl Theodor verschärften Zensurbestimmungen verließ er München und begab sich 1784 nach Salzburg an den Hof des aufgeklärten Fürsterzbischofs Hieronymus von Colloredo. Mit der 1785 bis 1799 in Salzburg erscheinenden „Oberdeutschen Staatszeitung“ schuf Hübner ein Medium aufklärerischen Denkens, welches auch über die Landesgrenzen hinaus von Bedeutung war.

Nach dem Tod von Kurfürst Karl Theodor kehrte Hübner 1799 nach München zurück, wo er auf Betreiben von Graf Anton Clemens von Toerring-Seefeld noch im selben Jahr als außerordentliches Mitglied, 1801 als ordentliches Mitglied in die Bayerische Akademie der Wissenschaften aufgenommen wurde.

Ehrungen

Die Hübnergasse im Salzburger Stadtteil Riedenburg wurde nach ihm benannt.

Werke (Auswahl)

als Autor

Aufsätze
  • Abhandlung über die Analogie der elektrischen und magnetischen Kraft. In: Bayerische Akademie der Wissenschaften: Neue philosophische Abhandlungen, Bd. 2/3, München 1780, S. 354–384.
Belletristik
  • An Verführer und Verführte. Ein satyrischer Nachtrag zu den Vorbothen des neuen Heidenthums. München 1781.
  • Semiramis. Ein musikalisches Schauspiel. München 1781.
  • Hainz von Stain der Wilde. Ein vaterländisches Schauspiel. München, 1782, Frankfurt u.a. 1807.
  • Camma, die Heldinn Bojoariens. Ein vaterländisches Schauspiel in fünf Aufzügen; Aufgeführt auf dem Hoftheater zum Beßten der Armen. München 1784, Frankfurt 1807.
  • Rosen auf das Grab Friedrichs des Einzigen, oder gesammelte Charakterzüge und Anekdoten aus dem merkwürdigen Leben dieses großen Königs; Sechs Körbe. Salzburg 1787.
  • Rosen auf das Grab Josephs des Zweyten, Kaisers der Deutschen. Salzburg [1788].
Briefe
  • Briefe: Berlin SB, Heidelberg UB, München BSB, München UB, Nürnberg GNM.
Sachbücher
  • Abhandlung von dem Luxus oder schädlichem Prachte. Burghausen 1776, München 1776.
  • Grundlehren von den Münzen. Burghausen 1777, München 1778.
  • Über P. Josts Vorschlag, die Inquisition in Bayern einzuführen. München 1779.
  • Freymüthige Blicke des Philosophen ins Mönchswesen. Frankfurt u.a. [= München] 1779.
  • Der philosophische Geist unsers Jahrhunderts. München 1780, 1781.
  • Dringende Vorstellungen an Menschlichkeit und Vernunft, um Aufhebung des ehelosen Standes der katholischen Geistlichkeit [s.l.] 1782 [zusammen mit Lorenz von Westenrieder, Anton Nagel und Joachim Schuhbauer).
  • Gedanken über den Brand im Getreide. [Burghausen 1782].
  • Vernünftige teutsche Rechtschreibung nach den Grundsätzen der Sprachenkunde für Bayern. München 1782.
  • Ebbe und Fluth der Staaten. Eine Rede bey gehaltener Hauptversammlung zu Burghausen abgelesen. Burghausen/München 1782.
  • Geschichte verschiedener hierländischer Baumwollarten und ihres ökonomischen Nutzens Salzburg 1788.
  • Epistola responsoria ad Liberium Candidum Iesuitam. [s.l.] [1788].
  • Beschreibung der hochfürstlich-erzbischöflichen Haupt- und Residenzstadt Salzburg und ihrer Gegenden verbunden mit ihrer ältesten Geschichte. Salzburg 1792–1793 (2 Bde.).
  • Beschreibung der hochfürstlich-erzbischöflichen Haupt- und Residenzstadt Salzburg und ihrer Gegenden, vorzüglich für Ausländer und Reisende. Nebst dem Grundrisse der Stadt, und ihres Bezirks, von L. Hübner aus dessen größerer Beschreibung von ihm selbst zusammengezogen. Salzburg 1794.
  • Beschreibung des Erzstiftes und Reichsfürstenthums Salzburg in Hinsicht auf Topographie und Statistik. Salzburg 1796, ND Salzburg 1983.
  1. Das Salzburgische flache Land.
  2. Das Salzburgische Gebirgland.
  3. Die übrigen Gebirgsortschaften und die ausländischen Herrschaften des Erzstiftes nebst dessen Beschreibung im Allgemeinen.
  • Reise durch das Erzstift Salzburg zum Unterricht und Vergnügen. Nebst Stundenzeiger u. Straßenkarte. [s.l.] 1796, ND Salzburg 2000.
  • Abschied vom Mönchsberge in Salzburg am Schluße des J. 1799. s.l. 1799
  • Beschreibung der kur-baierischen Haupt- und Residenzstadt München und ihrer Umgebungen verbunden mit ihrer Geschichte. München 1803-05 (2 Bde.).

als Herausgeber und Redakteur

  • Gräuliche Überschwemmungs-Geschichte von den Monaten Hornung und März des Jahres 1784. Aus authentischen Nachrichten gesammelt. München u.a. [1786].
  • Salzburger Musenalmanach auf das Jahr 1787. Salzburg [1788].
  • Münchner Staatszeitung (später u.d.T. Münchner Staats-, gelehrte, und vermischte Nachrichten) und Münchner Gelehrte Beyträge, München 1779–1784.
  • Der dramatische Censor (hrsg. von Lorenz Westenrieder, zusammen mit Joseph Marius von Babo und Ignaz Strobel).
  • Oberdeutsche Staatszeitung. Salzburg 1784–1799 (1784 u.d.T. Salzburger Zeitung), mit den Beilagen: Intelligenzblatt. Wöchentliche Nachrichten zum Nutzen und zur Erbauung, Salzburg 1784–1799, Räsonnirendes Magazin des Wichtigsten aus der Zeitgeschichte, Salzburg 1791–1792 (ab 1793 u.d.T. Pragmatisches Register der Oberdeutschen Staatszeitung, 1796–1799 Beilage zur allgemeinen oberdeutschen Staatszeitung).
  • Physikalisches Tagbuch für Freunde der Natur. Salzburg 1784–1788.
  • Oberdeutsche Allgemeine Litteraturzeitung. Salzburg 1788–1799 (zuerst u.d.T. Über das Neueste der Literatur Oberdeutschlands, ab 1785 Salzburger Gelehrte Zeitung, ab 1786 Salzburger monatliche Beyträge zur Litteratur Oberdeutschlands).
  • Baierisches Wochenblatt. München 1799–1807.

als Übersetzer

  • Charons wahre Weisheit. Aus dem Französischen übersetzt, München 1782.
  • Tancred. Ein musikalisches Schauspiel. Aus dem Italienischen übersetzt, München 1781, 1783.

Literatur

  • Heide Ruby: Lorenz Hübner (1751–1807). Leben und Werk als Publizist, Topograph und Historiker in Salzburg. Dissertation, Universität Wien 1965.
  • Friederike Steinbacher: Lorenz Hübner (1751–1807) und die bayerische Publizistik seiner Zeit. Ein Beitrag zur Geschichte der kirchlichen Aufklärung in Bayern. Dissertation, Universität München 1923.
  • Joseph Wißmayr: Dr. Lorenz Hübners biographische Charakteristik. Vorgetragen am 15. Juni 1822. Akademie der Wissenschaften, München 1822.

Weblinks


Wikimedia Foundation.

См. также в других словарях:

  • Hübner (Familienname) — Hübner bzw. Huebner ist ein Familienname. Herkunft und Bedeutung Der Familienname Hübner gehört mit den Nachnamen Hubner zu der großen Namensfamilie Huber. Sie sind also namensverwandt. Es leitet sich von dem Begriff „Hube“ ab, was eine… …   Deutsch Wikipedia

  • Hübner — Hübner, 1) Johann, geb. 17. März 1668 zu Türchau bei Zittau, studirte in Leipzig, wurde 1694 Rector in Merseburg, 1711 am Johanneum in Hamburg u. st. daselbst 31. März 1731. Er ist auch Erfinder einer besseren Methode der Illuminirung der… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Liste der Biografien/Hub — Biografien: A B C D E F G H I J K L M N O P Q …   Deutsch Wikipedia

  • Sigmund-Haffner-Gasse — Die Gasse vom Kranzlmarkt aus Die Sigmund Haffner Gasse ist eine Gasse in der Altstadt von Salzburg, die vom Kranzlmarkt und Rathausplatz bis zur Franziskanerkirche führt. Der östliche Teil der Gasse hieß einst bis zur Churfürststraße Milchgasse… …   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte der Stadt Salzburg — Die Geschichte der Stadt Salzburg beginnt bereits in der Jungsteinzeit mit der ersten Besiedelung des heutigen Stadtgebietes um die Salzach. Die Stadt Salzburg besitzt eine besonders lange kulturelle Tradition. Mit der ausdrücklichen Nennung… …   Deutsch Wikipedia

  • Lürzerhof — p3 Lürzerhof Entstehungszeit: Anfang 17. Jh. (Vorgängerbau vor 1566, heutige Erschei …   Deutsch Wikipedia

  • Münchner Zeitung — Beschreibung Abonnement Tageszeitung, bis 1918 Amtsblatt, Verlag ab 1914: Münchner Druck und Verlagshaus GmbH, Schellingstraße 39 41 Erstausgabe 1779 …   Deutsch Wikipedia

  • Orden des St. Ruperti — Der Orden des St. Ruperti, auch St. Ruperti Ritterorden oder Orden des heiligen Rupert, war ein Salzburger Ritterorden. Seine Stiftung geht auf den Erzbischof der Stadt mit dem Beinamen der Stifter Johann Ernst Graf von Thun und Hohenstein zurück …   Deutsch Wikipedia

  • Bezirke im Land Salzburg — Landesflagge Landeswappen Basisdaten Landeshauptstadt …   Deutsch Wikipedia

  • Bundesland Salzburg — Landesflagge Landeswappen Basisdaten Landeshauptstadt …   Deutsch Wikipedia


Поделиться ссылкой на выделенное

Прямая ссылка:
Нажмите правой клавишей мыши и выберите «Копировать ссылку»