Louis-Lazare Hoche


Louis-Lazare Hoche

Louis-Lazare Hoche (* 25. Juni 1768 in Montreuil bei Versailles (heute quartier Montreuil); † 18./19. September 1797 in Wetzlar) war ein französischer General der Revolutionszeit, der durch sein besonnenes Handeln bei der Niederschlagung des Aufstands der Vendée 1795 als der "Pacificateur de la Vendée" bekannt wurde.

Leben

Lazare Hoche, Stich von Bosselmans

Hoche war der Sohn eines alten Invaliden. Er wurde mit 14 Jahren Stalljunge in den königlichen Ställen und trat mit 16 in das Regiment der Gardes françaises ein. Beim Ausbruch der Revolution war er Sergeant. Er schloss sich mit Begeisterung der Sache der Freiheit an, und nachdem er 1792 Leutnant in der Pariser Stadtgarde geworden war, widmete er sich ausschließlich dem Studium der Kriegswissenschaften.

Bei der Verteidigung von Diedenhofen (1792) tat er sich so hervor, dass ihn der General Leveneur zu seinem Adjutanten wählte. Zusammen mit Leveneur wurde Hoche 1793 des Einverständnisses mit Dumouriez beschuldigt und verhaftet. Aus dem Gefängnis reichte er dem Wohlfahrtsausschuss einen Plan für den nächsten Feldzug ein, der so überzeugend war, dass er sofort in Freiheit gesetzt und zum Generaladjutanten ernannt wurde. Außerdem wurde er mit der Verteidigung von Dünkirchen gegen die Engländer beauftragt. Es gelang ihm auch, diesen Platz durch ein verschanztes Lager zu schützen und die Engländer nach der Schlacht bei Hondschoote (8. September) zur Aufhebung der Belagerung zu zwingen.

Hierdurch stieg er zum Brigadegeneral und einige Zeit später zum Divisionsgeneral auf und erhielt das Oberkommando über die desorganisierte Moselarmee, mit der er vom 28. bis zum 30. November die Preußen unter dem Herzog von Braunschweig in den Linien von Kaiserslautern, allerdings vergeblich, angriff. Er ließ nun ein Korps an der Saar zurück, um seinen Marsch zu verdecken, ging mit 12.000 Mann über die Vogesen, um mit der Rheinarmee unter Pichegru gemeinsam zu operieren, drang bis zum rechten Flügel der Österreicher unter General Wurmser vor, schlug sie am 22. Dezember 1793, entsetzte Landau und nötigte die Österreicher, das Elsass zu verlassen. Saint-Just, der von Pichegru, Hoches Todfeind, gegen diesen aufgehetzt war, ließ ihn jedoch verhaften, und erst der Sturz Robespierres (Juli 1794) setzte ihn wieder in Freiheit.

1795 vom Konvent gegen die Royalisten in die westlichen Provinzen gesandt, brachte Hoche diese mehr durch Milde als durch Gewalt zum Niederlegen der Waffen. Als im Juni 1795 die Emigrierten in Quiberon gelandet waren, marschierte Hoche sogleich auf Auray und nahm es ein. Er schloss die Emigrantenarmee ein, schlug am 16. Juli den Grafen von Hervilly, erstürmte am 22. das Fort Penthièvre, drängte die Royalisten ans Meer und zwang sie, sich auf Gnade und Ungnade zu ergeben. Hoche wollte nur die Bestrafung der Anführer, aber der Konvent befahl, sämtliche Gefangenen zu erschießen, weshalb Hoche das Kommando in die Hände des Generals Lemoine übergab.

Im Dezember 1795 übertrug ihm aber das Direktorium von neuem den Oberbefehl über die Westarmee. Er besetzte darauf alle wichtigen Punkte der Vendée, stellte dort weniger durch Gewalt als durch kluge Maßregeln die Ruhe wieder her, wofür er den Namen "Pacificateur de la Vendée" erhielt, ging dann mit 15.000 Mann über die Loire und beruhigte Anjou, Maine, die Bretagne und die Normandie. Um den Bürgerkrieg in Feindesland zu tragen und sich Irlands zu bemächtigen, ging er am 16. Dezember 1796 mit 18.000 Mann in Brest nach Irland unter Segel. Ein Sturm trennte jedoch sein Schiff von den übrigen und trieb ihn allein an die irische Küste, von wo er wieder nach Frankreich fliehen musste.

Hier wurde er zum Oberkommandierenden der 80.000 Mann starken Sambre- und Maasarmee ernannt, mit der er den Feldzug von 1797 durch den kühnen Rheinübergang bei Neuwied am 18. April 1797 eröffnete. Er gewann über die Österreicher drei Schlachten und fünf Treffen und drang bis Wetzlar vor, als ihn die Nachricht von dem von Bonaparte geschlossenen Waffenstillstand von Leoben aufhielt. Im Juli 1797 erhielt er den Oberbefehl über die Armee an den deutschen Grenzen, starb aber noch vor Eröffnung des Feldzugs in seinem Hauptquartier in Wetzlar am 18. oder 19. September 1797 an Lungentuberkulose. Bei seiner Obduktion (Leichenöffnung) wurden zwei große Defekte in den Lungen gefunden. Nicht zufällig wurde diese Form der Erkrankung "galoppierende Schwindsucht" genannt. Dieser Befund wurde erstmals im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht.

Die Überreste Hoches wurden zunächst im Fort Marceau auf dem Petersberg in Lützel-Koblenz begraben. Der Bau der Feste Kaiser Franz nach 1816 durch Preußen ließ das Grab unberührt. Hier ruhte Hoche unter einer schlichten schwarzen Steinplatte bis 1919. In Versailles und in Weißenthurm am Rhein, wo er seitdem begraben liegt, wurden Hoche Denkmäler errichtet. Das ursprüngliche Grabmal ist hier ebenfalls zu sehen.

Literatur

  • Robert Garnier, Lazare Hoche ou l’honneur des armes, Paris 1986
  • Jochem Rudersdorf: Der letzte Feldzug des französischen Generals Lazare Hoche und das Ende des Koalitionskrieges 1797, in: Nassauische Annalen 109 (1998), S. 229-264

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