Louis Mountbatten

Louis Mountbatten
Louis Mountbatten als Vizekönig von Indien

Louis Mountbatten, 1. Earl Mountbatten of Burma, KG, GCB, OM, GCSI, GCIE, GCVO, DSO, PC (* 25. Juni 1900 in Windsor; † 27. August 1979 in der Bucht von Sligo, Irland) war ein britischer Großadmiral, Vizekönig von Indien und Generalstabschef des Vereinigten Königreichs. Mountbatten war außerdem ein Onkel des jetzigen Herzogs von Edinburgh.

Inhaltsverzeichnis

Jugend

Der spätere 1. Earl Mountbatten of Burma wurde 1900 als Seine Durchlaucht Prinz Louis Francis Albert Victor Nicholas von Battenberg in Frogmore House im Großen Park von Windsor Castle geboren. Seine Eltern waren der britische Admiral hessischer Herkunft Prinz Ludwig Alexander von Battenberg (1854−1921) und Prinzessin Victoria Alberta von Hessen und bei Rhein (1863−1950), eine Enkelin Königin Victorias und Schwester des letzten Großherzogs von Hessen-Darmstadt. Aufgrund dieser Beziehungen zählten die Battenbergs zur Verwandtschaft der britischen Königlichen Familie. Als König Georg V. im Juli 1917 für sich und seine Familie auf alle deutschen Titel verzichtete und seine Verwandten dazu aufrief, dasselbe zu tun, legte auch Admiral Prinz Ludwig Alexander von Battenberg seine hessischen Titel ab. Er nahm den Familiennamen Mountbatten an und erhielt wenig später die Würde eines britischen Marquess of Milford Haven sowie einen Sitz im House of Lords. Aufgrund dieses Verzichts verloren auch seine Kinder ihre bisherigen Titel: während sein ältester Sohn George (1892-1938) den Höflichkeitstitel Earl of Medina führte, erhielt sein zweiter Sohn nur die Anrede Lord Louis Mountbatten.

Karriere während und nach dem Zweiten Weltkrieg

Philip Alexius de László:Louis Mountbatten, 1. Earl Mountbatten of Burma

Montbattens Rolle während des Zweiten Weltkrieges und vor allem beim Übergang Indiens und Pakistans zur Unabhängigkeit wurde in der Öffentlichkeit und in seiner näheren Umgebung höchst unterschiedlich beurteilt. Seine spektakuläre von modernen PR-Maßnahmen begleitete Karriere hatte eine große Wirkung auf die Zeitgenossen.[1] Im Zweiten Weltkrieg kommandierte er zunächst eine Zerstörerflottille; er war berühmt für seine mutigen und gewagten Einsätze. Im Januar 1942 erhielt er den Auftrag, auf die von der deutschen 302. Infanteriedivision besetzte nordfranzösische Küstenstadt Dieppe (Seine-Maritime) einen Angriff durchzuführen. Dieser Angriff mit dem Namen Operation Jubilee fand am 19. August 1942 statt, führte zu großen Verlusten und wird allgemein als Fehlschlag gewertet, aus dessen Fehlern jedoch bei der Operation Overlord gelernt wurde. Grund für den Fehlschlag waren ungenügende Planung, mangelhafte Aufklärung und zahlreiche Fehleinschätzungen des britischen Befehlshabers. Mountbatten war von 1943 bis 1946 sodann Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkräfte in Südostasien, wobei er sich im Burmafeldzug auszeichnete. In Anerkennung seiner Leistungen besonders als Oberbefehlshaber in Südostasien wurde Mountbatten 1946 zum Viscount Mountbatten of Burma ernannt und erhielt nun selbst einen Sitz im House of Lords. Im selben Jahr wurde er außerdem als einziger britischer Admiral des Zweiten Weltkriegs in den Hosenbandorden aufgenommen.

Nach einer Zwischenstation als Kommandeur eines Kreuzergeschwaders im Mittelmeer wurde Lord Mountbatten zum Vizekönig von Indien ernannt. Als letztem Inhaber dieses Amtes fiel ihm die schwierige Rolle zu, innerhalb kürzester Zeit im Jahr 1947 die britische Kolonie in die Unabhängigkeit zu entlassen. Entsprechend dem Mountbattenplan erfolgte am 15. August 1947 die Teilung der Kronkolonie in die zwei Dominions Indische Union und Pakistan, wobei Mountbatten zunächst noch für kurze Zeit Generalgouverneur von Indien wurde. Nach seiner Rückkehr ins Vereinigte Königreich erhob ihn König Georg VI. zum Earl Mountbatten of Burma. Diese Adelstitel wurden ausdrücklich mit dem Recht geschaffen, dass sie auf die älteste Tochter von Lord Mountbatten übergehen konnten.

In den 1950er und 1960er Jahren bekleidete er hochrangige Ämter in der britischen Marine und bei der NATO. 1955 bis 1959 war Mountbatten Stabschef der Marine (Erster Seelord), danach bis 1965 erster Generalstabschef des Vereinigten Königreichs (Chief of the Defence Staff). Sein letzter Dienstgrad in der Marine war der eines Großadmirals (Admiral of the Fleet).

Nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst engagierte sich Mountbatten unter anderem für die United World Colleges (UWC), eine Gruppe von Schulen nach dem Konzept des deutschen Pädagogen Kurt Hahn. Von 1967 bis 1978 übernahm Mountbatten die Präsidentschaft der UWC-Bewegung. Ferner war er Mitglied des renommierten Savage Clubs.

Privatleben

Limousine von Lord Mountbatten, Broadlands

1922 heiratete Mountbatten Edwina Ashley, die Enkeltochter und Haupterbin von Sir Ernest Cassel. Der von Edwina mit in die Ehe gebrachte, nunmehr gemeinsam bewohnte Landsitz Broadlands bei Southampton wurde bald zu einem Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens in Großbritannien.

Das Ehepaar hatte zwei Töchter:

Die Eheleute führten insbesondere in den 1930er Jahren eine offene Beziehung. Beide hatten Beziehungen zu Personen beiderlei Geschlechts. Bekannt ist die Affäre von Lady Mountbatten mit Nehru während ihres Aufenthalts in Indien. Im Februar 1960 starb Lady Mountbatten im Alter von 58 Jahren.

Eine besonders enge Beziehung hatte Lord Louis Mountbatten sowohl zu seinem Neffen Prinz Philip als auch zu dessen Sohn, Prinz Charles. Er war maßgeblich an der Anbahnung der Ehe des ersteren mit der Thronfolgerin Elisabeth beteiligt und stellte dem Paar seinen Landsitz Broadlands für die Flitterwochen zur Verfügung. Seinem Großneffen Charles war Mountbatten über viele Jahre hinweg Mentor, Freund und Ersatzvater. Nach Edwinas Tod bewohnte er Broadlands 19 Jahre lang allein.

Tod

Earl Mountbatten wurde am 27. August 1979 Opfer eines Attentats der Irish Republican Army. Während eines Urlaubs in seinem Sommerhaus in Sligo in der Republik Irland wurde er von einer Bombe getötet, die in seinem Boot platziert worden war. Die Provisional IRA übernahm die Verantwortung für den Anschlag. Dem Anschlag fielen drei weitere Menschen zum Opfer, darunter sein 14 Jahre alter Enkel. Der Anschlag war für Prinz Charles ein schwerer Schlag und herber Verlust. Am 28. November 1979 wurde Thomas McMahon für den Anschlag zu lebenslanger Haft verurteilt.

Der große, von Mountbatten selbst bis ins einzelne geplante Trauergottesdienst, der auch weltweit im Fernsehen übertragen wurde, fand in der Westminster Abbey statt. Beigesetzt wurde er in der Romsey Abbey in Hampshire, die in der Nähe des Familiensitzes Broadlands liegt.

Titel und Orden

Titel von der Geburt bis zum Tod

  • His Serene Highness (Durchlaucht) Prinz Louis von Battenberg (1900−1917)
  • Mr. Louis Mountbatten (1917)
  • Lord Louis Mountbatten (1917–1920)
  • Lord Louis Mountbatten, MVO (1920−1922)
  • Lord Louis Mountbatten, KCVO (1921−1937)
  • Lord Louis Mountbatten, GCVO (1937−1941)
  • Lord Louis Mountbatten, GCVO, DSO (1941−1943)
  • Lord Louis Mountbatten, GCVO, CB, DSO (1943−1946)
  • The Right Honourable The Viscount Mountbatten of Burma, KG, GCVO, KCB, DSO (1946/1947)
  • The Right Honourable The Viscount Mountbatten of Burma, KG, GCVO, KCB, DSO, PC (1947)
  • The Right Honourable The Earl Mountbatten of Burma, KG, GCSI, GCIE, GCVO, KCB, DSO, PC (1947–1955)
  • The Right Honourable The Earl Mountbatten of Burma, KG, GCB, GCSI, GCIE, GCVO, DSO, PC (1955–1965)
  • The Right Honourable The Earl Mountbatten of Burma, KG, GCB, OM, GCSI, GCIE, GCVO, DSO, PC (1965–1979)

Britische Orden

Literatur

  • Philip Ziegler: Mountbatten. The Official Biography, London, Collins, 1985
  • Ian McGeoch: The Princely Sailor: Mountbatten of Burma. – London: Brassey's, 1996 – ISBN 1-85753-161-2
  • Andrew Roberts: Churchill und seine Zeit, dtv 1999 - ISBN 3-423-24132-2.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. In der neueren Literatur wird eine vernichtende Charakterisierung Mountbattens vorgenommen. Vgl. Roberts 1999: 79ff: "Lord Mountbatten und die Gefahren des Adrenalins".



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