Louis Buchalter


Louis Buchalter
Louis „Lepke“ Buchalter, 1939

Louis „Lepke“ Buchalter (* 6. Februar 1897 in New York City; † 4. März 1944 im Gefängnis Sing Sing in Ossining, New York) war ein US-amerikanischer Mobster und neben Albert Anastasia Führungsperson der Murder, Inc., der heute der Kosher Nostra zugerechnet wird.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Frühe Jahre

Louis Buchalter war das Kind jüdischer Emigranten aus Russland in der Lower East Side von Manhattan (New York). Daher rührte auch sein Spitzname Lepke, eine Verballhornung des jiddischen „Lepkeleh“ (engl. „Little Louis“).[1] Nach dem Tod des Vaters und der Erkrankung der Mutter, die daraufhin New York verließ und einen Kurort aufsuchte, war der junge Buchalter auf sich allein gestellt. Während seine Geschwister bereits Ausbildungen absolvierten oder ehrlichen Berufen nachgingen, brach er als einziges der Kinder die Schullaufbahn ab und begann mit kleinkriminellen Tätigkeiten seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Später wurde er Mitglied der Amboy Dukes, einer Straßenbande in Brownsville (New York), ein Stadtteil, in dem 1911 der wohl bedeutendste „Kosher Nostra“ eintraf: Meyer Lansky. Benannt hatte sich die Bande nach der in diesem Stadtteil gelegenen Amboy Street. Auf den Straßen von Brooklyn freundete Buchalter sich neben Meyer Lansky dann auch mit Benjamin „Bugsy“ Siegel an. Kurz nach dem Wegzug seiner Mutter 1912 nach Denver lernte Buchalter vermutlich Jacob „Gurrah“ Shapiro kennen, und gemeinsam spezialisierten sie sich auf Schutzgelderpressungen von Ladenbesitzern in der Lower East Side. 1915 wurde Lepke das erste Mal wegen diverser Einbrüche und Ladendiebstähle angeklagt, jedoch freigesprochen. Ende Februar 1916 wurde Buchalter zusammen mit einem Komplizen nach einem Einbruch in Bridgeport verhaftet und im Mai desselben Jahres zu einem Aufenthalt in einer Besserungsanstalt in Cheshire verurteilt. Nach der Entlassung im Juli 1917 auf Bewährung kehrte Buchalter wieder nach New York zurück und verdiente sich weiterhin mit Diebstählen seinen Lebensunterhalt. Bereits im September 1917 wurde er erneut verhaftet und wegen schweren Diebstahls angeklagt. Im Januar 1918 erfolgte die Verurteilung und Buchalter musste eine 18-monatige Haftstrafe antreten, welche er in Sing Sing verbrachte. Bereits nach einem Jahr wurde er aus dem Auburn Prison entlassen (Lepke war zwischenzeitlich nach Auburn in die Auburn Correctional Facility verlegt worden).

1920 musste er erneut eine Gefängnisstrafe verbüßen, zu der er wegen Einbruchs verurteilt wurde. Diese Haftstrafe verbrachte er wieder in Sing Sing, am 6. März 1922 wurde er auf Bewährung entlassen. Direkt nach seiner Entlassung stieg er zusammen mit Jacob Shapiro 1922 in das „labor racketeering“ ein und wurde wie Shapiro Mitglied der Bande von Jacob „Little Augie“ Orgen. Eintrittskarte der Mobster; insbesondere in den „garment district“ von Manhattan; war die Unterstützung von Streikbrechern.[2] Der Bezirk hatte diese Bezeichnung erhalten, weil sich dort ein Schwerpunkt von angesiedelten „Sweatshops“ der Bekleidungsindustrie (en: garment) gebildet hatte.

Unterwanderung der Gewerkschaften und Gründung der Murder Inc.

Im so genannten Vierten „labor slugger war“ ermordete Buchalter mit Jacob Shapiro Orgen, die einstige Führung ihrer Bande, und übernahm daraufhin die Geschäfte. Shapiro und Buchalter konzentrierten sich von da an gemeinsam auf die Unterwanderung der örtlichen Gewerkschaften durch ihre Gefolgsleute. Die sich bildenden mafiösen Strukturen innerhalb der Gewerkschaften ermöglichten es ihnen, Einfluss auf die verschiedensten Arbeitsgewerbe zu nehmen. Buchalter heuerte zudem zahlreiche Männer an, die Erpressungen und Mordaufträge durchführen sollten, um die kriminellen Aktivitäten abzusichern und massiv auszuweiten, und schuf damit eine der Grundlagen der „Murder, Inc.“. Letztendlich konnten Buchalter und Shapiro somit de facto ein Kartell gründen, mit dem sie den jeweiligen Markt beherrschten.

Als die Öffentlichkeit allmählich auf das Ausmaß des Konglomerats von Verbrecherbanden in New York aufmerksam wurde und die Staatsanwaltschaft die Strukturen hinter den mafiösen Gebilden zu durchleuchten begann, wurde der Druck auf Buchalter und andere kriminelle Führungspersönlichkeiten groß. Der Bandenführer Dutch Schultz war deshalb der Ansicht, nur durch die Ermordung des Staatsanwaltes Thomas E. Dewey der Verhaftung zu entgehen und bat das National Crime Syndicate um die Erlaubnis, Dewey töten zu dürfen. Während Albert Anastasia und Jacob Shapiro ihm zustimmten, stieß der Wunsch bei den restlichen Führungskräften wie Lucky Luciano und Buchalter auf Ablehnung, da sie befürchteten dadurch nur noch mehr in den Fokus der Öffentlichkeit zu geraten. Schultz wollte jedoch dennoch den Mord an Staatsanwalt Dewey ausführen lassen, weswegen das National Crime Syndicate beschloss Schultz zu ermorden, und er und drei seiner Gefolgsleute am 23. Oktober 1935 von zwei Mitgliedern der Murder Inc. erschossen wurden.

Louis „Lepke“ Buchalter (Mitte) und J. Edgar Hoover (links); 1939
Louis „Lepke“ Buchalter vor Gericht; 2. Dezember 1941

Nach dem Tod von Schultz setzte Dewey jedoch sogar den Schwerpunkt seiner Ermittlungen auf Shapiro und Buchalter. Als Dewey der Ansicht war, genug Beweise gegen die Bandenchefs zu haben, um eine Verurteilung zu erwirken, leitete die New Yorker Polizeiabteilung eine bundesweite Fahndung ein und sorgte für eine großflächige Verteilung von Steckbriefen der Gesuchten. Buchalter, dem eine Anklage wegen Drogenschmuggels drohte, war gezwungen, unterzutauchen. Er lebte nun in kleinen Wohnungen, jedoch weiterhin in New York, und begann von da an, potentielle Belastungszeugen in Bezug auf andere begangene Straftaten durch die Murder Inc. ermorden zu lassen. Nachdem sich Buchalter lange Zeit vor der Justiz versteckt hatte, und er glaubte, neben der Anklage wegen Drogenschmuggels nicht weiter belastet zu werden, ging er einen Deal mit dem Direktor des FBI Edgar Hoover ein. Louis Buchalter stellte sich den Behörden 1939, nachdem er sich zuvor mit Hoover persönlich getroffen hatte, um dem FBI Direktor einen medientauglichen Festnahmeerfolg zu bescheren. Man verurteilte Buchalter schließlich zu einer Haftstrafe von 14 Jahren wegen Drogenschmuggels. Die Haftzeit wurde jedoch in einem weiteren Prozess wegen Buchalters Beteiligung an der Unterwanderung der Gewerkschaften auf 30 Jahre verlängert.

Abe Reles und Joseph Rosen

Als 1940 der Staatsanwalt von Kings County, William O'Dwyer, das Bandenmitglied Abe Reles wegen Beteiligung an einem Mord anklagte, lieferte dieser der Staatsanwaltschaft ausführlich Informationen über die Machenschaften seiner Organisation und ungeklärte Mordfälle, um selbst Strafmilderung zu erlangen.

So enthüllte er u.a. die Ermordung des Süßwarenhändlers Joseph Rosen, die vier Jahre lang als ungelöster Polizeifall galt. Rosen war am 12./13. September 1936 in seinem Geschäft in Brownsville (New York City) erschossen worden. Laut Reles ordnete Louis Buchalter die Ermordung Rosens an, an deren Planung und Ausführung Harry Strauss, James Ferraco, Emanuel Weiss, Sholem Bernstein und Louis Capone beteiligt waren. Joseph Rosen war der frühere Eigentümer einer Spedition gewesen, die Kleidung aus Pennsylvania transportierte, die dort in gewerkschaftsfreien Nähereien produziert worden war. Buchalter hatte versprochen die Spedition von Rosen zu übernehmen; Als Buchalter seinem Wort nicht nachkam, wandte sich Rosen an seinen Freund, den Mobster Max Rubin. Letztendlich einigte man sich, Rosen einen Süßigkeiten-Laden (am: „Candy Store“) zu überlassen, den er allerdings ruinierte. Wegen seiner neuen Forderungen und Drohungen war er zu einer Gefahr für Buchalter geworden.

Das Ende

Louis „Lepke“ Buchalter, kurz vor seiner Hinrichtung; 1944

Als auch der Auftragsmörder Albert Tannenbaum zum Informanten der Justiz wurde und gegen Buchalter aussagte, war dessen Schicksal besiegelt. Buchalter unterschätzte offenbar die mögliche Belastung durch Tannenbaum, da dieser in den Mord an Rosen nicht verwickelt war und nie direkte Mordaufträge von Buchalter bekommen hatte. Allerdings hatte Tannenbaum den Mord an Irv Ashkenaz, welcher der Polizei über den Einfluss Buchalters auf Taxi-Unternehmen berichtet hatte, genau an dem Tag ausgeführt, als Buchalter sehr aufgebracht über Rosen war. Tannenbaum, der Buchalter berichten wollte, fand einen wütenden Boss vor, der gegenüber Rubin aussagte, dass Rosen niemals gegenüber dem Staatsanwalt Dewey aussagen würde können. Auf diese Weise wurde durch die Zeugenaussage von Tannenbaum der Mordauftrag an Rosen durch Buchalter belegt, da Rosen zwei Tage später ermordet wurde.[3]

Wegen des Mordes an Joseph Rosen verurteilte man Buchalter zusammen mit Emanuel Weiss und Louis Capone zum Tode. Die ebenfalls an dem Joseph Rosen Mord Beteiligten Harry Strauss und James Ferraco waren bereits vor Verfahrensbeginn verstorben. Lediglich der Fluchtwagenfahrer Sholem Bernstein erlangte Strafmilderung, da er als Belastungszeuge gegen seine Komplizen aussagte.

Jacob Shapiro, der ebenfalls eine Haftstrafe wegen der Ermittlungen des Staatsanwalts Dewey absitzen musste, schrieb seinem Freund und früheren Kollegen Buchalter einen Brief mit den Worten „Ich habe es dir gesagt“ (I told you so). Gemeint war damit Buchalters ablehnende Haltung bezüglich der Bitte von Dutch Schultz aus dem Jahre 1935, die auch von Shapiro unterstützt worden war, den ermittelnden Staatsanwalt töten zu dürfen. Louis Buchalter wurde, nachdem das letzte Gnadengesuch von Dewey, dem Staatsanwalt, dessen Ermordung Buchalter damals verhindert hatte, und mittlerweile Gouverneur von New York, abgelehnt worden war, am Samstag, dem 4. März 1944, in Sing Sing auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. Am selben Tag, wenige Minuten vor Buchalters Hinrichtung, wurden auch dessen Handlanger Emanuel Weiss und Louis Capone hingerichtet.

Beerdigt wurde Louis Buchalter auf dem Friedhof Mount Hebron in Queens, New York.[4]

Verfilmung

Der 1975 produzierte US-amerikanische Spielfilm Tony Curtis in der Titelrolle basiert auf Buchalters Leben.

Literatur

  • Paul R. Kavieff: The Life and Times of Lepke Buchalter: America's Most Ruthless Labor Racketeer. Barricade Books Inc Februar 2006, ISBN 978-1-56-980291-5
  • Cohen, Rich: Murder Inc.: Nicht ganz koschere Geschäfte in Brooklyn. Fischer Verlag 2000, ISBN 3-10-010215-0
  • Burton B. Turkus and Sid Feder: Murder Inc.. Farrar Straus and Young 1952, 1992, ISBN 978-0-306-80475-5
  • Burton B. Turkus and Sid Feder: Murder Inc.. Da Capo Press 2003, ISBN 0-306-81288-6

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Louis-Buchalter in Encyclopedia Britannica (englisch)
  2. The Amerivan Mafia: Chronology - Section III 1920-1931 auf www.onewal.com (englisch)
  3. Murder Inc.: Lepkes Mistake von Mark Gribben auf trutv.com (englisch)
  4. Louis Buchalter auf www.findagrave.com (englisch)

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