Luc Dardenne


Luc Dardenne

Luc Dardenne (* 10. März 1954 in Awirs, Belgien) ist ein belgischer Filmregisseur, Filmproduzent und Drehbuchautor.

Luc Dardenne dreht die meisten seiner Filme gemeinsam mit seinem älteren Bruder Jean-Pierre Dardenne.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Die Brüder Luc und Jean-Pierre Dardenne wuchsen in einem Industrievorort von Seraing in der belgischen Provinz Liège auf.

Nach seinem Philosophiestudium an der Universität Lüttich drehten er und sein Bruder Jean-Pierre, der Dramaturgie studierte, einige Videos über das Leben in den Arbeiterstädten Walloniens. Nach ihrer Begegnung mit dem monegassischen Filmemacher Armand Gatti und dem Kameramann Ned Burgess, mit denen sie einige Projekte realisierten, entschieden sie, in das Filmbusiness einzusteigen.

Im Jahr 1978 entstand Le chant du rossignol (Der Gesang der Nachtigall), ihr erster Dokumentarfilm, der über den Widerstand der belgischen Résistance gegen die Nationalsozialisten während des Zweiten Weltkriegs berichtet. Der erste Spielfilm, Falsch, der die Geschichte einer von den Nazis ermordeten jüdischen Familie erzählt, entstand 1986. Auf ihren zweiten Film Je pense a vous (Ich denke an euch) von 1992 folgte 1996 mit La Promesse (Das Versprechen) ein äußerst vielschichtiger Film, der u.a. die Coming-of-Age- und biografische wie ethische Emanzipationsgeschichte eines Sohnes seinem rassistischen Vater gegenüber wie auch die Einwanderung nach Belgien zum Thema hat. La Promesse wurde ein internationaler Erfolg und auf zahlreichen Festivals mit Preisen ausgezeichnet. Mit diesem Film wurde zugleich Jérémie Renier entdeckt, mit dem die Dardennes seitdem in weiteren Filmen zusammengearbeitet haben.

Für Rosetta, einen Film, der von einer Jugendlichen mit einer alkoholkranken Mutter erzählt, die sich in einer belgischen Kleinstadt um ein besseres Leben bemüht, wurden sie in Cannes 1999 mit der Goldenen Palme ausgezeichnet. Auch mit ihrem nächsten gemeinsamen Film Le Fils (Der Sohn), der sich erneut höchst komplex mit Vater-Sohn- und (wie in all ihren Filmen) Opfer-Täter-Beziehungen und mit der Schwierigkeit zu verzeihen beschäftigt, waren sie drei Jahre später in Cannes erfolgreich. Sie waren für die Goldene Palme nominiert und erhielten den Sonderpreis der Jury. Seit den Festspielen des Jahres 2005 gehören sie zu dem kleinen Kreis der mehrfach mit einer Goldenen Palme ausgezeichneten Filmemacher. Ihre zweite Palme erhielten sie für L'Enfant (Das Kind), einen Film über ein junges Elternpaar, das von Zuwendungen und kleinen Diebstählen lebt, bis der Vater in ihrem neugeborenen Kind eine neue Einnahmequelle entdeckt.

2008 erhielten die Gebrüder Dardenne für Le Silence de Lorna erneut eine Einladung in den Wettbewerb der 61. Filmfestspiele von Cannes. In dem Drama ist die relativ unbekannte Schauspielerin Arta Dobroshi in der Titelrolle einer jungen Albanerin zu sehen, die mit ihrem Freund vom Besitz einer eigenen Snackbar träumt und in die Kriminalität abdriftet. Zwar unterlag der Film dem französischen Beitrag Entre les murs von Laurent Cantet, aber die Regiearbeit wurde mit dem Drehbuchpreis prämiert.

Werke

Filmografie (Auswahl)

  • 1986: Falsch
  • 1992: Ich denke an euch (Je pense à vous)
  • 1996: La Promesse – Das Versprechen|Das Versprechen (La Promesse) (Bester belgischer Film auf dem Filmfestival von Brüssel und zahlreiche andere Preise und Nominierungen weltweit)
  • 1997: Gigi, Monica... et Bianca
  • 1999: Rosetta (Goldene Palme in Cannes 1999; Émilie Dequenne, die Hauptdarstellerin wurde ebenfalls ausgezeichnet)
  • 2002: Der Sohn (Le Fils) Sonderpreis der Jury in Cannes 2002 (Olivier Gourmet wurde als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet)
  • 2005: Das Kind (L'Enfant) (Goldene Palme in Cannes 2005).
  • 2008: Lornas Schweigen (Le Silence de Lorna)

Auszeichnungen (Auswahl)

  • 1999 Goldene Palme für Rosetta
  • 2005 7. Bremer Filmpreis
  • 2005 Goldene Palme für Das Kind

Literatur

  • Luc Dardenne, Au dos de nos images, 1991-2005, suivi du scénario du Fils et de L'Enfant, de Jean-Pierre et Luc Dardenne., Editions du Seuil, La Librairie du XXe siècle, 2005.

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