Lutsk


Lutsk

Luzk (ukrainisch Луцьк; polnisch Łuck; historisch Lutchesk) ist eine Stadt in der nordwestlichen Ukraine. Der am Fluss Styr gelegene Ort ist Zentrum der Oblast Wolhynien (Wolynska oblast).

Hinsichtlich der etymologischen Herkunft des Namens existieren drei Theorien:

  • der Name stammt von dem altslawischen Wort luka ab (Mäander (Flussschlinge) eines Flusses)
  • der Ort ist nach Luka benannt, Anführer des ostslawischen Stamms der Duleben, welcher in der Gegend lebte
  • der Name leitet sich von den Luchanen her, einem alten Zweig des Stamms der Duleben

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der Ort wird erstmals 1085 in der Hypatiuschronik als Lutschesk urkundlich erwähnt. Bis zur Gründung von Wolodymyr-Wolynskyj war Luzk die Hauptstadt von Wolhynien.

Die Siedlung entstand um eine aus Holz errichtete Festung eines lokalen Zweigs der Rurikiden. Im Tatarensturm 1240 wurde die Stadt von den Tataren erobert, die aber die Festung nicht zerstörten. Im Jahr 1321 starb mit Georg, Sohn des Lew, der letzte Adlige der Gründungs-Linie in einer Schlacht mit Gediminas, Großfürst von Litauen. Dieser verleibte Festung und Stadt seinem Reich ein. 1340 wird mit dem Bau der Burg Lubarta begonnen. 1349 wurde die Stadt von Truppen des polnischen Königs Kasimirs des Großen für kurze Zeit erobert, sie fiel aber bereits kurze Zeit später wieder an Litauen.

Unter den Litauern nahm die Stadt einen Aufschwung. 1375 wurde das Bistum Luzk errichtet. Lubart, Sohn des Gediminas, errichtete am Ufer der Styr eine Burg aus Ziegel. Witold warb Kolonisten für Luzk an (überwiegend Juden, Tataren, Armenier und Karaimer). 1427 verlegt er den katholischen Bischofssitz von Wolodymyr-Wolynskyj nach Luzk. Ende des 15. Jh. besaß Luzk bereits 19 orthodoxe und zwei römisch-katholische Kirchen. Neben dem katholischen Bischof hatte auch ein orthodoxer Bischof seinen Sitz in Luzk. Daher trug die Stadt damals auch den Spitznamen Wolhynisches Rom. In der Liste der Bischöfe von Luzk sind die römisch-katholischen Bischöfe aufgeführt.

1429 fand auf Einladung des polnischen Königs Władysław II. Jagiełło und Jadwiga von Polen in der Stadt eine Versammlung europäischer Herrscher statt, welche die Bedrohung durch die Tataren zum Thema hatte. Unter den Eingeladenen befanden sich der deutsche Kaiser Sigismund, der russische Großfürst Wassili II., der dänische König Erich von Pommern, der Großmeister des Schwertbrüderordens Zisse von Rutenberg, der Fürst von Stettin Kazimierz V., Dan III., Herrscher der Walachei, und weitere deutsche Fürsten.

Nach dem Tod von Swidrygello, dem jüngsten Bruder von Władysław Jagiełło, im Jahr 1452 wird Wolynien ein Lehnswesen der polnischen Krone. Die Stadt wird Sitz eines polnischen Gouverneurs, die sich später Marschalle des Lands Wolhynien nennen. Im gleichen Jahr erhält Luzk das Magdeburger Stadtrecht. 1569 kommt Luzk im Zuge der Union von Lublin unter direkte polnische Herrschaft und wird Hauptstadt der Wojwodschaft Wolhynien und des Łuck powiat. Gleichzeitig konvertiert der lokale orthodoxe Bischof zum griechischen Katholizismus.

Die Stadt wuchs weiter an und zählte in der Mitte des 17. Jahrhundert etwa 50.000 Einwohner. Beim Kosaken-Aufstand unter Bohdan Chmelnyzkyj wird die Stadt von Truppen des Kolonel Kolodko geplündert und teilweise niedergebrannt. Hierbei wurden knapp 4.000 Menschen getötet, etwa 35.000 flohen. Von diesem Ereignis hat sich der Ort lange nicht erholen können. 1781 zerstörte ein Feuer 440 Häuser, beide Kathedralen und zahlreiche weitere Kirchen.

Im Zuge der dritten polnischen Teilung wurde Luzk 1795 von Russland annektiert. Die Wojwodschaft wurde aufgelöst. Luzk war nicht mehr Provinzhauptstadt, sondern wurde von Schytomyr aus regiert. Nach dem Novemberaufstand wurde die Russifizierungsbemühungen in der Stadt verstärkt, wodurch Russisch das Polnische als dominierende Verkehrssprache ablöste. Griechisch-katholische Kirchen wurden in russisch-orthodoxe umgewandelt. 1845 ereignete sich in der Stadt erneut ein Großbrand, der Abwanderungen zur Folge hatte.

1850 wurden drei große Festungen um Luzk gebaut und die Stadt wurde in Michailogorod umbenannt. Im Jahr 1900 lebten in dem Ort 17.701 Einwohner. Während des Ersten Weltkrieges wurde die Stadt am 29. August 1915 von Österreich-Ungarn besetzt, wobei es zu leichten Zerstörungen kam. In der einjährigen Besatzungszeit hatte die vierte Armee unter dem Erzherzog Joseph Ferdinand hier ihr Hauptquartier. Aufgrund von Problemen bei der Nahrungsmittelversorgung brach in dieser Zeit eine Typhusepidemie aus.

Am 7. Juni 1916 wurde Luzk im Verlauf der Brussilow-Offensive nach einem dreitägigen Artilleriebombardement von den Russen zurückerobert. In der Folge des Friedens von Brest-Litowsk wird Luzk am 7. Februar 1918 von den Deutschen besetzt, welche es am 22. Februar 1918 an die Truppen von Semen Petlura übergeben. Am 5. Mai 1919 wird Luzk von polnischen Truppen unter General Aleksander Karnicki erobert.

Nach dem Ersten Weltkrieg kommt Luzk zu Polen und wird erneut Hauptstadt der Wojwodschaft Wolhynien. Die Stadt erhält Eisenbahnanschluss nach Lemberg und Przemysl. Unter polnischer Herrschaft werden zahlreiche Fabriken in der Stadt errichtet. Die Stadt wird Garnison des 13. leichten Artillerieregiments. Am 1. Januar 1939 lebten in Luzk 39.000 Einwohner, darunter 17.500 Juden und 13.500 Polen. Die Umgebung war dagegen mehrheitlich von Ukrainern bewohnt. So wohnten im Powiat 316.970 Einwohner, wovon 59% Ukrainer, 19,5% Polen und 14% Juden waren. Weiterhin lebten dort etwa 23.000 Tschechen und Deutsche.

1939 wird Luzk von der Roten Armee erobert. Viele Fabriken werden abgebaut (inklusive einer seit 1938 in Bau befindlichen Radiostation) und nach Russland transferiert. Etwa 10.000 Einwohner (überwiegend Polen) werden in Lager gebracht oder vom NKWD inhaftiert. Ende Juni 1941 wird Luzk von der deutschen Wehrmacht eingenommen. In der Burg finden die Deutschen Opfer eines Massakers des NKWD vor. Daraufhin kommt es zu einem ersten, von den Deutschen ermutigten Pogrom ukrainischer Nationalisten gegen die jüdischen Einwohner der Stadt. Am 2. Juli 1941 erschießt dann das Sonderkommando 4a der Einsatzgruppe C 1.160 männliche Juden zwischen 16 und 60 Jahren. Die verbliebenen jüdischen Bewohner der Stadt werden in ein Ghetto umgesiedelt und später beim in der Nähe der Stadt gelegenen Polankahügel ermordet.

1943 und 1944 verübten ukrainischen Nationalisten der OUN-UPA, zum Teil unter Beteiligung ukrainischer "Selbstschutzgruppen", gegen die polnische Bevölkerung der Westukraine gerichtete Massaker, mit dem Ziel, diese gebiete "ethnisch rein" zu machen.[1] Im Zuge dieser wurde der überwiegende Teil der polnischen Einwohner ermordet oder vertrieben (vgl. dazu auch Polnisch-Ukrainischer Konflikt in Wolhynien und Ostgalizien).

Unter der 1944 wiedererrichteten sowjetischen Herrschaft wurde die Stadt zu einem Industriezentrum. Im Zuge der ukrainischen Unabhängigkeit wurde die Stadt 1991 Teil der Ukraine. Seit 1997 unterhält Luzk eine Städtepartnerschaft mit Olsztyn (Polen). 2001 wurde eine weitere mit der Stadt Rzeszów (Polen) vereinbart.

Wirtschaft und Infrastruktur

Der industrielle Schwerpunkt der Stadt liegt auf dem Maschinenbau (u.a. Automobilbau) und der Leichtindustrie. An Hochschulen verfügt der Ort u.a. über eine staatliche Universität und eine industrielle Hochschule.

Luzk liegt am Schnittpunkt der Europastraße 85 (ukrainische Klassifizierung: M 19) mit der M 08 und an der Eisenbahnlinie Lemberg–Luzk–Kiwerzi. Im 14 km nordöstlich der Stadt gelegenen Kivercy besteht Anbindung an die Strecke KowelRiwneKiew. Täglich verkehrt ein durchgehender Schlafwagen von Berlin.

Unternehmen

Die deutsche Firma Kromberg & Schubert führt in der Nähe von Luzk seit 2006 ein Werk zur Montage von PKW-Kabelbäumen. Ebenfalls in der Automobilbranche arbeitet das Luzker Automobilwerk (LuAZ), das beispielsweise das Amphibienfahrzeug LuAZ 967 fertigte, sowie den Bus BOGDAN, der in der Ukraine zu den meist genutzten Bussen gehört.

Persönlichkeiten

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Franziska Bruder: "Den ukrainischen Staat erkämpfen oder sterben!" Die Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) 1929-1948. Berlin: Metropol Verlag, 2007, S. 206ff.

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