Madras (Präsidentschaft)


Madras (Präsidentschaft)
Kartenausschnitt aus dem Imperial Gazetteer

Die Präsidentschaft Madras war neben der Präsidentschaft Bombay und der Präsidentschaft Bengalen eine der ursprünglichen drei großen Verwaltungseinheiten der Britischen Ostindien-Kompanie. Ihre offizielle Bezeichnung lautete Presidency of Fort Saint George. Die Präsidentschaft Madras umfasste den größten Teil Südindiens (siehe Britisch-Indien). Die erste britische Niederlassung im Stadtgebiet von Madras (Chennai) entstand 1639. Im Jahr darauf wurde mit dem Bau des Fort St. George begonnen. 1641 wurde der Platz das Hauptquartier der Kompanie an der Koromandelküste und 1653 als Präsidentschaft losgelöst von Bantam auf Java. 1763 trat der Nawab von Arcot das Umland an die Briten ab und 1766 der Nizam von Hyderabad die Northern Circars. Weitere Erwerbungen folgten im Zuge der Kriege gegen Mysore und die Marathen.

1785 trat an Stelle des Präsidenten ein Gouverneur, der dem General-Gouverneur in Calcutta (Kolkata) unterstand. 1858 ging die Hoheit über Indien an die britische Krone über. Madras bestand als Provinz bis zur Unabhängigkeit Indiens am 15. August 1947 (siehe Geschichte Indiens). Nach der Verfassung der Republik Indien vom 26. Januar 1950 war Madras ein Staat der Gruppe A mit einem vom Präsidenten ernannten Gouverneur und einer parlamentarischen Regierung. Der Staat hatte 1951 eine Fläche von 330.976 km² und 57 Millionen Einwohner.

Zwischen 1953 und 1956 wurden die Bundesstaaten Südindiens durch den States Reorganisation Act nach den Sprachgrenzen neuorganisiert: Am 1. Oktober 1953 wurde der telugusprachige Norden von Madras ein eigener Staat mit der Bezeichnung Andhra (Hauptstadt Kurnool). Dieser wurde am 1. November 1956 mit dem ebenfalls telugusprachigen Osten des Staates Hyderabad vereinigt und in Andhra Pradesh umbenannt (Hauptstadt Hyderabad). Zum selben Zeitpunkt kamen die kannadasprachigen Teile von Madras zum Bundesstaat Mysore (1973 in Karnataka umbenannt) und die malayalamsprachigen Gebiete zu Kerala. Der tamilischsprachige Südteil verblieb beim Bundesstaat Madras. Dieser heißt seit 1969 Tamil Nadu.

Literatur

  • Der Große Brockhaus, Wiesbaden 1954
  • Imperial Gazetteer of India, 2. A., 26 Bde., Oxford 1908-1931
  • Schwartzberg, Joseph E., Hrsg.: A historical atlas of South Asia, 2. A., New York/Oxford 1992, ISBN 0-19-506869-6

Weblinks

 Commons: Madras Presidency – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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