Madame X (1929)


Madame X (1929)
Filmdaten
Originaltitel Madame X
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1929
Länge 91 Minuten
Stab
Regie Lionel Barrymore
Drehbuch Willard Mack nach dem Stück La Femme X von Alexandre Bisson
Produktion MGM
Kamera Arthur Redd
Besetzung
  • Ruth Chatterton als Jaqueline Floriot
  • Lewis Stone als Louis Floriot
  • Raymond Hackett als Raymond Floriot
  • Ullrich Haupt als Laroque

Madame X ist ein US-amerikanisches Melodrama mit Ruth Chatterton unter der Regie von Lionel Barrymore. Der Film war stilbildend für eine ganze Reihe von Folgeproduktionen.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

Jaqueline Floriot ist einer langweiligen Ehe mit einem wesentlich älteren Mann der besten Gesellschaft gefangen. Ihre Bedürfnisse nach Romantik und Abwechslung treiben sie schließlich zu einer leichtfertigen Liaison mit einem anderen Mann, der ihr Liebe vorheuchelt. Sie verlässt ihren Ehemann und ihr über alles geliebtes Kind, um ihnen einen Skandal zu ersparen. Als Jaqueline für einen Besuch bei ihrem schwer erkrankten Sohn zurückkehren will, kommt es zum Eklat. Louis, ihr bigotter Ehemann, verweist sie des Hauses und gibt ihr eine gewisse Summe an Geld, damit sie nie wieder in die Nähe seiner Familie kommt. Jaqueline ist schwer getroffen, und ihr Abstieg innerhalb der Gesellschaft beginnt. Sie macht die Bekanntschaft des Falschspielers Laroque und wird dessen Geliebte. Beide touren um die halbe Welt, und Jaqueline verfällt zunehmend dem Alkohol. Jahre später, völlig verarmt, kehren die beiden nach Frankreich zurück. Laroque findet heraus, wer Jacqueline in Wirklichkeit ist, und will ihren Ehemann, der sie bereits vor Jahren offiziell für tot erklären ließ, erpressen. In einer Aufwallung von Mutterliebe erschießt Jaqueline Laroque, um ihrem Sohn die Schande der Enthüllung zu ersparen. Sie wird des Mordes angeklagt und bekommt als Pflichtverteidiger ihren eigenen Sohn gestellt, der natürlich nicht weiß, wer die verhärmte alte Vettel ist, die vor ihm sitzt. Während des gesamten Prozesses weigert sich Jaqueline beharrlich, ihren wahren Namen gekannt zu geben, und wird schließlich als Madame X zum Tode verurteilt.

Hintergrund

Ruth Chatterton war ein bekannter Name am Broadway, als sie 1928 im reifen Alter von 35 den Sprung nach Hollywood mit einem Vertrag bei Paramount Pictures machte. Sie gab ihr Debüt in einem Stummfilm neben Emil Jannings und das Studio wusste zunächst nichts mit Chatterton anzufangen. Erst mit dem Aufkommen des Tonfilm begann ihr Aufstieg zur First Lady of Talkies und zum größten Star des Studios. Maßgeblich dafür war ihr Auftritt in Madame X. Der Film basiert auf dem Stück La Femme X von Alexandre Bisson von 1908 und war bereits mehrfach adaptiert worden, so 1920 mit Pauline Frederick in der Titelrolle.

MGM hatte die Rechte an dem Stück erworben und übertrug die Regie auf Lionel Barrymore. Der Schauspieler, Mitglied der berühmten Barrymore-Dynastie, hatte bereits in den 1910er bei einigen Filmen Regie geführt, war dann aber wieder zur Schauspielerei gewechselt. Irving Thalberg bat Barrymore persönlich, erneut auf den Regiestuhl zurückzukehren, da er dem erfahrenen Bühnenstar zutraute, die Anforderungen des neuen Mediums des Tonfilms nach einer völlig anderen Art der Inszenierung, genüge tun würde. Barrymore nahm die Verantwortung mit Humor. Angesichts der Panik, die die Studios in diesen Jahren des Umbruchs ergriff und sie zu endlosen Soundtests trieb, also dem Ausprobieren, ob die Stimmen der Schauspieler für die Anforderungen des Tonfilms geeignet seien, kommentierte er mit dem Satz:

Speech has been a success for thousands of years and now they are testing it.
Die Sprache ist seit tausenden von Jahren ein Erfolg. Und jetzt testen sie sie.

Andererseits begriff Barrymore auch, dass es nicht reichen würde, ein bekanntes Theaterstück einfach nur Szene für Szene auf die Leinwand zu bringen, da der Film andere dramatische Elemente brauchte als nur den Dialog.

Action will remain the chief ingredient of these little cultural dramas of ours. […] The main difference will be that the titles will from now on be uttered -- preferably in something approximating English -- instead of printed.
Aktion und Handlung werden auch weiterhin die wichtigsten Bestandteile des Films bleiben. […] Der einzige Unterschied wird sein, dass die Dialoge nicht mehr auf Zwischentiteln erscheinen, sondern gesprochen werden, und das hoffentlich in etwas, das ungefähr unserem Englisch ähnelt.

Als Regisseur inszenierte Barrymore Madame X gegen den Trend der Zeit ohne Begleitmusik als intensives Drama. Im Gegensatz zu dem damals aktuellen Stil, die Handlung eines Films durch nahezu ununterbrochene Dialoge voranzutreiben, baute Barrymore mehrere dramatische Pausen ein, in denen nur das ausdrucksvolle Gesicht von Chatterton die Leinwand beherrschte. Gleichzeitig löste Lionel Barrymore sich von der statischen Schauspielführung der Anfangstag des Tonfilms, wo die noch primitive Aufnahmetechnik die Akteure zwang, ihre Dialoge unbewegt in nur schwach kaschierte Mikrophone zu sprechen. In Madame X bewegen sich die Schauspieler jedoch frei durch die Szene, und die gesamte Handlung bekommt dadurch zusätzlichen Schwung und eine gewisse Natürlichkeit. Barrymore ließ die Mikrophone dazu auf beweglichen Kränen über den Schauspielern schweben. So gewannen die Schauspieler ihre Bewegungsfreiheit zurück, und die Inszenierung wirkte weniger statisch und theatralisch. Diese Innovation wurde boom microphone genannt, eine Technik, die zeitgleich von den Regisseuren Cecil B. DeMille und W. S. Van Dyke ebenfalls eingeführt wurde.

Dorothy Parker arbeitete ein Zeitlang für MGM und war auch für Madame X als Drehbuchautorin eingeplant. Ihr Entwurf versuchte, das altmodische Melodrama zeitgemäßer zu gestalten und die antiquierte Moral weiblicher Selbstaufopferung an die Erfordernisse einer gewandelten Gesellschaft anzupassen. Als ihr Skript verworfen wurde, meinte Parker zynisch:

Why not jazz up the story? Stick in a few hot numbers and call it Mammy X!
Versuchen Sie doch, die Geschichte etwas aufregender zu machen: Werfen Sie einige heiße Musiknummern rein, und nennen Sie das Ganze dann Mammy X!

Der Film wurde einer der größten finanziellen Erfolge des Jahres und gewann unter anderem Oscarnominierungen für Chatterton als Bester Hauptdarstellerin und für Lionel Barrymore als Bester Regisseur.

Madame X war stilbildend für eine Unzahl von ähnlichen Filmen wie Die Sünde der Madelon Claudet, The Secret of Madame Blanche, Blonde Venus, The House on 56th Street, The Life of Vergie Winters, I Found Stella Parrish, Confession. Gewisse Variationen war möglich, so war der Sohn statt des Verteidigers der Ankläger der unbekannten Mutter, oder die Frau wurde ungewollt schwanger und musste ihr Kind zu Pflegeeltern geben. Auch gab es Variationen, die der Heldin ein gewisses Happy-End versprachen, so Once a Lady, ebenfalls mit Chatterton oder Give Me Your Heart mit Kay Francis. Ruth Chatterton drehte in der Folgezeit etliche kaum kaschierte Remakes ihres Hits, so Sarah and Son und Frisco Jenny.

Madame X wurde unter anderem 1937 mit Gladys George und 1966 mit Lana Turner in der Hauptrollen erneut erfolgreich verfilmt.

Kritik

Variety schrieb begeistert:

Pictures of this caliber and their makers are entitled to untold commendation […] in lending to the screen a quality that the screen needs. Pictures like Madame X confound the reformers, elevate the name of pictures and tell the world that there is an art in film making.
Filme von diesem Kaliber und ihre Macher mussen uneingeschränkt empfohlen werden [...] für ihr Bemühen, der Leinwand endlich wieder die Qualität zu geben, die sie verdient. Filme wie Madame X bestätigen die Reformer, verbessern den Status des Films an sich und zeigen der Welt, dass es so etwas wie Kunst beim Filmemachen gibt.

In der New York Times war zu lesen:

Lionel Barrymore's talking pictorial transcription of Alexandre Bisson's old stage melodrama, "Madame X", which was presented last night before an enthusiastic throng, is an extraordinarily poignant production. [..] There are a number of competent performances, several of which elicited genuine applause, but without a doubt the acting of Ruth Chatterton in the title role is the outstanding achievement of the picture. She portrays the emotional spells of the saddened woman with intelligence and artistry. She abandons all idea of good looks in the latter stages of this chronicle, and sometimes as the absinthe victim and on other occasions as the remorseful mother, Miss Chatterton lends to her part acting rarely beheld on the screen.
Lionel Barrymores Debut als Regisseur, die Adaption von Alexandre Bissons altem Bühnenmelodrama Madame X, hatte gestern Premiere vor einem völlig begeisterten Publikum. Der Film ist eine wunderbare Produktion. [...] Es gibt im Film viele gute Darsteller, einige sind sogar ausgezeichnet. Doch ohne jeden Zweifel ist es Ruth Chatteron, die in der Titelrolle wirklich Außergewöhnliches schafft. Sie zeigt die emotionalen Kämpfe einer traurigen Frau mit wahrer schauspielerischer Intelligenz. Sie verzichtet im Verlauf der Handlung auf jedes Make-Up und die Darstellung einer alkoholkranken Frau und verzweifelten Mutter erlauben Miss Chatterton eine Interpretation, wie sie nur ganz selten auf der Leinwand zu sehen war.

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