Macartney-Mission

Macartney-Mission
Reiseskizze von Lord Macartneys Audienz bei Kaiser Qianlong in Jehol

Die Macartney-Mission war eine 1793 vom britischen König Georg III. nach China geschickte Gesandtschaft.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Seit ihren ersten Vorstößen ins Reich der Mitte im Jahre 1635 war der Britischen Ostindien-Kompanie die Ausübung ihrer Handelstätigkeit vom Kaiserhof nur unter restriktiven Auflagen gestattet gewesen. Die einzigen Außenhandelshäfen waren Zhoushan, Xiamen und Kanton, ab 1760 sogar nur noch letzterer. Dort konnten sich die britischen Kaufleute aber nicht frei bewegen, sondern lebten in einer Art Ghetto und durften mit den chinesischen Handelshäusern nur über die Vermittlung der Kaufleute der Cohong-Gilde sowie vom Hof bestellter Handelsbeamter, so genannte Hoppos, kommunizieren. Dazu kamen allerlei verwaltungstechnische Schikanen sowie monopolistisch-administrative Preisfestsetzungen zulasten der Fremden.

Verlauf

Kaiser Qianlong
Lord George Macartney

Im Zuge des Aufstiegs Englands zur Weltmacht und dem damit verbundenen Selbstbewusstsein war der Hof in London entschlossen, diese diskriminierende Praxis zu beenden. Im September 1792 schickte er daher den diplomatisch versierten nordirischen Peer Lord George Macartney mit drei Kriegsschiffen, 66 Kanonen und einem hundertköpfigen, aus Wissenschaftlern, Künstlern, Wachen, Dienern und Chinesischlehrern bestehenden Gefolge in das Reich der Mitte. Zu den Mitgliedern der Gesandtschaft gehörten unter anderem der spätere zweite Sekretär der Admiralität John Barrow und der Deutsche Johann Christian Hüttner. Beide verfassten später einen Bericht über die Reise.

Nach seiner Ankunft in Kanton durfte er, da er vorgab zu Kaiser Qianlongs 80. Geburtstag gekommen zu sein, direkt nach Tianjin weitersegeln. Die Engländer wurden schließlich im September 1793 im Sommerpalast von Jehol mit großem Zeremoniell, gleichwohl aber als Gesandtschaft eines unterlegenen, tributpflichtigen Volkes, empfangen.

Trotz großzügiger Gastgeschenke zog sich Macartney bereits dadurch den Unmut des Kaisers zu, dass er darauf beharrte, vor dem Kaiser lediglich das Knie zu beugen, anstatt sich im protokollarisch korrekten Kotau zu Boden zu werfen. Sein Ersuchen um Aufhebung der genannten weitreichenden Handelsbeschränkungen sowie um Gestattung der Errichtung einer britischen Botschaft in Peking, wurden vom Kaiser mit freundlicher Bestimmtheit zurückgewiesen.

Geradezu legendär geworden ist Qianlongs Antwort: Die „demütigen“ Gaben des Königs seien nur aus Höflichkeit und Respekt angenommen worden. In Wahrheit besitze das Reich der Mitte, dem Könige aller Reiche ehrerbietig Tribut zollten, alle Dinge. „Raffinierte Gegenstände“ habe man nie sonderlich geschätzt und bedürfe in keiner Weise der Erzeugnisse Englands. Über Macartneys entschuldbare Unwissenheit hinsichtlich der chinesischen Bräuche sehe man duldsam hinweg. Die Forderungen seines Königs widersprächen aber jeglicher dynastischen Überlieferung, seien unausführbar und würden auch für England keine guten Folgen zeitigen. Jeder Versuch, außerhalb Kantons Handel treiben zu wollen, würde daher von den Qing-Beamten mit unnachsichtiger Härte bestraft werden und hätte die sofortige Ausweisung der betroffenen Kaufleute zur Folge.

Hinter dieser Antwort versteckte sich die Bemühung des Kaisers, einerseits die europäischen Kolonialmächte aus China herauszuhalten, andererseits die chinesischen Exportüberschüsse mittels Protektionismus abzusichern.

Ergebnisse

Der Gesandtschaft blieb damit nichts anderes übrig, als sich auf dem Landweg nach Kanton zu begeben, um sich dort nach Europa einzuschiffen. Das Unternehmen hatte die Britische Ostindienkompanie ein kleines Vermögen gekostet, ohne den geringsten Erfolg zu haben. Ähnlich ergebnislos verlief 1816 die so genannte Amherst-Mission. Im Ersten Opiumkrieg (1838-1842) wurden die von Macartney erhobenen Forderungen dem Kaiserreich gewaltsam abgepresst, das ehemals gegenüber England so selbstbewusste China sollte in der Folge zu einem halbkolonialen Handelsgebiet herabgewürdigt werden.

Verweise

Literatur

  • Grover Clark: China am Ende? Goldmann, Leipzig 1936
  • Johann Christian Hüttner: Nachricht von der britischen Gesandtschaftsreise durch China und einen Teil der Tartarei, 1792–94. Thorbecke, Sigmaringen 1996, ISBN 3-7995-0600-4 (Fremde Kulturen in alten Berichten 1)
  • Jonathan D. Spence: Chinas Weg in die Moderne. Hanser, München 1995, ISBN 3-446-16284-4
  • George Staunton (Hrsg.), Johann Christian Hüttner (Übersetzer): Reise der englischen Gesandtschaft an den Kaiser von China, in den Jahren 1792 und 1793. Geßner, Zürich 1. Band 1798 (Digitalisat); 2. Band 1799 (Digitalisat)

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