MITS Altair

MITS Altair
Altair 8800
Altair 8800 Innenansicht
Altair 8800 mit Diskettenlaufwerk

Der Altair 8800 war einer der ersten Heimcomputer. Er wurde 1974 von Ed Roberts und seiner Firma MITS entwickelt und ab 1975 für 397 US-$ als Bausatz durch die Zeitschrift Popular Electronics auf den Markt gebracht, das Fertiggerät kostete 695 $.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Während des Militärdienstes in den Waffenlabors der Air Force im Stützpunkt Kirtland (New Mexico) entschieden sich Ed Roberts und Forrest M. Mims III, ihr elektronisches Hintergrundwissen zu nutzen und kleine Raketenmodell-Bausätze für Bastler zu produzieren. Zu diesem Zweck gründeten sie zusammen mit Stan Cagle und Robert Zaller Micro Instrumentation and Telemetry Systems, kurz MITS, in Roberts Garage in Albuquerque und begannen Funksender und Instrumente für Raketenmodelle zu verkaufen.

1969 kaufte Roberts die Anteile der anderen und mietete ein größeres Büro, wo er Taschenrechner-Bausätze herstellte. Mims half ihm dabei, in dem er Handbücher für einige der Bausätze schrieb, im Austausch dafür erhielt er Bausätze. 1972 aber entwickelte Texas Instruments einen eigenen Chip für Taschenrechner und begann komplette Taschenrechner für etwas mehr als die Hälfte des damals üblichen Marktpreises zu verkaufen. MITS und viele andere Firmen wurden durch diesen Umstand praktisch zerstört, und Roberts hatte nun Probleme, seine Schulden von einer halben Million US-$ zurückzuzahlen.

Mit der Vorstellung des Intel 8008 1972 und des verbesserten Nachfolgers 8080 1974 begannen einige Bastler, Mikrocomputer-Bausätze zu entwerfen. Im Juli 1974 wurde der Mark-8 in Radio-Electronics beworben. Der Bausatz wurde nur in Form von Bauplänen auf Papier verkauft, und obwohl ihm kein kommerzieller Erfolg beschieden war (oder gerade deshalb), bewog es die Redakteure von Popular Electronics dazu, als Erste einen kompletten Bausatz zu verkaufen. Zu diesem Zeitpunkt ist der weitere Verlauf der Geschichte unklar.

Die Konstruktion

Roberts suchte nach einem guten Geschäft für die CPU und brachte Intel schließlich dazu, ihm 8080-CPUs, die kosmetisch beschädigt waren, zu 75 $ statt des normalen (allerdings nur als symbolische Anspielung auf IBMs System/360-Mainframe zu verstehenden) Preises von 360 $ zu verkaufen.

Als nächstes musste ein Name für den noch namenlosen Bausatz gefunden werden; Roberts schlug zu Ehren von Popular Electronics PE-8 vor. Les Solomon, der technische Leiter bei Popular Electronics, suchte jedoch nach einem einprägsameren Namen. Wie er später erzählen sollte[1], habe er dabei seine Tochter gefragt (die sich gerade eine Folge von Raumschiff Enterprise ansah) wie der Computer auf der Enterprise heiße. Der hatte jedoch keinen Namen, aber die Crew um Captain Kirk flog gerade zum Altair.

Die Einführung

Das erste funktionierende Muster wurde umgehend nach New York zu Popular Electronics verschickt. Aufgrund eines Streiks bei der Transportfirma kam dieses Exemplar aber nie an und ist seither verschollen. Jedoch hatte Solomon bereits Fotos vom Altair gemacht und schrieb den Artikel nun basierend auf den Fotos, während Roberts umgehend ein zweites Exemplar baute. Der Bausatz wurde am 19. Dezember 1974 offiziell verfügbar gemacht.

Der Bausatz wurde im Januar 1975 in Popular Electronics vorgestellt. Da immer mehr Elektronik digital wurde, wandten sich die Hobbyelektroniker jener Zeit dem Computer zu, waren aber mit den Fähigkeiten und der Flexibilität der damals erhältlichen Computerbausätze unzufrieden. Der Altair hatte diese Nachteile nicht und hatte das Potential, wirklich von Nutzen zu sein. Außerdem war er auf Erweiterbarkeit ausgelegt und ermöglichte alle möglichen Experimente. Roberts musste 200 Bausätze im ersten Jahr verkaufen, um die Gewinnschwelle zu erreichen – stattdessen trafen bereits am ersten Tag 200 Bestellungen ein und vermehrten sich auf mehrere Tausend im ersten Monat.

Nach nur sechs Monaten tauchte auf dem Markt die erste Konkurrenz in Form des IMSAI 8080 auf, der zusätzlich über eine Tastatur, Monitor und einen Floppy-Disk-Controller verfügte. Roberts war aufgebracht und verbrachte immer mehr Zeit damit, konkurrierende Firmen auszubooten, anstatt den Altair zu verbessern. 1976 waren schließlich eine Anzahl Bausätze erhältlich, die dem Altair voraus waren, und als Roberts von den aufkommenden Computerläden verlangte, nur noch den Altair zu verkaufen, wandten sich diese der Konkurrenz zu. So wurde MITS aus dem Markt geworfen, den sie selber erschaffen hatten.

Technik

Die erste Version des Altairs (diejenige, die verloren ging) bestand aus vier Karten, die übereinander gestapelt wurden. Die Bauteile für den kompletten Rechner passten nicht auf eine einzelne Hauptplatine. Ein weiteres Problem war, dass viele Teile, um den Altair überhaupt richtig nützlich zu machen, noch gar nicht existierten oder bis zur Vorstellung noch nicht fertig entwickelt sein würden.

Deshalb entschied sich Roberts bei der Konstruktion des zweiten Modells, den Rechner auf austauschbaren Karten aufzubauen und die Hauptplatine so auf nichts mehr als eine Verbindung zwischen den einzelnen Karten zu reduzieren (Backplane). Das Basismodell bestand aus fünf Platinen, darunter eine für die CPU (2 MHz Intel 8080) und eine für den Arbeitsspeicher (256 Byte, erweiterbar auf 64 KB). Später gab es als zusätzliche Karten Massenspeicher (Lochstreifen und Datasette), Ein/Ausgabe-Geräte (u.a. ein RS232-Interface) und Speichererweiterungen.

Anschließend musste noch eine günstige Steckverbindung gefunden werden – Roberts fand diesen im Randstecker mit 100 Pins. Das Ganze nannte er den S-100-Bus. Der S-100 wurde durch die professionelle Computergemeinde anerkannt und so zum ersten im Industriestandard unter der Nummer IEEE 696 genormten Bussystem. Er wurde außerdem zur Basis weiterer konkurrierender Mikrocomputer (z.B. IMSAI, SOL, Cromemco).

Im Grunde genommen war dieser Bus nicht anderes als die Pins der CPU auf die Backplane geführt. Der Aufbau war nicht überdacht; so wurden verschiedene Stromleitungen mit unterschiedlichen Spannungen nebeneinander geführt, was Kurzschlüsse begünstigte. Eine weitere Kuriosität des Systems war, dass es über zwei unidirektionale 8 bit breite Datenbusse verfügte, aber nur einen bidirektionalen 16 bit breiten Adressbus. Aus Kostengründen wurden außerdem Netzteile verwendet, die +8Volt und +18Volt Spannung lieferten, die auf den Karten auf die Standardspannungen von TTL (+5V) und RS-232 (+12V) heruntergeregelt werden mussten.

Das Gerät selbst verfügte nicht über die heute übliche Peripherie, nicht einmal über eine Tastatur. Das Frontpanel verfügte über LEDs zur Anzeige von Adress- und Datenleitungen, sowie Kippschaltern zur bitweisen Programmierung (siehe auch Maschinenkonsole). Mit dem ersten Modell des Altairs konnte man also nicht viel mehr machen, als die LEDs in verschiedenen Variationen blinken zu lassen. Trotzdem wurden viele in dieser Form verkauft, bevor zusätzliche Karten verfügbar waren.

Software

Von den Microsoft-Gründern Paul Allen und Bill Gates wurde der Altair mit einem BASIC-Interpreter ausgerüstet. Um Altair BASIC gab es später einen Rechtsstreit zwischen Pertec Computer Corporation – die MITS übernahmen – und Microsoft.

Literatur und Quellen

  • Paul Freiberger, Michael Swaine: Fire in the Valley – The Making of the Personal Computer; ein Buch über die Entstehung des Personal Computers, in dem auch ausführlich über den Altair 8800 berichtet wird, ISBN 0-07-135892-7
  1. Computer verstehen, Time-Life Bücher, 1990, S. 97, ISBN 90-6182-871-6

Weblinks


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