López de Arriortúa


López de Arriortúa

José Ignacio López de Arriortúa (* 18. Januar 1941 in Amorebieta, Baskenland) ist ein spanischer Manager, der zunächst für Opel, später für General Motors und danach für die Volkswagen AG tätig war.

López studierte Ingenieurwesen in Bilbao, bevor er 1966 bei den spanischen Tochtergesellschaften der amerikanischen Unternehmen Westinghouse und Firestone arbeitete. 1979 wurde der ehrgeizige López von dem spanischen Werksleiter von General Motors in Saragossa, Hüskes, für den Aufbau des neuen Werks engagiert. Er rühmte sich, statt der veranschlagten 12.000 Beschäftigten zur Produktion von jährlich 270.000 Einheiten mit nur 9.000 Arbeitern zur Fertigung von jährlich 370.000 Fahrzeugen auszukommen. Ausgehend von einem am Markt zu erzielenden Preis abzüglich des veranschlagten Gewinns gab er die maximalen Kosten jedes Bauteils vor. Mit der „Beharrlichkeit eines Sektenführers“ soll er die wiederkehrende Kostenreduktion quasi zur „Heilslehre“ gemacht haben. Kerngedanke dieses Konzepts waren Produktivitätszuwächse ohne Investitionen, weil er diese bei den Zulieferern realisieren lassen wollte. Bereits 1987 wurde ihm bei der Adam Opel AG in Rüsselsheim die Verantwortung von Produktion und Einkauf übertragen. Ein Jahr später rückte er zum Chefeinkäufer von General Motors Europe in Zürich auf. 1992 wurde er zum Executive Vice President für den weltweiten Einkauf vom General Motors in Detroit berufen. Er zwang die Zuliefererindustrie zu bis dahin unbekannten Zugeständnissen. Seine kompromisslose Verhandlungsführung in Kombination mit seinen gefürchteten Werksbesichtigungen führte zu dem nach ihm benannten Lopez-Effekt.

Überraschend gelang es Ferdinand Piëch, den von GM mit einer Kompetenzausweitung abgeworbenen López 1993 gemeinsam mit sieben seiner „Krieger“ (so von López ausgedrückt), darunter die Spanier José Manuel Gutiérez, García Sanz, Jorge Álvarez und Rosario Piazza sowie zwei Niederländer und einem Belgier zum damals angeschlagenen Volkswagen-Konzern nach Wolfsburg zu holen, wo der neue Vorstandsbereich „Produktionsoptimierung und Beschaffung“ für López eingerichtet wurde. Es gelang ihm durch seine bereits erwähnte, kompromisslose, harte Verhandlungstaktik gegenüber den Zulieferern im Verein mit der von Peter Hartz eingeführten 28-Stunden-Woche bei VW die Produktionskosten erheblich zu senken. In Resende errichtete López für Volkswagen do Brasil eine LKW-Fabrik nach der Methode der modularen Produktion.

Da sich 20 Kartons mit Unterlagen und einige vertrauliche Daten über Einkaufspreise von Komponenten und Herstellungskosten aller europäischen Fabrikationsstandorte des damals völlig neu entwickelten Opel Corsa B und anderer GM-Modelle in Wohnungen und auf Rechnern fanden, die engen López-Mitarbeitern zugeordnet wurden und von López wenige Tage vor seinem Ausscheiden bei GM angefordert worden waren, erstattete Opel bzw. General Motors Strafanzeige gegen die neuen VW-Mitarbeiter. General Motors unterstellte Verrat von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen und Industriespionage. Die Darmstädter Staatsanwaltschaft ermittelte mehrere Jahre wegen Unterschlagung und Verstoßes gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb. Die Ermittlungen wurden wegen "fehlendem öffentlichen Interesse" eingestellt. Nach dreijährigem juristischem Tauziehen reichte General Motors auch vor einem Detroiter Gericht Klage gegen López und seine Mitarbeiter ein, dort allerdings auf Grundlage des „RICO-Acts“ wegen Geheimnisverrats und „krimineller Verschwörung“. Eine juristische Schlacht über mehrere Jahre kündigte sich an, bis durch Vermittlung von Bundeskanzler Helmut Kohl und US-Präsident Bill Clinton ein Vergleich ausgehandelt werden konnte. Letztlich musste Piëch López 1996 zum Rücktritt drängen, damit General Motors einem Vergleich zustimmte, bei dem VW 100 Mio. US-$ Schadensersatz an GM zahlte und für 1 Mrd. US-$ Bauteile von GM bezog. [1] [2] Ein Strafverfahren gegen ihn wurde gegen Zahlung von 400.000 DM eingestellt. [3] Aufgedeckt wurde die Lopez-Affäre[4] durch Nachrichtenüberwachung der amerikanischen NSA in der deutschen Bad Aibling Station, einer geheimdienstlich genutzten Abhörbasis der USA.

Der Begriff Lopez-Effekt ist nach Jahren immer noch bekannt, allerdings in negativer Hinsicht als Synonym für billige und oft mangelhafte Bauteile (z.B. der Luftmassenmesser). Vereinfachte Montageleistungen in der Produktion der Fahrzeuge musste der Kunde später durch umfangreichere Reparaturen teuer bezahlen, wie z. B. beim Golf IV durch die Verlegung des Blinkerrelais in den Warnblinkschalter im Armaturenbrett, wodurch bei einem Defekt des Relais der komplette Warnblinkschalter erneuert werden muss.

Nach seinem vorzeitigen Ausscheiden bei VW gründete Lopez in Spanien die Unternehmensberatung „Management Arriortúa“, die Aufträge von zahlreichen europäischen Unternehmen erhält. López wurde bei einem Autounfall als Beifahrer 1998 schwer verletzt und hat sich seitdem aus der operativen Unternehmensführung zurückgezogen. Sein Lebenstraum, eine baskische Autofabrik zu errichten, hat sich bis 2009 noch nicht verwirklicht.

López ist verheiratet und Vater dreier Töchter.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Verdächtige bei Opel, Oracle und Ferrari, Die Welt, 12. Mai 2007
  2. López hat VW mehr gebracht als geschadet, Die Zeit, 17. Januar 1997
  3. Herren des Verfahrens, Tagesspiegel, 30. November 2006
  4. Affäre Lopez, DER SPIEGEL 52/1993 vom 27. Dezember 1993, Seite 92b

Weblinks


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